ReactOS (kurz ROS, „reagieren“ und „Betriebssystem“) ist ein freies Betriebssystem, das zu Windows binärkompatibel werden soll. Die Oberfläche ist Windows 2000 nachempfunden. Unterstützt werden einige 32-Bit-Programme, oft in älteren Versionen. Das Projekt befindet sich im Alpha-Stadium.

Überblick ReactOS hat das Ziel, zum Kernel von Windows NT kompatibel zu werden, wodurch es möglich werden soll, Programme und Gerätetreiber für Windows NT und dessen Nachfolger wie zum Beispiel XP, Server 2003 und 7 zu verwenden. Dazu wird unter anderem die Programmierschnittstelle Win32 nachgebildet.

Der Stand der Unterstützung ist ungefähr auf dem Stand des Jahres 2003. Ältere Software lässt sich oft nicht installieren; oft sind die Installer in 16 Bit geschrieben, was ReactOS nicht unterstützt. Neuere Programme laufen oft noch nicht, da die Unterstützung neuer Funktionen aus neuen Windows-Versionen oft noch nicht implementiert wurde.

Das Betriebssystem wurde größtenteils unter der GNU GPL lizenziert, einige seiner Bestandteile stehen jedoch unter der LGPL oder unter der BSD-Lizenz.

Ein Problem beim Erreichen der Binärkompatibilität zu Windows ist, dass einige API-Aufrufe, die von vielen Programmen eingesetzt werden, nicht öffentlich dokumentiert sind. Außerdem müssen für ReactOS fast alle Teile neu programmiert werden, da beispielsweise nichts von Linux und nur wenig von BSD übernommen oder anderweitig genutzt werden kann. Eine Ausnahme sind jedoch die von Unix unabhängigen Bibliotheken des Wine-Projektes, sodass diese in ReactOS übernommen werden.

zentriert|600px|ReactOS und die Win32-API in verschiedenen Betriebssystemen

Geschichte mini|2007: ReactOS' damaliger Projektkoordinator Alexei Bragin (links) präsentiert Wiktor Alksnis (russischer Politiker, rechts) das Projekt

Das Projekt wurde 1996 als „FreeWin95“ ins Leben gerufen und sollte nur zu Windows-95-Programmen kompatibel sein. Es knüpfte damit an ein vergleichbares Projekt an, das zum Ziel hatte, MS-DOS nachzuprogrammieren und als Open-Source-Projekt mit dem Namen FreeDOS bekannt wurde. Es ist heute ein brauchbarer DOS-Nachbau, aber mit heutiger Windows-Software nicht kompatibel. Nachdem FreeWin95 in einer längeren Spezifizierungsphase hängen geblieben war, belebte 1998 Jason Filby als Projektkoordinator das Projekt neu, das seither als ReactOS bekannt ist. Dabei wurde die Kompatibilität zu Windows NT als neues Projektziel festgelegt.

Lange Zeit war das ReactOS-Team mit der Entwicklung des Kernels beschäftigt, so dass kaum ein Erfolg sichtbar wurde. Mit dem Erscheinen von Version 0.2 bot ReactOS erstmals eine grafische Benutzeroberfläche. Dadurch wurde die Presse verstärkt auf ReactOS aufmerksam. Die Unterstützung von Java-, OS/2- und DOS-Programmen wurde auf die Agenda gesetzt, bisher jedoch nicht weiter verfolgt. Eine Implementierung der Internetprotokollfamilie, basierend auf dem IP-Stack von FreeBSD, war dagegen bereits benutzbar.

Am 8. Januar 2007 wurde die erste 4000-Euro-Spendenkampagne gestartet und am 11. Februar 2007 mit einer Summe von 4450 Euro beendet. Das Geld wird hauptsächlich für die Serverpflege und die Steigerung der Bekanntheit von ReactOS verwendet. So erhoffen sich die Programmierer, durch ein steigendes öffentliches Interesse am Projekt neue Entwickler und Tester anzulocken.

Das Projekt präsentierte sich am 25. Februar 2007 erstmals beim jährlichen Treffen europäischer Entwickler von freier Software in Brüssel (FOSDEM).

Anfang 2009 wurde die bisherige Roadmap durch eine neue Planung bis Version 0.5 ersetzt. Die Entwicklung von freien NTFS-Treibern ist für Version 0.5 angekündigt.

Am 16. Januar 2010 äußerte sich Alexei Bragin,Arwinss presentation (englisch) – Vorstellung des Projektkoordinators Aleksey Bragin. 16. Januar 2010, abgerufen am 6. Juni 2013 damals Koordinator des Projekts, über konzeptionelle Schwächen des Win32-Subsystems und entwarf ein alternatives 32-Bit-Subsystem, um einem funktionsfähigen System näher zu kommen. Das Win32-Subsystem, dessen Softwaredesign Windows näher ist als dem von Wine, soll temporär durch ein neues Subsystem ergänzt werden, das auf Wine-Quellcode beruht (im Gegensatz zu veralteten Versionen im derzeitigen Win32-Subsystem), anstatt diese neu zu entwickeln. – Präsentation über Arwinss (englisch) vom 22. Januar 2010 Nicht von der Neuerung betroffen ist der bisherige Grafiktreiber, der im Vergleich zu X Window von Wine mit Systemaufrufen zum Kernelmodus Win32k effizientere Grafikaufrufe ermöglicht.

2014 wurde die neue Desktop-Umgebung ReactOS-Explorer – ein freier Nachbau des Windows-Explorers – freigegeben. (englisch) – ReactOS-Community, am 26. November 2014 Dieser ersetzte den (englisch) als oder auch bezeichneten Vorgänger, der am ursprünglichen Windows-Explorer und am noch älteren Dateimanager angelehnt war.ReactOS Explorer (englisch) – Seite im ReactOS-Wiki, letzte Änderung am 16. August 2016 (abgerufen am 11. Dezember 2016) ReactOS-Aktualisierungen werden jeweils im Abstand von drei Monaten veröffentlicht.

Google Summer of Code Seit dem Jahr 2006 nimmt ReactOS am Google Summer of Code (GSoC)-Projekt teil. Beim GSoC 2011 wurden vier ReactOS-Projekte fertiggestellt, darunter ein TCP/IP-Treiber auf Basis von lwIP (), und ein GDI-Schrifttreiber.

Am 1. Mai 2012 wurde eine 30.000-Euro-Spendenkampagne gestartetA personal appeal from ReactOS Project Coordinator Aleksey Bragin (englisch), abgerufen am 15. April 2013 und Ende des Jahres mit einer Spendensumme von 14.392 Euro abgeschlossen. Stand 24. Dezember 2012, abgerufen am 15. April 2013

Projekt Thorium Core Cloud Desktop Im Dezember 2013 wurde ein Thorium Core Cloud Desktop genanntes Cloud-Computing-Projekt auf Basis von ReactOS auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter zur Einwerbung von 120.000 US-Dollar gestartet, das am Ende der zweimonatigen Kampagne mit nur zirka 40 Prozent des geplanten Betrags scheiterte.

Projekt ReactOS Community Edition

Vom 2. April bis 1. Juni 2014 lief eine zweite Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo zur Finanzierung einer ReactOS Community Edition mit einem angestrebten Spendenziel von 50.000 US-Dollar. Für die jeweils drei am meisten durch die Community gewählten Windows-Anwendungen und Geräte soll mit dem Geld volle Kompatibilität ermöglicht werden. Die Kampagne wurde als Teilerfolg mit einem Betrag von 25.141 US-Dollar abgeschlossen.reactos-community-edition auf indiegogo (englisch, 1. Juni 2014)

Auszeichnungen und Förderungen Im Juni 2013 wurde ReactOS als SourceForge-Projekt des Monats ausgezeichnet.

Lobbyarbeit in Russland Die russische ReactOS Foundation unternahm von 2007 bis zu ihrer Auflösung 2015 mehrere Versuche, ReactOS als möglichen Ausweg aus der Abhängigkeit Russlands von ausländischen Softwareanbietern zu positionieren. Diese Versuche zeigten jedoch keine Ergebnisse.

Das ausführlichste Treffen fand 2007 mit dem nationalistischen Hardliner Wiktor Alksnis statt, der zu dieser Zeit die Partei Rodina in der föderalen Duma vertrat.

2011 nutzten Vertreter der Stiftung einen Besuch des damaligen Präsidenten Medwedew in einer Schule, um ihn mit dem Projekt bekanntzumachen. 2012 wurde ReactOS beim Seliger-Treffen dem inzwischen wiedergewählten Wladimir Putin vorgeführt.

Am 1. April 2015 nahm Entwickler und Stiftungsvertreter Alexei Bragin an einem Expertentreffen des russischen Telekommunikationsministeriums zum Thema Schutz vor Importsoftware teil. Dort belegte das von Bragin vorgestellte „Projekt zur Entwicklung eines Client-Betriebssystems auf Basis von ReactOS“ im Bereich Client-Betriebssysteme den zweiten von drei Plätzen.Russland erklärt ReactOS zu favorisierter Windows-Alternative, Heise, 23. Juni 2015

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