Körprich ist ein Ort im Nalbacher Tal an der unteren Prims, der zur Gemeinde Nalbach im saarländischen Landkreis Saarlouis gehört und ungefähr 2000 Einwohner hat.

Geschichte Mittelalter mini|Körprich, Blick vom Homrich aus auf das Dorf mini|Körprich, Kapelle mini|Körprich, Blick vom Hoxberg aus auf das Nalbacher Tal mit dem Litermont mini|Körprich, Blick von der Hoxbergstraße ins Primstal mini|Körprich, Blick vom Hoxberg aus auf den Bupricher Wald mini|Körprich, Blick vom Homrich auf den Hoxberg mini|Mündung der Theel (rechts) in die Prims (links) an der Grenze der Gemarkungen von Körprich und Knorscheid Seit seiner mittelalterlichen Gründung ist Körprich mit den Talgemeinden des unteren Primstales Bilsdorf, Diefflen und Piesbach dem Hauptort Nalbach unterstellt. Körprichs urkundliche Ersterwähnung datiert auf das Jahr 1327. Der Ortsname leitet sich von der Körpricher Kapelle her, die dem Erzengel Michael geweiht ist. Sie war bis zur Errichtung der Dieffler Pfarrkirche St. Josef und St. Wendelin in den Jahren 1899–1900 nach der Nalbacher Pfarrkirche St. Peter und Paul das zweitgrößte Sakralgebäude des Nalbacher Tales. Die in Hanglage errichtete Körpricher Kapelle, die erstmals im Jahr 1330 in der Taxa generalis subsidiorum cleri Trevirensis urkundlich erwähnt worden war,Wilhelm Fabricius: Taxa generalis subsidiorum cleri Trevirensis, in: Trierisches Archiv, 8, 1905, S. 1–52. gab dem heutigen Ort Körprich (abgeschliffene Form von „Kirchberg“) seinen Namen. Im Laufe der Geschichte kam es immer wieder zu Klagen der Bevölkerung, dass die Körpricher Kapellengemeinde durch die Nalbacher Pfarrer seelsorglich schlecht betreut sei (so 1448 und 1691). Rechtliche Angelegenheiten wurden jedes Jahr vor dem Portal der Nalbacher Kirche unter der Gerichtslinde in den sogenannten Weistümern ausgehandelt und verkündet.

Frühe Neuzeit Im Jahr 1530 unternahm Eisenbarth von Völklingen einen Raubzug gegen Körprich. Im ausgehenden 16. und beginnenden 17. Jahrhundert wurde der Ort vom Hexenwahn heimgesucht und es kam zu Verurteilungen und Hinrichtungen, die auf dem Nalbacher Galgenberg vollzogen wurden. Im Jahr 1611 wurde der Chor der Körpricher Kapelle neu aufgebaut.

Dreißigjähriger Krieg Im Dreißigjährigen Krieg kam es im Nalbacher Tal zu schweren Verwüstungen durch schwedische, französische und kroatische Truppen. Zwei Drittel der Talbevölkerung wurden getötet oder mussten fliehen.

Reunionspolitik Um das Jahr 1664 war Charles Henri Gaspard de Lenoncourt, Marquis de Blainville, Herr von Dillingen, († 1713), ein hoher lothringischer Adeliger und Gründer der Dillinger Hütte, Vogt in der kurpfälzischen Vogtei des Nalbacher Tales geworden. Er besorgte im Jahr 1681 die sogenannte Reunierung des Nalbacher Tales mit dem Königreich Frankreich unter König Ludwig XIV. Ziel dieser Reunionspolitik war es, dass Gebiete des Heiligen Römischen Reichs, die nach französischer Auffassung mit bestimmten, unter französischer Souveränität stehenden Territorien rechtlich verbunden waren, mit Frankreich „wiedervereint“ werden sollten. Auf diese Weise wurden bis 1688 große Teile des heutigen Saarlandes und seiner Nachbargebiete in den französischen Staat eingegliedert, da das Heilige Römische Reich zu einem militärischen Widerstand nicht in der Lage war (nicht zuletzt wegen des gleichzeitigen Türkenkrieges). Im Jahr 1697 erhielt das Heilige Römische Reich die französischen Reunionen im Saarland, darunter auch die Talorte mit Körprich, durch den Frieden von Rijswijk jedoch wieder zurück.

Auswanderungen Aufgrund der schlechten Lebensverhältnisse im Nalbacher Tal kam es um 1750 zu einer Auswanderungswelle in das von den Türkenkriegen entvölkerte Ungarn. Die Regierung des Kaisers in Wien versuchte, Neusiedler für die verheerten Gebiete in der ungarischen Tiefebene zu werben. Mit der Versprechung von kostenlosem Acker- und Bauland, Baumaterial, Saat- und Pflanzgut für Getreide und Wein, Steuerfreiheit in den ersten Siedlungsjahren, freiem Transport mit Verpflegung und medizinischer Betreuung von den Sammelstellen bis nach Ungarn sollten Auswanderungswillige gefunden werden. Die Saarregion stellte mit 5000 Auswanderern einen nicht unbeträchtlichen Teil. Das Nalbacher Tal entließ damals 96 Bewohner vom Kleinkind bis zum Greis. Aus Nalbach kamen 36 Auswanderer, aus Piesbach 34, aus Körprich 20 und aus Bilsdorf 6. Ob Diefflen Auswanderer stellte, ist bisher unbekannt. Die Auswanderungen begannen um 1750 und zogen sich bis nach 1780 hin. Hauptschübe waren im Jahr 1751 und 1766.Colesie, Georg: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Auflage, Nalbach 1990, S. 140–142.

Französische Revolution Im Jahr 1774 wurde das Schiff der Körpricher Kapelle neu erbaut. Nachdem Frankreich im Jahr 1792 Österreich den Krieg erklärt hatte, bezog Österreich Stellung im Nalbacher Tal. In der Folgezeit kam es zu Gefechten zwischen Österreichern und Franzosen und zu Plünderungen der Talgemeinden. Im Jahr 1794 konnte das revolutionäre Frankreich das Nalbacher Tal besetzen und gliederte Körprich mit den übrigen Talgemeinden seinem Herrschaftsgebiet ein. Seit 1798 gehörte Körprich mit dem Nalbacher Tal zum Département de la Sarre (Saardepartement). Mit dem Sturz Napoleon Bonapartes war das Nalbacher Tal durch den Ersten Pariser Frieden nicht mehr Teil Frankreichs. Es unterstand einer österreichisch-bayerischen Landesadministrationskommission, die am 16. Januar 1814 mit Sitz in Kreuznach installiert worden war. Dies war als Provisorium gedacht, da noch nicht abschließend geklärt war, welcher Macht das Nalbacher Tal als Teil der zurückgewonnenen linksrheinischen deutschen Gebiete zufallen sollte. Das bedeutete, dass die östliche Banngrenze von Dillingen und Pachten und die westliche Banngrenze von Diefflen für mehr als ein Jahr zugleich Staatsgrenze war.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Aufl. Nalbach 1990; S. 170.

Übergang zum Königreich Preußen Nach der Rückkehr Napoleons und dessen endgültiger Niederlage bei Waterloo am 18. Juni 1815 sowie seiner Verbannung auf die Insel St. Helena wurden im Zweiten Pariser Frieden auch Dillingen und Pachten von Frankreich abgetrennt und mit dem gesamten Nalbacher Tal an das Königreich Preußen (Rheinprovinz) übergeben.

Das gesamte Nalbacher Tal war unter der preußischen Verwaltung zunächst dem Landkreis Ottweiler zugeteilt worden. Am 1. Juli 1816 kam es dann vom Landkreis Ottweiler zum Landkreis Saarlouis. Laut Volkszählung des Jahres 1821 hatte das Nalbacher Tal 335 Häuser, 375 Haushaltungen und 1950 Einwohner.Motte, Bernhard: Handschrift in der Stadtbücherei Saarlouis, nach Colesie, Georg: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Aufl., Nalbach 1990, S. 173 u. 187.

Von 1821 bis 1829 wurde das Nalbacher Tal von der Bürgermeisterei Fraulautern aus in Personalunion verwaltet, da die aus sechs Dörfern bestehende Samtgemeinde Nalbacher Tal (als Rechtsform 1815 gegründet) die Verwaltungskosten für das Bürgermeisteramt nicht aufbringen konnte. Zu der Samtgemeinde gehörten alle Nalbacher Talgemeinden. Ab 1830 ging die Bürgermeisterverwaltung des Nalbacher Tales von Fraulautern an Saarwellingen (Personalunion) über und dauerte bis zum 31. Dezember 1899 an. Dabei bildeten Nalbach und Saarwellingen eine Doppelbürgermeisterei unter der Leitung des Bürgermeisters von Saarwellingen.

Im Jahr 1876 wurde der bis dato existierende Körpricher Michaelsmarkt unterhalb der Kapelle abgeschafft. Die Kapelle wurde in den Jahren 1897/1898 vergrößert.

Bis zum Jahr 1877, als man einen hölzernen Steg über die Prims baute, überquerte man den Fluss etwas oberhalb der heutigen Straßenbrücke mit Hilfe einer Fähre. Die rechte Primsseite war damals noch nicht bebaut und wurde nur landwirtschaftlich genutzt. Da der hölzerne Steg dem Hochwasser und dem Eisgang im Winter nicht standhielt, wurde der Fährbetrieb im Jahr 1880 wieder eingeführt. Die Überfahrt betrug damals pro Person bei Normalwasser drei Pfennige und bei Hochwasser fünf Pfennige.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Auflage, Nalbach 1990, S. 228.

20. Jahrhundert Infrastruktur und Wirtschaft In den Jahren 1899–1901 wurde das Nalbacher Tal mit dem Bau der Eisenbahnstrecke Dillingen/Saar-Primsweiler an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Damit erhielt Körprich einen eigenen Haltepunkt, obwohl der Nalbacher Bürgermeisterreirat die Verlegung der Gleise auf der rechten Primsseite gefordert hatte. Für die Gemeinden des Nalbacher Tales gab es nun einen Bahnhof Nalbach, der allerdings auf Saarwellinger Gemarkung lag und einen Haltepunkt in Körprich. Der neue Haltepunkt trug allerdings die Bezeichnung Bilsdorf und nicht Körprich. Fahrkarten konnte man zunächst nur in einer nahegelegenen Gastwirtschaft, dann in einer provisorischen Baracke erwerben. Das Bahnhofsgebäude wurde erst im Jahr 1930 errichtet. Mit dem kommunalen Zwangszusammenschluss von Körprich und Bilsdorf im Jahr 1935 wurde der Bahnhof dann in „Bahnhof Körprich“ umbenannt. Die Personenbeförderung auf der Eisenbahnstrecke Dillingen-Primsweiler wurde von der Deutschen Bundesbahn mit dem 1. Juni 1980 eingestellt. Die Strecke wird allerdings zum Güterverkehr weiter befahren.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Auflage, Nalbach 1990, S. 228–229.

Im Jahr 1903 erfolgte der Bau einer massiven Primsbrücke mit fünf Pfeilern und vier Bögen in Körprich. Im Jahr 1912 wurde die Straßenbahnlinie Dillingen-Diefflen-Nalbach eröffnet (1955 Stilllegung zu Gunsten von Autobussen).Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Aufl. Nalbach 1990; S. 251–252.

Durch den Bau der Eisenbahn konnte im Jahr 1901 in Körprich auch eine größere Dampfziegelei errichtet werden. Die Produktion des Unternehmens schloss im Jahr 1966. In den 1980er Jahren wurden die Produktionsgebäude mit den Schornsteinen gesprengt., abgerufen am 7. Dezember 2016. Erster Weltkrieg Im Ersten Weltkrieg starben 20 Körpricher Soldaten.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Aufl. Nalbach 1990; S. 229.

Saargebiet Durch den Friedensvertrag von Versailles wurde Körprich mit dem Nalbacher Tal als Teil des Saargebietes ab 1920 dem Völkerbund unterstellt und kehrte erst 1935 nach der Volksabstimmung vom 13. Januar zum Deutschen Reich zurück.

Der Anschluss Körprichs an das elektrische Stromnetz erfolgte in den Jahren 1920 bis 1923. Eine eigene Körpricher Pfarrkirche wurde im Jahr 1926 errichtet. Im selben Jahr wurde eine zentrale Wasserleitung mit Hausanschlüssen gebaut.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales, Eine saarländische Heimatgeschichte, 2. Auflage, Nalbach 1990, S. 229. mini|Stimmzettel zur Saarabstimmung 1935 Für die Gesamtgemeinde Nalbach mit Diefflen, Piesbach, Bildsorf und Körprich waren die Ergebnisse der Volksabstimmung vom 13. Januar 1935 folgendermaßen:Ergebnis der Volksabstimmung im Saargebiet vom 13. Januar 1935, Veröffentlichung des Generalsekretariates des Völkerbundes, Gemeindearchiv Nalbach. Stimmberechtigte: 6.191 Abgegebene Stimmen: 6.140 Gültige Stimmen: 6.105 Weiße Stimmzettel: 23 Ungültig gemachte Stimmzettel: 12 Für den Anschluss an die Französische Republik stimmten: 13 (= 0,2 %) Für den Status quo stimmten: 705 (= 11,6 %) Für die Rückgliederung an das Deutsche Reich stimmten: 5.387 (= 88,2 %)

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg mini|Körprich auf der Panoramakarte „Die Deutsche Saar“ zur Saarabstimmung 1935, ca. 1934, hrsg. vom Rheinischen Verkehrsverein e. V. Bad Godesberg und vom Pfälzischen Verkehrsverein e. V. Ludwigshafen, ca. 1:100.000, 72 cm × 46 cm, Stadtarchiv Saarlouis