mini|Triumph Logo auf dem Tank eines Motorrades mini|Triumph (GB), Baujahr um 1920
Triumph Motorcycles Ltd. ist der Name eines Kraftfahrzeugherstellers im Ort Hinckley in Großbritannien. Die Triumph Motorcycles Ltd. stellt hauptsächlich Motorräder her, mehrheitlich unter dem Markennamen Triumph. Ihre bekannteste Baureihe ist die Triumph Bonneville. Sie geht auf das Jahr 1955 zurück und gilt heute als einer der Klassiker der englischen Motorradgeschichte.
Geschichte Namensfindung Der aus Nürnberg stammende Einwanderer Siegfried Bettmann, geboren 1863, gründete 1884 in London die S. Bettmann & Co, ein Handelsunternehmen, das von der William Andrews Company of Birmingham bezogene Fahrräder und Nähmaschinen aus Deutschland unter dem Markennamen „Triumph“ vertrieb. 1886 benannte er die Firma in Triumph Cycle Company um. 1887 registrierte er die Firma schließlich unter dem Namen New Triumph Co. Ltd mit Hilfe der Dunlop Pneumatic Tyre Company. 1915 in New Triumph Co. Ltd und 1936 in Triumph Engineering Co. Ltd. umbenannt, folgte 1973 der Zusammenschluss mit dem BSA-Konzern und Norton-Villiers zu Norton-Villiers-Triumph (NVT). Von 1975 bis 1983 hieß die Firma Meriden Workers Co-Operative, ab 1984 Bonneville Coventry Ltd.
Beginn der eigenen Produktion 1887 trat der Ingenieur Mauritz Johann Schulte dem Unternehmen als Partner bei. Schulte ermutigte Bettmann, das Unternehmen in einen Herstellerbetrieb umzuwandeln. Im Jahre 1888 kaufte Bettmann ein Gebäude in Coventry mit Geld, das er sich von seiner Familie und der Familie seiner Frau geliehen hatte. Das Unternehmen begann mit der Produktion der ersten Fahrräder unter dem eigenen Markennamen Triumph im Jahre 1889. 1896 eröffnete New Triumph Co. Ltd eine Tochtergesellschaft in Nürnberg, Deutschland, die Orial TWN (deutsch Triumph Werke Nürnberg), die zunächst Nähmaschinen unter dem Markennamen Triumph herstellte.
Expansion mini|Triumph (GB), um 1910
1898 beschloss Bettmann, die Produktion in Coventry zu erweitern und dort Motorräder zu produzieren. 1902 konnte das erste Motorrad fertiggestellt werden. Es hatte einen belgischen Minerva-Motor, der 2,25 bhp (1,7 kW) leistete. Es wurde später als No. 1 bekannt. 1903, nach dem Verkauf von mehr als 500 Motorrädern, begann die Triumph Cycle Company mit der Produktion von Motorrädern in der Fabrik in Deutschland. In der Anfangsphase produzierte das Unternehmen diese Motorräder mit Motoren von Minerva (Belgien), Fafnir und JAP. 1909 wurde der Standort Deutschland um einen Schreibmaschinensektor erweitert. Über die Filiale in Deutschland konnten die Schreibmaschinenwerke Kührt & Riegelmann GmbH erworben werden.
Triumph als Motorenhersteller 1904 begann die Triumph Cycle Company mit der Entwicklung eigener Motoren. Sie fertigte ab 1907 einen Einzylinder-Viertaktmotor mit 450 cm³ und 3,5 bhp (2,6 kW / 3,55 PS) in den eigenen Werkshallen. Bis Ende des Jahres 1907 konnte Triumph bereits mehr als 250 Motorräder mit dem eigenen Motor ausstatten. Im gleichen Jahr fand erstmals das Rennen der Tourist Trophy auf der Isle of Man statt, und gleich bei der ersten Auflage belegten Triumph-Fahrer die Plätze zwei und drei. 1908 gewann der Rennfahrer Jack Marshall die Tourist Trophy auf einer Triumph. Es war der erste und letzte Sieg für Triumph Motorräder bis 1951, in diesem Jahr konnte Ken Arber auf einer Triumph die Klasse Clubmans Senior gewinnen.
Abspaltung und Verkauf mini|Triumph Ricardo, 1925
1913 wurde das Werk in Deutschland abgespalten. 1915 begann die New Triumph Co. Ltd damit, die alliierten Streitkräfte mit den Typ-H-„Trusty“-Motorrädern auszurüsten, von denen 57.000 produziert und 30.000 im aktiven Dienst eingesetzt wurden. Das Motorrad hatte einen selbst entwickelten 499 cm³-Einzylindermotor. 1922 wurde die Triumph Ricardo ins Verkaufsprogramm aufgenommen, die mit einem neu entwickelten 499-cm³-Einzylinder-Viertakt-Motor ausgerüstet war. Der Motor hatte bereits vier hängende Ventile. Das Modell selbst wurde 1921 bei der Tourist Trophy auf der Isle of Man eingesetzt. Es war nach dem Motorenkonstrukteur Sir Harry Ricardo benannt. Das Motorrad erreichte eine Geschwindigkeit von 70 mph.
Erste Automobile mini|Triumph Super seven 1930
1923 begann die Produktion von Autos. Dafür kaufte Siegfried Bettmann die stillliegende Autofabrik Dawson in Coventry. 1927 umfasste die Fabrik in Coventry bereits 500.000 Quadratmeter und beschäftigte 3000 Angestellte, die rund 30.000 Motorräder pro Jahr produzierten. 1929 stellte das Unternehmen den Triumph Super 7 als Antwort auf den Austin 7 vor, er wurde bis 1934 gebaut.
1936 wurden die Bereiche Automobil und Motorrad in separate Geschäftsteile aufgespalten. Jack Sangster, der Sohn von Charles Sangster, der auch Inhaber von Ariel war, übernahm die New Triumph Co. Ltd und benannte das Unternehmen in Triumph Engineering Co Ltd. um. Edward Turner wurde Geschäftsführer und Chefingenieur. Die erste Entwicklung des neuen Chefingenieurs war die 1937 vorgestellte Triumph Speed Twin (T100), die mit einem neuen 498-cm³-Zweizylindermotor bestückt über 90 mph Höchstgeschwindigkeit erreichte. Sie begründete die Form für Triumph-Motorräder, die mehr als 40 Jahre beibehalten wurde.
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Werk in Coventry in der Priory Street beim Coventry Blitz am 14. November 1940 von der deutschen Luftwaffe völlig zerstört. In Meriden (West Midlands) vor den Toren Coventrys wurde ein neues Werk aufgebaut, von dort verließen bis zum Kriegsende 49.700 Motorräder die Fertigungsstätte, die meisten für das Militär. Die Produktion ziviler Maschinen wurde 1946 wieder aufgenommen. Triumph konzentrierte sich auf drei Modelle: die Triumph Tiger (T100), die Triumph Speed Twin (5T) mit 498-cm³-Motor sowie die Triumph Touring (3T) mit 349-cm³-Motor. Alle drei hatten einen Zweizylindermotor mit hängenden Ventilen. Die Tiger hatte wegen eines höheren Verdichtungsverhältnises von 7,8 : 1 etwas mehr Leistung als die Speed Twin, war besser ausgestattet und deshalb etwas schwerer. Mit ihr gewann Ernie Lyons 1946 den Manx Grand Prix. Neu an allen drei Modellen war eine Teleskopgabel mit Öldämpfung. Im Werksprospekt war zu lesen: „Triumph, The Best Motorcycle in the World“.
1951 verkaufte Jack Sangster die Triumph Cycle Company an den britischen Motorradhersteller BSA und wurde dort Aufsichtsratsmitglied. Triumph blieb als eigenständige Marke erhalten. In der Folge glichen sich die Modelle von BSA und Triumph weitestgehend.
Weltruhm mini|Triumph Bonneville, ab 1959
Bemühungen der Britischen Regierung, die Lend-Lease-Schulden zu begleichen, bedeuteten für Triumph, dass fast 70 % der Nachkriegsproduktion in die Vereinigten Staaten verschifft wurden. Damit erzielte Triumph einen hohen Marktanteil in den USA. Britische Hersteller hatten gegenüber anderen europäischen den Vorteil, dass sie das gleiche Maßsystem (Inch) wie die Amerikaner verwendeten, was die Austauschbarkeit von Normteilen und Verwendbarkeit von Werkzeug erleichterte. Triumph nahm nun an den Weltrekordversuchen teil, die seit 1949 regelmäßig auf dem ausgetrockneten Teil des Salzsees Lake Bonneville in Utah stattfinden. Bei Testfahrten stellte Johnny Allen 1955 auf einem Prototyp der Ur-Bonneville mit einen neuen Geschwindigkeitsweltrekord für Motorräder auf. Dieser Weltrekord führte zum Modellnamen der 1959 vorgestellten Triumph Bonneville und rechtfertigte die Werbe-Aussage, das schnellste Motorrad der Welt sei eine Triumph.
In den 1950er- und 1960er-Jahren begeisterten Triumph-Motorräder Zuschauer in vielen Hollywood-Filmen, unter anderem in Filmen mit Steve McQueen, Marlon Brando oder Clint Eastwood. Besonders durch das Rocker-Drama „The Wild One“ (1953), in dem Marlon Brando eine 650er Triumph Thunderbird 6T fährt, wird der filmische Ruhm der Motorräder begründet. In den frühen 1960ern war Triumph Engineering Co Ltd. der größte Motorradhersteller der Welt. 1962 verdrängte eine Triumph beim Daytona-200-Rennen in Daytona Beach erstmals eine Harley-Davidson vom ersten Platz. Die amerikanische AMA Grand National Championship gewannen Gary Nixon 1967 und 1968 und Gene Romero 1970 mit Triumph gegen die bis dahin vorherrschenden Harley-Davidson-Motorräder.
Abwärtstrend mini|Prototype Triumph Trident P1, heute ausgestellt im London Motorcycle Museum
Mit dem Aufkommen der japanischen Superbikes, insbesondere der CB 750 Four 1968, geriet die Triumph Engineering Co Ltd. in Schwierigkeiten. Zaghafte Versuche der Ingenieure, sich der Gegebenheit anzupassen, wurden von der Konzernspitze als Landesverrat angesehen und sofort unterdrückt. So bestanden für die 1969 erschienene Dreizylindermaschine Triumph Trident mit 750 cm³ Hubraum bereits Anfang der 1960er-Jahre Pläne. Sie wurden aber auf Druck des damaligen Chefs Edward Turner zunächst zurückgehalten. Als die Maschine 1969 auf den Markt kam, konnte sie trotz moderner Technik und einer Leistung von 60 bhp (45 kW) nicht an den Erfolg der früheren Modelle anknüpfen. Die Japaner drängten auf den amerikanischen Markt und begannen, die Manager der britischen Vertriebsfirmen abzuwerben. Nicht bis zur Marktreife schaffte es 1969 der Prototyp einer 1000-cm³-Vierzylinder-OHV-Maschine namens „Quadrant“, die möglicherweise den Abwärtstrend aufzuhalten vermocht hätte. Der Trend lief eindeutig zu Superbikes mit großem Hubraum, wie sie die japanische Konkurrenz herstellte.
Zusammenbruch Um zu überleben, schloss sich der BSA-Konzern zunächst mit Norton-Villiers zu Norton-Villiers-Triumph (NVT) zusammen. Als NVT am 17. Juli 1973 beschloss, das Werk in Meriden zu schließen, wurde Triumph noch am gleichen Abend von der Belegschaft besetzt. Erst im November 1974 wurde die Besetzung aufgegeben, der Arbeitskampf selbst war jedoch erst am 6. März 1975 beendet. Das Werk wurde fortan von den Mitarbeitern selbst als Meriden Workers Co-Operative weitergeführt. 1983 war die Co-Operative zahlungsunfähig. Im selben Jahr erwarb der Unternehmer John Bloor zusammen mit dem alten Werksgelände auch die Markenrechte an Triumph. 1984 gründete er die Bonneville Coventry Ltd., gleichzeitig begann die Entwicklung einer völlig neuen Produktfamilie. Das alte Werk in Meriden wurde aufgegeben und abgerissen. 1987 baute Bloor in Hinckley „auf der grünen Wiese“ neue Fabrikationsanlagen.
Neuanfang mini|Triumph Trident 900, Bj. 1996 mini|Triumph Rocket III mini|Triumph Daytona 675 (2006)