Das Gymnasium bei St. Anna in Augsburg wurde 1531 in der Reformationszeit als protestantische Lehranstalt (Lateinschule) gegründet. Mit über 490 Jahren gehört das Gymnasium bei St. Anna zu den ältesten Gymnasien Deutschlands.

Ursprünglich in der Innenstadt bei der namensgebenden Kirche St. Anna gelegen, befindet sich das Gymnasium heute im Augsburger Antonsviertel in der Schertlinstraße. Es ist ein Gymnasium mit neusprachlichem, humanistischem und naturwissenschaftlich-technologischem Zweig (ab 2023/24), wird von rund 650 Schülern besucht und hat ein Lehrerkollegium mit 59 Lehrkräften. Zum Lehrangebot zählt mitunter Altgriechisch.

Geschichte Ab 1531 mini|hochkant=1.8|Die zweistöckige Augsburger Stadtbibliothek (links) und der dreistöckige „Hollbau“ der Lateinschule (rechts ), Kupferstich von Simon Grimm, 1676.

Mit seinem Gründungsjahr 1531, ein Jahr nach der Verkündung der Confessio Augustana auf dem Augsburger Reichstag von 1530, zählt das Gymnasium zu den ältesten Schulen im bayerischen Schwaben. Maßgeblichen Anteil am Ratsbeschluss zur Gründung einer städtischen Lateinschule hatten reformierte Prediger, insbesondere Bonifacius Wolfhart, unterstützt von dem Mediziner Gereon Sailer.K. Köberlin, a. a. O, S. 11. Ab 1537 finanzierte man die Lateinschule aus der 1464 dotierten Studienstiftung des Geistlichen Ulrich Langenmantel vom Sparren,Julius Hans: Beiträge zur Geschichte des Augsburger Schulwesens, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg, 4. Jahrgang, Augsburg, 1878, S. 27; (Digitalscan)Franz Eugen von Seida und Landensberg: Allgemeine königlich-baierische Vaterlandskunde, Augsburg, 1807, S. 554–557 des Jahrgangs; (Digitalscan) daneben wurde aber auch Schulgeld erhoben. Ursprünglich war sie in den Räumen des 1534 aufgelösten Karmelitenklosters St. Anna untergebracht und erhielt daher auch dessen Namen.

Für die bedeutende Augsburger Stadtbibliothek (heute Staats- und Stadtbibliothek Augsburg), die ihren Grundstock aus den Bibliotheken des aufgelösten Karmelitenklosters St. Anna und weiteren Augsburger Klöstern erhielt, wurde 1562/1563 an der Westseite des Annahofs ein eigenes Gebäude errichtet. Die Bibliothek war für lange Zeit, nicht nur räumlich, eng mit der Lateinschule verbunden. Der Schulrektor war jahrhundertelang auch der Augsburger Stadtbibliothekar. Die Chronologie der Rektoren/Bibliothekare beginnt mit Sixtus Birck.

Eine Stiftung ermöglichte die Eröffnung eines Schulinternats, des Anna-Kollegs (auch Sankt-Anna-Kollegiums) im Jahr 1582. Es wechselte im Lauf der Jahrhunderte mehrfach seinen Standort und besteht bis heute.

Von 1613 bis 1616 erbaute Elias Holl auf dem Nachbargrundstück des ehemaligen Klosters neben der Stadtbibliothek ein eigenes Gebäude für die Lateinschule bei St. Anna im Stil der Renaissance. 1616 zog die Schule in diesen Bau um und verblieb dort im „Hollbau“ am Annahof für die nächsten 351 Jahre. Im 18. Jahrhundert erwarb die sprachliche und humanistische Lateinschule den Ruf einer Eliteschule.

Nach 1800 mini|Der Erweiterungsbau an der Fuggerstraße

Nach der Säkularisation wurde 1807 in der vormals Paritätischen Reichsstadt die protestantische Schule bei St. Anna mit dem aufgelösten Jesuitenkolleg St. Salvator in den Räumen von St. Anna zusammengelegt. Auf Wunsch der Bürger und unterstützt durch eine Spende zum Ankauf eines Gebäudes wurde die erneute Trennung der Schulen 1827 angeregt und 1835 vollzogen. Die katholischen Schüler zogen in das Gymnasium bei Sankt Stephan in die neu gegründete Benediktinerabtei St. Stephan um.

1872 wurde die Personalunion des Leiters des Gymnasiums und der Stadtbibliothek aufgebrochen. 1893 zog die Bibliothek in einen Neubau an der Schaezlerstraße um und der Altbau an der Fuggerstraße wurde abgerissen. An seiner Stelle wurde ein Erweiterungsbau des Gymnasiums erbaut und um 1900 fertiggestellt.

Seit 1967 Im Jahr 1967 verließ die Schule das Gebäude bei St. Anna und zog in einen Neubau an der Schertlinstraße im Stadtteil Antonsviertel um. Die ehemaligen Gebäude des Gymnasiums in der Innenstadt, die unter Denkmalschutz stehen, haben neue Nutzungen gefunden. Der „Hollbau“ wird heute vom Evangelischen Forum Annahof für Seminare und Veranstaltungen genutzt. Der Erweiterungsbau an der Fuggerstraße 10 dient heute als Gerichtsgebäude.

1973 wurde das neue Gebäude des Gymnasiums an der Schertlinstraße um einen Trakt erweitert, den Erweiterungsbau, kurz E-Bau. Seit Mai 2006 fanden dort Umbauarbeiten in der ehemaligen „Zentralstelle für Computereinsatz im Unterricht“ statt, die im April 2007 beendet wurden. Es entstanden dort unter anderem eine Mensa – das Annaretto –, ein Raum für die Hausaufgaben- und Nachmittagsbetreuung (HAnnA) und zwei Seminarräume.

Im Schuljahr 2006/2007 beging die Schule ihr 475-jähriges Gründungsjubiläum. Dieses wurde unter anderem durch einen Festakt im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses, einen Festgottesdienst in der St.-Anna-Kirche und mehrere Musical-Aufführungen in der Schulturnhalle gefeiert.

Seit 2011 ist das Gymnasium bei St. Anna Referenzschule für Medienbildung. Es verfügt über eine sehr gute Medienausstattung sowie eine Mediencharta.

Bedeutende Schulangehörige 1482–1542: Gerhard Geldenhauer, Rektor des Gymnasiums 1531–1532 1501–1554: Sixtus Birck, Dramatiker und Kirchenliederdichter, ab 1536 Rektor des Gymnasiums 1516–1580: Hieronymus Wolf, deutscher Humanist, ab 1557 Rektor des Gymnasiums 1527–1602: Hieronymus Fröschel, Jurist, Augsburger Geschichtsschreiber und Stadtadvokat 1545–1602: Nikolaus von Reusner, Rechtswissenschaftler, Lehrer am Gymnasium (1565–1566) 1548–1610: Johannes Busereuth, Rechtswissenschaftler, Mediziner und Hochschullehrer, Schüler am Gymnasium 1549–1618: Georg Henisch, Humanist und Mediziner, Lehrer am Gymnasium (1576–1617) 1556–1617: David Höschel, deutscher Humanist, Schüler und ab 1593 Rektor des Gymnasiums 1560–1617: Zacharias Geizkofler, Reichspfennigmeister des Heiligen Römischen Reichs, Schüler am Gymnasium 1567–1654: Fortunat von Juvalta, Schweizer Staatsmann, Schüler am Gymnasium 1573–1653: Elias Ehinger, lutherischer Theologe, Schüler und Rektor (1618–1629 und 1632–1635) 1577–1629: Thomas Wegelin, lutherischer Theologe, Schüler 1628–1686: Anton Reiser, lutherischer Theologe, Schüler und Rektor (1672–1675) 1657–1717: Daniel Merck, Violinist und Komponist, Schüler 1684–1742: Johann Matthias Hase, Mathematiker, Astronom und Geograf 1696–1770: Jakob Brucker, evangelischer Theologe und Historiograf 1721–1788: Johannes Esaias Nilson, Miniaturmaler, Zeichner und Kupferstecher 1731–1808: Paul von Stetten, Augsburger Stadtpfleger 1744–1820: Christoph Caspar Höschel, Mechaniker (Nachfolge Brander) und Lehrer für Mathematik/Physik 1759–1835: Daniel Eberhard Beyschlag, Lehrer und Bibliothekar, später Rektor des Gymnasiums 1759–1842: Johann Leonhard Späth, Professor für Mathematik und Physik, zeitweise auch für Forstwissenschaft 1761–1837: Ernst Häußler, Musiklehrer, Sänger und Komponist 1761–1826: Jakob Hübner, Entomologe 1761–1833: Carl Ludwig Giesecke, Schauspieler und Mineraloge 1771–1839: Augustin Stark, Professor der Mathematik und Konrektor 1773–1816: Gerhard Adam Neuhofer, Schriftsteller und Philologe 1781–1838: Johann Benedikt von Paris, Kämmerer des Königreiches Bayern 1801–1847: Joseph Gambihler, Lehrer und Publizist 1801–1874: Georg Caspar Mezger, Pädagoge und Bibliothekar, Schüler, Professor und Rektor (1840–1872) 1801–1861: Christian Wurm, Gymnasiallehrer, Schriftsteller, Philologe und Lexikograf 1802–1857: Albert Höfer, katholischer Geistlicher 1804–1879: Donat Müller, deutscher Komponist 1807–1853: Jacob Friedrich Benedict Schmid, Augsburger Bankier 1807–1895: Ignaz Lachner, Komponist und Dirigent 1808–1873: Charles Louis Napoléon Bonaparte, 1848 bis 1852 französischer Staatspräsident und von 1852 bis 1870 als Napoleon III. Kaiser der Franzosen 1809–1874: Marcus Joseph Müller, Orientalist und Hochschullehrer 1811–1893: Vinzenz Lachner, Komponist, Dirigent und Musikpädagoge 1813–1887: Moritz Wagner, Naturforscher und Schriftsteller, später Honorarprofessor in München 1814–1888: Paulus Birker OSB, Gründungsabt von St. Bonifaz in München 1814–1872: Anton Friedrich Spring, Professor für Medizin und Rektor der Universität Lüttich 1820–1906: Gustav Bauer, Mathematiker 1825–1898: Gustav Bissinger, Altphilologe und Ehrenbürger von Erlangen 1827–1880: Konstantin Freiherr von Schaezler, katholischer Theologe 1838–1893: Johannes von Widenmayer, Jurist und Bürgermeister von München 1839–1911: Ludwig Keller, Bürgermeister von Ansbach und Landtagsabgeordneter 1842–1928: Paul von Schmid, Bankier in Augsburg 1844–1910: Emil Schürer, evangelischer Theologe und Judaist 1858–1941: Friedrich von Müller, Internist und Hochschullehrer 1865–1923: Ernst Troeltsch, evangelischer Theologe 1867–1942: Theodor Schmidt, Landtagsabgeordneter und Theologe 1868–1949: Otto Stählin, klassischer Philologe 1870–1962: Ludwig Robert Müller, Internist und Hochschullehrer 1871–1908: Justus Köberle, evangelischer Theologe und Alttestamentler 1871–1949: Albert Rehm, klassischer Philologe 1875–1959: Ernst Wüst, klassischer Philologe, Gymnasiallehrer, Oberschulrat 1880–1967: Wolfgang von Schaezler, Jurist und Gutsherr 1882–1965: Werner Immler, Flugzeugtechniker, Schüler und Lehrer am Gymnasium 1883–1975: Wilhelm Stählin, evangelischer Theologe und Bischof 1885–1964: Max Unold, Maler, Grafiker und Schriftsteller 1887–1967: Hans Meinzolt, evangelischer Theologe und Honorarprofessor 1887–1964: Georg Wünsch, evangelischer Theologe und Kirchenpolitiker 1891–1918: Adolf Ritter von Tutschek, Jagdflieger 1889–1977: Fritz Schwimbeck, Kunsterzieher, Maler und Grafiker 1904–1974: Erhart Kästner, Schriftsteller 1907–1971: Willi Leininger, Komponist, Musik-Dozent, Journalist 1908–1993: Helmut Gollwitzer, evangelischer Theologe, Schriftsteller und Sozialist 1908–1984: Theodor Schieder, Historiker 1910–1995: Julius Doerfler, nationalsozialistischer Studentenfunktionär und Arzt 1922–2004: Wolfgang Zorn, Historiker und Hochschullehrer 1923–2014: Ernst Kern, Chirurg und Hochschullehrer 1925–2021: Karl-August Keil, Mathematiker, Schüler und Lehrer am Gymnasium 1928–2015: Wolfgang Fikentscher, Jurist 1935–2019: Wolfgang Frühwald, Literaturwissenschaftler 1938: Peter Kuhn, Theologe, Judaist und Hochschullehrer 1940–2020: Tilo Prückner, Schauspieler 1945–1982: Rainer Werner Fassbinder, Regisseur und Filmproduzent 1951: Michael Hagemeister, Historiker und Slawist 1953: Bernd Roeck, Historiker 1957: Stefan Endres, Mediziner (Immunologe) 1957: Reinhold Leinfelder, Paläontologe und Geobiologe 1957: Magdalena Bushart, Kunsthistorikerin 1959: Ulrich Noethen, Schauspieler 1960: Michael Griebel, Mathematiker und Informatiker 1960: Heio von Stetten, Schauspieler 1961: Dieter Breit, evang. Theologe, Politikbeauftragter der ELKB 1969: Jörg Ganzenmüller, Historiker 1979: Antonia Michaelis, Kinder- und Jugendbuchautorin 1983: Dominik Bösl, Informatiker, Philosoph und Hochschullehrer 1993: Maximilian Funke-Kaiser, Bundestagsabgeordneter

Literatur

Siehe auch Liste von Schulen in Augsburg

Weblinks

Website des Gymnasiums bei St. Anna Gymnasium bei St. Anna im Augsburger Stadtlexikon

Einzelnachweise

St Anna Kategorie:Augsburg-Antonsviertel Augsburg Kategorie:Bildungseinrichtungsgründung 1531 Augsburg Kategorie:Elias Holl