Der Granatapfel (Punica granatum) ist eine der beiden Pflanzenarten aus der Gattung der Granatäpfel (Punica) innerhalb der Familie der Weiderichgewächse (Lythraceae). Die Granatapfelfrucht dient vielfältig als Nahrungsmittel. Das Verbreitungsgebiet des Granatapfels liegt in West- bis Mittelasien; seit der Antike wird er unter anderem im Mittelmeerraum, Iran, in Afghanistan und Nordindien angebaut.
Name Der Gattungsname Punica leitet sich von , „punisch“ ab und geht auf die römische Bezeichnung für die Phönizier zurück.
Lateinisch wurde der Granatapfel auch Malum punicumOtto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 143 (Granatum, Malum punicum) und 146 (Malus punicus). („Punischer Apfel“) genannt. Der deutsche Trivialname GranatapfelVgl. auch Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 190 („Granatum – granat opffel, poma granata, malum punicum, hornam“ und „Malorum granatorum – granates epphele […] mala granata“). (mittelhochdeutsch auch Margramapfel und regional auch Margerant und ähnlich)Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 319.Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 421 (zu margrandapfelplüt/marganöpffelplut, Blüten von Punica granatum L., synonym: balaustia; und zu margerantplut, synonym: granatisblumen; sowie margerantrinte: Fruchtschale von Punica granatum L., Granatapfelschale, lateinisch mali granati cortex). und der lateinische Artname Granatum (über granatus von , „Korn“, „Kern“, „Samen“) wurde wegen der zahlreichen in den Früchten enthaltenen Samenkörner (mittelhochdeutsch margramkern, „Granatapfelkerne“Jürgen Martin: Die ‚Ulmer Wundarznei‘. Einleitung – Text – Glossar zu einem Denkmal deutscher Fachprosa des 15. Jahrhunderts. Königshausen & Neumann, Würzburg 1991 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 52), ISBN 3-88479-801-4 (zugleich Medizinische Dissertation Würzburg 1990), S. 149.) geprägt.Punica granatum L. In: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen. auf spektrum.de, abgerufen am 7. November 2013. Punica granatum ist eine mittellateinische Bezeichnung von lateinisch malum granatum („mit Kernen versehener Apfel“).Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage, hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 267.
Beschreibung mini|Habitus, Laubblätter und Früchte
Erscheinungsbild und Blatt Der Granatapfel wächst als sommergrüner, normalerweise laubabwerfender, aber auch immergrüner, kleiner Baum und wird oft als Strauch kultiviert; er erreicht Wuchshöhen bis zu fünf Metern, aber auch höher, wird bis zu drei Metern breit und kann einige hundert Jahre alt werden. Die Pflanzenteile sind kahl. Es gibt auch strauchige Zwergformen mit einer Wuchshöhe bis zu einem bis 1,5 Metern, z. B. den Zwerggranatapfelbaum (als natürliche Zwergform Punica granatum var. nana, als Zuchtform Punica granatum ‘Nana’). Die Rinde ist rot-braun bis grau, anfänglich glatt, später furchig, schuppig, später wird die Rinde grau-braun. Die jungen Zweige sind oft vierkantig, stielrund und enden oft in einem Dorn.
Die gegenständigen auch wirteligen oder kreuzgegenständigen, ganzrandigen Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Die kurzen Blattstiele sind zwei bis zehn Millimeter lang. Die einfache, oberseits glänzende, dunkelgrüne, unterseits blassere und mattere, wachsig-lederige, teils asymmetrische Blattspreite ist bei einer Länge von zwei bis neun Zentimetern sowie einer Breite von einem bis zwei Zentimetern lanzettlich, eilanzettlich bis verkehrt-eilanzettlich oder länglich mit sich verschmälernder Spreitenbasis und stumpfem bis rundspitzigem oder spitzem bis stachelspitzigem oberen Ende. Es liegt Fiedernervatur mit auffälliger, oberseits eingedrückter und unterseits erhabener Mittelader vor. Die jungen Laubblätter sind teils rötlich-grün, im Herbst färben sie sich gelb. Nebenblätter fehlen.
Blüte mini|hochkant|links|Blütendiagramm mini|Geöffnete Blüte mit vielen Staubblättern mini|Blüte im Endstadium mini|Granatapfelfrucht und Blüten Die Blütezeit liegt normalerweise im Frühjahr und Sommer, in China zwischen März und Juli, in manchen Regionen sind zwei oder drei Blütezeiten üblich. Die geruchlosen Blüten stehen endständig einzeln oder in kleinen Gruppen an den Zweigenden. Die bei einer Länge von 3,5 bis sieben Zentimetern sowie einem Durchmesser von drei bis vier Zentimetern relativ großen, mehrheitlich zwittrig urnenförmigen oder auch unfruchtbar männlich glockenförmigen Blüten sind fünf- bis neunzählig mit doppelter Blütenhülle. Auch gibt es noch dazwischenliegende, röhrenförmige, teilweise fruchtbare Blüten, mit verkürztem Griffel. Die fünf bis neun an der Basis verwachsenen, wachsig-ledrigen zwei bis vier Zentimeter langen, fleischigen Kelchblätter sind normalerweise orangerot bis hellgelb. Sie sind aufrecht-dreieckig, mit ausgebogenen Zipfeln und formen basal einen etwa zwei bis drei Zentimeter langen und bis 1,5 Zentimeter breiten Kelch. Die fünf bis neun roten, orangen, selten weißen; mit hellgelben Kelchblättern und freien, rüschigen, zarten Kronblätter sind bei einer Länge von 1,5 bis drei Zentimetern sowie einer Breite von ein bis zwei Zentimetern verkehrt-eiförmig mit gerundetem oder stumpfem oberen Ende. Die sehr vielen Staubblätter (bis über 300) sind kreisig angeordnet und können die Blütenkrone überragen. Die dorsifixen Staubbeutel sind gelblich-weiß und die Staubfäden rötlich-orange.
Der unterständige Fruchtknoten ist acht- bis 13-kammerig. Die verwachsenen Fruchtblätter sind überlagert, in verschiedenen Wirteln (in der Regel zwei bis drei) im Fruchtknoten angeordnet (coenokarp-synkarp). Die Plazentation ist bei den unteren zentralwinkelständig, bei den oberen parietal. Die Narbe ist kopfig, dreilappig und liegt tiefer als die Staubbeutel.
Es gibt auch teilweise fruchtbare „Zier-Granatäpfel“ in teils anderen Farben (rosa, gelb), bei denen die Staubblätter ganz oder teilweise in mehr Blütenblätter umgewandelt sind (Petalodie). mini|Granatapfel mit gefüllten Blüten mini|Granatapfel, geschlossen und im Schnitt mini|Aufgebrochener Granatapfel mini|Durchscheinende „Samenhüllen“
Frucht und Samen Die bei einem Durchmesser von normalerweise fünf bis zwölf Zentimetern und 150 bis 500 Gramm schwere, aber auch bis 20 Zentimeter große und 500 bis über 1000 Gramm schwere,Alexander Haubold: auf aquaphoenix.com, abgerufen am 6. August 2017. kugelige, apfelähnliche, anfangs grüne, später orangerote, rote bis gelb-grüne oder gelblich-braune, auch schwarz-violette Frucht ist der Grenzfall einer ledrigen Beere, da das Fruchtfleisch nicht fleischig ist, aber nicht verholzt. Diese spezielle Fruchtform des (wilden)Wouter S. van den Berg (Hrsg.): Eene Middelnederlandsche vertaling van het Antidotarium Nicolaï (Ms. 15624–15641, Kon. Bibl. te Brussel) met den latijnschen tekst der eerste gedrukte uitgave van het Antidotarium Nicolaï. Hrsg. von Sophie J. van den Berg, N. V. Boekhandel en Drukkerij E. J. Brill, Leiden 1917, S. 204 (Balaustia). Granatapfels wird auch als Balausta oder BalaustiaVgl. etwa Ute Obhof: Rezeptionszeugnisse des „Gart der Gesundheit“ von Johann Wonnecke in der Martinus-Bibliothek in Mainz – ein wegweisender Druck von Peter Schöffer. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 36/37, 2017/2018, S. 25–38, hier: S. 32 (Balaustia „granats pluom“). (von lateinisch balaustium bzw. griechisch balaustion, „Blüte des wilden Granatbaumes“)Heinrich Marzell: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen. 5 Bände, Leipzig, ab Band 3 Stuttgart/Wiesbaden, Band 3, S. 1193.Jürgen Martin: Die ‚Ulmer Wundarznei‘. Einleitung – Text – Glossar zu einem Denkmal deutscher Fachprosa des 15. Jahrhunderts. Königshausen & Neumann, Würzburg 1991 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 52), ISBN 3-88479-801-4 (zugleich Medizinische Dissertation Würzburg 1990), S. 114 (balaustie, balaustia: Granatapfelblüten von Punica granatum L.).Hjalmar Frisk: Griechisches etymologisches Wörterbuch. 3 Bände, Heidelberg 1960–1972 (= Indogermanische Bibliothek, II. Reihe); Neudruck (deklariert als „zweite Auflage“) ebenda 1973, Band 1, S. 214. bezeichnet.Jahrbuch des Deutschen Archaeologischen Instituts. Band 110, 1995, De Gruyter, 1996, ISBN 3-11-014523-5, S. 20.Vgl. auch Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 160 (Balaustia = „Die abgefallene Blüte des (wilden) Granatbaumes“) und 191.
Der Granatapfel ist eine Scheinfrucht (anthocarp), die aus den Kelchblättern, dem Blütenboden und dem Gynoeceum gebildet wird. Sie ist gekrönt von den haltbaren, manchmal einen Kragen oder eine Spitze ausformenden Kelchzipfeln und den haltbaren Staubblättern. Das weißlich-hellrötliche, bittere, schwammige Mesokarp wird – wie bei den Citrusfrüchten – als „Albedo“ bezeichnet. Dieses ist in einzelne Kammern unterteilt, in denen sich die Samen befinden. Die Trennwände dieser Kammern werden als „Membrane“ bezeichnet.
Die kantigen, polyhedralen (vielflächigen), rubinroten bis rosafarbenen oder gelblich-weißen Samen sind mit einer glasigen, leicht durchscheinenden, saftig-prallen, herbsüßen „Samenhülle“ (Sarkotesta, Arillus) umgeben, die bei Druck leicht zerplatzt. Die Samen mit „Hüllen“ sind bis zu 15 Millimeter lang und ca. fünf bis zehn Millimeter breit. Die eigentlichen, weichen bis harten Samen sind eiförmig und weißlich und sechs bis zehn Millimeter lang und zwei bis fünf Millimeter breit. Die Frucht enthält etwa 200 bis über 1000 Samen. Die Tausendkornmasse ohne fleischige „Samenhülle“ beträgt ca. 30 bis 40 Gramm, mit beträgt sie ca. 370 bis 400 Gramm.R. Riyahi, S. Rafiee et al.: Some physical characteristics of pomegranate, seeds and arils. In: Journal of Agricultural Technology. Band 7, Nr. 6, 2011, S. 1523-1537, online (PDF; 476 kB).
Die Frucht öffnet sich bei Vollreife unregelmäßig. Die Früchte reifen nach der Ernte nicht nach; sie zählen zu den nichtklimakterischen Früchten. Die Zeit bis zur Fruchtreife nach der Blütezeit beträgt etwa 130 bis 175 oder etwas mehr Tage.Pomegranate species (Punica granatum L.); Guideline (PDF; 312 kB), auf plantauthority.gov.in, abgerufen am 3. August 2017.
Chromosomensatz Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16 oder 18.
Ökologie In Südtirol wurden blütenbesuchende Käfer der Gattungen Cetonia und Trichodes beobachtet. Sie führen auch Fremdbestäubung herbei. Der Granatapfel ist selbst- oder fremdbestäubt.
Verbreitung mini|Habitus Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Granatapfels liegt im westlichen bis mittleren Asien, von der Türkei über den Kaukasusraum (Dagestan) bis in den Iran sowie Mesopotamien/Irak und Zentralasien (Tadschikistan, Turkmenistan) bis zu den indischen Bundesstaaten Himachal Pradesh, Jammu and Kashmir sowie Uttar Pradesh.
Iran zählt zu den Hauptproduzenten weltweit.