mini|28-Zoll-Reiserad mit Nabenschaltung, geradem Mountainbike-Lenker und Lenkerhörnchen mini|Beladenes Tourenrad mit Rennradlenker und 700c-Laufrädern mini|Reiserad mit Federgabel und Damenrad-Rahmengeometrie mit Multipositionsbügellenker

Das Reiserad (französisch Randonneur oder auch Randonneuse, englisch touring bicycle) ist ein speziell für die Bedürfnisse von Radreisenden konzipiertes Fahrrad, das auch mit 50 bis 75 kg Gepäck noch sicher gefahren und gebremst werden kann. Die zulässige Gesamtmasse beträgt 150 kg oder mehr. Bei traditionellen Reiserädern beträgt die Eigenmasse 11 bis 19 kg,Rüdiger Bellersheim, Ernst Brust, Michael Gressmann, Dietmar Hertel, Franz Koslar: Tabellenbuch Fahrradtechnik. 2. Auflage. Europa-Lehrmittel, 2011, ISBN 978-3-8085-2332-2, S. 191 modernere Modelle sind jedoch auch leichter. Mit dem Trend zum Bikepacking seit 2015 werden für kürzere Reisen auch modifizierte Gravelbikes und Cyclocrossräder eingesetzt.

mini|Beladenes Reiserad Speziell gefertigte Reiseräder werden der erhöhten Belastung entsprechend konstruiert, indem stabiles Material und beispielsweise Rahmenrohre mit größeren Wandstärken verwendet werden. Ihre Geometrie ist so angelegt, dass sie tendenziell einen längeren Radstand und größeren Nachlauf haben als andere Serienfahrräder, damit ein ruhigerer Geradeauslauf erzielt wird.Rüdiger Bellersheim, Ernst Brust, Michael Gressmann, Dietmar Hertel, Franz Koslar: Tabellenbuch Fahrradtechnik. 2. Auflage. Europa-Lehrmittel, 2011, ISBN 978-3-8085-2332-2, S. 221.

Auch viele Liegefahrräder eignen sich als Reiserad. Spezielle Anforderungen sind zu beachten.

mini|Reiserad als Spezialanfertigung (Baujahr 1991), voll beladen

Anforderungen Ein Rad für längere Radreisen erfüllt meist eine Reihe konstruktiver Anforderungen. Der Rahmen ist in der Regel für das Anbringen mehrerer Gepäckträger geeignet und soll auch dann einen stabilen Geradeauslauf erlauben, wenn das Rad schwer beladen ist. Stabilität ist im Zweifel wichtiger als Masse. Anbauteile sollten dementsprechend robust und pflegeleicht sein. Andererseits sollte insbesondere auf Bergstrecken keine überflüssige Masse transportiert werden. Ein tief angebrachter Lenker kann zu Verspannungen im Nacken und im Rücken führen. Eine allzu aufrechte Sitzhaltung belastet demgegenüber das Gesäß und vergrößert ebenso wie eine sperrige Beladung den Luftwiderstand.

mini|Reiserad aus Aluminium mit blockierbarer Federgabel Rahmen und Anbauteile: Steifer und ausreichend langer Rahmen, um die benötigten Packtaschen aufnehmen zu können, Reiseräder, die vorwiegend auf der Straße eingesetzt werden, haben eine eher tiefe Tretlagerposition. Dadurch lässt sich das schwere Fahrrad im Stand sicherer abstützen. Andererseits setzen die Pedalen beim Überfahren von Hindernissen leichter auf. Steife Laufräder mit besonders belastbaren Speichen und Felgen (idealerweise 40 oder 48 statt 36 Speichen, die hinten möglichst vierfach gekreuzt werden),Minimale Speichenanzahl Smolik Velotech: minimale Speichenanzahl wasserdichten Lagern und widerstandsfähiger Bereifung. Kevlar-Einlagen können den Durchstich von Fremdkörpern vermindern (sind allerdings anfällig für spontanes Einreißen). Ergonomische und auf den Fahrstil des Reisenden abgestimmte Sitzposition, um Fehlbelastungen zu vermeiden: Ein steiles Sattelrohr (die Rahmenstrebe zwischen Tretlager und Sattel) verbessert die Kraftentfaltung beim Treten. Beim Aufsetzen der Ferse auf die unterste Pedalstellung soll das Bein gestreckt sein. Ein hochwertiger Sattel vermeidet Druckstellen am Gesäß. Er soll vorn schlank genug sein, um nicht an den Oberschenkeln zu reiben. Traditionell werden Sättel aus Kernleder eingesetzt, die jedoch zuvor eingefahren werden müssen. Eine gefederte Sattelstütze schont auf unebenen Untergründen das Gesäß. Sattelneigung: Bei eher langsamer Fahrt (bis 16 km/h) und aufrechter Haltung sollte der Sattel waagerecht eingestellt werden. Höhere Dauergeschwindigkeiten lassen sich wegen des Windwiderstandes durch eine tiefe Lenkerposition oder Verwendung von Renn- oder Triathlon-Lenkern und entsprechend geneigtem Oberkörper erreichen. Um dabei Wirbelsäule und Genitalien zu entlasten, kann die Sattelnase leicht nach unten geneigt werden.Michael Gressmann: Fahrradphysik und Biomechanik. 10. Auflage. Moby Dick Verlag, Kiel 2008. Der Lenker soll mehrere Griffpositionen ermöglichen, durch welche sich nicht nur die Abstützung der Hände und Haltung der Arme, sondern auch die Neigung des Rückens variieren lässt. Rennhaken und Klickpedale ermöglichen einen runden Tritt. Rennhaken erlauben die Verwendung von gewöhnlichen Schuhen, solange deren Sohle ausreichend steif ist. Kombipedale können sowohl mit Fahrradschuhen als auch mit gewöhnlichen Schuhen (ohne Verwendung des Klickmechanismus) benutzt werden. Die Schaltung sollte bei Fahrten im Hügelland auch kurze Übersetzungen ermöglichen. Geeignet sind neben herkömmlichen Kettenschaltungen auch Nabenschaltungen, die weniger Wartung erfordern, aber einen etwas geringeren Wirkungsgrad haben. Bei der Kette geht Haltbarkeit vor Schaltfreudigkeit (auf Langstrecken wird weniger häufig geschaltet als im Alltag). Leistungsfähige Bremsen: Bei Ausfall einer Bremse muss das Rad auch bei Regen und Gefällestrecken alleine mit der verbleibenden Bremse zum Halten gebracht werden können. In der Regel wurden, bevor Alternativen zur Verfügung standen, Cantilever-Bremsen, bevorzugt aber V-Bremsen (V-Brakes) sowie hydraulische Felgenbremsen eingesetzt. Inzwischen sind an neueren Reiserädern Scheibenbremsen üblich (je nach Reiseland können Ersatzteilversorgung und Reparaturmöglichkeiten unterwegs jedoch eingeschränkt sein). Aufgrund der stärkeren Belastung müssen Rahmen und Gabel vom Hersteller zur Verwendung mit hydraulischen bzw. Scheibenbremsen freigegeben sein.: Pro und Kontra Scheibenbremse am Trekkingrad Gewöhnliche Rücktritt- und Trommelbremsen können bei längeren Abfahrten überhitzen und sollten auf Gefällestrecken nur als zusätzliche dritte Bremse eingesetzt werden, sofern der Hersteller die Verwendung als Hauptbremse am Reiserad (bzw. am Fahrrad oder am Lastenrad) nicht ausdrücklich freigibt.Stiftung Warentest: Fahrradbremsen

mini|Verschiedene Packtaschen an einem Reiserad Beladung Einfache Gepäckträger können durch die Dauerbelastung auf Radtouren brechen. Markenhersteller prägen die Angabe über die zulässige Belastbarkeit in der Regel auf den Träger. Ein tiefer Schwerpunkt verbessert das Fahrverhalten (etwa bei Ausweichmanövern oder Geländefahrten) und erleichtert die Handhabung des Rades (insbesondere auch beim Schieben). Die alleinige Beladung des Vorderrads kann beim Bremsen zum Verlust der Bodenhaftung des Hinterrads führen. Die alleinige Beladung des Hinterrades kann bei sehr steilen Passagen zum Aufsteigen des Vorderrads führen und die Handhabung beim Schieben erschweren. Die vorderen Packtaschen sollten an einem Lowrider hängen, nicht zu voluminös sein und die schwersten Teile der Ausrüstung enthalten. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass die meisten gängigen Lowrider in der Zuladung auf maximal ca. 15 kg begrenzt sind. Eine größere Last auf mitschwenkenden Vorderradgepäckträgern behindert die Lenkung. Das Rad ist besser zu steuern, wenn der Vorderradgepäckträger am Rahmen befestigt wird, so dass die zusätzliche Masse beim Lenken nicht mitbewegt wird. Diese Art Träger sind jedoch meist weniger belastbar und das Gepäck sitzt deutlich höher als am Lowrider. Bei Geländefahrten mit gefederten Reiserädern sollten Gepäckträger bevorzugt am Rahmen statt an Federgabel oder Hinterradschwinge befestigt werden. Dadurch verringert sich die Belastung, die bei Stößen auf Taschen und Träger wirkt, stark und der Sicherheits- und Geschwindigkeitsvorteil der Federung bleibt erhalten. Erhältlich sind auch Träger, die an der Gabelbrücke der Federgabel angebracht werden. Trägersysteme, die sich nicht im Bereich der Laufräder abstützen, sind technisch aufwändiger zu fertigen und weniger belastbar als vergleichbare konventionelle Träger. Eine Federung verringert zwar die Stoßbelastung, welche die Träger aufnehmen müssen, deutlich. Beim Einsatz im Gelände treten allerdings höhere seitliche Kräfte auf. Durch die erhöhte Befestigung der Radtaschen erfordert die Handhabung des Rades an schwierigen Passagen sowie beim Schieben mehr Kraft und Geschick.

Eine Lenkertasche ermöglicht den schnellen Zugriff auf kleinere Gegenstände während der Fahrt. Unter einer Klarsichthülle des Deckels lassen sich Landkarten oder Navigationsgeräte regensicher unterbringen. Hilfreich ist auch eine gesonderte Halterung für Mobiltelefon oder Navigationsgerät. Im Rahmendreieck kann neben den Trinkflaschen noch eine kleinere Tasche angebracht werden. Eine stabile Tasche oder ein Polster im hinteren Rahmeneck erleichtert das Tragen des Rades, da dieses dann über die Schulter gehoben werden kann, ohne dass das Schlüsselbein direkt an das Rahmenrohr stößt. Ein Austarieren der Last zwischen der rechten und der linken Seite wurde früher empfohlen, ist aber tatsächlich nicht erforderlich. Ein minimal erhöhter Reifenverschleiß durch den ausgleichenden Lenkeinschlag macht sich in der Praxis nicht bemerkbar. Im Rahmendreieck lassen sich oft bis zu drei Trinkflaschenhalter anbringen. Manche Halter nehmen auch größere Flaschen auf. Ein Nabendynamo arbeitet zuverlässiger als ein seitlich auf der Reifenflanke laufender Reibraddynamo. Er läuft zwar dauernd mit, hat aber im Leerlauf einen nur geringfügig höheren Laufwiderstand als eine generatorlose Nabe und unter Last einen höheren Wirkungsgrad als ein Seitenläufer. Er eignet sich daher gut, um auch zum Laden von Akkus bzw. zur Stromversorgung von weiteren Geräten genutzt zu werden. Ein Rückspiegel erhöht die Sicherheit im städtischen Verkehr und beim Fahren in der Gruppe. Federgabeln und Federbeine sollten vom Hersteller für die höhere Belastung beim Reiserad vorgesehen sein. Ansonsten ist mit dem Durchschlagen der Federung und dem schnellen Ausfall zu rechnen. Die Fertigung spezieller Reiseradfederungen wurde wegen mangelnder Nachfrage aufgegeben. Besonders hochwertige bzw. robuste Federungselemente (etwa zum Einsatz in schwerem Gelände, im Downhill-Sport sowie an Lastenrädern und Tandems) eignen sich auch zur Verwendung an Reiserädern. Ein zweibeiniger Fahrradständer ermöglicht das Abstellen des bepackten Fahrrades. Mittig angebrachte Seitenständer eignen sich kaum; hinten angebrachte Seitenständer nur auf ebenem Untergrund und wenn sie die genau passende Länge haben. Wenn an der Gabel Gepäck angebracht ist, kann eine zwischen Gabelkrone und Unterrohr gespannte Feder das Herumschlagen des Vorderrads verhindern, wodurch sich das Abstellen und die Standsicherheit deutlich erhöht.

Neben der Robustheit ist bei der Auswahl der Komponenten auch darauf zu achten, ob diese unterwegs entsprechend der örtlichen Gegebenheiten leicht zu reparieren oder auszutauschen sind. Einfache Stahlkonstruktionen können auch in armen Ländern in jeder kleinen Metallwerkstatt durch Schweißen repariert werden.

Aufgrund der überdurchschnittlichen Belastung halten viele Teile an Reiserädern nur einige zehntausend Kilometer. Eingesetzt werden daher oft hochwertige Gruppen von Rennrad- oder Mountainbikekomponenten. Reiseräder kosten daher üblicherweise deutlich vierstellige Beträge.

Viele kleine Hersteller passen Reiseräder individuell an Proportionen und Wünsche des Kunden an. Bei Maßfertigung des Rahmens können unter anderem Nachlauf und Radstand angepasst und Anlötsockel für spezielle Schaltungen, Bremsen, Gepäck- und Flaschenhalter vorgesehen werden. Durch den Vergleich der Körpermaße mit der Rahmengeometrie lässt sich alternativ häufig auch ein passendes Serienreiserad auswählen. Bein- und Oberkörperlänge bestimmen maßgeblich die Geometrie des Rahmens.

Maße am Rad Zur Auswahl des passenden Rahmens werden beim Reiserad die bei Rennrädern üblichen Vermessungsmethoden in etwas abgewandelter Form angewandt: