Die Fußball-Europameisterschaft der Frauen 2009 () war die zehnte Ausspielung der europäischen Kontinentalmeisterschaft im Frauenfußball und fand vom 23. August bis zum 10. September erstmals in Finnland statt. Erstmals nahmen auch zwölf Mannschaften an der Endrunde teil.
Titelverteidiger Deutschland gewann das Finale gegen England mit 6:2 und wurde zum siebten Mal nach 1989, 1991, 1995, 1997, 2001 und 2005 und zum fünften Mal in Folge Europameister. Torschützenkönigin wurde, wie schon 2005, die deutsche Stürmerin Inka Grings.
Vergabe Zum Ablauf der Bewerbungsfrist am 22. Februar 2006 hatten sich die Verbände Finnlands und der Niederlande für die Austragung der EM 2009 beworben.uefa.com: Beide Kandidaten lieferten laut UEFA-Generalsekretär Lars-Christer Olsson „exzellente Bewerbungen ab, die sich nur in Details unterschieden haben“. Am 11. Juli 2006 vergab die UEFA auf ihrem Kongress in Berlin die Europameisterschaft 2009 nach Finnland. Das Exekutivkomitee war laut Olsson der Meinung, dass die Turniere der UEFA in möglichst vielen Ländern stattfinden sollten. Die Niederlande waren Gastgeber der U-21-EM der Männer im Jahre 2007uefa.com: und richteten gemeinsam mit Belgien die Europameisterschaft der Männer 2000 aus. Finnland war bereits 2004 Gastgeber der U-19-Europameisterschaft der Frauen und richtete 2003 die U-17-Weltmeisterschaft der Junioren aus.
Qualifikation
mini|Die teilnehmenden Nationen nach Platzierung
Die Auslosung der EM-Endrunde wurde am 18. November 2008 um 14 Uhr Ortszeit in der Finlandia-Halle in Helsinki durchgeführt. Für die Auslosung wurden die zwölf qualifizierten Mannschaften in drei Töpfe aufgeteilt. Im ersten Topf befanden sich Gastgeber Finnland, Titelverteidiger Deutschland sowie Schweden als beste Mannschaft der Qualifikation. Die übrigen Gruppensieger der Qualifikation wurden dem zweiten Topf zugewiesen. Die Sieger der 3. Qualifikationsrunde kamen in den dritten Topf. Somit enthielten die drei Töpfe folgende Mannschaften:uefa.com: Topf 1: Finnland (Gastgeber), Deutschland (Titelverteidiger), Schweden (beste Mannschaft der Qualifikation) Topf 2: Dänemark, England, Frankreich, Norwegen Topf 3: Island, Italien, Niederlande, Russland, Ukraine
Die Auslosung ergab folgende Gruppen:uefa.com:
Gruppe AGruppe BGruppe C
Spielorte Die Spiele der Endrunde der Europameisterschaft wurden in fünf Stadien in vier verschiedenen Städten Finnlands ausgetragen.
Tampere LahtiTampere-StadionStadion Lahti Kapazität: 17.000 Kapazität: 14.5004 Vorrundenspiele1 Viertelfinale1 Halbfinale3 Vorrundenspiele1 Viertelfinale 230px|Tampere-Stadion 240px|Stadion LahtiTurkuHelsinkiHelsinkiTurku-StadionOlympiastadion HelsinkiFußballstadion Helsinki Kapazität: 9.000 Kapazität: 40.000 Kapazität: 11.0004 Vorrundenspiele1 Viertelfinale4 VorrundenspieleFinale3 Vorrundenspiele1 Viertelfinale1 Halbfinale230px|Turku-Stadion240px|Olympiastadion Helsinki240px|Fußballstadion Helsinki
Mit 17.000 Plätzen ist das Ratina-Stadion in Tampere das zweitgrößte Stadion der EM. Die Arena wurde 1965 gebaut und zuletzt 2004 renoviert. Das Stadion ist die Heimstätte des Vereins Tampere United und der nördlichste Spielort des Turniers. Hier wurden vier Vorrundenspiele und ein Viertelfinale ausgetragen. Während des Turniers hat die Arena Tampere-Stadion geheißen.uefa.com: Das Stadion Lahti in Lahti ist mit 14.465 Plätzen das drittgrößte Stadion der Europameisterschaft. Die Heimspielstätte des FC Lahti wurde 1981 gebaut und zuletzt 2003 renoviert. Das Stadion liegt direkt neben den Salpausselkä-Schanzen. Während der EM hat die Arena den Namen Lahti-Stadion tragen und in ein reines Sitzplatzstadion für 8.000 Zuschauer umgewandelt. Drei Vorrundenspiele und ein Viertelfinale wurden in diesem Stadion ausgetragen.uefa.com: Das kleinste Stadion des Turniers ist das Veritas-Stadion in Turku. Die Heimspielstätte der Vereine Turku PS und Inter Turku bietet 9.000 Besuchern Platz. Die Arena wurde 1952 gebaut und zuletzt im Jahre 2003 renoviert. In Turku wurden vier Vorrundenspiele und ein Viertelfinale ausgetragen. Während des Turniers hieß die Arena Turku-Stadion.uefa.com: Das Olympiastadion Helsinki ist mit 40.000 Plätzen das größte Stadion des Landes. Es war zuvor Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 1952 sowie der Leichtathletik-Weltmeisterschaften 1983 und 2005. Das Stadion wird zurzeit hauptsächlich als Spielstätte der finnischen Nationalmannschaft der Männer genutzt. Im Olympiastadion finden vier Vorrundenpartien, darunter alle drei Spiele des Gastgebers und das Finale statt.uefa.com: Zweiter Austragungsort in Helsinki war das Finnair Stadium. Die im Jahre 2000 eröffnete Arena bietet Platz für 10.770 Zuschauer und ist das Heimstadion von HJK Helsinki. Im Jahre 2003 wurde hier das Finale der U-17-Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen. Da das Stadion den Namen eines Sponsors trägt, wurde es während des Turniers als Fußballstadion Helsinki bezeichnet. In der Arena wurden drei Vorrundenspiele, ein Viertelfinale und ein Halbfinale ausgetragen. Während des Turniers wurde der vorhandene Kunstrasen durch einen Naturrasen ersetzt.uefa.com:
Modus Bei der Endrunde bildeten die zwölf Teilnehmer drei Vorrundengruppen mit je vier Mannschaften, von denen sich jeweils die ersten beiden sowie die zwei besten Dritten für das Viertelfinale qualifizierten. In der Gruppenphase spielte jede Mannschaft gegen jede andere Mannschaft ihrer Gruppe nach dem Meisterschaftsmodus.
Bei Punktgleichheit mehrerer Mannschaften in den Gruppenspielen entschieden die Ergebnisse aus den direkten Begegnungen über die Platzierung. Dabei wurden erst die summierten Punkte, dann die Tordifferenz und danach die Anzahl der erzielten Tore verglichen. Ergab sich hierdurch keine Platzierung, wurden die Tordifferenz und die Anzahl der erzielten Tore aus allen Gruppenspielen herangezogen. Sollte danach noch immer keine Entscheidung gefallen sein entschied das Fairplay-Verhalten der Mannschaften. Lagen auch hier zwei oder mehrere Mannschaften gleichauf, entschied das Los. Diese Regelung sorgte dafür, das Finnland und Deutschland bereits nach 2 Spielen als Gruppensieger feststanden und sich Finnland im dritten Spiel eine Niederlage gegen die bereits ausgeschiedenen Ukrainerinnen erlauben konnte.
Ein Sonderfall hätte sich ergeben, falls sich am letzten Spieltag der Gruppenphase zwei Mannschaften gegenüberstanden hätten, die nach Ende der regulären Spielzeit Remis spielten und dieselbe Anzahl an Punkten, dieselbe Tordifferenz und dieselbe Anzahl erzielter Tore aufweisen. Hätte es kein weiteres Team gegeben, das ebenso viele Punkte verbuchen konnte, wäre die Entscheidung um die Platzierung in der Gruppe dann im Elfmeterschießen gefallen.uefa.com: Reglement der UEFA-Europameisterschaft der Frauen, Seite 18 Diese Situation trat aber nicht ein.
Ab dem Viertelfinale wurde das Turnier über Halbfinale und Finale im K.-o.-System fortgesetzt, wobei sich der Sieger eines Spiels für die nächste Runde qualifizierte. Endete das Spiel nach Ablauf der regulären Spielzeit unentschieden, gab es eine Verlängerung von zweimal 15 Minuten. War auch nach der Verlängerung keine Entscheidung gefallen, wurde der Sieger der Begegnung im Elfmeterschießen ermittelt. Im Gegensatz zu den Weltmeisterschaften gibt es bei Europameisterschaften seit 1993 kein Spiel um den dritten Platz.
Vorrunde Gruppe A
* Ortszeit (MESZ+1)
Finnland konnte bereits nach zwei knappen Siegen über Dänemark und die Niederlande vorzeitig den Gruppensieg für sich verbuchen. Matchwinnerin im Spiel gegen die Niederlande war Laura Österberg Kalmari, die beide finnische Treffer per Kopf erzielte. Im letzten Gruppenspiel konnte sich die Auswahl des Gastgeberlandes noch eine Niederlage gegen die bereits ausgeschiedene Mannschaft aus der Ukraine leisten.
Der dritte Platz ging an die dänische Mannschaft, die hinter den Erwartungen zurückblieb. Einer unglücklichen Niederlage gegen Finnland folgte ein glücklicher Sieg gegen die Ukraine durch einen späten Treffer von Maiken With Pape. Im abschließenden Duell gegen die Niederlande um Platz zwei scheiterte die dänische Auswahl an der niederländischen Abwehr um Torfrau Loes Geurts.
Für den zweiten EM-Neuling der Gruppe aus der Ukraine blieb nur der letzte Platz übrig. Nach einer 0:2-Niederlage gegen die Niederlande und dem unglücklichen 1:2 gegen Dänemark war die Mannschaft bereits nach dem zweiten Spiel ausgeschieden. Der abschließende Sieg über die Gastgeberinnen sorgte jedoch für ein versöhnliches Ende.
Gruppe B
* Ortszeit (MESZ+1)
mini|Deutschland im Spiel gegen Norwegen
Mit drei Siegen aus drei Spielen konnte Titelverteidiger Deutschland den ersten Platz in der stark besetzten Gruppe B erringen. Dabei tat sich die deutsche Mannschaft besonders im ersten Spiel hinsichtlich der Chancenverwertung schwer. Drei der vier Tore fielen erst in der 90. Minute und der Nachspielzeit. Nach dem deutlichen 5:1 über Frankreich war der Gruppensieg bereits sicher. Im letzten Spiel gegen Island schonte die Bundestrainerin Silvia Neid zahlreiche Stammkräfte. Durch den zweiten Turniertreffer von Inka Grings gewann die deutsche Elf mit 1:0 gegen Island.
Frankreich wurde Zweiter in der Gruppe B. Durch zwei Elfmetertore konnte die Équipe tricolore das Auftaktspiel gegen Island nach einem Rückstand noch drehen. Nach einer deutlichen Niederlage gegen Deutschland ging es am dritten Spieltag gegen Norwegen um den zweiten Platz der Gruppe. Die norwegische Führung konnte Camille Abily ausgleichen. Somit überstand Frankreich erstmals bei einer Europameisterschaft die Vorrunde.
Dagegen enttäuschte die norwegische Mannschaft. Im Auftaktspiel erlitt das Team eine deutliche 0:4-Niederlage gegen Deutschland. Es folgte ein glücklicher 1:0-Sieg gegen Island durch einen Treffer der erst 18-jährigen Cecilie Pedersen. Schließlich trennte sich die norwegische Elf von Frankreich mit 1:1. Mit vier Punkten qualifizierte sich Norwegen als einer von zwei Gruppendritten für das Viertelfinale.
Bei seiner EM-Premiere blieb für Island nur der vierte Platz in Gruppe B. In allen drei Spielen zeigten die Nordländerinnen, dass sie mit den gegnerischen Mannschaften mithalten konnten, mussten aber jeweils knappe Niederlagen hinnehmen.
Gruppe C
* Ortszeit (MESZ+1)
Ungeschlagen konnte sich Schweden den Gruppensieg sichern. Nach überzeugenden Siegen gegen Russland und Italien stand das „Drei-Kronen-Team“ bereits vorzeitig als Gruppensieger fest. Lediglich in dem für Schweden bedeutungslosen letzten Spiel gab es keinen Sieg für den Mitfavoriten. Umso bedeutender war der letzte Spieltag für die anderen Mannschaften, die allesamt noch ausscheiden oder weiterkommen konnten.
Etwas überraschend belegte Italien Platz zwei in Gruppe C. Im Auftaktspiel konnten die Azurra einen Rückstand gegen England umbiegen, ehe die Elf von Trainer Pietro Ghedin gegen Schweden nach zwei schnellen Gegentoren leicht überfordert wirkte. Durch einen 2:0-Sieg gegen Russland überstand Italien zum ersten Mal seit 1997 wieder die Vorrunde.
England konnte zum ersten Mal die Vorrunde überstehen. Im Auftaktspiel gaben die Engländerinnen eine in Unterzahl errungene 1:0-Führung gegen Italien noch aus der Hand. Gegen Russland lag England bereits mit 0:2 zurück und war praktisch ausgeschieden. Dem Team gelang jedoch noch der Ausgleich, bevor Kelly Smith mit einem Schuss aus dem Mittelkreis noch den Siegtreffer erzielen konnte. Das abschließende 1:1 gegen Schweden reichte den Britinnen zum Weiterkommen.
Gruppenletzter wurde Russland. Die Russinnen hatten trotz der Niederlagen gegen Schweden und England in den ersten beiden Spielen noch Chancen auf den zweiten Platz der Gruppe. Im letzten Spiel gegen Italien vergab die Mannschaft von Trainer Igor Schalimow zahlreiche Chancen, ehe Italien durch zwei späte Tore für das endgültige Aus der russischen Elf sorgte.
Rangliste der Gruppendritten !! Gruppe ||C ||B ||A
Finalrunde
V Sieg nach VerlängerungE Sieg im Elfmeterschießen
Viertelfinale