PEN International ist ein internationaler Autorenverband. Er wurde am 5. Oktober 1921 von der englischen Schriftstellerin Catherine Amy Dawson Scott in London gegründet.Geschichte auf penclub.at, abgerufen am 29. April 2021. Die Abkürzung P.E.N. (ein Apronym des englischen Worts pen, ‚Schreibfeder‘) stand ursprünglich für Poets, Essayists, Novelists („Dichter, Essayisten, Romanautoren“). Seitdem Vertreter aller schreibenden Berufe Mitglieder sein können, hat der Name nicht mehr diese Bedeutung.

Die Mitgliedschaft in einem PEN-Zentrum steht grundsätzlich allen Autoren unabhängig von Nationalität, Sprache, Hautfarbe oder Religion offen, die zwei eigenständige Publikationen aufweisen können. Die Aufnahme ist dabei nach dem englischen Club-Prinzip organisiert: Mitglied eines PEN-Zentrums kann nur werden, wer aus den Reihen der Mitglieder des betreffenden Zentrums für eine Zuwahl vorgeschlagen wird. Der Vorschlag muss von mindestens zwei Bürgen aus dem Zentrum getragen werden, und die Mehrheit der Mitgliederversammlung muss der Zuwahl zustimmen. Eigenbewerbungen gelten als verpönt und werden häufig abgelehnt. Das neue Mitglied muss sich außerdem unterschriftlich zu den Grundsätzen der Charta des Internationalen PEN bekennen.

Die Gründung fand wenige Jahre nach dem Ersten Weltkrieg statt. Zunächst lagen die Schwerpunkte des PEN darin, Frieden und Völkerverständigung zu fördern und dabei möglichst viele Nationen einzubinden. Angesichts von Verfolgung, Unterdrückung und Zensur von Schriftstellern in aller Welt setzte sich der PEN zunehmend für deren Rechte und die Durchsetzung freier Meinungsäußerung ein. 1960 wurde deshalb das Komitee Writers in Prison gegründet. Es dokumentiert Fälle von Unterdrückung, Zensur, Inhaftierung und Ermordung von Schriftstellern und Publizisten, prangert diese Fälle öffentlich an und übt dadurch Druck auf die betreffenden Regierungen aus. Da es allerdings nicht immer möglich war, Schriftsteller innerhalb ihres Landes wirksam vor Verfolgung zu schützen, wurde Ende der 1990er Jahre das Writers in Exile Network gegründet, das verfolgten Autoren ermöglicht, vorübergehend oder dauerhaft in für sie sichereren Ländern unterzukommen.

Organisation Der PEN International fungiert als Dachverband für 144 Zentren in 102 Ländern und ist beratendes Mitglied der UNESCO.Liste der NGOs in der UNESCO Das Präsidium des Internationalen PEN setzt sich aus den Mitgliedern der einzelnen PEN-Zentren zusammen, die auf der Vollversammlung (Assembly of Delegates) gewählt werden: Präsident, Sekretär, Schatzmeister und sieben Beisitzer. Der Verwaltungssitz des Verbandes befindet sich in London, derzeitige Präsidentin ist Jennifer Clement. Jedes PEN-Zentrum ist als eine eigenständige Organisation anzusehen, mit eigener Verwaltung und Präsidium, in deren innere Angelegenheiten sich der Internationale PEN grundsätzlich nicht einmischt.

PEN International finanziert sich zum größten Teil aus den jährlichen Mitgliederbeiträgen der einzelnen Zentren. Ausstehende Beiträge, aber auch schwere interne Konflikte können dazu führen, dass ein Zentrum für gewisse Zeit für dormant, also für ruhend erklärt wird. Das Zentrum hat in dieser Zeit keine Stimmberechtigung in der Vollversammlung. Über den Dormancy-Status wird in der Vollversammlung abgestimmt und im darauffolgenden Jahr erneut diskutiert.

Einmal jährlich findet der internationale PEN-Kongress statt, jedes Jahr in einem anderen Land, und wird von dem jeweiligen, nationalen PEN-Zentrum ausgerichtet und organisiert. Die Veranstaltungsorte werden auf der Vollversammlung für mehrere Jahre im Voraus festgelegt.

Jedes stimmberechtigte PEN-Zentrum entsendet zwei Delegierte zur Vollversammlung, die für gewöhnlich in den ersten Tagen des Kongresses stattfindet. In der Vollversammlung wird über organisatorische Themen diskutiert und abgestimmt, außerdem werden Vorstandswahlen abgehalten.

Zudem finden während der Kongresse die Sitzungen der zahlreichen PEN-Komitees statt, zu nennen wären das Translation and Linguistic Rights Committee, das Writers for Peace Committee, das Writers in Prison Committee, das Women Writers’ Committee und das sogenannte Exile Network.

PEN International betont allerdings auch, dass die Kongresse Begegnungen zwischen den Kulturen ermöglichen und die Gemeinschaft der Schriftsteller in aller Welt stärken sollen. Zu diesem Zweck sind, häufig während der zweiten Hälfte des Kongresses, Lesungen, Feiern und Empfänge angesetzt, wobei das Augenmerk auf der Literatur des jeweiligen Gastlandes liegt und der Kongress jedes Jahr unter einem anderen Motto veranstaltet wird.

Charta Der PEN Deutschland veröffentlicht folgende Charta (ZitatPEN Charta des PEN Deutschland, abgerufen am 12. Mai 2023):

Die PEN-Charta gründet sich auf Resolutionen, die auf internationalen Kongressen angenommen worden sind, und soll wie folgt zusammengefasst werden.

Der PEN-Club vertritt die folgenden Grundsätze:

*Literatur kennt keine Landesgrenzen und muss auch in Zeiten innenpolitischer oder internationaler Erschütterungen eine allen Menschen gemeinsame Währung bleiben.

*Unter allen Umständen, und insbesondere auch im Krieg, sollen Werke der Kunst, der Erbbesitz der gesamten Menschheit, von nationalen und politischen Leidenschaften unangetastet bleiben.

*Mitglieder des PEN sollen jederzeit ihren ganzen Einfluss für das gute Einvernehmen und die gegenseitige Achtung der Nationen einsetzen. Sie verpflichten sich, mit äußerster Kraft für die Bekämpfung jedweder Form von Hass und für das Ideal einer einigen Welt und einer in Frieden lebenden Menschheit zu wirken.

*Der PEN steht für den Grundsatz eines ungehinderten Gedankenaustauschs innerhalb einer jeden Nation und zwischen allen Nationen, und seine Mitglieder verpflichten sich, jeder Art der Unterdrückung der freien Meinungsäußerung in ihrem Lande, in der Gemeinschaft, in der sie leben, und wo immer möglich auch weltweit entgegenzutreten. Der PEN erklärt sich für die Freiheit der Presse und verwirft jede Form der Zensur. Er steht auf dem Standpunkt, dass der notwendige Fortschritt in der Welt hin zu einer höher organisierten politischen und wirtschaftlichen Ordnung eine freie Kritik gegenüber Regierungen, Verwaltungen und Institutionen zwingend erforderlich macht. Und da die Freiheit auch freiwillig geübte Zurückhaltung einschließt, verpflichten sich die Mitglieder, solchen Auswüchsen einer freien Presse wie wahrheitswidrigen Veröffentlichungen, vorsätzlichen Fälschungen und Entstellungen von Tatsachen für politische und persönliche Ziele entgegenzuarbeiten.

Die Charta entspricht der im Jahre 1948 auf dem PEN-Kongress in Kopenhagen angenommenen Charta und dient seither seinen Mitgliedern als Leitfaden, Richtschnur und Inspiration.https://www.pen-international.org/who-we-are PEN International: Wer wir sind (englisch), abgerufen am 12. Mai 2023

Geschichte

Gründungsphase (1921–1926) Die Gründung des PEN am 5. Oktober 1921 durch die Schriftstellerin Catherine Amy Dawson Scott in London war von der Friedensbewegung geprägt, die sich bereits Mitte des 19. Jahrhunderts formierte. Dawson Scott hatte bereits den „To-Morrow-Club“ – einen Vorläufer des PEN – ins Leben gerufen. Man könnte also sagen, der PEN sei zunächst als eine Art „Dinner Club“, also eine literarische „Freundegesellschaft“, gegründet worden, die sich jedoch im Laufe der Zeit zu einer internationalen Schriftstellervereinigung von Rang entwickelt habe.

Frühe Mitglieder des Clubs waren Joseph Conrad, George Bernard Shaw und H. G. Wells. In die europaweit schnell gegründeten Zentren traten zudem Autoren wie Anatole France, Thomas Mann, Paul Valéry und Benedetto Croce ein, die eine aktive Rolle im Leben und Arbeiten des PEN einnahmen. Über die Jahre traten der Vereinigung weitere Nobelpreisträger und bedeutende Schriftsteller bei.

Der erste Präsident des PEN war John Galsworthy. Dawson Scott und Galsworthy legten in den ersten Jahren des PEN vor allem Wert darauf, im Sinne der Völkerverständigung zu wirken, um so einen dauerhaften Frieden zwischen den Völkern zu sichern. Hermann Kesten über John Galsworthy: „Offenbar glaubte er, es müßten nur Autoren aller Sprachen Freunde werden und geschworene Bürgen von Frieden und Freiheit, so müßten ihnen bald alle Völker, ihre Leser, folgen und in Frieden und Freiheit einander wie gute Freunde behandeln.“ Für Politik hingegen sahen Dawson-Scott und Galsworthy keinen Platz in ihrem Club, das Motto lautete: „No politics, under no circumstances“.

1923 fand der erste internationale PEN-Kongress in London statt. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich bereits elf nationale PEN-Zentren dem sich rapide vergrößernden Verband angeschlossen, im Jahr darauf bereits achtzehn. An diesem Kongress, oder vielmehr an der Teilnahme einer deutschen Delegation unter Gerhart Hauptmann, entzündete sich die erste politische Kontroverse innerhalb des PEN. Die belgische Delegation weigerte sich, am Kongress teilzunehmen, was vornehmlich der Anwesenheit Hauptmanns geschuldet war, der im Ersten Weltkrieg vor allem durch nationalistische Parolen von sich reden gemacht hatte.

Die Haltung der belgischen Schriftsteller wurde hauptsächlich vom französischen Literaturnobelpreisträger Romain Rolland kritisiert, der in der Zeitschrift Europe sinngemäß schrieb, wollte man mit dem intellektuellen Austausch warten, bis alle Verbrechen gesühnt seien, wäre kein Stein mehr von Europa übrig.Thomas von Vegesack: „Notes of the Early History of the International PEN Club“Christa Dericum: .

In den ersten Jahren des Verbandes entstanden neue PEN-Clubs vorwiegend in Europa, außerdem der US-amerikanische PEN-Club, der 1922 in New York gegründet wurde, und der kanadische PEN, der 1926 in Montreal entstand.

Bis 1926 war der PEN auf rund fünfundzwanzig Zentren angewachsen, darunter auch Österreich, die Niederlande, die Tschechoslowakei, Polen, Ungarn und die Zentren von Kroatien, Slowenien und Serbien, welche bis 1941 den Verband der jugoslawischen PEN-Zentren bildeten.

1926 fand der vierte internationale PEN-Kongress in Berlin statt, zu dem 15 nationale PEN-Clubs ihre Delegierten entsandten. Dieser Kongress, der auch als Geste der Versöhnung gegenüber den immer noch als Kriegstreibern verschrienen Deutschen gedacht war, fand jedoch nicht von allen Seiten Beifall. Vor allem die jüngeren deutschen Schriftsteller, darunter Bertolt Brecht, Kurt Tucholsky, Alfred Döblin und Willy Haas, störten sich an dem Zusammenschluss, den sie als wenig zeitgemäß empfanden und kritisierten den Verband in einer Weise, die vor allem John Galsworthy maßlos entsetzte. Dennoch gelang es dem damaligen Präsidium des deutschen PEN, Karl Federn und Ludwig Fulda, viele der jungen Schriftsteller im Laufe der folgenden Jahre in den Club einzubinden.

Diskussionen um politische Ausrichtung des PEN (1927–1938) 1927 wurden in Bulgarien, Schottland, Estland und Finnland PEN-Clubs gegründet, im Jahr darauf in Lettland. 1930 wurde der chinesische PEN gegründet, 1931 das australische und 1934 das neuseeländische PEN-Zentrum. Kleinere PEN-Clubs wie der in Bulgarien spielten jedoch nur eine marginale Rolle in dem internationalen PEN-Netzwerk.Irina Gigova: The Bulgarian PEN Club: A Study in Interwar Cultural Internationalism, in: East European Politics and Societies and Cultures, Jg. 34 (2020), Nr. 3, S. 685–711, .