Groß Sankt Florian (Dialekt Florjaun, Betonung auf „a“) ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Deutschlandsberg in der Steiermark. Seit 2015 ist sie im Rahmen der steiermärkischen Gemeindestrukturreform mit der Gemeinde Unterbergla zusammengeschlossen. Die neue Gemeinde führt den Namen „Groß Sankt Florian“ weiter.Kundmachung der Steiermärkischen Landesregierung vom 14. November 2013 über die Vereinigung der Marktgemeinde Groß Sankt Florian und der Gemeinde Unterbergla, beide politischer Bezirk Deutschlandsberg. Steiermärkisches Landesgesetzblatt vom 2. Dezember 2013. Nr. 142, 34. Stück, , S. 672 (PDF; 179 kB).
Geografie Lage Die Gemeinde Groß Sankt Florian liegt im Laßnitztal, im weststeirischen Hügelland und wird von der Laßnitz, dem Vocherabach und dem Rassachbach durchflossen. Weiters liegen mehrere Teiche auf dem Gemeindegebiet.
Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus 16 Katastralgemeinden (Fläche Stand ) bzw. Ortschaften (Einwohner Stand ): Katastralgemeinde Fläche abweichender Ortschaftsname Einw. Groß St. Florian Groß Sankt Florian Grub Grub bei Groß Sankt Florian Grünau Grünau an der Laßnitz Gussendorf Hasreith Kraubath Kraubath in der Weststeiermark Krottendorf Krottendorf an der Laßnitz Lebing Michlgleinz Mönichgleinz Nassau Petzelsdorf Petzelsdorf in der Weststeiermark Sulzhof Tanzelsdorf Unterbergla Vochera an der Laßnitz
Nachbargemeinden
Die Grenze zu Deutschlandsberg ist nur ca. 60 m lang. Dieses Grenzstück liegt im Westen der KG Tanzelsdorf am Lauf des Vochera-Baches, jenseits liegt in Deutschlandsberg die KG Gersdorf (früher Gemeinde Gams).
Geschichte Das Gemeindegebiet war vor ca. 15 Mio. Jahren, im Miozän, wie weite Teile des Grazer Beckens von einem flachen Meer bedeckt. Im Boden, der aus den sog. „Florianer Schichten“ aus dem Badenium besteht, finden sich Fossilien aus dieser Zeit. Schneckengehäuse und Muschelschalen werden bei Grabungen (für Leitungen, beim Straßenbau usw.) gefunden, beispielsweise Schnecken der Art Nassarius styriacus. 2020 wurden auf diese Weise vier Schneckenarten, 15 verschiedene Muschelarten, Seeigelreste, Fische, Pflanzenreste entdeckt. Sie wurden von Mitarbeitern des Joanneums dokumentiert und archiviert.Ein kleines Fenster in die Erdgeschichte. In: Weststeirische Rundschau. Nr. 1, Jahrgang 2021 (8. Jänner 2021), 94. Jahrgang, . Simadruck Aigner u. Weisi, Deutschlandsberg 2021, S. 10.
Teile der Gemeinde liegen im Laßnitztal in jenem Bereich, in dem eine dichte Besiedlung seit der Bronzezeit durch eine Reihe archäologischer Fundstellen belegt ist. Insgesamt sind die Flächen archäologischer Grabungen in diesem Gebiet über 40 ha groß.Gerald Fuchs: Neues aus dem Laßnitztal. Archäologie im Abschnitt Weitersdorf-Wettmannstätten der Koralmbahn. In: Fundberichte aus Österreich. Band 48, Jahrgang 2009, Wien 2010, S. 290–302.
Die römische Straße im Laßnitztal verlief bei Gussendorf gerade im Laßnitztal, was zumindest drei Brückenbauten notwendig machte.Łukasz Grzywacz, Gerald Fuchs: Fundbericht In: Fundberichte aus Österreich. Herausgegeben vom Bundesdenkmalamt. Band 49, Jahrgang 2010. Verlag Berger, Wien 2012, , S. 394.
Die erste urkundliche Erwähnung eines Teils der Gemeinde ist aus dem Jahre 1056 überliefert. Kaiser Heinrich III. verlieh am 3. Juli 1056 zu Worms dem Salzburger Erzbischof Balduin ein Gebiet in Gumbrahtdesteiden (Gumprechtstätten = Groß St. Florian), das eine Größe von drei königlichen Hufen umfasste. Schon in früher Zeit erhielt der Ort eine eigene Pfarrkirche. Die Kirche Sankt Florian mit ihrem Pfarrer wurde bereits 1136 erstmals genannt. Für das Jahr 1265 ist südwestlich des Ortes Groß St. Florian eine abgekommene Siedlung (Wüstung) namens Walhesreut dokumentiert, die auf eine Rodung und den Personennamen Walcho zurückgeführt wird.Fritz Lochner von Hüttenbach: Die Rodungsnamen der Steiermark. In: Michaela Ofitsch, Christian Zinko: 125 Jahre Indogermanistik in Graz. Festband anläßlich des 125-jährigen Bestehens der Forschungseinrichtung „Indogermanistik“ an der Karl-Franzens-Universität Graz. Verlag Leykam, Graz 2000, ISBN 3-7011-0026-8, S. 248.
Es werden aber auch romanische Siedler von den Baiern als Walchen bezeichnet, was bei Namensableitungen zu bedenken ist.Fritz Freiherr Lochner von Hüttenbach: Frühe Namenschichten im Ostalpenraum. In: Ernst Eichler (Hrsg.): Probleme der älteren Namenschichten. Leipziger Symposion 21. bis 22. November 1989. In: Rolf Bergmann, Ulrich Obst, Rudolf Schützeichel, Jürgen Untermann (Hrsg.): Beiträge zur Namenforschung, Neue Folge. Beiheft 32. Carl Winter Universitätsverlag. Heidelberg 1991, , ISBN 3-533-04360-6, S. 158. Ob diese Örtlichkeit daher ihren ersten Namensteil vom altdeutschen Personennamen oder von romanischen Siedlern (diese Gegend wurde von Aquileia aus missioniert, siehe bei St. Ulrich) ableitet, ist nicht endgültig entschieden.
Spätestens Ende des 14. Jahrhunderts wurde Sankt Florian auch zum Markt erhoben, 1380 wird Sankt Florian als „forum sancti Floriani“ (Markt des heiligen Florian) urkundlich erwähnt. Ort und Pfarre gehörten bis zu dessen Neuorganisation 1786 zum Bistum Lavant, dessen bischöflichem Mensalgut sie 1371 einverleibt worden war. Der leitende Priester der Pfarre trug den Titel „vicarius perpetuus“ (Pfarrvikar). Schloss Dornegg wurde vermutlich vor 1529 als Wehrschloss durch Christoph von Raknitz erbaut, bevor es im 18. Jahrhundert von der Familie Schönborn in ein spätbarockes Wohnschloss umgewandelt wurde. War seit dem 12. Jahrhundert der Name St. Florian geläufig, so wurde die Ortsbezeichnung 1887 in Groß Sankt Florian geändert.Kundmachung des k. k. Statthalters in Steiermark vom 12. Juni 1887, Landesgesetz- und Verordnungsblatt für das Herzogthum Steiermark vom 2. Juli 1887, XXI. Stück, Nr. 34, S. 57.
1774 wurde die Blutgerichtsbarkeit des Ortes aufgehoben. Der letzte Straftäter, der am Galgen gehängt wurde, war Johann Kößlauer, ein ehemaliger Soldat, der von Diebstählen und Betrügereien lebte, dem man aber auch einen Bund mit dem Teufel nachgesagt hatte, weil er angeblich in der Lage war, sich unsichtbar zu machen und Zauberei zu betreiben. Das Galgenkreuz steht nordwestlich außerhalb des Ortes an der Tanzelsdorferstraße.Gr. St. Florian: Als „außerhalb des Marktfleckens noch das Galgenkreuz stand … und man – auch in Schwanberg – noch an Hexerei und Zauberei glaubte.“ In: Weststeirische Rundschau, Nr. 3, Jahrgang 2021 (22. Jänner 2021). 94. Jahrgang, S. 7. Nach einer Erzählung von Karl Reitterer (1860–1934) in derselben Zeitung, veröffentlicht 1944 und von Fr. Ludmilla Fetscher, der Lehrerin und Direktorin der Volksschule Groß St. Florian 1930–1945, letzteres nach: Kuno Purr: Das Galgenkreuz. In: ortsfunk, Dezember 2009, S. 8.
Ein Aufsehen erregender Mordfall ereignete sich im Mai 1929 in Gussendorf, der „Heustadlmord“: Unter den Brandtrümmern eines Heustadels wurde eine Frauenleiche und die eines neugeborenen Kindes gefunden. Die Frau war eine 20-jährige Dienstmagd aus Zirknitzberg bei St. Stefan ob Stainz, die in einer Beziehung mit einem Bauernsohn aus Gussendorf gestanden hatte. Sie war mit einem Revolverschuss in den Kopf getötet und das Gebäude in Brand gesteckt worden.„Krimis“ von einst mit „Lokalkolorit“: In: Weststeirische Rundschau Nr. 5, Jahrgang 2023 (3. Februar 2023), 96. Jahrgang, S. 18.
Am 1. Jänner 1968 wurden die Gemeinden Grünau an der Laßnitz, Gussendorf und Petzelsdorf in Weststeiermark eingemeindet.Gesetz vom 18. Dezember 1967 über Gebietsänderungen von Gemeinden, Landesgesetzblatt für die Steiermark vom 29. Dezember 1967, 26. Stück, Nr. 138, S. 188.
Am 1. Jänner 1969 folgte die Eingemeindung von Kraubath (Weststeiermark) und Lebing.Gesetz vom 3. Dezember 1968 über Gebietsänderungen von Gemeinden, Landesgesetzblatt für die Steiermark vom 27. Dezember 1968, 22. Stück, Nr. 164, S. 187. Die Gemeinde Lebing ihrerseits war erst ein Jahr zuvor aus den damaligen Gemeinden Krottendorf an der Laßnitz, Lebing, Tanzelsdorf und Vochera an der Laßnitz entstanden.
Die Gemeinden Gussendorf, Kraubath und Petzelsdorf gingen 1920 aus der Aufteilung der damaligen Gemeinde Gussendorf hervor, in deren Rahmen auch die Katastralgemeinden Wohlsdorf und Schönaich zur Gemeinde Schönaich-Wohlsdorf vereinigt worden waren.Gesetz vom 30. April 1920, Landesgesetzblatt für die Steiermark vom 30. Juni 1920, 69. Stück, Nr. 144, S. 250. Die Gemeinden Tanzelsdorf und Vochera an der Laßnitz hatten ursprünglich die Gemeinde Tanzelsdorf gebildet und waren 1893 zu eigenständigen Gemeinden geworden.Kundmachung des k. k. Statthalters in Steiermark vom 23. Jänner 1893 zum Landtagsbeschluss vom 17. September 1892, Landesgesetz- und Verordnungsblatt für das Herzogthum Steiermark vom 31. Jänner 1893, II. Stück, Nr. 4, S. 6. Der Name der Gemeinde Kraubath war mit 1. März 1949 in Kraubath (Weststeiermark) geändert worden,Kundmachung vom 1. Februar 1949, Landesgesetzblatt für die Steiermark vom 18. Februar 1949, 3. Stück, Nr. 9. S. 7. um Verwechslungen mit Kraubath an der Mur zu vermeiden. Die Namen der Gemeinden Grub, Grünau, Krottendorf und Petzelsdorf wurden mit 1. Juni 1951 in Grub bei Groß Sankt Florian, Grünau an der Laßnitz, Krottendorf an der Laßnitz und Petzelsdorf in Weststeiermark geändert.Kundmachung vom 16. Mai 1951, Landesgesetzblatt für die Steiermark vom 28. Dezember 1959, 13. Stück, Nr. 37, S. 114.
Im Rahmen der Gemeindestrukturreform wurden 2012 Wünsche geäußert, einen Teil des Gebietes der Gemeinde Stainztal statt der Gemeinde Stainz entsprechend der Pfarrzugehörigkeit der Gemeinde Groß St. Florian anzuschließen.Weststeirische Rundschau. Nr. 7, Jahrgang 2013 (15. Februar 2013), 86. Jahrgang, . Simadruck Aigner u. Weisi, Deutschlandsberg 2013, S. 21.
Bevölkerung Bevölkerungsstruktur Die Gemeinde hatte laut Volkszählung 2001 2.973 Einwohner. 96,8 % der Bevölkerung besitzen die österreichische Staatsbürgerschaft. Zur römisch-katholischen Kirche bekennen sich 95,0 % der Einwohner, 2,8 % sind ohne religiöses Bekenntnis.
Bevölkerungsentwicklung
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Schloss Dornegg um 1820, Lith. Anstalt J.F. Kaiser, Graz mini|Die Innenansicht der Pfarrkirche
Pfarrkirche Die Pfarrkirche von Groß Sankt Florian basiert vermutlich auf einer romanischen Saalkirche mit hölzerner Flachdecke aus dem 11. Jahrhundert. Archäologische Untersuchungen legten 2008 den gotischen Boden und eventuell auch das romanische Bodenniveau frei.Fundberichte aus Österreich. Herausgegeben vom Bundesdenkmalamt. Band 47, Jahrgang 2008, Wien 2009, S. 59.
Um 1350 erfolgte ein großer gotischer Zubau mit dem Nordturm. 1522 erfolgte die gotische Erweiterung mit einem Netzrippengewölbe, bevor die Kirche ab 1711 barock umgestaltet wurde und zwischen 1869 und 1873 ihr heutiges Aussehen verliehen bekam. Nach einer Innen- bzw. Außenrenovierung in den Jahren 1968 und 1980 wurde 1998 auch die barocke Orgel (1747 – Caspar Mitterreither) ersetzt.
Die Kirche besitzt einen großen Hochaltar aus 1734, ihre Ausstattung stammt aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Grabdenkmäler in der Kirche stammen aus den Jahren um 1477 (Rudolf von Hollenegg), 1529, 1558, 1593, 1624 (Familie Racknitz)Kurt Woisetschläger, Peter Krenn: Dehio Handbuch – Die Kunstdenkmäler Österreichs: Steiermark (ohne Graz). Topographisches Denkmälerinventar, hrsg. vom Bundesdenkmalamt, Abteilung für Denkmalforschung. Verlag Anton Schroll, Wien 1982, ISBN 3-7031-0532-1, S. 151–153. und 1640 (Bischof von Diözese Lavant Leonhard II. Götz).
Die Mariensäule aus der Zeit um 1737 zeigt den Hl. Nepomuk, Franz Xaver, Sebastian, Rochus, Antonius von Padua und Johannes den Täufer. Die Marienstatue wird auf die neogotische Erneuerung 1911 zurückgeführt.
Steirisches Feuerwehrmuseum mini|Steirisches Feuerwehrmuseum
Das Steirische Feuerwehrmuseum wurde 1995 eröffnet. Es zeigt Entwicklung und Aufgaben der steirischen Feuerwehren.
Römersammlung