Cream war eine britische Rockband, die von 1966 bis 1968 bestand. Bandmitglieder waren Eric Clapton, Jack Bruce und Ginger Baker. Ihr Sound war eine Mischung aus Blues, Hard- und Psychedelic-Rock. Cream gilt als die erste Supergroup in der Geschichte der Rockmusik.
Bandgeschichte mini|hochkant|Eric Clapton, 1975 mini|Jack Bruce, 1972 mini|Ginger Baker, 1980 Gründung Im April 1966 diskutierten der Gitarrist Eric Clapton und der Schlagzeuger Ginger Baker, die miteinander befreundet waren und in unterschiedlichen Bands spielten, die Möglichkeit, eine eigene Formation zusammenzustellen. Clapton brachte mit Jack Bruce als möglichen Bassisten einen Musiker in das Gespräch, mit dem Baker bereits ein Jahr zuvor in der Band Graham Bond Organization zusammengespielt hatte. Dabei war es allerdings zwischen den beiden zu handgreiflichen Auseinandersetzungen gekommen, die darin gipfelten, dass Baker Bruce aus der Band warf. Dennoch stimmte Baker gemeinsamen Sessions mit dem Bassisten zu,Ginger Baker, Hellraiser 2009. denn trotz der Spannungen zwischen Bruce und Baker achteten beide weiterhin die musikalischen Fähigkeiten des jeweils anderen. Clapton, Bruce und Baker kamen zusammen und spielten eine erste Session als Powertrio. Sie beschrieben in späteren Interviews und Biografien, dass sich sofort eine „Magie“ entfaltet habe, als sie begannen zu proben, und dabei ein Sound entstand, der die drei Musiker begeisterte.
Bei der zweiten Session der Band waren Manager Robert Stigwood und Reporter des Melody Maker anwesend. Noch bevor Cream das erste Konzert gab beziehungsweise Aufnahmen veröffentlichte, wurde der Zusammenschluss von Clapton, Baker und Bruce als Sensation in der Presse diskutiert, da sie bereits zu diesem Zeitpunkt jeweils zu den besten Instrumentalisten ihres Faches gezählt wurden. In der Musikpresse entstand daraufhin für die neu zusammengestellte Formation der Begriff „Supergroup“. Der Sound von Cream war eine Verschmelzung von hart gespieltem Blues und Jazz-Einflüssen, letztere eingebracht durch Bruce und Baker, was sich in ausladenden Improvisationen während ihrer Konzerte äußerte. Außerdem entwickelten Cream einen eigenen psychedelischen Sound. Das erste offizielle Konzert der Gruppe fand beim Windsor Jazz & Blues Festival im Juli 1966 statt.
Im Oktober 1966 wurde den Musikern von Cream, während sie ein Konzert spielten, der gerade aus den USA nach England eingereiste, noch völlig unbekannte Gitarrist Jimi Hendrix vorgestellt. Hendrix wurde von Chas Chandler, dem Bassisten der Animals, gemanagt. Chandler hatte Hendrix unter anderem mit der Aussicht auf ein Treffen mit dem von ihm bewunderten Eric Clapton davon überzeugt, nach England zu reisen. Kurz bevor Cream ihren Auftritt beendet hatten, bat Hendrix darum, auf die Bühne kommen zu dürfen, um mit der Band zu jammen. Gitarrist Clapton stimmte diesem Anliegen nur widerwillig zu. Er beschreibt in seiner Autobiografie, wie die Band den Song Killing Floor von Howlin’ Wolf anstimmte, Hendrix dazu einstieg und ihn, Clapton, quasi „an die Wand spielte“. Dennoch entwickelte sich zwischen den Musikern von Cream und Hendrix eine anhaltende Freundschaft. Clapton gibt an, dass er stark von Hendrix’ Stil beeinflusst wurde, während Hendrix häufig bei Konzerten das Cream-Stück Sunshine of Your Love spielte.
Erste Aufnahmen 1966 veröffentlichte Cream ihre erste Single Wrapping Paper unter Manager Stigwood, der dazu das Label Reaction gegründet hatte. Wrapping Paper wurde vor allem unter den Forderungen Stigwoods produziert, eine Eigenkomposition zu veröffentlichen, die kommerziellen Erfolg versprechen sollte, indem sie sich an dem damals aktuellen Pop-Sound anlehnte. Die Single brachte jedoch nicht die erhofften Verkaufszahlen, zumal sie im Sound und Komposition im krassen Gegensatz zu dem neuen und schweren Bluesrock stand, den Cream fortan entwickelte. Im Dezember 1966 wurde die Single I Feel Free veröffentlicht, die im Januar 1967 Platz elf der britischen Charts erreichte.
Fresh Cream Von Juli bis September 1966 wurde in London das erste Album Fresh Cream aufgenommen und im Dezember 1966 in Großbritannien und im Januar 1967 in den USA veröffentlicht. Es positionierte sich in den Top 10 in Großbritannien. Auf dem Album befinden sich Eigenkompositionen von Jack Bruce, der auch die meisten Stücke sang, sowie Coverversionen von Bluesstücken. Außerdem enthält es zwei Instrumentalstücke, eines davon Toad, das das Schlagzeugspiel von Ginger Baker herausstellt.
Disraeli Gears Im März 1967 gab Cream die ersten Konzerte in den USA. Vom 11. bis zum 15. Mai 1967 nahmen sie in New York ihr zweites Album Disraeli Gears auf. Produzent war Felix Pappalardi, der später bei Mountain spielte. Disraeli Gears wurde im November 1967 veröffentlicht und schaffte es in die Top 5 in Großbritannien und den USA. Das Album sollte schon im Sommer 1967 veröffentlicht werden, die Plattenfirma entschied jedoch, ein zeitgemäßeres psychedelisches Cover zu verwenden, dessen Herstellung die Veröffentlichung um mehrere Monate verzögerte.
Disraeli Gears gilt als maßgeblicher Ausdruck des Psychedelic Rock. Die Stücke auf dem Album haben eine größere Bandbreite als Fresh Cream, es gibt Bluesrock bei Strange Brew (von Eric Clapton, Felix Pappalardi und Gail CollinsRobert Jhonson: Para tocar y cantar con letras, acordes y tablaturas: Eric Clapton. Melos de Ricordi Americana, Buenos Aires 2007, ISBN 978-987-611-046-4, S. 2.), Rock bei SWLABR, psychedelische Elemente bei We’re Going Wrong und das vom Folk beeinflusste Mother’s Lament. Clapton war außerdem neben Hendrix (der diesbezüglich von Frank Zappa inspiriert wurde) einer der ersten Gitarristen, der das Wah-Wah-Pedal als Gitarreneffekt benutzte (bei Tales of Brave Ulysses). Bis auf wenige Ausnahmen waren die meisten Stücke Eigenkompositionen, wobei neben Bruce, Clapton und Baker Kollegen wie Pete Brown, Pappalardi und andere als Komponisten und Texter zeichneten.
Bei Konzerten spielte Cream von dem Album Disraeli Gears nur die Stücke Tales of Brave Ulysses, Sunshine of Your Love und We’re Going Wrong. Der Grund dafür war einerseits, dass die Musiker es vorzogen, live solche Songs zu spielen, die einfacher als Grundlage für lange Improvisationen genutzt werden konnten, und zum anderen, dass bei den Studioaufnahmen von Disraeli Gears oft eine zweite Gitarrenspur dazugefügt worden war, die so auf der Bühne nicht reproduziert werden konnte.
Nach den Aufnahmen im Mai 1967 begab sich Cream auf Tournee. Im August 1967 hatten sie ihre erste USA-Tournee als Headliner und spielten im Fillmore West in San Francisco. Einige Live-Versionen der Stücke gingen nun über zwanzig Minuten.
In diese Zeit fielen einige Veränderungen in der Rockmusik, vor allem hinsichtlich des Ablaufes von Live-Konzerten. Diese Entwicklung wurde von Cream mitgeprägt. So veränderte sich zum einen die Dauer eines Rockkonzertes von bis dahin üblichen kurzen, höchstens 30 Minuten dauernden Auftritten von Beat-Bands wie den Beatles, hin zu mehrstündigen Veranstaltungen. Anstatt kleiner Gitarrenverstärker wurden nun große, oft mehrere Verstärkertürme umfassende Anlagen für Bass oder Gitarre auf die Bühne gebracht, um den gewünschten Klang zu erzeugen. Clapton und Bruce spielten live teilweise hinter jeweils drei 100-Watt-Marshall-Verstärkertürmen. Außerdem wurden nun PA-Anlagen eingesetzt. All dies war Folge der bis dahin unzureichenden Lautstärke kleiner Verstärker in Hallen voll kreischender Zuschauer, in der sich die Bands selbst nicht mehr hören konnten, und dem neuen Anspruch der neueren Rockbands und deren Publikum an einen angemessenen Sound bei Konzerten.
Eine weitere maßgebliche kulturelle Veränderung jener Zeit war das Aufkommen der Hippies. Die seit den 1950er Jahren entstandene Jugendkultur, maßgeblich geprägt und entstanden durch den Rock ’n’ Roll, entwickelte sich ab den 1960er Jahren, nun erweitert um ideologische Standpunkte (Beatniks, Bob Dylan) und eine skeptische bis ablehnende Haltung gegenüber der etablierten Kultur der Erwachsenen zu einer eigenständigen Subkultur mit einer eigenen Ideologie. Rockmusik war bei den Anhängern dabei das wichtigste Medium, die Konzerte waren Ausdruck, Demonstration, Stammestreffen und sinnliches Ereignis zugleich. Bei Musikern wie dem Publikum gehörten Cannabis und LSD zu den entsprechenden Drogen, die zur Musik und während der Konzerte konsumiert wurden. Eric Clapton berichtet in seiner Autobiografie, wie er bei Auftritten unter LSD-Einfluss spürte, dass er mit unterschiedlichen Akkorden auf der Gitarre die Stimmung des Publikums verändern konnte und sich mit ihm verbunden fühlte.Eric Clapton, The Autobiography 2008.
Wheels of Fire Den größten kommerziellen Erfolg erreichte Cream mit ihrem dritten Album, der Doppel-LP Wheels of Fire, das die Schlüsselsongs White Room und Crossroads enthält. White Room wurde von Cream 1967 und 1968 aufgenommen und ragt aus der Rockmusik der damaligen Zeit heraus, nicht nur wegen des Textes, der in surrealer Bildersprache ein sich auf mehreren Ebenen abspielendes Drama beschreibt. Auch überrascht das Stück durch die wiederholten Wechsel vom - zum -Takt und ist – ebenso wie die auf dem Album enthaltenen Mike-Taylor-Songs Passing the Time und Pressed Rat and Warthog – ein Beispiel für die Experimentierfreudigkeit der damaligen Rockmusik.
White Room zeigte einmal mehr Claptons Fähigkeiten als Gitarrist. Dazu übernahm Baker mit seinen Fill-ins am Schlagzeug teilweise die Aufgaben eines Soloinstruments. Das Lied Crossroads, im Original ein Blues-Klassiker von Robert Johnson, gibt wieder, wie Cream es verstand, einen akustischen Bluessong in das Format der elektrisch verstärkten Rockband zu übersetzen. Diesmal übernahm Clapton den Gesang. In dieser Version lässt sich verfolgen, wie die Musiker mit der Dynamik zwischen Gesangs- und Soloparts umgingen. Der zweite Teil des Albums dokumentiert mit Konzertmitschnitten die damals für die Rockmusik neuartigen, durch den Jazz inspirierten, langen Improvisationspassagen der Instrumentalisten. Cream brachte es damit auf Platz eins der US-amerikanischen Charts und etablierte sich endgültig als Supergroup, deren Live-Auftritte jede Halle füllen konnten.
Seit Sommer 1966 war Cream ständig auf Tournee, und die Verpflichtungen stiegen mit zunehmendem Erfolg. Die Gruppe war durch Konzerte, Aufnahmen im Studio und ständigen Reisen großen Belastungen ausgesetzt. Alle drei Musiker beschreiben in ihren Biografien, dass ihr Drogenkonsum bald nicht mehr allein zur Entspannung oder Bewusstseinserweiterung diente, sondern dem Aufputschen, um das Pensum an Verpflichtungen erfüllen zu können. Zudem begünstigte dieses Klima den andauernden Konflikt zwischen Jack Bruce und Ginger Baker, die sich in zunehmendem Maße Auseinandersetzungen lieferten, die nicht allein auf verbale Angriffe beschränkt waren. Clapton, der zu vermitteln suchte, kam letztlich gegen das Konfliktpotential zwischen Baker und Bruce nicht an. Das interne Klima verschlechterte sich so stark, dass sich die Musiker 1968, im zweiten Jahr des Bestehens von Cream und auf dem Höhepunkt ihres Erfolges, während der Tourneen in verschiedenen Hotels einquartieren ließen und erst kurz vor den Auftritten vor Ort eintrafen, um sich so möglichst lange aus dem Weg zu gehen.
Ginger Baker beschrieb in einem späteren Interview, wie sich die Qualität ihrer Konzerte zunehmend verschlechterte. Gleiches sagte auch Clapton („wir haben nicht mehr aufeinander gehört“), der während eines Auftritts an einem Punkt einfach aufhörte zu spielen, ohne dass Bruce oder Baker davon Notiz nahmen. Clapton hatte das Gefühl, dass es vornehmlich darum ging, sich selbst zur Schau zu stellen. 1968 spielten Clapton und Bruce mit mehreren Marshall-Verstärkertürmen auf der Bühne, wobei Ginger Baker mit seinem Schlagzeug Mühe hatte, sich überhaupt selbst zu hören. Er beklagte sich darüber, dass Jack Bruce absichtlich seine Verstärker aufgedreht habe, um Baker zu übertönen.
Goodbye und Auflösung der Band