mini|hochkant=1.3|Augsburger Dom von Südosten (2011) mini|hochkant=1.3|Gleicher Blickwinkel auf einem Stahlstich von 1837 Der Hohe Dom Mariä Heimsuchung zu Augsburg, kurz Augsburger Dom, ist die Kathedrale des Bistums Augsburg und Stadtpfarrkirche der Dompfarrei Zum Heiligsten Herzen Jesu.https://www2.bistum-augsburg.de/pfarreien/pfarrei-filialsuche-a-z/augsburg-dom-hlgst-herz-jesu_id13664?filter_initial=A&brickId=search-parish6682 Er gilt als einer der bedeutendsten Kirchenbauten Bayerns und eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Stadt Augsburg. Die Ursprünge des Domes datieren auf das 8. Jahrhundert. Die heutige Anlage entstand im Kern ab 995. Der Dom stellt die einzige erhaltene ottonische Bischofskirche Deutschlands sowie einen der ältesten Sakralbauten und Bischofssitze nördlich der Alpen dar. Das romanische Langhaus wurde im 14. Jahrhundert um einen gotischen Hochchor erweitert. 1690 diente der Augsburger Dom als Krönungskirche Joseph I. zum römisch-deutschen König und Eleonore Magdalene zur römisch-deutschen Kaiserin.
Geschichte Vorgeschichte mini|Grundriss des ehemaligen romanischen Doms, erbaut 995–1006 Der Dom liegt innerhalb der Stadtmauern der ehemaligen römischen Provinzhauptstadt Augusta Vindelicum. Unter dem romanisch-gotischen Dom konnten 1978/79 Fundamente aus dem 4. Jahrhundert ergraben werden, die möglicherweise auf eine frühchristliche Kirche und einen Bischofssitz hinweisen. Allerdings wurden hierfür bisher noch keine Nachweise in den Quellen gefunden. Auf eine christliche Gemeinde dieser Zeitstellung deutet nur eine Grabinschrift, die im Bereich der ehemaligen Johanneskirche neben dem Dom gefunden wurde. Die jüngste Auswertung älterer Grabungsergebnisse bestätigt, dass die ursprüngliche Bischofskirche von Augsburg, eine spätantike Transeptbasilika, auf dem Areal der Kirche St. Gallus, in Nachbarschaft der heutigen Abtei St. Stephan lag.Denis Mohr: Die Überreste der spätantik-christlichen Transeptbasilika unter der Galluskapelle in Augsburg und ihre figürliche Wandmalerei In: Jahrbuch für Augsburger Bistumsgeschichte. Band 1 - 59-1/2025, Anton H. Konrad Verlag, 2025
Die ersten nachweisbaren Dombauten entstanden unter den Bischöfen Wikterp († um 772) und Simpert, dessen Bischofskirche 805 geweiht wurde. Die älteste erhaltene urkundliche Erwähnung des Mariendomes stammt von 822. Beschädigungen infolge der Ungarneinfälle ließ Bischof Ulrich ab 923 beseitigen. Der Westbau stürzte 994 ein, unmittelbar danach begann Bischof Liutold mit Unterstützung von Kaiserin Adelheid – die den Einsturz angeblich in einer Vision vorausgesehen haben soll – mit einem Neubau des Domes. Dieser begann mit Westchor und nördlichem Querhaus und war wohl schon im Jahr 1006 mit dem Mittelschiff fertiggestellt. Er bildet mit Westquerhaus und Mittelschiff immer noch den Kern des heutigen Domes.
Weitere größere Baumaßnahmen gab es unter Bischof Heinrich II. Ihr genaues Ausmaß ist unklar, gesichert ist aber, dass es sich hierbei um Veränderungen an einem vollständigen Bauwerk handelte und nicht um die Fertigstellung eines unterbrochenen Baus. Abgeschlossen waren diese Umbauten unter Heinrichs Nachfolger Embriko, der 1065 einen Hauptaltar im Westchor weihte. In einer weiteren Baumaßnahme wurde um das Jahr 1178 das komplette Quer- und Langhausdachwerk ersetzt.Vgl. Angelika Porst und Reinhold Winkler (2011).
Erweiterungen mini|Grundriss des erweiterten Doms Ab 1331 wurde der bis dahin romanische Dom in gotischen Formen ausgebaut. Er erhielt doppelte Seitenschiffe, wie sie zu dieser Zeit auch am Kölner Dom entstanden, und im Mittelschiff spitzbogige Kreuzrippengewölbe. Bischof Marquard I. von Randeck legte 1356 den Grundstein für den mächtigen Ostchor, der erst 1431 vollendet war. Der Ostchor des Augsburger Domes ist das Ergebnis einer komplexen Baugeschichte.Georg Himmelheber: Der Ostchor des Augsburger Doms. Ein Beitrag zur Baugeschichte (= Abhandlungen zur Geschichte der Stadt Augsburg Band 15). H. Rösler, Augsburg 1963. Durch jüngere Untersuchungen konnte die komplizierte Planungs- und Bauabfolge geklärt werden: 1356–69 wurden unter Marquard I. von Randeck und Walter II. von Hochschlitz die Umfassungsmauern des Kapellenkranzes errichtet, 1369–75 folgte der Bau der Außenmauern des Langchores nach vereinfachtem Plan, möglicherweise für einen Hallenchor, 1375–96 wurde unter Burkhard von Ellerbach der Rohbau mit dem Chorobergaden fertiggestellt, dessen Polygonschluss bis zur Achskapelle vorgeschoben wurde, 1400–13 wurde der Chor unter Anselm von Nenningen eingewölbt und 1424–50 unter Kardinal Peter von Schaumburg der Innenausbau vollendet.Christian Kayser: Der Ostchor des Augsburger Domes In: Jahrbuch der bayerischen Denkmalpflege 68/69, 2014/2015, S. 21–78. Als Erstplanung konnte ein anspruchsvoller kathedralgotischer Chorumgang mit offenem Strebewerk identifiziert werden, der dann in vereinfachter Form vollendet wurde.Reinhard Wortmann: Ein hypothetischer Kathedralchorplan des Augsburger Domostchores. In: Kunstgeschichtliche Studien für Kurt Bauch zum 70. Geburtstag von seinen Schülern. Deutscher Kunstverlag, München 1967, S. 43–50. Seine ursprüngliche Konzeption hatte eine Nachbildung des monumentalen Kölner Domchores vorgesehen.Johann Josef Böker: Der Augsburger Dom-Ostchor: Überlegungen zu seiner Planungsgeschichte im 14. Jahrhundert, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben 77, 1983, S. 90–102; Hubert Hufnagel: Zur Baugeschichte des Ostchors des Augsburger Domes, in: Architectura, Zeitschrift für Geschichte der Baukunst, Jg. 1987, S. 32–44. Dessen auf regelmäßiger Triangulatur aufbauendes Grundrissschema wurde in Augsburg angewandt.Georg Schelbert: Die Chorgrundrisse der Kathedralen von Köln und Amiens. In: Kölner Domblatt, 62 (1997), S. 85–110, hier 107–108.Als Baumeister des Augsburger Ostchores konnte entsprechend der bisherige Parlier an der Kölner Dombauhütte, Heinrich Parler der Ältere, namhaft gemacht werden, der ab 1351 auch den Chorbau am Heilig-Kreuz-Münster von Schwäbisch Gmünd leitete.Marc Carel Schurr: Die Baukunst Peter Parlers. Der Prager Veitsdom, das Heiligkreuzmünster in Schwäbisch Gmünd und die Bartholomäuskirche zu Kolin im Spannungsfeld von Kunst und Geschichte. Ostfildern 2003; S. 50 f. – Marc Carel Schurr: Von Meister Gerhard zu Heinrich Parler. Gedanken zur architekturgeschichtlichen Stellung des Kölner Domchores. In: Kölner Domblatt 68, 2003, S. 107–148. – Marc Carel Schurr: Die Erneuerung des Augsburger Domes im 14. Jahrhundert und die Parler. In: Martin Kaufhold (Hrsg.): Der Augsburger Dom im Mittelalter, Augsburg 2006, S. 49–59. Die originale Grundrisszeichnung des Augsburger Domostchores hat sich in einer Nachzeichnung der Zeit um 1500 erhalten und bestätigt damit die Erstplanung als voll ausgebildeter kathedralgotischer Umgangschor.Johann Josef Böker u. a.: Die Architektur der Gotik: Ulm und der Donauraum. Ein Bestandskatalog der mittelalterlichen Architekturzeichnungen aus Ulm, Schwaben und dem Donaugebiet. Müry & Salzmann, Salzburg 2011, Nr. 72. Den neuen Chor überragten die Kirchtürme kaum noch. Die Aufstockung des Südturms in romanischem Stil erfolgte erst in der Zeit der Spätgotik, 1487, fast ganz in Backstein. Die Steinsäulen der Triforien stammten wahrscheinlich aus dem Geschoss darunter, dessen Fenster zur Verbesserung der Stabilität zugemauert wurden.
Neuzeit 1537–1548 verwüsteten protestantische Bilderstürmer das Gotteshaus. Die zerstörte Ausstattung wurde während der Gegenreformation allmählich ersetzt. Auch der Nordturm wurde 1565, ebenfalls in romanischem Stil, erhöht. 1655–1658 wurde das Dominnere in barocken Formen um- und ausgestaltet. Später kamen noch einige Kapellenanbauten hinzu. Erhalten hat sich hiervon jedoch nur der Zentralbau der Marienkapelle am Kreuzgang. mini|Einzug Kaiser Leopolds I. seiner Frau und seines Sohnes Joseph I. 1690 in den Augsburger Dom mini|Augsburger Dom von Norden (1844)
Zwei Tage nach seiner Proklamation in der Sakristei von St. Ulrich und Afra krönte am 26. Januar 1690 Erzbischof Anselm Franz von Mainz im Dom Erzherzog Joseph zum römisch-deutschen König. Darauf folgte im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses ein feierliches Bankett. Wenige Tage zuvor, am 19. Januar 1690, fand ebenfalls im Dom die Krönung Eleonore Magdalene von Pfalz-Neuburg zur römisch-deutschen Kaiserin durch den Erzkanzler Placidus von Droste statt. Die Messe hielt ihr Bruder Alexander Sigismund von der Pfalz, seit 1690 Fürstbischof von Augsburg. Der Pfälzer Erbfolgekrieg zwang Kaiser Leopold I. das Ereignis einmalig von Frankfurt am Main nach Augsburg zu verlegen.
1808/09 wurde die Bebauung südlich der Kathedrale abgebrochen und ein Parade- und Exerzierplatz angelegt. Von 1852 bis 1863 wurde die Barockausstattung beseitigt und der Dom im Sinne der Neugotik „mittelalterlich“ gestaltet. Die historisierende Ausstattung ergänzten Zukäufe bedeutender mittelalterlicher Gemälde und Plastiken. 1934 wurde die mittelalterliche Raumgestalt rekonstruiert und die Farbfassung wiederhergestellt, um die neugotischen Aspekte im Dom zu reduzieren.
Im Zweiten Weltkrieg blieb der Augsburger Dom weitgehend verschont. Lediglich bei den schweren Luftangriffen in der Nacht vom 25. auf den 26. Februar 1944 erlitt das Gebäude leichte Schäden. Rund 70 Bombentreffer wurden gezählt, doch ein rascher und koordinierter Löscheinsatz der Brandwache unter Leitung des damaligen Domkaplans Aichele verhinderte größere Zerstörungen. Unterstützt wurde die Aktion von einer Gruppe Soldaten, die einen gefährlichen Brand über der Marienkapelle erfolgreich eindämmten. Weitere Hilfe blieb aus, da das Löschen von Kirchengebäuden der örtlichen Feuerwehr untersagt war.Franz Häußler: Augsburg – Alte Stadt mit Kriegsnarben. Presse-Druck- und Verlags-GmbH, Augsburg 1984, S. 26.
Gegenwart Das Innere wurde 1983/84 umfassend restauriert und saniert. Massive umweltbedingte Schäden erforderten in den letzten Jahrzehnten den Austausch der meisten Bauteile aus Sandstein. Das neue Bronzeportal am Chor, geschaffen von Max Faller kam 2001 hinzu.
Bei seinem Augsburg-Besuch feierte Papst Johannes Paul II. am 3. Mai 1987 die Heilige Messe im Augsburger Dom. Sie sollte eigentlich an der Sportanlage Süd stattfinden, musste aber aufgrund eines Unwetters kurzfristig in die Kathedrale verlegt werden. Im Juli 2013 beschädigte ein 26-jähriger Mann zwei spätgotische Fenster des Augsburger Doms durch Steinwürfe. Betroffen waren die Fenster St. Ursula und Anbetung der Könige., bo, Augsburger Allgemeine, 31. Juli 2013.
mini|hochkant|Das St.-Ursula-Fenster, das am 31. Juli 2013 beschädigt wurde
Anlässlich von Reparaturarbeiten an der Nordturmspitze im Mai 2018 wurde dessen Turmkugel abgenommen und geöffnet. Dabei kamen Dokumente aus den Jahren 1598, 1848 und 1952 zum Vorschein, die bei Bauarbeiten in den jeweiligen Jahren in der Kugel hinterlassen wurden. Ähnliche Funde gab es bereits bei der Öffnung der südlichen Domturmkugel 1999; sie reichten bis 1490 zurück und sind seitdem im Diözesanmuseum St. Afra ausgestellt.
Zur Erinnerung an die „Augsburger Bombennacht“ vom 25. auf den 26. Februar 1944 wurde Anfang März 2019, also 75 Jahre nach dem Ereignis, an der Konradsäule des Hohen Doms eine Gedenktafel angebracht. Die Konradsäule dient als Weihwasserbecken. Gekrönt ist sie mit der Augsburger Zirbelnuss. Sie stammt vom Bildhauer Georg Chorherr und wurde nach dem Krieg als Zeichen des Dankes für die Verschonung des Doms errichtet.
Die Gedenktafel soll an den damaligen Domkaplan, Johann Aichele, und jugendliche Ministranten erinnern, die in der Bombennacht die von den Flugzeugen abgeworfenen Brandbomben zusammen mit vielen anderen aus dem Dachstuhl entfernten und den Dom damit vor der Zerstörung bewahrten.
Der Augsburger Dom untersteht dem Patrozinium Mariä Heimsuchung.
Baubeschreibung