Gaggenau ist eine Stadt im Westen Baden-Württembergs rund acht Kilometer nordöstlich von Baden-Baden. Sie ist nach der Kreisstadt Rastatt und vor der Stadt Bühl die zweitgrößte Stadt des Landkreises Rastatt und bildet zusammen mit der südlichen Nachbarstadt Gernsbach ein Mittelzentrum innerhalb der Region Karlsruhe. Der Ort gewann im späten 19. und im 20. Jahrhundert durch große Industrieansiedlungen an Bedeutung und erhielt 1922 das Stadtrecht. Seit dem 1. Januar 1971 ist Gaggenau eine Große Kreisstadt.

Geografie

mini|hochkant=1.35|Blick von Süden aufs Stadtzentrum

Geografische Lage Gaggenau liegt am Westrand des Nordschwarzwalds beiderseits des Flusses Murg in einer Erweiterung des Murgtales. Die Bundesstraße 462 (Schwarzwald-Tälerstraße) und die Murgtalbahn von Rastatt nach Freudenstadt durchqueren die Stadt. Der höchste Punkt im Stadtgebiet liegt auf dem Mauzenberg auf ca. 758 m, der niedrigste Punkt liegt bei etwa am Nordwestrand der Gemarkung Oberweier. Die größte Ausdehnung des Stadtgebiets beträgt in Nord-Süd-Richtung und in West-Ost-Richtung jeweils ungefähr 10 km.

Nachbarkommunen Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Gaggenau (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden): Malsch, Marxzell (beide Landkreis Karlsruhe), Bad Herrenalb (Landkreis Calw), Loffenau und Gernsbach (beide Landkreis Rastatt), Baden-Baden (Stadtkreis) sowie Kuppenheim, Bischweier und Muggensturm (alle Landkreis Rastatt).

Stadtgliederung Das Stadtgebiet Gaggenaus gliedert sich in die Kernstadt Gaggenau und die acht Stadtteile Bad Rotenfels, Freiolsheim, Hörden, Michelbach, Oberweier, Ottenau, Selbach und Sulzbach.

Die Stadtteile bilden zugleich Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung, wobei die Kernstadt und die Stadtteile Ottenau und Bad Rotenfels zu einem Wohnbezirk zusammengefasst werden. Mit Ausnahme der Stadtteile Bad Rotenfels und Ottenau sind Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher eingerichtet. Für diese Ortschaften gibt es jeweils einen vom Volk gewählten Ortschaftsrat, der aus acht bis zehn Mitgliedern besteht. Vorsitzender des Gremiums ist der Ortsvorsteher. Die Ortschaftsräte sind zu wichtigen, die Ortschaft betreffenden Angelegenheiten zu hören. (PDF; 1,4 MB; abgerufen am 31. Oktober 2016)

Zur Stadt Gaggenau in den Grenzen vom 31. Dezember 1969 gehören die Stadt Gaggenau, das Dorf Ottenau (mit Gaggenau zusammengewachsen) und das Gehöft Amalienberg. Zu den Stadtteilen Hörden, Michelbach, Selbach und Sulzbach gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer. Zum Stadtteil Freiolsheim gehören das Dorf Freiolsheim und die Weiler Mittelberg und Moosbronn. Zum Stadtteil Oberweier gehören die Dörfer Oberweier und Niederweier. Zum Stadtteil Bad Rotenfels gehören das Dorf Rotenfels und der Weiler Winkel.

In der Stadt Gaggenau in den Grenzen vom 31. Dezember 1969 (auf Gemarkung Gaggenau, in etwa Gewann Heil) liegt die Wüstung Außermichelbach und im Stadtteil Oberweier die Wüstung Mittelweyer.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 163–167

Raumplanung Gaggenau bildet zusammen mit der südlichen Nachbarstadt Gernsbach ein Mittelzentrum innerhalb der Region Karlsruhe, in welcher Karlsruhe die Position des Oberzentrums einnimmt. Zum Mittelbereich Gaggenau/Gernsbach mit 53.766 Einwohnern (2020) gehören neben den beiden Städten Gaggenau und Gernsbach noch die Gemeinden Forbach, Loffenau und Weisenbach., S. A17 (PDF; 8,1 MB). Abgerufen am 12. Oktober 2016.

Geschichte

Bis zum 18. Jahrhundert Gaggenau wurde 1243 erstmals urkundlich erwähnt. Bis ins 19. Jahrhundert blieb Gaggenau ein kleineres Dorf. Das gehörte ursprünglich zum Ufgau, ab dem 13. Jahrhundert zur Markgrafschaft Baden bzw. ab 1535 zur Markgrafschaft Baden-Baden. Älter als die Kernstadt ist unter anderem der heutige Stadtteil Bad Rotenfels, der in einem kaiserlichen Schenkungsbrief bereits im Jahre 1041 genannt wurde.

Bis 1689 gehörte Gaggenau zum Amt Kuppenheim und dann zum Amt Rastatt, aus dem später der Landkreis Rastatt hervorging. 1691 wurde der Ort im Pfälzischen Erbfolgekrieg durch die Franzosen fast vollständig zerstört.

1772 entstand unterhalb des Dorfes die Rindenschwendersche Glashütte und mit ihr mehrere Betriebswohnungen und Werkstätten. mini|Eisenwerke Michael Flürscheims (um 1891) mini|hochkant|Benz Gaggenau

19. und 20. Jahrhundert Der eigentliche industrielle Aufschwung begann ab 1873 durch Gründung der Eisenwerke Michael Flürscheims, die auf das markgräfliche Hammerwerk zurückgehen. 1895 wurde hier bereits das 5-PS Automobil Orient Express gebaut, ab 1905 nannten sie sich Süddeutsche Automobilfabrik GmbH Gaggenau. 1907 erfolgte die Übernahme durch die Firma Benz & Cie. aus Mannheim bis zum Zusammenschluss 1926 zur Daimler-Benz AG. Dadurch wuchs die Siedlung Gaggenau stark an und wurde am 15. September 1922 aufgrund ihrer Wirtschaftskraft zur Stadt erhoben.

Die NS-Machthaber errichteten im September 1944 im heutigen Ortsteil Rotenfels das Sicherungslager Rotenfels, wo in sechs Baracken etwa 1600 Frauen und Männer interniert wurden, die in den Daimler-Benz-Werken und anderen Betrieben zu Zwangsarbeit verpflichtet waren. Etwa 500 von ihnen sind ums Leben gekommen. An sie erinnert seit 1985 im Kurpark Bad Rotenfels eine Gedenktafel, die im Beisein einstiger französischer Häftlinge eingeweiht wurde.

Eine weitere Gedenkstätte befindet sich im Erlichwald nahe dem Waldfriedhof. Die Gedenkstätte Im Erlichwald erinnert an 27 NS-Opfer, die hier am 25. und 30. November von der Lagerpolizei des Sicherungslagers Rotenfels erschossen wurden. Es waren vier US-Soldaten, sechs britische Soldaten, vier Widerstandskämpfer aus den Vogesen, neun Mitglieder des Netzwerkes Réseau Alliance sowie eine Frau und drei Männer, alle vier unbekannt. Unter den französischen Zivilisten waren der Generalvikar des Bistums Dax und andere katholische Priester. Die Stadt weihte am 30. April 2023 mit einer Feier eine neue Gedenktafel ein.Gaggenauer Woche 4. Mai 2023 Nr. 18, S. 4Sicherungslager Rotenfels; abgerufen am 6. August 2023Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsoaggenauer Woche 04. mai 2023 Nr 18zialismus. Eine Dokumentation, Bd.I, Bonn 1995, S. 37, ISBN 3-89331-208-0

miniatur|Das Rathaus

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt zu etwa 70 % zerstört. Am 10. September 1944 griffen 140 Bomber vom Typ B-17 der 8. US-Luftflotte die örtliche Fahrzeugindustrie an, am 3. Oktober folgte ein Angriff durch 139 B-24. 205 Einwohner starben, 111 wurden verletzt und 4500 obdachlos. 696 der 2185 Gebäude in Gaggenau wurden völlig zerstört und 1334 beschädigt. Nach dem Krieg wurde die Stadt mit regelmäßigem Straßennetz wieder aufgebaut. Der Wiederaufbau wurde mit dem Neubau des Rathauses (1957–1958) abgeschlossen. Von 1951 bis 2002 wurde im Gaggenauer Daimler-Werk der Unimog gebaut, bevor die Produktion 2002 nach Wörth am Rhein verlegt wurde.

Anfang der 1970er Jahre wurden im Zuge der Kommunalreform sechs Umlandgemeinden nach Gaggenau eingegliedert. Dadurch verdoppelte sich die Einwohnerzahl und die Gemarkungsfläche verfünffachte sich, insbesondere durch die ehemalige Gemeinde Rotenfels, die im Grundbesitz einer sehr großen Waldfläche (bis einschließlich zum Bernstein) war. Dadurch wurde die Mindestzahl von 20.000 Einwohnern für die Erhebung zur Großen Kreisstadt überschritten, weshalb die Landesregierung von Baden-Württemberg diese auf Antrag der Stadtverwaltung mit Wirkung vom 1. Januar 1971 beschloss.

Eingemeindungen mini|Freiolsheim vom Mahlberg aus gesehen

Folgende Gemeinden wurden in die Stadt Gaggenau eingegliedert. Sie gehörten alle zum Amt bzw. Landkreis Rastatt: 1. April 1935: Ottenau 1. Januar 1970: Rotenfels, Heilbad, mit dessen Ortsteil Winkel (heute: Bad Rotenfels) 1. April 1970: Selbach 1. September 1971: Freiolsheim mit dem Weiler Moosbronn und der Siedlung Mittelberg 1. April 1972: württembergischer Anteil des Weilers Moosbronn von der Gemeinde Bernbach 1. April 1972: Oberweier mit Niederweier 1. April 1973: Sulzbach 1. Januar 1975: Hörden und Michelbach Bad Rotenfels, Gaggenau und Ottenau bilden zusammen eine „Ortschaft“ entsprechend der Gemeindeordnung von Baden-Württemberg.

Vor den Eingemeindungen der 1970er Jahre (also inklusive Ottenau) hatte Gaggenau eine Fläche von 12,63 km².

Einwohnerstatistik

Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze). Jahr Einwohner 1450 100 1550 350 1650 160 1790 520 1833 1.071 1. Dezember 1880 ¹ 1.522 1. Dezember 1905 ¹ 2.400 1. Dezember 1910 ¹ 3.120 1926 4.162 1935 6.600 17. Mai 1939 ¹ 7.741 1945 ¹ 4.500 13. September 1950 ¹ 7.526 Jahr Einwohner 6. Juni 1961 ¹ 12.537 27. Mai 1970 ¹ 21.132 31. Dezember 1975 28.846 31. Dezember 1980 28.533 25. Mai 1987 ¹ 28.116 31. Dezember 1990 28.761 31. Dezember 1995 29.531 31. Dezember 2000 29.703 31. Dezember 2005 29.709 31. Dezember 2010 29.032 31. Dezember 2015 29.032 31. Dezember 2020 29.932 30. September 2021 30.068 ¹ Volkszählungsergebnis

Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2011 waren 17,5 % der Einwohner evangelisch, 54,9 % römisch-katholisch und 27,6 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe. Die Zahl der Protestanten und vor allem die der Katholiken ist seitdem gesunken. Mit Stand 2017 waren von den 29.557 Einwohnern 15,9 % (4.714) evangelisch, 50,4 % (14.888) der Einwohner römisch-katholisch und 33,7 % gehörten entweder einer anderen Religion an oder sind konfessionslos.Stadt Gaggenau Stadt Info 2017 S. 14, abgerufen am 17. Mai 2020

Religionen mini|hochkant|Die katholische Pfarrkirche St. Josef im Stadtzentrum

Gaggenau gehörte zum Bistum Speyer und war dem Landkapitel Kuppenheim zugeordnet. Ab 1555 wurde die Reformation eingeführt. Doch musste der Ort in der Folgezeit sechsmal die Konfession wechseln, bevor er dann fast ausnahmslos katholisch blieb. Bis 1891 war Gaggenau ein Filialort von Rotenfels, dessen Kirche Mutterkirche für das gesamte Umland war. Die heutige Kirche stammt aus der Barockzeit, die Innenausstattung aus dem 18. Jahrhundert. In Gaggenau gab es seit dem 17. Jahrhundert eine dem Hl. Wendelin geweihte Kapelle. 1899 erhielt Gaggenau dann eine eigene Pfarrkirche St. Josef. Auch die anderen Stadtteile Gaggenaus haben meist ältere katholische Kirchen. Alle Pfarrgemeinden kamen 1821/27 zum neu gegründeten Erzbistums Freiburg. Sie wurden dem Dekanat Murgtal zugeordnet. Heute gibt es im Stadtgebiet Gaggenaus folgende Kirchengemeinden: St. Josef Gaggenau, St. Marien Gaggenau, Maria Hilf Moosbronn-Freiolsheim, St. Johann Nepomuk Hörden, St. Michael Michelbach, St. Johannes der Täufer Oberweier, St. Laurentius Bad Rotenfels, St. Nikolaus Selbach, St. Anna Sulzbach und St. Jodocus in Ottenau.

Im 19. Jahrhundert zogen wieder Protestanten nach Gaggenau und gründeten dort eine eigene Gemeinde. Gekrönt wurde dies im Jahr 1891 mit dem Bau einer eigenen Kirche. Diese wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1953 wieder aufgebaut. Die Gemeinde gehört zum Kirchenbezirk Baden-Baden und Rastatt der Evangelischen Landeskirche in Baden.

Neben den beiden großen Kirchen gibt es in Gaggenau weitere christliche Gemeinden, wie etwa die Neuapostolische Kirche und die Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas.

Ebenfalls haben die rund 1.000 in Gaggenau lebenden Kroaten eine eigene römisch-katholische Kirchengemeinde und kooperieren mit anderen kroatischen Kirchengemeinden in Mittelbaden.

Ferner leben in Gaggenau über 1.100 (überwiegend türkische) Muslime. Die Sultan-Ahmet Moschee, die der DİTİB (Die Diyanet İşleri Türk İslam Birliği) angehört, liegt im Stadtteil Bad Rotenfels und hat über 200 Mitglieder.

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