mini|Mercure in Hannover mini|Sofitel Taba Heights, Ägypten Accor S.A. ist ein international tätiges französisches Unternehmen im Bereich Hotel- und Gastgewerbe mit Sitz in Issy-les-Moulineaux. Es ist an der Euronext in Paris notiert und Bestandteil des Aktienindex CAC Next 20. Das Unternehmen ist als Betreiber, Eigentümer und Investor von Hotels aktiv. 1967 wurde in Lille-Lesquin das erste Novotel-Hotel eröffnet, das den Grundstein für den Konzern bildete. Seit den 1970er Jahren expandiert das Unternehmen über Frankreich hinaus, und zählte Stand 2025 zu den größten Hotelketten weltweit mit rund 5.800 Hotels in 110 Ländern. Außerhalb Chinas und USA ist das Unternehmen nach eigenen Angaben die Nummer eins im Markt.
Geschichte Gründung der Hotelgesellschaft SIEH 1967 gründeten die ehemaligen IBM-Manager Paul Dubrule und Gerard Pélisson (1932–2023) die „Société d'investissement et d'exploitation hôteliers“, kurz SIEH. Das Unternehmen eröffnete im selben Jahr das erste Hotel unter dem Namen Novotel am Flughafen Lille-Lesquin. Bei der Konzeption des Hauses ließen sich die beiden Gründer von US-amerikanischen Ketten leiten, die in Vorstädten oder an größeren Autobahnen Standorte besitzen. Bis 1973 stieg die Zahl der Novotel-Hotels auf 23. Um neben der Mittelklasse auch preisbewusste Kunden anzusprechen, eröffnete SIEH dann 1974 das erste Ibis-Hotel in Bordeaux. Ein Jahr später übernahm das Unternehmen die Hotelkette Mercure und konnte so seine Marktposition signifikant ausbauen. In den 1970er Jahren dehnte SIEH sein Geschäft auf das Catering aus, insbesondere durch den Kauf der Restaurantkette Courte Paille. Außerdem expandierte das Unternehmen nach Afrika, Lateinamerika und den Mittleren Osten, um französischen Touristen in diesen Ländern Hotels anzubieten. 1980 erwarb SIEH die Luxus-Hotels unter der Marke Sofitel vom französischen Industriellen Jacques Borel, der zuvor ebenfalls für IBM gearbeitet hatte. Damit wurde SIEH zu einem der ersten Unternehmen, das Hotels im Budget-, Mittelklasse- und Premium-Bereich betrieb.
Kauf von Jacques Borel International Bis Ende der 1970er Jahre entwickelte sich SIEH mit 240 Hotels der Marken Ibis, Mercure und Novotel zum Marktführer in Europa. Um den Dienstleistungsbereich weiter auszubauen, lieferte sich SIEH 1982 einen Bieterwettstreit mit Sodexo um das Catering-Unternehmen Jacques Borel International. 1983 fusionierte SIEH schließlich mit Jacques Borel International zur Unternehmensgruppe Accor. Dadurch kam beispielsweise auch das Unternehmen Ticket Restaurant zum Konzern, ein französischer Dienstleister für Essensgutscheine (Voucher). Zum Zeitpunkt der Fusion hatte Accor 440 Hotels und 1.500 Restaurants. Das Unternehmen beschäftigte rund 35.000 Mitarbeiter in 45 Ländern. Ungeachtet der Fusion forcierte Accor auch sein Hotelgeschäft: 1985 rief der Konzern die Kette Formule 1 ins Leben, heute Hotel F1 genannt. Es handelte sich um Budget-Hotels ohne Sterne. Accor hatte mit dem Konzept überdurchschnittlich Erfolg, das Unternehmen entwickelte sich zum Pionier der Budget-Hotellerie. Parallel zur kontinuierlichen Expansion der Ibis-Hotels stieg Formule 1 zur am schnellsten wachsenden Kette in Europa auf. Bis in die 1990er Jahre eröffnete Accor durchschnittlich jede Woche ein neues Hotel unter der Marke.
Marktführerschaft bei Budget-Hotels 1990 kaufte Accor die US-amerikanische Hotelkette Motel 6, sodass der Konzern weltweit führend im Bereich der Budget-Hotels war. Die Akquisition wurde 1991 durch Gründung der Low-Budget-Kette Etap Hotels (heute Ibis Budget) ergänzt. 1991 beteiligte man sich außerdem mehrheitlich an den Hotels des belgisch-französischen Tourismuskonzerns Compagnie Internationale des Wagons-Lits. Anfang der 1990er Jahre erzielte Accor rund zwei Drittel seines Umsatzes mit der Hotellerie, ein Drittel in der Gastronomie. Obwohl nicht zuletzt Formule 1 eine hohe Rendite erreichte, hatte das Unternehmen mit Problemen zu kämpfen. Neben den Auswirkungen des gesamtwirtschaftlichen Umfelds machte dem Konzern zu schaffen, dass eigene Hotels mitunter gegenseitig konkurrierten, weshalb die seit den 1980er Jahren bestehende dezentrale Profitcenter-Struktur stärker zentralisiert wurde. 1999 stellte Accor unter dem Namen Suitehotel ein neues Konzept für Hotels vor, die ihren Gästen überdurchschnittlich viel Platz und mehrere Räume boten. Die sogenannten Suitehotels waren insbesondere für Geschäftsreisende, Städtereisende und Familien gedacht, die längere Aufenthalte planen. Heute firmieren die Häuser unter der Marke Novotel Suites.
Ausbau der weltweiten Präsenz Nach der Jahrtausendwende forcierte Accor die weltweiten Geschäfte: Im Jahr 2000 führte der Konzern zum Beispiel die sogenannte „Meal Service Card“ in China ein. Die Hotelkette Ibis expandierte im gesamten asiatisch-pazifischen Raum, im Zentrum der Aktivitäten stand jedoch ebenfalls China. In der Hafenstadt Tianjin eröffnete 2003 das erste Hotel der Kette. 2004 brachte Accor seine Casinos in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Barriere ein, das zum Marktführer in Europa aufstieg. 2006 wagte sich der Konzern nach Indien, unter anderem startete dort die Hotelkette Formule 1. Die internationale Expansion wurde nicht zuletzt mit dem Verkauf einiger Hotels finanziert, sodass Accor fortan nur noch für das Management der Häuser verantwortlich war. Größere mediale Aufmerksamkeit erregte außerdem der Verkauf der Beteiligung am französischen Touristik-Unternehmen Club Méditerranée. Der Grund dafür war einerseits, dass Accor nicht die Mehrheit am Unternehmen erreichen konnte. Andererseits wollte sich Accor fortan stärker auf sein Kerngeschäft in den beiden Bereichen Hotellerie und Dienstleistungen konzentrieren. Die Strategie wurde von den Anlegern zunächst nicht positiv beurteilt, die an der Euronext in Paris notierte Accor-Aktie verlor in der Folge stark an Wert. Gleichzeitig bekam Accor neue Konkurrenz im Bereich der Budget-Hotels.
Neuordnung der Hotelmarken mini|Unternehmenslogo 2015 bis 2019 Um das Hotelgeschäft zu stärken, passte Accor daher die Strategie seiner Marken an. Das Unternehmen gründete 2007 die Hotelkette All Seasons und 2008 MGallery (heute MGallery by Sofitel). All Seasons (heute Ibis Styles) war nicht so standardisiert wie Ibis und gab Hotelbetreibern, welche die Marke im Franchise lizenzieren, mehr Freiheiten bei der Gestaltung der Häuser. Bei MGallery handelte es sich zunächst um eine gehobene Variante von Mercure-Hotels nach dem Vorbild von Boutique-Hotels. Außerdem führte Accor die Marke Pullman im Premium-Segment wieder ein. Der Konzern hatte die Rechte daran bereits 1991 durch den Kauf der Hotels der Compagnie Internationale des Wagons-Lits erhalten, Pullman aber zwischenzeitlich aufgegeben. Mit der Wiedereinführung von Pullman wurde Sofitel noch stärker als luxuriöseste Marke von Accor positioniert. Zusätzlich startete Accor weltweit im Jahr 2008 unter dem Namen „A|Club“ ein Programm zur Kundenbindung. In allen Hotels mit drei oder mehr Sternen konnten Kunden Punkte sammeln, um diese in Prämien einzulösen oder Statusvorteile zu erreichen. Accor gewann zum Beispiel Europcar und Miles & More als Partner für „A|Club“ (heute „ALL - Accor Live Limitless“ genannt). Für seinen Dienstleistungsbereich kaufte Accor 2008 die Mehrheit an Motivano, einem britischen Unternehmen für Mitarbeitervergünstigungen.
Aufspaltung des Konzerns Nachdem Umsatz und Gewinn aufgrund der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise ab 2007 schrumpften, verordnete sich Accor einen harten Sparkurs. 2009 kam es dann zu einem Streit im Management des Konzerns. Anlass war, dass Generaldirektor und Präsident des Verwaltungsrats wieder in einem Amt zusammengeführt werden sollten. Dies wurde von den Finanzinvestoren Colony Capital und Eurazeo vorgeschlagen, die zusammen rund 30 Prozent der Anteile hielten und so ihren Einfluss bei Accor steigern wollten. Da beide Posten erst drei Jahre zuvor zur Vermeidung von Interessenkonflikten getrennt worden waren, traten einige Mitglieder des Verwaltungsrats aus Protest zurück. Ungeachtet dessen setzten die Investoren ihren Vorschlag letztendlich durch. Mitte 2008 kündigte Accor dann Pläne an, sein Geschäft mit Geschenk- und Restaurantgutscheinen in ein separates Unternehmen auszugliedern. Auch dies war von Finanzinvestoren immer wieder gefordert worden, weil es deutlich höhere Profite als die Hotellerie abwarf. Nachdem auch Verwaltungsrat und Aktionäre die Aufspaltung validiert hatten, wurde der Dienstleistungsbereich Accor Services Mitte 2010 unter dem Namen Edenred an die Börse gebracht.
Konzentration auf Hotellerie Obwohl Edenred für einen Großteil der Marktkapitalisierung von Accor verantwortlich war, blieben die Aktien des Konzerns auch nach der Trennung im Leitindex CAC 40. Bei der Konzentration des Unternehmens auf die Hotellerie kam digitalen Aktivitäten immer mehr Bedeutung zu. Beispielsweise entwickelte das Unternehmen einen Online-Check-in und führte den elektronischen Versand von Rechnungen ein. 2011 kündigte Accor eine Modernisierung der Hotelkette Ibis an, welche die meisten Hotels des Konzerns stellt. Häuser der Marken Etap Hotels und All Seasons wurden in Ibis Budget und Ibis Styles umbenannt. Ibis wurde damit zur zentralen Marke im Budget-Bereich. 2013 änderte Accor erneut seine Organisationsstruktur: Das Geschäft mit eigenen Hotels trennte man von den Management- und Franchisebetrieben. Accor kehrte damit als strategischer Investor auf den Markt für Hotelimmobilien zurück und öffnete später seine Immobiliensparte auch für externe Investoren.
Um die Konzentration auf die Hotellerie auch nach außen stärker zu präsentieren, tritt der Konzern seit 2015 ausschließlich unter der Marke AccorHotels auf, während sich der juristische Name der Dachgesellschaft bisher nicht änderte. 2016 übernahm AccorHotels dann FRHI mit seinen Hotelketten Fairmont, Raffles und Swissôtel, die allesamt in der gehobenen Kategorie angesiedelt sind. Ferner vereinbarte Accor mit der Hamburger Hotelkette 25hours eine strategische Partnerschaft, im Rahmen derer AccorHotels 30 % an 25hours erwarb. Unter dem Namen Jo&Joe rief AccorHotels eine Hotelkette ins Leben, die sich dediziert an die Generation Y richtet. Außerdem intensivierte der Konzern seine Bemühungen, die CO2-Emissionen seiner Häuser signifikant zu reduzieren. Zuletzt erhielt der Konzern größere Aufmerksamkeit für den Einzug von Nicolas Sarkozy in den Verwaltungsrat. Er wird sich dort in einem neu geschaffenen Gremium um die Strategie des Konzerns kümmern.
2020 übernahm Accor die Hotelkette Mama Shelter, die Serge Trigano, Sohn von Gilbert Trigano (Club Med) 2008 gegründet hatte. Es handelt sich um sogenannte Lifestyle Hotels.
Konzern-Umstrukturierung 2022 2022 hat der Hotelkonzern Accor seine Unternehmensstruktur umgestaltet. Dazu wurde er in zwei getrennte Geschäftsbereiche geteilt. Das Ziel ist unter anderem, die eigene Führungsposition auszubauen. Wie das Unternehmen mitteilte, wird die Umstrukturierung zum 1. Oktober 2022 erfolgt sein. Ab dann ist der Konzern in die Bereiche „Luxury & Lifestyle Division“ und „Economy, Midscale & Premium Division“ geteilt.Hotelkonzern Accor strukturiert um In: Tophotel.de, 8. Juli 2022, abgerufen am 13. Juli 2022.
Luxury & Lifestyle Division Dieser Bereich vereint Luxusmarken wie Sofitel, McAllery und Fairmont mit insgesamt 379 Hotels weltweit (Stand 2025). Zu den Lifestyle Einheiten der Gruppe zählen eine Bandbreite von Marken wie z. B. Rixos, The Hoxton, Mama Shelter, 25 Hours, SLS und weitere, die oft nur regionale Bekanntheit haben. Zu diesem Bereich gehören 214 Hotels weltweit (Stand 2025).
Premium, Midscale & Economy Division