Ein neuer Stern am Himmel (Originaltitel: A Star Is Born) ist ein Spielfilm des US-amerikanischen Regisseurs George Cukor aus dem Jahr 1954. Judy Garland spielt die Nachwuchssängerin Esther. Norman Maine, dargestellt von James Mason, vermittelt ihr aus Dankbarkeit Probeaufnahmen. Schnell wird die junge Dame ein gefeierter Star. Das Musical ist eine Neuverfilmung von William A. Wellmans Drama Ein Stern geht auf von 1937 und wurde von den Filmstudios Transcona Enterprises und Warner Bros. produziert. Für die musikalische Untermalung waren Harold Arlen und Ira Gershwin zuständig.

Handlung Bei der Benefizveranstaltung Die Nacht der Stars in Los Angeles geben sich Hollywoods Prominente die Ehre, um Geld zu Gunsten ehemaliger Leinwandstars zu sammeln. Norman Maine ist die Attraktion des Wohltätigkeitsfestes, doch der Schauspieler lässt das Publikum warten und erscheint wenig später betrunken hinter den Kulissen. Maine kann von den Kulissenschiebern nur mit Mühe davon zurückgehalten werden, auf die Bühne zu treten und demoliert kurze Zeit später bei Anwesenheit von Fotografen die Umkleideräume. Währenddessen bereitet sich die zurzeit in der Stadt gastierende Sängerin Esther Blodgett mit dem Glenn Williams Orchestra auf ihren großen Auftritt vor. Als sie mit ihren zwei Partnern den Song You Gotta Have Me Go with You interpretiert, betritt der stark alkoholisierte Norman Maine die Bühne. Esther versucht ihn von der Bühne zu schaffen. Als es ihr nicht gelingt, baut sie den Schauspieler spontan in die Gesangs- und Tanznummer mit ein und verhindert so einen Skandal. Noch vom Alkohol berauscht, bedankt sich Maine nach der Gala bei der Sängerin, die trotz des negativen Erlebnisses beeindruckt von dem Leinwandstar ist. Stunden später sucht der mittlerweile nüchterne Norman Maine Esther bei Proben in einem geschlossenen Nachtclub auf. Der Schauspieler ist fasziniert von ihrem melancholischen Liebeslied The Man that Got Away und glaubt, in Esther das „gewisse Etwas“ zu erkennen, das eine große Künstlerin ausmacht. Er fährt die verwirrte junge Frau nach Hause und kann die Sängerin, die von einer erfolgreichen Plattenaufnahme in einem großen Tonstudio träumt, zum Bleiben überreden. Der Schauspieler will Esther unbedingt zum Film bringen und vereinbart sogleich am nächsten Tag ein Vorsprechen für sie.

Einen Tag später auf dem Studiogelände kommen sich Norman und Esther näher, als der Schauspieler der verunsicherten jungen Frau hilft, das richtige Make-up für die Probeaufnahmen auszuwählen. Die Sängerin bekommt auf Empfehlung Norman Maines einen Vertrag mit dem Filmstudio, spielt bald eine erste Statistenrolle und sieht sich mit einem Künstlernamen, Vicky Lester, versehen. Mit Hilfe von Maine wird sie kurz darauf mit dem Filmproduzenten Oliver Niles bekannt gemacht, der sie als Ersatz für die Hauptrolle in seinem neuen Musikfilm Es ist eine neue Welt (Born in a Trunk) besetzt. Der Film über eine junge Sängerin, die versucht Karriere zu machen, wird ein Erfolg und Vicky Lester wird als neuer Star Hollywoods gefeiert. Norman Maines neuester Film fällt dagegen bei Publikum und Kritikern durch. Nach dem Erfolg plant Norman, Esther zu verlassen, doch die junge Frau kann ihn von ihrer Liebe überzeugen und beide heiraten heimlich und unerkannt auf dem Land, sehr zum Ärger des Agenten Matt Libby, der eine große und medienwirksame Hochzeit geplant hatte. Norman und Esther ziehen in ein luxuriöses Haus in den Hügeln Hollywoods, doch schon bald fallen erste Schatten über die junge Ehe. Esthers Filmkarriere floriert; Normans Kontrakt wird derweil von der Filmdirektion in New York aufgelöst, da er durch seine vergangenen Eskapaden und zwei erfolglose Filme in Folge ein zu großes Risiko darstellt. Norman verfällt erneut dem Alkohol und verursacht bei der Oscarverleihung eine Szene. Während Esther für ihre Rolle in Eine Welt für zwei mit dem Preis als Beste Schauspielerin ausgezeichnet wird, betritt auf einmal der der Verleihung ferngebliebene Norman alkoholisiert die Bühne, klagt vor der Prominenz Hollywoods über seine Arbeitslosigkeit und schlägt seiner Frau versehentlich ins Gesicht. Nach dem Skandal bei den Oscars versucht Norman, gegen seine Alkoholkrankheit in einem Sanatorium anzukämpfen. Esther, deren Filmkarriere keinen Schaden genommen hat, mimt vor der Kamera die glückliche Sängerin und Schauspielerin, tatsächlich zerbricht sie aber langsam an den Rückschlägen ihres Ehemannes und gibt sich selbst die Schuld für seinen Abstieg. Daraufhin besucht Oliver Niles Norman im Sanatorium und bietet ihm eine Rolle in einem seiner kommenden Filme an. Als Norman aber erfährt, dass es nur eine Nebenrolle ist, weigert er sich, das Angebot anzunehmen und gibt vor, bereits als Hauptdarsteller für eine englische Produktion festzustehen.

Nachdem Norman aus dem Sanatorium entlassen wurde, ist das Paar um der Einsamkeit willen nach Malibu umgezogen. Auf der Pferderennbahn trifft Norman an Weihnachten auf den Filmagenten Matt Libby, der ihm schon von jeher nicht wohl gesinnt war. Es kommt zu einer Schlägerei, und der Ex-Schauspieler erleidet einen Rückfall. Betrunken bleibt er vier Tage von Zuhause fort, verursacht einen Verkehrsunfall und wird im Beisein von Esther und Oliver Niles vor dem Schnellgericht zu sechs Monaten Haft verurteilt. Die bekannte Filmschauspielerin kann jedoch den Richter überzeugen, Milde walten zu lassen und Norman ihrer Obhut zu übergeben. Während die Klatschpresse in der Story um den Ex-Schauspieler ein gefundenes Fressen sieht, beschließt Esther in einem Gespräch mit Filmproduzent Oliver Niles, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere Hollywood den Rücken zu kehren. Sie will sich von nun an nur noch um ihren geliebten Ehemann kümmern. Norman, der das Gespräch mitangehört hat, kommt dem Entschluss seiner Ehefrau jedoch zuvor und wählt den Freitod im Meer. Die Beerdigung des Ex-Filmstars, die von Matt Libby organisiert wird, löst einen Massenansturm aus, und Esther erleidet im Gewirr ihrer Fans und unter dem Blitzlichtgewitter einen Nervenzusammenbruch. Sie flieht in die Einsamkeit, wird aber von einem Freund aus ihrer Lethargie gerissen und zum Auftritt bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung überredet, an der der Filmstar schon lange zuvor hätte teilnehmen sollen. Die Zeremonie, die von allen Sendern der Welt übertragen wird, findet in dem Theater statt, in dem sich Esther und Norman das erste Mal trafen. In Andenken an ihren verstorbenen Ehemann stellt sich die Künstlerin als Mrs. Norman Maine vor und wird vom Publikum gefeiert.

Entstehungsgeschichte Originalfilm und Vorproduktion Ein neuer Stern am Himmel ist eine Neuverfilmung von William A. Wellmans Drama Ein Stern geht auf aus dem Jahr 1937, das wiederum von George Cukors Film What Price Hollywood? von 1932 inspiriert wurde. Der Stoff um eine ambitionierte Schauspielerin, die als Kellnerin auf einer Hollywoodparty von einem alkoholkranken Leinwandstar entdeckt und gefördert wird, galt 1937 in der Filmmetropole als skandalös. Dennoch wurde Ein Stern geht auf, mit Janet Gaynor und Fredric March in den Hauptrollen und von David O. Selznick und der United Artists produziert, ein Jahr später für sieben Oscars nominiert. Der Film konnte die Trophäe in der Kategorie Bestes Original-Drehbuch gewinnen, Kameramann W. Howard Greene gewann für den Technicolor-Film einen Ehrenpreis.

Fast fünfzehn Jahre später bemühte sich der US-amerikanische Filmproduzent Sidney Luft um eine Neuverfilmung von Wellmans Drama. Luft hatte 1952 die Schauspielerin Judy Garland geheiratet und versuchte seither, ein erfolgreiches Comeback seiner Ehefrau im Film zu organisieren. Die nur 151 cm große Garland hatte Mitte der 1930er Jahre in den Vereinigten Staaten als Kindergesangsstar bei der MGM Karriere gemacht und war unter anderem durch Filme wie Victor Flemings Das zauberhafte Land (1939) einem breiten Publikum bekannt geworden. Ihr unermüdlicher Arbeitseifer und ihr hektisches Privatleben verlangten aber der Schauspielerin Tribut ab – sie erlitt 1949 bei den Dreharbeiten zu dem Musical Duell in der Manege einen Nervenzusammenbruch und musste durch Betty Hutton ersetzt werden. 1951 war Garland in Stanley Donens Komödie Königliche Hochzeit neben Fred Astaire vorgesehen, erschien aber mitten in der Produktion nicht mehr zu den Dreharbeiten. Der MGM bescherte dies einen Verlust von ungefähr fünf Millionen DM; man besetzte den Part der Ellen Bowen mit der Schauspielerin Jane Powell und kündigte Judy Garland fristlos. Nach Erfolgen am Broadway folgte ein Selbstmordversuch, doch mit Hilfe von Ehemann Sidney Luft gelang es Garland nach einem Aufenthalt in einem Sanatorium, mit einer eigenen Revue wieder Fuß zu fassen.

Um ihrer Filmkarriere mit Ein neuer Stern am Himmel wieder zu Ruhm zu verhelfen, gründete Sidney Luft die Filmproduktionsfirma Transcona Enterprises, an der Judy Garland und er zu 75 Prozent beteiligt waren, Filmproduzent Edward L. Alpherson zu 20 Prozent und Ted Law, ein Freund Lufts, zu 5 Prozent. Allein gelang es ihnen aber nicht, den Film zu produzieren, und das Quartett wandte sich an Jack L. Warner, Präsident des Filmstudios Warner Bros., der mit Judy Garland befreundet war. Man einigte sich darauf, dass Warner Bros. den Film finanzieren sollte und vereinbarte ein Budget auf 1,5 Millionen US-Dollar (andere Quellen berichten von 2,5 Millionen US-Dollar), eine hohe, jedoch zum derzeitigen Zeitpunkt in der Größenordnung übliche Summe für ein Musical. Die Regie wurde George Cukor anvertraut, der den Stoff bereits 22 Jahre zuvor unter dem Titel What Price Hollywood? verfilmt hatte und in der Vergangenheit für erfolgreiche Komödien wie Die Nacht vor der Hochzeit (1940) oder Die ist nicht von gestern (1950) verantwortlich gezeichnet hatte. Cukor war dafür bekannt, die Frauenrollen in seinen Filmen stark herauszustellen, was ihm deshalb auch den Titel eines „Frauen-Regisseurs“ in Hollywood eingebracht hatte. Für die männliche Hauptrolle des alkoholkranken Leinwandstars Norman Maine waren unter anderem Humphrey Bogart, Marlon Brando und Montgomery Clift im Gespräch, die jedoch von Cukor abgelehnt wurden. George Cukors Wunschkandidat Cary Grant, der zuerst für Ein neuer Stern am Himmel zugesagt hatte, wandte sich später vom Filmprojekt ab. Als Ersatz konnte der Brite James Mason verpflichtet werden, der 1947 durch die Hauptrolle in Carol Reeds Kriminalfilm Ausgestoßen große Bekanntheit erlangt hatte. Das Filmskript wurde von dem US-amerikanischen Dramatiker und Drehbuchautoren Moss Hart verfasst, der sich sechs Jahre zuvor das Skript für Elia Kazans Oscar-prämierten Film Tabu der Gerechten (1947) erstellt hatte. Hart erhielt eine Prämie von 100.000 US-Dollar und zum ungestörten Arbeiten ein Haus im kalifornischen Palm Springs. Er orientierte sich weitestgehend an der 1937er Drehbuch-Version von Dorothy Parker, Alan Campbell und Robert Carson, verfügte aber nicht über das Originalskript, sondern lediglich über eine Kopie des Films.

Beginn der Dreharbeiten Die Dreharbeiten begannen im September 1953 in den Filmstudios der Warner Bros. in Burbank, Kalifornien. Zur selben Zeit eroberten Jean Negulescos Komödie Wie angelt man sich einen Millionär? und Henry Kosters Bibelfilm Das Gewand die US-amerikanischen Kinos. Beide Produktionen waren im neuen Cinemascope-Format gedreht worden, ein Breitwandverfahren, das Bilder im Seitenverhältnis von 1:2,55 ermöglichte. Aufgrund dieser Entwicklung entschloss man sich, Ein neuer Stern am Himmel ebenfalls in Cinemascope-Format zu drehen. Warner Bros. setzte dabei zunächst auf seine eigene Technologie, das so genannte WarnerSuperScope-Format.