mini|Die Enz unmittelbar vor der Einmündung der Metter Bietigheim-Bissingen [] an der Enz ist eine Große Kreisstadt in Baden-Württemberg, die etwa 20 km nördlich von Stuttgart und 20 km südlich von Heilbronn liegt. Sie ist mit () Einwohnern nach Ludwigsburg die zweitgrößte Stadt im Landkreis Ludwigsburg. Zusammen mit der nördlichen Nachbarstadt Besigheim bildet sie ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden in der Region Stuttgart. Mit der Nachbargemeinde Ingersheim und der Stadt Tamm bildet Bietigheim-Bissingen eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft.
Die Stadt Bietigheim-Bissingen ist schuldenfrei und eine der reichsten Städte Baden-Württembergs.
Geographie Lage und Stadtentwicklung Die rund 31 Quadratkilometer große Markung Bietigheim-Bissingens liegt im Naturraum „Neckarbecken“, der zu den Neckar- und Taubergäuplatten zählt: an sich eine mit Löß bedeckte Hochfläche, in die sich von Südwesten nach Nordosten die Enz und von Westen nach Osten die hier in die Enz mündende Metter eingeschnitten haben. Der tiefste Punkt der Markung liegt im Enztal an der Grenze zu Besigheim auf rund , der höchste Punkt ist der Abendberg mit im Norden des Stadtgebietes.
Stadtgliederung Im Rahmen der Gebietsreform haben sich zum 1. Januar 1975 die Stadt Bietigheim und die Gemeinde Bissingen an der Enz zur Großen Kreisstadt Bietigheim-Bissingen zusammengeschlossen: Zu Bietigheim gehörten seit 1930 der Ort Metterzimmern und der Waldhof, seit 1960 der Wilhelmshof, sowie seit alters her die abgegangenen Ortschaften Burg Ebersberg, Hegnach, Hegenau. Die ehemalige Ortschaft Hofen ist in Bietigheim aufgegangen. Innerhalb Bietigheims werden teilweise Wohnviertel mit eigenem Namen unterschieden, z. B. die frühere Werkssiedlung Kammgarnspinnerei sowie die neuen Siedlungen Buch, Sand, Lug und Kreuzäcker bzw. Kreuzäcker/Ellental. Zu Bissingen zählten der früher zu Großsachsenheim gehörige Ort Untermberg, das Gehöft Schellenhof und die Wohnplätze Elektrizitätswerk und Schleifmühle sowie die abgegangenen Ortschaften Böllingen und Remmigheim.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2, S. 389–393.
Stadtentwicklung Die Bietigheimer Altstadt liegt oberhalb des nördlichen Metterufers unmittelbar vor der Einmündung der Metter in die Enz. Durch verschiedene Neubaugebiete wie Buch im Süden und Sand im Osten, Lug im Norden, Ahlesbrunnen/Helenenburg im Nordwesten oder Kreuzäcker/Ellental im Südwesten ist sie im Zuge einer rasanten Bevölkerungszunahme insbesondere in den 1960er-Jahren aus dem von Enz und Metter gebildeten Becken „herausgewachsen“.
Der Stadtteil Bissingen liegt südwestlich von Bietigheim am rechten Enzufer. Über seine Osterweiterung am Bruchwald und den daran anschließenden Bereich Bahnhof/Aurain ist er mittlerweile mit anderen Stadtgebieten um den Hauptbahnhof zusammengewachsen. Den Lückenschluss zwischen Bruchwald und Buch stellte das vor allem seit den 1990er-Jahren erheblich erweiterte Gewerbegebiet Laiern her.
Noch nicht mit dem übrigen Stadtgebiet verwachsen sind der westlich von Bissingen auf der nördlichen Enzseite gelegene Stadtteil Untermberg sowie der westlich von Bietigheim oberhalb der Metter gelegene Stadtteil Metterzimmern, die ihren dörflichen Charakter bewahrt haben.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Bietigheim-Bissingen.
mini|Karte der Region Stuttgart
Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Bietigheim-Bissingen (im Uhrzeigersinn beginnend im Norden): Löchgau, Besigheim, Ingersheim, Freiberg am Neckar, Tamm, Markgröningen und Sachsenheim (alle Landkreis Ludwigsburg).
Mit den benachbarten Kommunen Freiberg am Neckar, Ingersheim, Ludwigsburg, Remseck am Neckar und Tamm pflegt Bietigheim-Bissingen eine „Grüne Nachbarschaft“. Gemeinsam und über die Gemarkungsgrenzen hinweg haben sich diese sechs Kommunen auf ihrer rund 130 Quadratkilometer großen Fläche vorgenommen, „Projekte zur Aufwertung der Lebensräume für Pflanzen und Tiere“ umzusetzen und im Rahmen der Erhaltung „unserer typischen Kulturlandschaft“ auch „die siedlungsnahen Erholungsmöglichkeiten für die Bevölkerung“ zu verbessern.Siehe Grüne Nachbarschaft
Raumplanung Bietigheim-Bissingen bildet zusammen mit der Nachbarstadt Besigheim ein Mittelzentrum innerhalb der Region Stuttgart, deren Oberzentrum Stuttgart ist. Zum Mittelbereich Bietigheim-Bissingen/Besigheim gehören noch die Städte und Gemeinden im Norden des Landkreises Ludwigsburg, im Einzelnen: Bönnigheim, Erligheim, Freudental, Gemmrigheim, Hessigheim, Ingersheim, Kirchheim am Neckar, Löchgau, Mundelsheim, Sachsenheim, Tamm und Walheim.
Klima
Natur
Geschichte Ortsgründungen Archäologische Funde aus der Jungsteinzeit belegen erste Siedlungen bereits für den Zeitraum um 6000 bis 5000 v. Chr., wenngleich keine Kontinuität wahrscheinlich ist. Nach dem Abzug der Römer legten alemannische Sippen ab dem 4. Jahrhundert ihre Weiler vorzugsweise am Hangfuß unmittelbar über der Talaue an. Die „ingen“-Endung von Bissingen und Böllingen lässt auf eine Ortsgründung während der alemannischen Landnahme schließen. Aufgrund seiner „heim“-Endung scheint Bietigheim hingegen erst im Zuge der fränkischen Landnahme während des 6. Jahrhunderts gegründet worden zu sein.Siehe LEO BW online Möglich wäre aber auch, dass die vorerst bis zur Enz vorstoßenden Franken einen alemannischen Ort namens „Büdingen“ in „Büdincheim“ umbenannt haben. So sind bei der ebenfalls links der Enz gelegenen Wüstung am westlichen Ende der Markung beide Varianten überliefert: Remmingen und Remmigheim. Untermberg, ursprünglich „Remmingen underm Berg“, wurde erst im ausgehenden 14. Jahrhundert als Alternativstandort für Remmingen gegründet, vermutlich durch die neue Herrschaft auf Burg Altsachsenheim initiiert. Der Zusatz „Metter“ wurde dem im Mittelalter „Zymbern“ genannten Ort Metterzimmern vorangestellt, um ihn von den zahlreichen Gemeinden gleichen Namens zu unterscheiden. Ihre Gründungszeit soll im Hochmittelalter liegen.
Stadtteil Bietigheim mini|Unteres Tor in Bietigheim um 1900 mini|„Bietigkhaimer“ Amtsbezirk nach 1600 Erstmals wurde Bietigheim 789 als Budinc-heim urkundlich erwähnt; In: Bietigheim-Bissingen.de (PDF). es dürften aber bereits erheblich früher schon Siedlungen entstanden sein, die von der verkehrsgünstigen Lage an einer naturgegebenen Furt profitierten. Bis zum 3. Jahrhundert n. Chr. gab es mit dem Collegium Matisonensium nachweislich eine Gemeinschaft von Gutshofbesitzern am Metterufer. Möglicherweise existierte in Bietigheim auch eine römische dorfähnliche Siedlung (vicus).Rainer Boldt und Frank Merkle: Das römische Ottmarsheim: und seine Einbettung in die römische Infrastruktur im Umfeld Walheims zwischen Benningen, Böckingen, Güglingen und Großbottwar. Besigheim 2021, S. 85f. Gräberfelder aus dem 5. bis 7. Jahrhundert weisen zudem auf Siedlungen der Alamannen auf der heutigen Gemarkung der Stadt hin.
Im 13. Jahrhundert bestand im Bereich der heutigen Stadtkirche und Kelter die Burg Bietigheim, die sich mehrere Ganerben teilten und deren (1542 eingestürzter) Burgturm sich im Wappen der Stadt wiederfindet. Im Wettstreit mit den Herren von Venningen, die mit den Herren von Remmigheim verwandt waren, konnten sich die Grafen von Württemberg als Ortsherren durchsetzen. Im Jahr 1364 verlieh Graf Eberhard II. von Württemberg Bietigheim das Stadtrecht, um in erster Linie den strategisch wichtigen Enzübergang militärisch sichern zu können. Der im 15. und 16. Jahrhundert forcierte Weinbau und der zunehmende Weinhandel entwickelten sich als Quelle bürgerlichen Wohlstands und wirtschaftliche Basis für die Stadtentwicklung. So wurde die Stadt schließlich zur württembergischen Amtsstadt erhoben. Zu deren Amtsbezirk zählten nach 1600 außer Bietigheim allerdings nur Metterzimmern, Groß- und Kleiningersheim (siehe Karte der „Bietgkhaimer Beamptung“).Nachdem das Geschlecht der Herren von Sachsenheim 1561 erloschen und deren Lehen an das Herzogtum Württemberg zurückgefallen war, wurde „Zimbern“ mit Untermberg, Groß- und Kleinsachsenheim vorerst dem württembergischen Amt Grüningen zugeteilt. Wann es vorübergehend an Bietigheim kam, ist unklar. Siehe Karte der „Greininger Beamptung“ – Wikimedia Außerdem war das Bietigheimer Amt für den Anteil württembergischer Untertanen in Löchgau zuständig.Vgl. Stadt Bietigheim-Bissingen (Hrsg.): 1200 Jahre Bietigheim. Etappen auf dem Weg zur Stadt von heute. Bietigheim 1989, S. 183.
Der Dreißigjährige Krieg bescherte dem Herzogtum Württemberg und somit auch der Stadt Bietigheim nach der Schlacht bei Nördlingen (1634) infolge von Pest, Besatzungsterror und Hungersnot einen dramatischen Bevölkerungsrückgang. In Bietigheim ging die Bevölkerung von ursprünglich 1800 Einwohnern auf nur noch 200 Einwohner zurück. Die wenig später anschließenden „Franzoseneinfälle“ im Zuge des Pfälzischen und des Spanischen Erbfolgekrieges sorgten für weitere Rückschläge.Siehe Stefan Benning: Der „laydige Einfall“, Ereignisse und Folgen des Franzosenkrieges 1693 in Bietigheim, Bissingen, Metternzimmern und Untermberg. Blätter zur Stadtgeschichte 11, 1994, S. 129–161. Ab 1704 wurde die Stadt zum „Aufbauhelfer“ des neu entstehenden Ludwigsburger Schlosses und der damit verbundenen Neubauten wie der staatlichen Porzellanfabrik. Viele Bietigheimer waren in den Bau involviert und mussten Frondienste leisten. Mit der 1718 gegründeten Residenz- und Oberamtsstadt Ludwigsburg erwuchs den benachbarten Städten Marbach, Bietigheim und Markgröningen zudem eine übermächtige lokale Konkurrenz. In deren Windschatten verstärkten sinkende Weinpreise die wirtschaftlich prekäre Lage der Stadt, die sich aus der anhaltenden Stagnationsphase vorerst nicht befreien konnte.
mini|Stadtansicht Bietigheims im Jahr 1927
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts verzeichnete Bietigheim im Zuge der beginnenden Industrialisierung zwar eine Verbesserung der Lebensbedingungen und einen Bevölkerungszuwachs. Das im Jahr der Gründung des Königreichs Württemberg (1806) eingerichtete Oberamt Bietigheim wurde jedoch 1810 schon wieder aufgelöst: Im Rahmen einer Verwaltungsneuorganisation wurden die Stadt und ihre Amtsgemeinden ins Oberamt Besigheim integriert. Nachdem Bietigheim am 11. Oktober 1847 an das neu entstehende Schienennetz der Württembergischen Staatsbahnen angeschlossen war und sich der Bahnhof mit der Abzweigung der Westbahn über den Viadukt zu einem wichtigen Knotenpunkt entwickelt hatte, erlebte die Stadt einen regelrechten Durchbruch und einen nachhaltigen Aufschwung. Zum Ende des 19. Jahrhunderts zählte man 3800 Einwohner. Im Jahre 1930 schloss sich die Gemeinde Metterzimmern freiwillig der Stadt Bietigheim an. Als 1938 das Oberamt Besigheim aufgelöst wurde, kam Bietigheim zum neuen Landkreis Ludwigsburg.
Eine Ortsgruppe der NSDAP bestand in Bietigheim seit 1928. Bis 1933 blieb diese mit 51 Mitgliedern relativ klein, nach der Machtergreifung gab es mit 181 Neueintritten einen größeren Mitgliedersprung, danach nahm die Zahl der Parteigenossen zwar kontinuierlich, aber wieder nur in geringem Maß zu. Bis zum Ende der NS-Herrschaft gab es schließlich 939 Parteimitglieder in Bietigheim, was 10,4 Prozent der Gesamtbevölkerung von 1945 entsprach.Michael Schirpf: Strukturbild der NSDAP in Bietigheim. In: Amerikanische Besatzung und Wiederaufbau 1945–1948. Blätter zur Stadtgeschichte, Heft 4, Bietigheim-Bissingen 1985.