mini|250px|Der Dolmar bei Kühndorf, Christes und Metzels im Kreis Schmalkalden-Meiningen zwischen den Mittelgebirgen Rhön und Thüringer Wald Als Südthüringen werden üblicherweise alle Gebiete im Freistaat Thüringen südlich des Rennsteiges bezeichnet. Das Gebiet ist nahezu identisch mit der Planungsregion Südwestthüringen im Freistaat Thüringen, wenn man aus dieser das Gebiet des Wartburgkreises herausnimmt. Historisch deckt sich Südthüringen überwiegend mit dem Henneberger Land und der nördlichen Hälfte der Pflege Coburg.
Entstehung und Bedeutung des Begriffs Südthüringen Der Begriff Südthüringen bezeichnet den südlichsten Teil des 1990 gegründeten Freistaats Thüringen, welcher wiederum in etwa dem 1920 gegründeten Land Thüringen entspricht. Er hat sich in seiner heutigen Bedeutung erst seit der Deutschen Wiedervereinigung als eine Bezeichnung für das Gebiet des ehemaligen Bezirks Suhl der Deutschen Demokratischen Republik etabliert und bezeichnet somit in etwa die Landschaft, die sich südlich des Kammes des Thüringer Waldes befindet, einschließlich der Thüringer Rhön.
Geographie Grenzen und Landschaft mini|Blick vom Thüringer Schiefergebirge auf Buntsandsteinvorland und (dahinter) das von den Gleichbergen überragte Grabfeld mini|Der Große Beerberg (983 m), höchster Berg des Thüringer Waldes von Süden; nach links der Nebengipfel Wildekopf (943 m); im Vordergrund Suhl-Goldlauter mini|Der Große Inselsberg (916 m) im äußersten Nordwesten des Thüringer Waldes, vom Dolmar aus gesehen. mini|Der Umpfen (701 m) in der Vorderen Rhön mini|Die Talsperre Schönbrunn vom Damm der Vorsperre Schleusegrund aus gesehen mini|Werratal bei Meiningen mit Blick auf Untermaßfeld
Südthüringen erstreckt sich im Süden des deutschen Bundeslandes Thüringen über eine Fläche von etwa 3000 km². Es umfasst im Wesentlichen die Landkreise Schmalkalden-Meiningen, Hildburghausen und Sonneberg sowie die kreisfreie Stadt Suhl als Kernregion. Auch der südliche Teil des Wartburgkreises (Gebiet südlich von Bad Salzungen in der Thüringer Rhön) wird zumeist Südthüringen zugeordnet. Definiert man den Rennsteig nach rein geographischen Kriterien als exakte Nordgrenze der Region, so werden die südlich dieses historischen Grenzweges gelegenen Gemeinden des Ilm-Kreises ebenfalls hinzugerechnet, während die nördlich des Rennsteigs gelegenen Gebiete des ehemaligen Kreises Neuhaus im heutigen Landkreis Sonneberg nicht zur Region zählen.
Während mit dem über den Hauptkamm von Thüringer Wald und Thüringer Schiefergebirge verlaufenden Rennsteig eine sehr klare Nordostgrenze besteht, ist der Übergang im Süden und Westen zu den angrenzenden Regionen fließend und nicht genau definierbar. Einzelne Grenzgebiete der heutigen Regionen Osthessen, Unterfranken und Oberfranken waren zeitweise Bestandteile des historischen Henneberger Landes. Der im Südosten gelegene oberfränkische Landkreis Coburg als Territorium des sächsischen Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha, welches bis 1920 einer der acht Thüringischen Staaten war und bereits 1353 direkt zum Kurfürstentum Sachsen kam, gehörte bis 1291 ebenfalls zur Grafschaft Henneberg. Auch im Südwesten und Westen gehörten nennenswerte Teile des Grabfeldes und der bis zu 751 m hohen Vorderen Rhön (jedoch nur Minimalanteile der Kuppenrhön und der Hohen Rhön) in Unterfranken und Osthessen zur Region.
Landschaftsgliederung Insgesamt weist der Süden Thüringens neben der Hauptgliederung Thüringer Wald, Thüringer Schiefergebirge, Werratal, Rhön und Grabfeld im Wesentlichen neun Landschaftsuntergliederungen auf, die zu fünf Kategorien zusammengefügt werden können. Zudem beginnt östlich der Steinacher Flur im Landkreis Sonneberg der Frankenwald.Heinz Späth: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 141 Coburg. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1987. → Online-Karte (PDF; 5 MB) Der Süden des Landkreises Sonneberg, das Sonneberger Unterland, gehört zum Obermainischen Hügelland.
Der bis zu 983 m (Großer Beerberg) hohe Thüringer Wald und das bis zu 869 m (Großer Farmdenkopf) hohe Thüringer Schiefergebirge überragen ihr Vorland meist um 300 bis 400 Meter. Während der Thüringer Wald als Bruchgebirge nur eine maximale Breite von zirka 20 km erreicht, ist das Thüringer Schiefergebirge mit teils über 50 Kilometern ein wesentlich breiterer Gebirgszug, der von engen, tiefen Tälern und weiten, teils unbewaldeten Hochflächen geprägt ist. Im Süden des Landkreises Sonneberg beginnt das Obermainische Hügelland respektive das Neustadt-Sonneberg-Becken. Die Steinacher Flexur trennt im Landkreis Sonneberg den Frankenwald vom Hohen Thüringer Schiefergebirge.
Das Buntsandsteinvorland am Südrand des Thüringer Waldes und das Salzunger Werrabergland schließen sich direkt an das Gebirge an und fallen zum Werratal hin kontinuierlich bis auf eine Höhe zwischen 430 m (Eisfeld) und 240 m (Bad Salzungen) über NN ab. An sanften Hängen öffnen sich hier die Täler in breite Wiesenauen, und es entstanden durch Salzauslaugungen einige kleine Seen. Nur wenige Erhebungen dieser Zone übersteigen die 550-m-Marke, sodass aus der Ferne lediglich der Dolmar bei Meiningen mit 739 m hervortritt.
Links der Werra erstreckt sich etwas oberhalb von Meiningen bis Eisfeld die durch Muschelkalk geprägte Werra-Gäuplatten (auch Meininger Kalkplatten genannt). Dieses Plateau erhebt sich mit vielen schmalen Tälern zu einer Hochfläche von etwa 400–500 Metern über NN. Weiter südöstlich wird diese Zone durch das ebenfalls muschelkalkhaltige Sonneberger Hinterland (Schalkauer Thüringer-Wald-Vorland oder Schalkauer Plateau, zwischen Eisfeld und Sonneberg) abgelöst.
Südlich dieser Platte schließt sich das nochmals deutlich flachere Grabfeld und der zu Thüringen gehörende Anteil des Itz-Baunach-Hügellandes an. Nur hier ist es durch die weite, offene Landschaft und ein trocken-warmes Klima in nennenswertem Umfang möglich, Landwirtschaft zu betreiben, was den meisten anderen Teilen der Region vorenthalten bleibt. Lediglich einige erloschene Vulkane (Gleichberge, Straufhain) überragen mit bis zu 679 m über NN diese flachwellige Landschaft deutlich.
Westlich des Werratales liegt das Basaltkuppenland der Vorderen Rhön, dem sich die Hohe Rhön im Länderdreieck zu Hessen und Bayern anschließt. In der Vorderrhön trifft man auf bis zu 751 m (Gebaberg) und in der Hohen Rhön bis zu 816 m (Ellenbogen) hohe Vulkanberge, deren Umgebung durch Weideland, steinige Bergäcker und Ödland geprägt ist.
Gewässer Einzugsgebiet der Weser – Obere Werra Abgegrenzt durch den Rennsteig im Nordosten als Teil der Wasserscheide Elbe-Weser gehört der größte Teil Südthüringens zum Stromgebiet der oberen Werra. Über etwa 120 Kilometer begleitet der Oberlauf des bei Masserberg entspringenden Flusses den Landstrich. Die Werra ist zur Rechten durch Thüringer Schiefergebirge, Thüringer Wald und Vorland des Thüringer Waldes, zur Linken durch die nordöstlichen Ausläufer der Rhön in das sich nördlich von Meiningen zu einer ausgedehnten Aue öffnende Tal der mittleren Werra eingebettet.
Aus Thüringer Wald und Schiefergebirge nimmt die Werra die Schleuse und die Hasel sowie einige kleinere Bäche auf. In ihrem Oberlauf speist die Schleuse die der Trinkwasserversorgung dienende Talsperre Schönbrunn, in ihrem Mittellauf den auch als Naherholungsziel bekannten Ratscher bei Schleusingen, während unmittelbar südlich des Adlersberg-Massives bei Suhl die Erle die kleinere Talsperre Erletor passiert.
Da die meisten Berge in Thüringer Schiefergebirge und Thüringer Wald – anders als die Kuppen der Rhön – durch tiefe Täler voneinander getrennt werden, spielen jene Flusstäler hier besonders als Verkehrswege (Straßen, Eisenbahnstrecken), aber auch als Siedlungsraum (zahlreiche langgezogene Straßendörfer) eine wichtige Rolle.
Die linken Nebenflüsse der oberen Werra sind mehrheitlich kurze Bäche. Erst westlich von Bad Salzungen nimmt die mittlere Werra mit Felda und Ulster größere Zuflüsse aus der Nordrhön auf.
Einzugsgebiet des Mains Im Südosten Südthüringens verläuft die Wasserscheide Rhein-Weser über eine Linie zwischen dem 865 m hohen Bleßberg im Thüringer Schiefergebirge und den mit bis zu 679 m das Grabfeld überragenden Gleichbergen bei Römhild.
Jenseits dieser Linie fließen (von Ost nach West geordnet) aus dem Thüringer Schiefergebirge die Flüsse Engnitz, Rögitz, Steinach, Göritz, Röthen, und Grümpen durch zunächst tiefe, landschaftsprägende Täler in Richtung Itz bzw. Main. Die Itz entspringt zwar noch am Westhang des Bleßberges, verlässt jedoch das Mittelgebirge sofort in Richtung Süden.
In flacheren Gefilden folgen schließlich Rodach, Kreck und Milz und passieren das zum Grabfeld gehörige Heldburger Land.
Dieses Gebiet gehört als einziger Teil Thüringens zum Einzugsgebiet des Main und damit zur Flussgebietseinheit Rhein.Flussgebietseinheiten, Website des Umweltbundesamtes, aufgerufen am 26. August 2024
Einzugsgebiet der Saale Die Wasserscheide Rhein-Elbe verläuft entlang des Rennsteiges im Thüringer Schiefergebirge von Ernstthal aus durch Neuhaus am Rennweg über die Hochfläche um Scheibe-Alsbach/Steinheid bis hin zum 868 m hohen Kieferle im Süden.
Bereits nördlich dieser Linie liegt das zur Flussgebietseinheit Elbe gehörende sehr tiefe Tal der Schwarza, aus deren Oberlauf sich am 869 m hohen Großen Farmdenkopf das mit 877 m über NN noch etwas höhere Pumpspeicherwerk Goldisthal speist, das das größte seiner Art in Deutschland ist und als Puffer in der Stromversorgung der Region eine wichtige Rolle einnimmt. Überdies ist das Oberbecken seiner unvergleichlichen Rundumsicht wegen ein beliebtes Ausflugsziel.
Die ebenfalls aus dem Oberlauf des Flusses gespeiste Talsperre Scheibe-Alsbach wird demgegenüber unter anderem als Badesee genutzt.
Erhebungen Bekanntere Gipfel Südthüringens, die auch als Aussichtspunkte Bedeutung erlangt haben, sind unter anderem der Bleßberg mit (866,9 m) östlich von Eisfeld, der zusammen mit seiner Funkanlage insgesamt 1060 Metern über NN misst und den höchsten Punkt Südthüringens markiert. Hinzu kommt der Eselsberg (841,5 m) und der Simmersberg (781 m) bei Masserberg, der Adlersberg (849 m) nahe Suhl, der Ruppberg (865 m) bei Zella-Mehlis und der Große Inselsberg (916 m) bei Brotterode. Hinzu kommt der solitär zwischen Thüringer Wald und Rhön östlich von Meiningen stehende geologisch zur Rhön gehörende Dolmar (739 m). Bekannt sind außerdem die Gleichberge bei Römhild, die dort weit aus der Landschaft ragen.
Städte Wichtigste Städte Südthüringens sind heute die seit 2024 als Oberzentrum Südthüringen zusammengefassten Städte Suhl, Zella-Mehlis, Schleusingen, Oberhof, Meiningen und Schmalkalden sowie die Mittelstädte Hildburghausen und Sonneberg. Die kreisfreie Stadt Suhl als ehemalige Bezirksstadt war jahrzehntelang das bedeutendste Wirtschafts-, Veranstaltungs- (Congress Centrum Suhl) und Verwaltungszentrum und ein Straßenknoten der Region. Die Kreisstadt Sonneberg ist ein zur Metropolregion Nürnberg gehörendes Wirtschaftszentrum. Sonneberg ist ein traditionelles Zentrum der Spielzeugindustrie und bildet mit dem direkt angrenzenden oberfränkischen Neustadt eine urbane Einheit. Die ehemalige Residenzstadt und heutige Kreisstadt Meiningen mit dem berühmten Meininger Staatstheater ist das kulturelle Zentrum der Region, ein bedeutender Verkehrsknoten, ein Zentrum der Hightech-Industrie, ein Behörden- und Bildungsstandort und das Justizzentrum von Südthüringen.