mini|hochkant=1.5|Der Diolkos auf dem Isthmus von Korinth und der ihn am nordwestlichen Ende kreuzende, sonst parallel verlaufende, später gebaute Kanal von Korinth Der Diolkos (, von ‚hindurch‘ und ‚Zug‘) war ein in der griechischen Antike angelegter und benutzter Schiffskarrenweg über den Isthmus von Korinth, auf dem Schiffe zwischen dem Korinthischen und dem Saronischen Golf transportiert wurden. Die Abkürzung über die Landenge erlaubte es, die gefährliche Umschiffung der Peloponnes zu vermeiden. Eine schiffbare Verbindung an gleicher Stelle wurde bereits im 1. Jahrhundert n. Chr. zu bauen versucht, aber erst im 19. Jahrhundert mit dem Kanal von Korinth verwirklicht.

Die Hauptaufgabe des Ziehwegs galt dem Gütertransfer, während er in Kriegszeiten bevorzugt auch zur Beschleunigung militärischer Operationen genutzt wurde. Der 6 bis 8,5 km lange gepflasterte Rillenweg funktionierte nach dem Rad-Schiene-System und war von ca. 600 v. Chr. bis zur Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. in Betrieb. Er stellte eine in diesem Maßstab in der Antike einzigartige Kombination der Spurrillenführung und des Überlandtransports von Seefahrzeugen dar.

Moderne Erforschung und Gefährdung mini|Ausgegrabenes Teilstück am Nordwestende miniatur|In den Kanal abgesacktes Stück des Diolkos kurz vor seinem nordwestlichen Ende

Die moderne wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Diolkos dreht sich um drei Hauptfragen:Raepsaet & Tolley 1993: 235 & 237 die Auslegung der antiken Quellen, insbesondere im Hinblick auf das Alter und die Gründe für die Inbetriebnahme des Ziehweges; die archäologische Erforschung der Überreste am Isthmus und die Bestimmung des Streckenverlaufs; die Bewertung seiner militärischen und ökonomischen Funktion in der Antike.

Auch technische Überlegungen zur Durchführbarkeit des Überlandtransports der Schiffe standen wiederholt im Mittelpunkt des Interesses, wobei auch Berechnungen der erforderlichen Kräfte angestellt wurden.

Bereits der Chefingenieur des Kanals von Korinth, Béla Gerster, führte Ende des 19. Jahrhunderts eine genaue Untersuchung der Topographie des Isthmus durch, fand aber den Diolkos nicht.Raepsaet & Tolley 1993: 235 Überreste des Schiffkarrenwegs wurden wahrscheinlich zuerst vom deutschen Archäologen Habbo Gerhard Lolling in der Baedeker-Ausgabe von 1883 identifiziert.Werner 1997: 98 1913 berichtete James G. Frazer in seinem Kommentar zu Pausanias über Spuren eines antiken Pflasterwegs über den Isthmus,Raepsaet & Tolley 1993: 236 während Teile der Verladestelle am Golf von Korinth 1932 durch Harold North Fowler entdeckt wurden.

Systematische Ausgrabungen wurden schließlich von 1956 bis 1962 vom griechischen Archäologen Nikolaos Verdelis vorgenommen,Nikolaos Verdelis: Le diolkos de l’Isthme. In: Bulletin de Correspondance Hellénique. 1957, 1958, 1960, 1961, 1963 der ein mehr oder weniger durchgehendes Stück von 800 m Länge freilegte und insgesamt 1100 m ausfindig machte. Zwar dient Verdelis’ Ausgrabungsbericht nach wie vor als Grundlage für moderne Interpretationen, aber die volle Publikation seiner Forschungsergebnisse wurde durch sein frühzeitiges Ableben verhindert, so dass viele Fragen hinsichtlich der genauen Natur des Diolkos offenblieben.Raepsaet & Tolley 1993: 239; Lewis 2001: 10 Zusätzliche Forschungen vor Ort in Ergänzung zu Verdelis’ Arbeit wurden später von Georges Raepsaet und Walter Werner veröffentlicht.Raepsaet & Tolley 1993: 233–261; Werner 1997: 98–119 mini|288x288px|Restaurierter Teil des Diolkos (Schiffskarrenweg) Bis vor kurzem waren insbesondere im nordwestlichen Abschnitt wesentliche Teile des Diolkos durch Erosion gefährdet, die vom Schiffsbetrieb im nahen Kanal herrührt. Kritiker, die dem griechischen Kulturministerium fortgesetzte Untätigkeit vorwerfen, brachten daher eine Petition zur Bewahrung und Restaurierung der registrierten archäologischen Stätte ein. 2022 begann die Ephorie für Prähistorische und Klassische Altertümer der Korinthia mit einem Projekt zum Schutz und zur Restaurierung des Diolkos.Restaurierung des Diolkos bei Korinth schreitet voran. Website der Zeitschrift Antike Welt vom 11. Februar 2022, abgerufen am 14. Mai 2022.

Diese Arbeiten sind Ende 2025 recht weit fortgeschritten. Schutz der Stätte gegen Erosion ist durch eine Verbauung zur Meerseite gewährleistet. Auf der Landseite durch eine steile Böschung. Zugang für Fußgänger direkt von der Straße (Ποσειδωνίας) her möglich.

Verkehrslage Der Diolkos erlaubte es Schiffen auf der Fahrt vom Ionischen Meer zur Ägäis, die gefährliche Umschiffung der Peloponnes mit ihren weit ins Meer ragenden Landspitzen zu vermeiden. Besonders Kap Malea war für starke Stürme gefürchtet,Drijvers 1992: 75; Lewis 2001: 10; Werner 1997: 98 wohingegen der Golf von Korinth und der Saronische Meerbusen relativ ruhige Gewässer darstellten. Zudem ließ sich durch Verwendung des Überlandwegs die Schifffahrtsroute insbesondere von und nach Athen erheblich abkürzen.

Geschichte

mini|Kreuzungsstelle des Diolkus mit dem Kanal von Korinth kurz vor ihren nordwestlichen Enden (nach links) Die antiken Quellen schweigen sich über das Alter des Diolkos aus. Für Thukydides (460–395 v. Chr.) schien der Diolkos bereits etwas Altes zu sein.Werner 1997: 98–119 (99 & 112) Der archäologische Befund deutet auf einen Bau am Ende des 7. oder Anfang des 6. Jahrhunderts v. Chr. hin, als Periander Tyrann von Korinth war.Verdelis 1957: 526–529 (526); Cook 1979: 152–155 (152); Drijvers 1992: 75–76 (75); Raepsaet & Tolley 1993: 233–261 (256); Lewis 2001: 11 Auf einigen Steinquadern befinden sich Buchstaben des korinthischen Alphabets vom Anfang des 6. Jahrhunderts v. Chr.Kissas 2013: 29 Der Diolkos blieb Berichten zufolge bis zur Mitte des 1. Jahrhunderts regelmäßig in Betrieb; danach brechen die schriftlichen Überlieferungen ab.Lewis 2001: 11 Möglicherweise wurde er durch Neros 67 n. Chr. begonnenen, aber nicht beendeten Kanalbau dauerhaft unbrauchbar gemacht.Cook 1979: 152, Anm. 8; Lewis 2001: 11 Er wurde damals im Nordwesten vom schon ausgehobenen Kanal durchschnitten und an anderen Stellen vom Aushubmaterial zugedeckt.Gerster 1884: 225–232 (229f.) Die deutlich späteren Kriegsschifftransporte im Jahre 868Cook 1979: 152, Anm. 7; Werner 1997: 114 und um das Jahr 1150 wurden vermutlich nicht mehr über den Diolkos abgewickelt.Cook 1979: 152, Anm. 7; Lewis 2001: 12

Rolle im Krieg Der Diolkos spielte eine bedeutende Rolle im antiken Seekrieg. Griechische Historiker berichten von mehreren Marineoperationen zwischen dem 5. und 1. Jahrhundert v. Chr., bei denen Kriegsschiffe zur Zeitersparnis über den Diolkos gezogen wurden.Obgleich der Diolkos in diesen historischen Quellen nicht ausdrücklich genannt wird, wird sein Gebrauch allgemein angenommen, da er bereits davor existierte und danach noch verfügbar war (Cook 1979: 152, Anm. 7; MacDonald 1986: 191–195 (192, Anm. 6)). Während des Peloponnesischen Kriegs planten die Spartaner, Kriegsschiffe zur Bedrohung Athens zum Saronischen Golf zu ziehen (428 v. Chr.),Thukydides 3.15.1 (engl. Übersetzung) während sie später ein Geschwader hinüberschafften, das eilig zu Operationen in Chios weitersegelte (411 v. Chr.).Thukydides 8.7-8 (engl. Übersetzung) 220 v. Chr. ließ Demetrios von Pharos seine Flotte von ungefähr 50 Schiffen über den Isthmus zur Bucht von Korinth ziehen.Polybios 4.19.77-79 (engl. Übersetzung) Drei Jahre später wurden 38 makedonische Kriegsschiffe von Philipp V. hinübergesandt, während die größeren Schiffe seiner Flotte um Kap Malea segelten.Polybios 5.101.4 (engl. Übersetzung) Eine Inschrift, die sich heute im Archäologischen Museum von Korinth befindet, berichtet, dass im Jahre 102 v. Chr. Marcus Antonius Orator die römische Flotte über den Isthmus ziehen ließ.Tsakos, Pipera-Marsellou, Tsoukala-Konidari 2003 Nach seinem Sieg in der Schlacht bei Actium (31 v. Chr.) rückte Octavian so schnell wie möglich gegen Marcus Antonius vor, indem er einen Teil seiner 260 Liburnen über den Isthmus schleppen ließ.Werner 1997: 113f. 868 n. Chr. ließ der byzantinische General Niketas Oryphas unter Kaiser Basileios I. seine gesamte Flotte von 100 Dromonen in einer zügig ausgeführten Operation über den Isthmus ziehen,Werner 1997: 114 nahm dabei aber aufgrund des wahrscheinlich verfallenen Zustands des Diolkos wohl einen anderen Weg.

Rolle im Handel Trotz der häufigen Erwähnung des Diolkos im Zusammenhang mit militärischen Operationen geht die moderne Forschung davon aus, dass der Hauptzweck des Schiffkarrenwegs der Gütertransfer war, da anzunehmen ist, dass Kriegsschiffe nicht sehr häufig transportiert zu werden brauchten, und weil die antike Geschichtsschreibung sich immer stärker für Krieg als für Handel interessierte.Cook 1979: 152; MacDonald 1986: 192; Raepsaet 1993: 235; Werner 1997: 112; Lewis 2001: 13 Bemerkungen von Plinius dem Älteren und Strabon, die in Friedenszeiten den Diolkos als regelmäßig in Betrieb beschrieben, deuten ebenfalls auf eine Handelsfunktion hin.Cook 1979: 152 Da der Bau des Diolkos zeitlich mit der Herausbildung der griechischen Monumentalarchitektur zusammenfällt, könnte der Überlandweg anfangs besonders für den Transport von Schwergütern wie Marmor, Monolithen und Bauholz gedient haben.Raepsaet 1993: 256; MacDonald 1986: 193; Lewis 2001: 14 Zwar ist nicht die Höhe der Zölle bekannt, die Korinth für den auf seinem Gebiet liegenden Diolkos erheben konnte, aber die Tatsache, dass der Fahrweg noch lange nach seiner Errichtung benutzt und unterhalten wurde, deutet darauf hin, dass er für antike Handelsschiffe lange Zeit eine attraktive Alternative zur Fahrt um Kap Malea geblieben ist.MacDonald 1986: 195 Auch für Korinth war der Diolkos ein lohnendes Projekt. Es konnte nun neben dem Landhandel auch den Seehandel über den Isthmus kontrollieren. So erblühte im 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. am nordwestlichen Ende des Diolkos bei dem heutigen Poseidonia eine bedeutende Siedlung.

Baustruktur Verlauf und Transport mini|Kreuzung des Diolkos von der rechts nach Korinth führenden Straße (Vordergrund) und vom Kanal von Korinth (Hintergrund), Blick nach SO

Der Diolkos läuft über den engsten Teil der Landenge, wo er dem Gelände zur Vermeidung größerer Steigungen in einem gewundenen Kurs folgt.Werner 1997: 109 Der Fahrweg überquert mit einer durchschnittlichen Steigung von 1:70 den Isthmus auf einer Höhe von ca. 79 m, wobei der steilste Abschnitt bis zu 6 % Gefälle aufweist.Raepsaet & Tolley 1993: 246 Die Gesamtlänge des Diolkos wird abhängig von der Anzahl der angenommenen Wegbiegungen auf 6–7 km, 8 km oder 8,5 km geschätzt.6–7 km geschätzt von: Raepsaet & Tolley 1993: 246; 8 km geschätzt von: Werner 1997: 109; 8,5 km geschätzt von: Lewis 2001: 10 Insgesamt 1,1 km davon konnten hauptsächlich am Golf von Korinth archäologisch dokumentiert werden. Dort beginnt das bekannte Teilstück an einer ehemaligen Anlegestelle südwestlich des Kanals, läuft für einige hundert Meter parallel zu diesem und wechselt dann auf die Gegenseite, wo es in einem leichten Bogen ungefähr auch so lang am Kanal weiterläuft.Raepsaet & Tolley 1993: 237–246 In seinem weiteren Verlauf folgte der Diolkos entweder in gerader Linie dem Kurs des modernen KanalsRaepsaet & Tolley 1993: 238 (Abb. 3) oder schwang im weiten Bogen nach Süden.Lewis 2001: 10; Werner 1997: 108 (Abb. 16) Der Karrenweg endet am Saronischen Golf am Dorf Schoinous beim heutigen Kalamaki, das von Strabo als südöstlicher Endpunkt beschrieben wurde. Einige Abschnitte des Diolkos wurden durch den Kanal aus dem 19. Jahrhundert oder andere moderne Bauten zerstört.Werner 1997: 106

miniatur|Bild eines Schiffs auf einer attischen Vase der Leagros-Gruppe (etwa 520 v. Chr.). Diese Art Boot könnte der Diolkos in Perianders Zeit befördert haben.