mini|hochkant|Gustav Holst (um 1921) Gustav Theodore Holst (e ; * 21. September 1874 in Cheltenham; † 25. Mai 1934 in London), geboren als Gustavus Theodore von Holst, war ein britischer Komponist. Sein bekanntestes Werk ist die Orchestersuite Die Planeten.

Leben

Herkunft mini|Gustav Holsts Familienstammbaum

Gustav Holsts Vater Adolph von Holst stammte aus einer deutsch-baltischen sowie lettisch-schwedischen Familie. Mütterlicherseits war die Familie vorwiegend britischer – weit entfernt auch spanischer – Herkunft. Ursprünglich war Holsts Familie wahrscheinlich skandinavischer Herkunft.Michael Short: Gustav Holst – The Man and his Music. Circaidy Gregory Press (EA: Oxford University Press), 1990, Neuauflage 2014, ISBN 978-1-906451-82-0. Bis zum späten 17. Jahrhundert ließen sich Zweige der Familie Holst in Polen und Deutschland nieder.

Ein weiterer Familienzweig entstand in Russland, als Christian Lorenz Holst im Jahr 1703 mit seiner Familie von Rostock nach Riga zog. Gustav Holsts Urgroßvater Matthias Holst (1759–1845) war Pianist, Komponist und Harfenlehrer am Russischen Hof in Sankt Petersburg. Er und seine russische Frau Katharina Rogge (1771–1838) bekamen im Jahr 1799 mit Gustavus Valentinus (geb. 19. September 1799, gest. 8. Juni 1870) ihr erstes Kind. Wenige Jahre später musste die Familie fliehen und ließ sich in London nieder, wo Matthias Holst als Musiklehrer und Komponist wirkte. Im Jahr 1810 wurde der zweite Sohn Theodore (geb. 3. September 1810, gest. 12. Februar 1844) geboren.

Gustavus Valentinus Holst trat als Erwachsener in die Fußstapfen seines Vaters und ergänzte seinen Namen um das deutsche „von“, um seine Reputation zu erhöhen. Er und seine Ehefrau Honoria Goodrich of Norwich (gest. 15. Februar 1873) hatten fünf Kinder, von denen einige ebenfalls Musiker wurden:

Gustavus Matthias (geb. 1833, gest. 17. Januar 1874) Catherine Maria von (geb. 14. November 1839, gest. 21. Januar 1874) Lorenz Henry von (geb. 28. Oktober 1842, gest. 28. Februar 1913) Adolph, Gustav Holsts Vater (geb. 5. Februar 1846, gest. 17. August 1901) Benigna („Nina“; geb. 1849, gest. 1920er Jahre).

Nach seiner Studienzeit in Hamburg ließ Adolph von Holst sich in Cheltenham, dem Geburtsort des Komponisten nieder. Im Juli 1871 heiratete er Clara Cox Lediard, die Mutter des Komponisten. Sie war eine seiner Schülerinnen und das fünfte Kind von Mary Croft Lediard und Samuel Lediard, einem Anwalt aus Cirencester.

Gustav Holsts jüngerer Bruder Emil Gottfried von Holst (später bekannt als Ernest Cossart) arbeitete später als Schauspieler.

Kindheit mini|Geburtshaus von Gustav Holst in der 4 Clarence Road in Cheltenham (seit 1975 Museum) mini|Gedenktafel an Holsts Geburtshaus

Gustav Holst wurde am 21. September 1874 als erstes Kind von Adolph von Holst (geb. 5. Februar 1846, gest. 17. August 1901) und Clara von Holst, geb. Lediard (geb. 13. April 1841, gest. 12. Februar 1882) geboren. Am 21. Oktober 1874 wurde Holst in der All Saints’ Church nach seinem Großvater und Großonkel auf den Namen Gustav Theodore getauft.

Gustav Holsts Mutter Clara starb am 12. Februar 1882 nach einer Totgeburt an einer Herzkrankheit. Gustav Holst und sein Bruder Emil kamen in die Obhut zu ihrer Tante Benigna („Nina“) Holst, der Schwester ihres Vaters. Sie blieben dort bis 1885, als Adolph von Holst seine Musikschülerin Mary Thorley Stone (geb. ?, gest. ca. 1900) heiratete. Mary Thorley Stone war die Tochter von Reverend Edward Stone, Pfarrer in Queenhill (Upton-on-Severn). Sie vernachlässigte Gustav und Emil zugunsten ihrer Interessensgebiete Philosophie und Religion, was sich in Form von Asthma und Kurzsichtigkeit negativ auf seine Gesundheit auswirkte. Sie bekam mit Gustavs Vater noch zwei eigene Kinder, Mathias Ralph und Evelyn Thorley.

Sein Vater ermunterte den jungen Gustav so bald wie möglich zum Klavierspiel; durch die familiären Musikabende lernte er schottische und irische Folkmusik kennen. Neben dem Klavier lernte er Violine und Posaune.

Gustav Holst besuchte die Cheltenham Grammar School. Während Holst. Schulzeit wurde das Schulgebäude umgebaut, so dass der Unterricht in einer ehemaligen presbyterianischen Kapelle stattfand. Im Jahr 1889 bestand er die „Oxford Local Examination“ in den Fächern Englisch, Geschichte, Shakespeare, Französisch, Deutsch und Musik.

Noch während seiner Schulzeit hatte Holst sich – im Jahr 1887 – heimlich an der Komposition einer Kantate für Chor und Orchester über den römischen Volkshelden Horatius versucht, nachdem er im Unterricht Thomas Macaulays Lays of Ancient Rome kennengelernt hatte. Da er noch nicht mit den Grundlagen von Harmonik und Kontrapunkt vertraut war, las er Die moderne Instrumentation und Orchestration von Hector Berlioz. Als er eines Tages – allein zu Haus – seine Musik am Klavier ausprobierte, klang das Ergebnis ganz anders, als Holst es erwartet hatte. Holst war so enttäuscht, dass er jede weitere Arbeit an der Kantate einstellte.

Ab dem Jahr 1888 nahm Holst mehrfach an einem Kompositionswettbewerb der Musikzeitschrift Boy’s own Paper teil und erzielte respektable Ergebnisse, darunter mehrfach den Ersten Preis.

Vater Adolph förderte Gustavs Musikalität, indem er ihn an Proben teilnehmen ließ; ferner sang Gustav in der All Saints’ Church im Chor mit. Als wertvoll erwies sich der Zugang zur Orgel zum Üben sowie zum Ausprobieren eigener Kompositionen.

Im Dezember 1891 wurden drei Werke von Holst aufgeführt: das Scherzo für kleines Orchester, das Intermezzo und das Lied Die Spröde nach einem Text von Johann Wolfgang von Goethe. Aus dieser Zeit stammt auch eine Anfang 1892 komponierte Symphony in C.

Ausbildung Holst strebte zunächst eine Karriere als Pianist an. Im Alter von siebzehn Jahren musste er diese Pläne jedoch infolge einer Nervenentzündung des Armes aufgeben, die ihn sein restliches Leben über begleiten sollte. Zusätzlich litt Holst sein Leben über an Asthma und Kurzsichtigkeit.

Im Jahr 1892 scheiterte Holsts Bewerbung um ein Stipendium am Trinity College. Daraufhin schickte ihn sein Vater zum Kontrapunktstudium beim Organisten George Frederick Sims in Oxford. In Oxford wohnte er bei seiner Großmutter Mary Croft Lediard. Nach seiner Rückkehr aus Oxford nahm Holst eine Stelle als Organist und Chormeister in Wyck Rissington in den Cotswold Hills an und gab Musikunterricht.

Am 13. Juli 1892 beeindruckte ihn im Londoner Covent Garden eine Aufführung von Richard Wagners Götterdämmerung. Mindestens ebenso beeinflusst wurde Holst von der Musik Arthur Sullivans, was sich bereits 1892 in Holsts zweiaktiger Oper The Lawnsdon Castle (auch: The Sorcerer of Tewkesbury) äußerte. Im Dezember 1892 wurde sie auszugsweise sowie im nächsten Jahr vollständig aufgeführt und zog erste Aufmerksamkeit auf sich. Der Erfolg der Oper veranlasste Adolph von Holst, die Zukunft seines Sohnes in einer Komponistenlaufbahn zu sehen. Auf sein Anraten bewarb sich Holst – wiederum vergeblich – um ein Stipendium am Londoner Royal College of Music, woraufhin sein Vater das Geld für die Ausbildung von Verwandten lieh. Bei der Aufnahmeprüfung am Royal College lernte Holst seinen späteren Freund Fritz Hart kennen.

Nach Holsts Studienbeginn am Royal College of Music verschlimmerte sich sein Nervenleiden, so dass er vom Klavier unter Frederick Sharpe zur Posaune unter George Case wechseln musste. Einer seiner weiteren Professoren war William Stevenson Hoyte, der auch Organist an der All Saints’ Church war und Holst mit dem Cantus planus vertraut machte, den er später in The Hymn of Jesus einsetzen sollte. Trotz seiner Kontrapunktstudien in Oxford musste Holst in einem speziellen Theoriekurs seine Kenntnisse vertiefen, bevor Charles Villiers Stanford ihn als Kompositionsschüler annahm. Weitere Lehrer waren William S. Rockstro, Frederick Bridge, George Jacobi und Hubert Parry. Ob diese Lehrer einen Einfluss auf seinen musikalischen Stil hatten, ist zweifelhaft; so sagte Holst selbst, dass er in späteren Jahren von William Byrd und Thomas Weelkes mehr über Kontrapunkt gelernt habe als von seinen Lehrern am College. Neben Fritz Hart schloss Holst Freundschaft mit Evlyn Howard-Jones, William Hurlstone, Samuel Coleridge-Taylor, Thomas Dunhill und später John Ireland.

Als Fritz Hart ihn eines Tages in seinem kleinen Zimmer in Hammersmith besuchte, war er erstaunt, dass Holst sich kein Klavier leisten konnte. Um Geld zu sparen, legte Holst einen Teil des Heimweges nach Cheltenham am Ende des Semesters zu Fuß zurück. Die Dame, der er sein Stück Introduction and Bolero für Klavierduett widmete, war wahrscheinlich Mabel Forty, deren Humor und starke Persönlichkeit ihn beeindruckt hatten. Kurz vor Beginn des Herbstsemesters 1893 beeindruckte ihn eine Aufführung von Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe in der Worcester Cathedral.

mini|Gustav Holst und Ralph Vaughan Williams beim Wandern in den Malvern Hills (September 1921)

Ein erster Kompositionserfolg war die Kinderoper Ianthe, zu dem Fritz Hart das Libretto schrieb. Als im Jahr 1895 das vom Vater zusammengetragene Geld für Gustavs Ausbildung zur Neige ging, verstärkte Holst seine Bemühungen um ein Stipendium und hatte kurz vor Erreichen der Altersgrenze Erfolg. Wenig später entstand mit der einaktigen Oper Beau Brummel – erneut mit einem Libretto von Fritz Hart – das erste Werk Holsts, dem er eine Opus-Nummer gab.

Nach den Sommerferien 1895 lernte Gustav Holst den Komponisten und Dirigenten Ralph Vaughan Williams kennen. Beide Männer verband eine lebenslange Freundschaft; sie legten sich gegenseitig noch während der Kompositionsphase ihre aktuellen Werke vor und gaben sich gegenseitig Verbesserungsvorschläge. Beide nahmen am 20. November 1895 an einer Aufführung von Dido and Aeneas am College teil, die Holsts lebenslange Bewunderung für Henry Purcell begründete.

Etwa zu dieser Zeit begann Holst, sein Stipendium als Posaunist in mehreren Kapellen aufzubessern, was ihn aber nicht ausfüllte. Als letzte Zusammenarbeit mit Fritz Hart entstand die unvollendet gebliebene, einaktige Oper The Magic Mirror. Daneben schrieb er eine Reihe von Kammermusikwerken.

Neben seinen musikalischen Studien engagierte er sich auch leidenschaftlich in der Literary and Debating Society sowie in der Hammersmith Socialist Society, in welcher er den Hammersmith Socialist Choir formte. In letzterem verliebte er sich in die junge Chorsängerin Emily „Isobel“ Harrison, die später seine Ehefrau werden sollte. Im Zusammenhang mit dem Hammersmith Socialist Choir beschäftigte Holst sich auch mit Theaterstücken, was ihn für das spätere Schreiben von Opernlibretti vorbereiten sollte. Er bekannte sich zeitlebens zum Sozialismus.

Im Herbst 1896 gewann er einen von der Magpie Madrigal Society ausgesetzten Preis für seine Chorkomposition Light Leaves Whisper nach Worten von Fritz Hart.

Im Juli 1897 vermittelte ihm Vaughan Williams eine Stelle als Organist und Chormeister an der St. Barnabas’ Church in South Lambeth; nachdem Holst einige Male ausgeholfen hatte, ging der Posten an John Ireland. Holst setzte unterdessen die Komposition von Liedern und Chormusik fort, spielte am 7. Dezember 1897 in der St. Queen’s Hall in einem von Richard Strauss dirigierten Konzert sowie begleitete Isobel und dirigierte am 5. Februar 1898 beim Grand Evening Concert des Hammersmith Socialist Choir.

1898, zum Ende seiner Studien am Royal College of Music, wurde ihm angeboten, das Stipendium um ein weiteres Jahr zu verlängern. Gustav Holst lehnte jedoch ab, da es, wie er meinte, an der Zeit war, seinen eigenen musikalischen Weg zu gehen.

Erste Leidenschaft für Sanskrit