mini|Säugende Stute mit Fohlen Eine Stute ist ein weibliches Tier der Familien Pferde (Equidae) und Kamele (Camelidae). Das männliche Pendant zur Stute ist der Hengst. Der Begriff kommt aus dem Althochdeutschen „stuot“, was ursprünglich „Herde von (Zucht-)Pferden“, weibliches Pferd heißt.

Pferdestute alternativtext=Elfjährige Rappstute|mini|Vierjährige Welsh B-Schimmelstute

Anatomie

Geschlechtsspezifische Unterschiede Es gibt verschiedene Unterschiede, die sich zwischen Stute und Hengst zeigen. Zum einen haben Stuten keine Hengstzähne und somit vier Zähne weniger als Hengste. Sie kommen also auf 36 Zähne und Hengste auf 40. Es gibt auch Ausnahmen, bei denen Stuten mit hengstähnlichem Exterieur Hengstzähne haben. Ein weiterer Unterschied zeigt sich im Gebiet der Leiste. Die Stute hat im Gegensatz zum Hengst, abgesehen von einer kleinen Andeutung, keinen Processus vaginalis peritonaei. Der Leistenspalt wird also nur durch das Ligamentum teres uteri und einen schwachen Musculus cremaster durchsetzt, die dann an der Euterbasis enden. Zudem lässt sich das Geschlecht an dem Beckeneingang eines Pferdes erkennen. Stuten haben einen abgerundeten, durch die Linea terminalis begrenzten Beckeneingang, der im Quer und Vertikaldurchmesser länger ist als beim Hengst. Es gibt dafür keinen zusätzlichen Tuberculum pubicum dorsale, der dem Tuberculum pubicum ventrale gegenüber liegt. Außerdem haben Stuten eine subkutan gelegene Sporader, die von der Achselgegend bis in die Leistengegend zieht. Sie ist besonders auffällig an Bauch und Thorax. Die Harnröhre (Urethra) der Stuten ist so kurz, weitlumig und dehnungsförmig, dass Probleme wie der Harnblasenvorfall oder Harnsteine manuell behoben werden können. Das ist beim Hengst nicht der Fall. Hier muss wegen der geringeren Größe chirurgisch vorgegangen werden.

Geschlechtsorgane der Stute Das Euter (Uber) ist je nach Trächtigkeitszustand unterschiedlich geformt und groß. Es besteht aus dem Corpus Mammae und der Zitze (papilla mammae).

Die paarigen Eierstöcke (Ovarien) liegen in der Höhe des fünften Lendenwirbels, handbreit kaudal der Nieren und handbreit kranioventral des Hüfthöckers. Stuten haben im Gegensatz zu anderen Säugetieren ein inverses Ovar. Das bedeutet, dass die gefäßreiche Zona vasculosa im Rindenbereich aufzufinden ist und die Zona parenchymatosa mit den Funktionsgebilden, dem Follikel und dem Gelbkörper im Mark des Ovars.

Die Eileiter (Tuba uterina) sind mäanderartig gewunden und verlaufen längs der Körperachse von der Ovulationsgrube zum Uterushorn. Sie hängen am Eileitergekröse (Mesoalpinx).

Die Gebärmutter (Uterus) liegt mit ihren ca. 25 cm langen Hörnern vollständig und mit ihrem fast genauso langen Corpus uteri fast vollständig in der Bauchhöhle.

Die Vagina ist genauso lang wie der Corpus uteri und liegt unter dem Enddarm und dorsal von Harnblase und Harnröhre.

Zucht Genetik Die Genetik beschäftigt sich mit den nach bestimmten Gesetzen ablaufenden Vorgängen der Vererbung. Dabei ist der Erbträger der Stuten im Zellkern enthalten und hilft bei der Bestimmung des Zuchtwerts mit.

Um das Erbgut natürlich zu übertragen, muss es zu der Befruchtung kommen. Dabei werden die Informationen von Ei- und Samenzelle in der befruchteten Eizelle zusammengeführt. Die körperliche Entwicklung wird durch die Längsteilung der Chromosomen mit identem genetischem Inhalt und somit der Weitergabe der DNA an jede weitere Zelle ermöglicht. Insgesamt haben Pferde 64 Chromosomen. Die Heterosome (geschlechtsspezifische Chromosomen) unterscheiden sich jedoch bei Hengst und Stute. Stuten besitzen zwei X-Chromosomen. Als geschlechtsreif wird eine Stute angesehen, die in den Keimdrüsen aus Körperzellen befruchtungsfähige Keimzellen produziert. Die genetische Information der Eltern wird so zu einer Informationseinheit, die weitergegeben werden kann.

Populationsgenetik Die Populationsgenetik beschäftigt sich unter anderem mit der Vererbung von Leistungsmerkmalen.

Es gibt qualitative Merkmale, die relevant für den Zuchtwert einer Stute sind. Einige davon sind: Farbe des Tieres, Geschlecht, korrektes Gebäude, gute Aktion, Temperament, Charakter und die Grundgangarten. Dazu wird zum einen in das Interieur eingeteilt, also Eigenschaften wie Intelligenz, Nervosität, Schreckhaftigkeit, Gesundheit, Konstitution und Leistungsbereitschaft. Außerdem ist es wichtig, dass die Stute den Rasse-, Familien- und Geschlechtstyp präsentiert. Auch das Exterieur spielt eine Rolle und lässt sich folgendermaßen unterteilen: Kopf, Augen, Zungenstrecker, Nüstern, Zahnalter, Ganaschen, Genick, Hals, Widerrist Brustkorb, Rücken, Nieren- oder Lendenpartie, Kruppe und Schweif; Vordergliedmaßen, Schulter, Vorarm, Vorderfußwurzel, Vordermittelfuß, Fesselkopf, Vorderfesseln; Hintergliedmaßen, Sprunggelenk, keine Faßbeinigkeit/Kuhhessigkeit, keine Hasenhacke/verletzte Linie, Piephacke oder Rehbein, Hintermittelfuß und Fessel, Überbeine und Gallen, Fesseln, Hufe, Bockhufe und Bärenfüßigkeit. Die Bewegung einer Stute, also der Gang und die Größe, sind ebenfalls wesentliche Faktoren für den Zuchtwert. Beim Gang kommt es vor allem auf die Korrektheit und die Mechanik an, was sich wiederum mit dem Exterieur verbinden lässt. Zudem wird der Antrittswille beurteilt. Was jedoch grundlegend für eine gute Bewertung ist, ist die organische und geschlechtliche Gesundheit des Lebewesens. Wenn all diese Eigenschaften beurteilt wurden, sollen die Mängel und Vorteile durch einen passenden Hengst ergänzt werden. Hierbei wird auch auf die Vererbbarkeit der Eigenschaften einer Stute geschaut, was sich durch die Untersuchung bereits vorhandener Nachkommen feststellen lässt.

Um diesen Zuchtwert festzustellen, gibt es verschiedene Verfahren. Die Leistungsprüfung ermittelt die Eigenleistung von Pferden im Rahmen der Feststellung von Zuchtwerten. Die Zuchtstutenprüfung bezieht die Grundgangarten, das Interieur und die Leistungen im Freispringen mit ein. Es kann auch eine Zuchtwertschätzung anhand von Turniersportergebnissen gemacht werden. Alle Verfahren beurteilen eine Stute im Stand und im Gang. Bei Letzterem kann das Pferd an der Hand oder unter dem Sattel präsentiert werden. Wenn eine Zuchtstute eine überdurchschnittliche Gesamtnote in der Bewertung erzielt, wird diese in das Leistungsstutbuch aufgenommen. Eine weitere Einteilung nach Abstammung und Bewertung auf einer Schau kann in dem Vorbuch, Stutbuch und Hauptstutenbuch gesucht werden. Hochprämierte Stuten können als Elitestuten oder Staatsprämienstuten ausgezeichnet werden.

In Deutschland sind diese Aufgaben vor allem von den Zuchtverbänden zu erledigen. Die Verbände sind eingetragene Vereine und somit privatrechtliche Zusammenschlüsse. Sie beschäftigen sich vor allem mit der Zucht einer jeweiligen Spezialrasse. Dabei sind einige ihrer Aufgaben die Führung des Stutbuches, die Identifikation von Zuchttieren und deren Nachzucht, die Ausstellung von Abstammungsnachweisen, die Erarbeitung und Durchführung von Zuchtprogrammen, die Selektion von Zuchttieren, die Organisation und Durchführung von Leistungsprüfungen und die Beratung der Züchter. Diese Aufgaben werden unter Beachtung von aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und erprobten Methoden aus der Praxis durchgeführt.

Die bereits erwähnte Zuchtwertschätzung gibt eine Aussage über den erblichen Einfluss eines Tieres auf seine Nachkommen ab. Dabei ist es das Ziel eine Rangordnung der Tiere von einer Population gemäß ihrem züchterischen Wert zu erstellen. So kann man positive Eigenschaften fördern und negative Ausprägungen herauszüchten. Es ist jedoch zu beachten, dass der Zuchtwert lediglich eine Wahrscheinlichkeit darstellt und durch die Erblichkeit der betreffenden Eigenschaften oder die Umweltverhältnisse beeinflusst werden kann. Der Zuchtwert unterscheidet sich dabei von dem Nutzwert, der nur die Eigenleistung und nicht das genetische Potential begutachtet. Die allgemeinen Ziele, die bei der Zucht mit einer Stute gewünscht sind, werden Zuchtziele genannt. Eine Stute soll die angestrebten Idealmodelle einer Rasse oder einer Nutzungsrichtung verkörpern. Dabei orientiert man sich an der Ethik, Ökologie und Ethologie. So wird auf die Moral, die Beziehung zur Umwelt und die Verhaltenslehre Rücksicht genommen. Grundsätzliche wird auf Leistungspferde abgezielt. Dabei wird Schönheit als dem jeweiligen Nutzungszweck wünschenswerten und notwendigen Körperformen entsprechend verstanden. Wenn eine Leistungs- oder Nutzungsrichtung als Ziel gilt, spricht man von einseitigen Zuchtzielen, bei mehreren Richtungen von kombinierten Zuchtzielen.

Um ein optimales Ergebnis zu erzielen, gibt es verschiedene Zuchtmethoden. Diese beschäftigen sich alle mit der überlegten Auswahl von Paarungspartnern und schließen dabei die Selektion von gefallenen Nachkommen mit ein. Das kann dazu führen, dass Eigenschaften erhalten oder verbessert werden. Je nachdem spricht man dann von Erhaltungs- oder Verbesserungszucht. Man unterscheidet die jeweiligen Methoden nach: Auslesezüchtung, Reinzucht, Linienzucht und Inzucht, Veredelungskreuzung und Gebrauchskreuzung. Zudem gibt es die erwähnte Erhaltungszucht und Verbesserungszucht.

Rosse und Decken Es gibt unterschiedliche Bedeckungsformen, die praktiziert werden. Die Bedeckung im Herdenverband ist die natürlichste Form der Fortpflanzung. Zudem gibt es noch den Sprung aus der Hand und die Samenübertragung mit Frischsamen oder Tiefgefriersperma. Dabei muss vor allem auf die Aufnahmefähigkeit der Stute geachtet werden. Diese werden alle drei Wochen rossig und zeigen das vor allem im Frühjahr und Frühherbst sehr deutlich. Erkennbar ist die Rosse an dem veränderten Verhalten der Stute, der leicht geröteten Schleimhaut und dem sogenannten Blitzen (Öffnen und Schließen der Scheide). Die Dauer der Rosse ist dabei von Stute zu Stute unterschiedlich. Die Chancen einer Befruchtung steigen am Ende der Rosse an. Dies ist feststellbar durch eine Zervixtupferprobe.

Ein weiterer Faktor, der in die Aufnahmefähigkeit der Stute mit einberechnet werden muss, ist das Alter der Stute. Es gibt die Behauptung, dass Stuten nie zu alt für die Zucht sind. Trotzdem gilt die Aufnahmebereitschaft einer Stute ab dem 16. Lebensjahr bei dem ersten Fohlen als äußerst niedrig. Wenn die Stute jedoch schon in jungen Jahren ein Fohlen bekommen hat und dann später erneut gedeckt werden soll, stellt das in der Regel kein Problem dar. Also ist es zu empfehlen eine Stute möglichst früh das erste Mal zu decken, weil das Aufnehmen und Abfohlen problemloser funktioniert je jünger die Stute ist. Es ist aber auch nicht zu befürworten, eine Stute vor ihrem dritten Lebensjahr zu decken. Die Stute ist dann noch nicht ausgewachsen und kann durch die zusätzliche Belastung einer Trächtigkeit Entwicklungsprobleme bekommen.

Die Biotechnik beschäftigt sich mit fortpflanzungsbiologischen Maßnahmen.