Osterwitz ist eine Ortschaft und eine Katastralgemeinde der Stadtgemeinde Deutschlandsberg im Bezirk Deutschlandsberg in der Weststeiermark. Das Dorf war bis Ende 2014 eine selbständige Gemeinde mit 148 Einwohnern (Stand: 31. Oktober 2013)Land Steiermark: Endgültiger Bevölkerungsstand am 31.10.2013 (Excel-Datei, 72 kB; abgerufen am 3. Februar 2025) und zählte 2020 134 Einwohner. mini|Logo der Gemeinde Osterwitz (Rohrfederzeichnung von Melitta Zingler)
Geografie
Osterwitz liegt an der Grenze zu Kärnten und besteht aus einer einzigen, gleichnamigen Katastralgemeinde. Diese KG hat die Nummer 61046. Eine andere Katastralgemeinde mit gleichem Namen und der Nummer 74520 liegt bei St. Georgen am Längsee in Kärnten.
Der südliche Teil von Osterwitz liegt im Einzugsgebiet des Bet(h)leitenbaches. Dieser Bach wurde auch Osterwitzbach, Hand Alpen Bach oder (1835, siehe Karte) Lassnitz genannt. Er mündet bei Freiland in die (Niedere) Laßnitz.
Die Gewässer des nördlich-westlichen Teils münden in die Laßnitz (mit Brendlbach und Hofbauerbach), bzw. (vom Gemeindegebiet Osterwitz-Winkel) auch in den Rettenbach und dessen Zufluss, den Stoffbach.
Höchste Erhebung von Osterwitz ist die Handalm (1.853 m).
Geologie Osterwitz liegt vollständig im Kristallin der Koralpe. Der Höhenrücken, auf dem das Ortszentrum liegt, besteht aus Gneisglimmerschiefer, der – ausgenommen im Westen – von Plattengneis umgeben ist. In ihm liegen einige Pegmatite mit Quarzgängen.Geologische Karte der Republik Österreich 1:50.000, Blatt 189 Deutschlandsberg. Bearbeitet von Peter Beck-Mannagetta. Herausgegeben von der Geologischen Bundesanstalt, Wien 1991. Westlich des Ortskerns liegen zwei Streifen aus dem sehr harten Gestein Eklogitamphibolit, aus diesem Gestein bestehen auch die zwei Erhebungen namens großer und kleiner Pöschlkogel zwischen Laßnitz und Rettenbach. Der Talschluss des Rettenbachtales und der Gipfelbereich des Stoffkogels an der westlichen Grenze bestehen aus Gneisquarzit. In diesem Gebiet ist südlich der Stoffhütte eine Abbaustelle auf Glimmer verzeichnet (lt. Karte ein Stollen, Gesenk; in der Natur nicht erkennbar).Geologische Karte 1:50.000, Blatt 188 Wolfsberg. Bearbeitet von Peter Beck-Mannagetta. Herausgegeben von der Geologischen Bundesanstalt, Wien 1980. Südlich des Stoffkogels befindet sich ein Gebiet aus Hirschegger Gneis; dieses Gestein bildet auch einen Geländestreifen am Nordhang Richtung Laßnitztal.Peter Beck-Mannagetta: Bericht 1967 über Aufnahmen auf Blatt Deutschlandsberg (189) und Wolfsberg (188). In: Jahresbericht der Geologischen Bundesanstalt über das Jahr 1967. Verhandlungen der Geologischen Bundesanstalt. Heft 3 (Schlußheft). Wien 1968, S. A 19.
In der Basis eines ungefähr 80 m hohen Felsofens im Westen von Osterwitz (östlich des Bauernhofes Weberbauer) werden außerordentliche petrographische Verhältnisse beschrieben: Insgesamt rund zwei bis vier Meter dieses Gesteinsblockes bestehen aus zentimeter- bis dezimeterdicken Lagen von Amphibolit, Granatfels, Quarz-Zoisit und Muskovitschiefer, auch Boudinagen von Quarz-Granatfels kommen vor. Erst oberhalb dieser Lagen besteht der Ofen aus dem in der Gegend allgemein vorhandenen Eklogit-Amphibolit.Richard Göd: Bericht über geologische Aufnahmen auf dem Blatt Wolfsberg (188). In: Verhandlungen der geologischen Bundesanstalt. Wien 1972, Heft 3, S. A 38–A 39.
Die Koralm, in deren Gebiet Osterwitz liegt, ist reich an Mineralien. Für das Gebiet von Osterwitz ist eine Reihe von Mineralienfundstellen dokumentiert. Es liegen Belege für Apatit, Epidot, Glimmer, Hornblende, Muskovit, Quarz, Rutil, Turmalin, Glasopal, Uranopal, Feldspat und Schörl vor.Josef Taucher, Christine Elisabeth Hollerer: Die Mineralien des Bundeslandes Steiermark in Österreich. Zwei Bände mit CD-ROM. Verlag Hollerer, Graz 2001, ISBN 3-9501422-0-7, Band 2, S. 438 (mit Verweisen auf die Einzelpublikationen).
mini|Lage der früheren Gemeinde Osterwitz im Bezirk Deutschlandsberg mit den Gemeindegrenzen bis Ende 2014 mini|Im 18. Jahrhundert wird Osterwitz am Köstenbach dargestellt und die Gegend „In der Osterwitz“ erstreckt sich über die Hebalm
Nachbarortschaften
Geschichte Osterwitz war zunächst von den Kelten, später von den Slawen besiedelt. Der Name Osterwitz stammt aus der slawischen Sprache, er wird vom Wort oster (scharf, spitz) abgeleitet und bedeutet Spitzberg (von *ostrovica),Manfred Trummer: Slawische Steiermark. Leicht erweiterte Fassung des gleichnamigen Vortrags am Symposium „Fremd sein – beinander bleiben. Die slowenische Volksgruppe in Österreich“ im Rahmen der „Slowenischen Tage“ an der Karl-Franzens-Universität in Graz, 25. bis 28. März 1996. In: Christian Stenner (Hrsg.): Slowenische Steiermark. Verdrängte Minderheit in Österreichs Südosten. Böhlau Verlag, Wien/Köln/Weimar 1997, ISBN 3-205-98690-3, (MS Word; 87 kB). Scharfenberg, scharfes Eck oder Kante,Fischer: Osterwitz. S. 17. wobei eine Namensvariante in alten Landkarten tatsächlich auf „Ostrowitz“ lautet. In einer anderen Quelle wird der Name als Siedlung an einem hoch aufragenden Berg übersetzt.Martin Albrecher: Die Ortsnamen im Gerichtsbezirk Deutschlandsberg. Diplomarbeit an der Universität Wien 1999. Hochschulschrift. Kein Verlag, keine ISBN, S. 23. Im Süden von Osterwitz liegt ein Berg mit einer auffallend steilen, sonst im Gebiet nicht vorhandenen Gipfelform (Kumpfkogel). Der Name wird auch von einem alten Saumpfad abgeleitet, der eine scharfe Richtungsänderung vornahm. Im Südosten des Ortes Osterwitz liegt das Gebiet Spitzegg: es liegt damit ein slawisch-deutscher Doppelname vor, der Bevölkerungsschichten slawischer und deutscher Herkunft belegt.Fritz Lochner v. Hüttenbach: Steirische Ortsnamen. Zur Herkunft und Deutung von Siedlungs-, Berg-, Gewässer- und Flurbezeichnungen. In der Reihe: Grazer Vergleichende Arbeiten. Band 21. Verlag Leykam, Graz 2008, ISBN 978-3-7011-0116-0, , S. 40–41. Die Ableitung des Ortsnamens vom Wort Osterwies’n, die sich in einem Unterrichtsbehelf Ende der 1950er-JahreFranz Schwarz, Heinz Weber, unter Mitarbeit von Bezirksschulinspektor Wilhelm Mandl: Mein Heimatbezirk Deutschlandsberg. Stiasny Verlag, Pädagogische Abteilung, Graz/Wien 1958, S. 43. findet, ist vor diesen Ergebnissen unzutreffend und auch nicht mehr gebräuchlich.
Erstmals urkundlich erwähnt ist der Name in einer Urkunde aus dem Jahr 1322, als das Gebiet im Besitz des Bistums Salzburg war. Die Kirche wurde urkundlich erstmals 1370 genannt. Der Pfarrer von Osterwitz hatte im 14. Jahrhundert bereits ein solches Ansehen, dass ein Amtsträger es sich leisten konnte, sich standhaft zu weigern, am 11. Juni 1381 zu einer Synode zu erscheinen und dass dies in der Literatur als berichtenswert gesehen wird.Albert Muchar: Geschichte des Herzogthums Steiermark. Band 7. Geschichte der Steiermark unter vom Lande Österreich getrennter Beherrschung von H. Leopold dem Frommen (Probus) 1373 bis zur Wiedervereinigung mit Österreich 1457 unter K. Friedrich IV. Leuschner & Lubensky, Grätz 1864, S. 22 (digital.onb.ac.at).
Für das 15. Jahrhundert ist ein Hinweis auf eine kleine Burg im Gebiet von Osterwitz publiziert: 1429 wurden Lehen über Huben und Zehent „an dem Purgstall bei Osterwitz“ vergeben. Diese Formulierung wird als Hinweis interpretiert, dass der Wehrbau bereits damals verfallen war und nur mehr sein Standort (die Burgstelle) bekannt war. Eine Stelle, an der sich diese Anlage befunden haben könnte, liegt südlich des Ortes Osterwitz auf einem kleinen Hügel.Robert Baravalle: Burgen und Schlösser der Steiermark. Eine enzyklopädische Sammlung der steirischen Wehrbauten und Liegenschaften, die mit den verschiedensten Privilegien ausgestattet waren. Verlag Stiasny, Graz 1961, S. 78. Der nicht näher erläuterte Hinweis auf eine Burg in der Kartenbeilage von Herwig Ebner: Burgen und Schlösser in Graz, Leibnitz, West-Steiermark. Birken-Verlag, Wien 1967 (2. Auflage 1982, ISBN 3-85030-028-5), bezeichnet die Lage nur ungefähr.
Ab 1445 wurde Osterwitz Sitz einer eigenständigen Pfarre, 1480 zerstörten die Türken das Kirchengebäude. Im 15. und 16. Jahrhundert lag Osterwitz nach der Vierteleinteilung der Steiermark 1462 im „Viertel zwischen Mur und Traa“ (Drau), dem Vorgänger des Marburger Kreises.
Die Grenze von Osterwitz auf dem Koralpenzug gegen Kärnten (Handalm, Wildbacher Alm etc.) war auch eine Grenze, die für behördliche Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung relevant war, so in den Jahren ab 1712 gegen die Pest. Am Weißofen und am Schönofen auf dem Handalmzug befanden sich an den Gebirgsübergängen Wachhütten, die mit mehreren Männern besetzt waren.Herbert Kriegl: Zum Pestausbruch von 1712 und 1713, Teil 3. In: Wochenzeitung Weststeirische Rundschau, 12. Juni 2020. 93. Jahrgang Nr. 24, S. 6. Es waren an den Grenzen allgemein bewachte Straßen- und Wegsperren (Verhackungen, Verhaue) errichtet, die den Personen- und Warenverkehr in die Nachbarländer verhinderten und damit die Ausbreitung der Seuche erschweren sollten.Raimund Dürnwirth: Die Grenzsperre Kärntens gegen Steiermark in den Pestjahren 1713–1716. In: Carinthia I. Mittheilungen des Geschichtsvereins für Kärnten. Redigiert von August v. Jaksch. 92. Jahrgang, Nr. 3–4, Klagenfurt 1902, , , S. 87, 89.
Osterwitz gehörte im 16. und 17. Jahrhundert zum „Landgericht Deutschlandsberg“.Anton Mell: Hohe und niedere Strafgerichtsbarkeiten. Landgerichte und Burgfrieden in Steiermark. In: Anton Mell, Hans Pirchegger: Steirische Gerichtsbeschreibungen. Als Quellen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer. I. Abteilung. Landgerichtskarte: Steiermark. In der Reihe: Quellen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Steiermark. I. Band. Herausgegeben von der Historischen Landeskommission für Steiermark, Graz 1914, Allgemein: S. XX–XLIV. Zum Landgericht Deutschlandsberg: S. 245–246 und 473 bzw. (Burgfried Deutschlandsberg) 246–248 und 495. Dies galt allerdings nur außerhalb des Dachtraufes: Innerhalb dessen lag die volle niedere Gerichtsbarkeit im 16. Jahrhundert beim jeweiligen Grundherren.Mell: Strafgerichtsbarkeiten, S. XXVI.
1611 lässt sich die erste urkundliche Erwähnung einer Pfarrschule nachweisen. Ab 1770, in der ersten Personen- und Häusererfassung in Österreich, sind Häuser und Menschen aus Osterwitz selbständig erfasst. Diese Erfassung fand im Rahmen der Heeresreformen unter Maria Theresia und Joseph II. statt und führte zur Einführung der „Numerierungsabschnitte“ (Konskriptionsgemeinden). Osterwitz war ein solcher Abschnitt. Gemeinsam mit den anderen Numerierungsabschnitten in Trahütten und Warnblick gehörte Osterwitz zum Werbbezirk Landsberg.Manfred Straka: Verwaltungsgrenzen und Bevölkerungsentwicklung in der Steiermark 1770–1850. Erläuterungen zur ersten Lieferung des Historischen Atlasses der Steiermark. Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, XXXI. Band. Herausgegeben von der Historischen Landeskommission für Steiermark - HLK. Selbstverlag der HLK. Graz 1978, S. 213.Manfred Straka: Numerierungsabschnitte und Werbbezirke der Steiermark 1779/81. Karten im Maßstab 1:300.000. In: Historischer Atlas der Steiermark. Herausgegeben von der Historischen Landeskommission für Steiermark - HLK. Akademische Druck- und Verlagsanstalt. Graz 1977 1. Lieferung: Verwaltungsgrenzen und Bevölkerungsentwicklung in der Steiermark 1770–1850. Blatt 2 (Blatt Nord).