Santa Cruz de Tenerife [] (abgekürzt: S/C de Tenerife) ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und neben Las Palmas de Gran Canaria eine der beiden Hauptstädte der Autonomen Gemeinschaft Canarias im Königreich Spanien. Der vollständige Name und Titel der Stadt lautet seit dem 28. August 1803: Muy Leal, Noble e Invicta Villa, Puerto y Plaza de Santa Cruz de Santiago Der Name und Titel wird tatsächlich bei offiziellen Anlässen vom Ayuntamiento (Stadtrat / der Stadtverwaltung) verwendet. (Sehr treue, edle und unbesiegte Stadt, Hafen und Ort des Heiligen Kreuzes von Sankt Jakob). Die im Nordosten Teneriffas gelegene Stadt zählt Einwohner (Stand: ) und bildet zusammen mit La Laguna, Tegueste und El Rosario den – nach Las Palmas de Gran Canaria – zweitgrößten Ballungsraum der Kanarischen Inseln mit insgesamt rund 423.000 Einwohnern. Das von Santa Cruz verwaltete Gebiet dehnt sich bis in das dünn besiedelte Anaga-Gebirge im Osten der Insel aus. Maßgeblich geprägt wird die Stadt durch ihren Hafen, der zu den größten spanischen Seehäfen des Atlantiks gehört.Anuario estadístico de Puertos del Estado 2010 (abgerufen am 15. Oktober 2012; PDF; 10,9 MB)
Klima links|mini|Dramatische Wetterstimmung über Santa Cruz Das Klima der Stadt ist durch die Passatwinde geprägt. Dabei ergibt sich für Teile der Stadt eine unterschiedliche Wetterentwicklung: Sonnig und trocken an der Küste, feucht und wolkenreich auf den Höhen und in den Tälern des Anaga-Gebirges. Das in der letzten Zeit wärmste Jahr für die Stadt war das Jahr 1995 mit einer Durchschnittstemperatur von 22 °C. Das kälteste, mit einer Durchschnittstemperatur von 20 °C, war das Jahr 1920. Die Niederschläge sind gering und haben einen Schwerpunkt in den Monaten Oktober bis März.
Anstieg Meeresspiegel Santa Cruz de Tenerife ist durch den Anstieg des Meeresspiegels besonders gefährdet. Der Anstieg bis 2080 wird auf 40 cm geschätzt, was den höchsten Wert in ganz Spanien darstellt. Tückisch sei laut UN-Experte die Kontinuität. Das Wasser steigt nicht in Schüben, sondern vorerst unaufhörlich und schleichend.
Lage Der Ort liegt an der Ostspitze Teneriffas, der größten Insel des Kanarischen Archipels. Die Fläche des Stadtgebietes beträgt etwa 150 km². Es umfasst sehr unterschiedliche Bereiche, einerseits das felsige, nahezu unbewohnte Gebiet des Anaga-Gebirges, andererseits das abfallende Gelände vom Gebiet des Acentejo bis zur Küste. Die höchste Erhebung der Stadt liegt etwa 750 Meter über dem Meeresspiegel. Dagegen gibt es Stadtteile im Zentrum der Stadt, wie zum Beispiel die Plaza de España, die kaum vier Meter über dem Meeresspiegel liegen. Die Stadt hat eine Küstenlinie von 58 Kilometern.
Verwaltungsgliederung mini|250px|Verwaltungsbezirke der Stadt Santa Cruz de Tenerife Dt.1=Anaga, Dt.2=Centro, Dt.3=Salud, Dt.4=Ofra, Dt.5=Suroeste Die Stadt ist in fünf Verwaltungsbezirke (Distritos Administrativos) eingeteilt, in denen jeweils mehrere Stadtteile (Barrios) zusammengefasst sind.
Die Zona Anaga ist zwar flächenmäßig der größte Bezirk, hat jedoch die geringste Einwohnerzahl (13.806 im Jahr 2010). Er umfasst den Bereich des Anaga-Gebirges im nordöstlichsten Teil der Insel, in dem es Barrios gibt, die nur schwer zugänglich sind. Der größte Stadtteil des Bezirks ist San Andrés. Dort befindet sich die Playa de Las Teresitas, ein Badestrand, der mit Sand aufgefüllt wurde, der immer wieder aus Afrika importiert wird. San Andrés ist mit der Innenstadt durch eine Schnellstraße verbunden.
Zona Centro ist der Bezirk der Stadt, in dem die ältesten Siedlungsbereiche liegen. Die drei unter Denkmalschutz stehenden Ensembles von historischer Bedeutung (Bien de Interés Cultural, Conjunto Histórico) sind Teil dieses Stadtbezirks. In diesem Bezirk liegt das Hauptwirtschaftszentrum der Stadt mit den Einkaufsstraßen, den Verwaltungen, den großen Bankfilialen und mit einigen traditionellen Wohnbereichen und Parkanlagen. Im Jahr 2010 wohnten 52.698 Personen in diesem Bezirk.
Zona Salud ist der Bezirk mit der größten Einwohnerzahl (67.916 im Jahr 2010). Hier finden sich einerseits Industriegebiete mit der Raffinerie, es gibt aber auch historische Bereiche wie das Castillo Negro mit dem Polveron. Die Torres de Santa Cruz stehen ebenso in diesem Bezirk wie das Auditorio de Tenerife und die modernen Gebäude an der Avenida Tres de Mayo.
Zona Ofra wurde in den 1970er Jahren durch die Förderung der Stadt von einem Bezirk der Kleinindustrie zu einem Wohnungsneubaugebiet verändert. Hier steht eine große Zahl von Wohnhochhäusern wie z. B. entlang der Allee Avenida Príncipes de España, die im Rahmen des Baus der Straßenbahn neu gestaltet wurde. In diesem Stadtbezirk steht auch das Hospital Universitario Nuestra Señora de Candelaria, eines der Krankenhäuser der Universität La Laguna. In dem Bezirk wohnten im Jahr 2010 45.273 Menschen.
Zona Suroeste ist ein Stadtbezirk, der vom Rest der Stadt durch die Montaña de Taco und die Autobahn TF2 getrennt wird. In diesem Bezirk, wie im Bezirk Anaga, dehnt sich die städtische Bebauung aufgrund der Geländebeschaffenheit nur langsam aus. Hier gibt es auch noch landwirtschaftlich genutzte Flächen. Die Einwohnerzahl betrug im Jahr 47.408 Personen.
Área metropolitana de Santa Cruz de Tenerife Im Verlauf des 20. Jahrhunderts erhöhte sich die Zahl der Einwohner und damit die flächenmäßige Ausbreitung der Siedlungsflächen der Stadt Santa Cruz und ihrer Nachbargemeinden. Daraus ergab sich ein Zusammenwachsen der Städte Santa Cruz de Tenerife, San Cristóbal de La Laguna und Tegueste sowie El Rosario. Die Fläche dieser vier Städte, in denen mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt, macht etwa 15 % der Gesamtfläche der Insel aus. Bisher (2013) gab es keinen formalen Zusammenschluss zur Área Metropolitana de Santa Cruz de Tenerife, sondern nur Absprachen und eine enge Zusammenarbeit der Stadtverwaltungen z. B. im Bereich Verkehr, Bildung, Sport usw.
Bevölkerung Der übliche Name für die Einwohner der Stadt ist Chicharrero bzw. Chicharrera. Es handelte sich dabei früher um eine abfällige Bezeichnung, mit der die reichen Einwohner der Stadt La Laguna die Bewohner des armen und kleinen Fischereihafens Santa Cruz benannten. Diese Fischer lebten von Chicharro (Bastardmakrele), einem billigen Fisch, den sie selber aßen bzw. auf den Straßen La Lagunas nach lautem Ausrufen verkauften. Nach dem Lexikon der Spanischen Sprache der Real Academia Española bezeichnet der Name heute alle Bewohner der Insel Teneriffa (Synonym für Tinerfeño).
Während die Bevölkerung der Stadt im Laufe des 20. Jahrhunderts etwa um 1,75 % pro Jahr zunahm, stagnierten die Zahlen im 21. Jahrhundert. Das ist z. T. darauf zurückzuführen, dass eine Erweiterung der Wohnbebauung immer schwieriger wird und die Bevölkerung auf die angrenzenden Gemeinden (Área Metropolitana) ausweicht.
2010 betrug die Zahl der ausländischen Einwohner 17.990, was 7,92 % der Gesamtbevölkerung entspricht. Dieser Anteil war in den einzelnen Stadtbezirken unterschiedlich: im Bezirk Anaga waren 3,59 %, im Bezirk Centro 11,14 % der Einwohner Ausländer. Mit 10.733 Personen (59,66 %) stammte die Mehrheit der Ausländer aus Lateinamerika (wobei nicht feststellbar ist, ob nicht auch wenigstens ein Teil der 124 Nordamerikaner Latinos waren). 23,79 % stammten aus Europa, davon 656 Personen (ca. 0,3 % der Gesamtbevölkerung) aus Deutschland. 0,17 % der Bevölkerung haben die indische Staatsbürgerschaft.
Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde
Geschichte Situation vor 1495 links|mini|Menceyatos der Guanchen um 1494
Nach mehreren Ansätzen der Missionierung und Besetzung der Kanarischen Inseln seit dem 13. Jahrhundert begann 1402 unter der Lehnsherrschaft der Könige von Kastilien durch den Normannen Jean de Béthencourt die systematische Eroberung des Archipels. Bis zum Jahr 1405 brachte er die Inseln Lanzarote, Fuerteventura, La Gomera und El Hierro unter seine Herrschaft, die er im Namen der Krone Kastiliens ausübte. Im Jahr 1464 versuchte Diego García de Herrera für seine Frau Inés Peraza de las Casas, die das Recht auf die Einnahme aller Kanarischen Inseln von ihrem Vater geerbt hatte, Teneriffa in Besitz zu nehmen. Er baute eine provisorische Befestigung in der Nähe des späteren Castillo de Paso Alto. Seine Bemühungen, die Insel unter seine Regierung zu bringen, scheiterten allerdings. In der Nähe der späteren Stadt Candelaria siedelten sich einige Mönche an, die aber bei ihrer Missionsarbeit nicht sehr erfolgreich waren.
Im Jahr 1477 zog Königin Isabella I. das Recht, die großen Kanarischen Inseln (Teneriffa, La Palma und Gran Canaria) zu erobern, gegen eine Abfindung wieder an sich. Das führte dazu, dass es in der Folgezeit auf den kleinen Inseln Grafschaften (condados) und Herrschaften (señorías) gab (daher auch Islas de señorío), die großen Inseln dagegen direkt der Königin bzw. dem König unterstanden (Islas de realengo). Im Vertrag von Alcáçovas hatten sich Kastilien und Portugal 1479 auf eine Aufteilung der Welt geeinigt. Dabei waren die Kanarischen Inseln an Kastilien gefallen. Da die Kanarischen Inseln auf dem günstigsten Seeweg nach Amerika lagen, gewannen sie nach 1492 besondere Bedeutung. Um die Eigentumsansprüche auf alle Inseln gegenüber Portugal zu bekräftigen, mussten nun auch die großen Inseln eingenommen werden. Bis zum Jahr 1493 waren – bis auf Teneriffa – alle Inseln des Archipels in das Herrschaftsgebiet der Krone von Kastilien eingegliedert worden. Mit der Aufgabe, Teneriffa zu erobern, betraute die Königin Alonso Fernández de Lugo, der bereits die Eroberung La Palmas angeführt hatte.
Eroberung durch kastilische Truppen mini|Manuel Gonzalez Mendez: El desembarco („Die Landung“), Anfang des 20. Jahrhunderts (Kanarisches Parlament, Santa Cruz de Tenerife)
Das Gebiet, auf dem sich heute die Innenstadt von Santa Cruz de Tenerife erstreckt, war vor der Unterwerfung unter die Herrschaft der Krone von Kastilien und Leon von einigen Guanchenfamilien besiedelt, die hier in erster Linie von der Landwirtschaft, besonders von der Aufzucht von Ziegen lebten. Die Menschen wohnten in natürlich entstandenen Höhlen. Es gibt auch einige überlieferte Beschreibungen von einfachen, freistehenden Steingebäuden. Siedlungsschwerpunkt war der obere Bereich des Barranco de Santos. Die Landschaft war zwar wasserreich, aber in erster Linie mit Tabaiba und Brezo bewachsen. In der Sprache der Ureinwohner Teneriffas wurde das Gebiet als Añazo oder Añaza bezeichnet und gehörte zum Menceyato (Fürstentum) Anaga. Dieses Menceyato gehörte zu den vier Gebieten (Anaga, Güimar, Abona und Adeje), deren Bewohner den Kastilianern nicht feindlich gegenüberstanden. Im Gegensatz dazu war von den Bewohnern der Gebiete auf der Nordseite der Insel (Tegueste, Tacoronte, Taoro, Icod und Daute) mit Widerstand zu rechnen.