Bergamo (, ) ist eine Stadt in der italienischen Region Lombardei und Hauptstadt der Provinz Bergamo. Die am Südrand der Alpen am Übergang zur Po-Ebene gelegene Stadt ist Sitz der Universität Bergamo. Die venezianischen Stadtmauern Bergamos gehören seit 2017 zum UNESCO-Welterbe.Welterbeliste Italien, abgerufen am 12. Juli 2017.
Geographie Bergamo liegt etwa 50 Kilometer nordöstlich von Mailand am Fuß der Alpen an der Grenze zur Po-Ebene. Die Stadt selbst hat Einwohner (Stand ), die Agglomeration (im weiteren Sinn) umfasst fast eine halbe Million Einwohner.
Die alte Oberstadt (Città Alta) liegt 380 m ü. M. auf einem Hügel, der zu den letzten Ausläufern der Alpen gehört, bevor diese in die fruchtbare Poebene übergehen. Die Unterstadt (Città Bassa, auch Città Borghi) und einige Vorstädte erstrecken sich um den Altstadthügel, sowohl in der Ebene als auch über angrenzende Hügel.
Geschichte Gallier, Römer (ab 196 v. Chr.) Laut Iustinus gründeten Gallier Bergamo nach der Vertreibung der Etrusker.Iustinus, Epitoma historiarum Philippicarum Pompei Trogi 20, 5, 8. Nach Ptolemäus gehörte die Stadt dem Volksstamm der Cenomanen,Ptolemäus 3, 1, 31. Cato zufolge den Orobiern, die sie Parra nannten.Cato bei Plinius dem Älteren, Naturgeschichte 3, 124 f.
Von den Römern wurde der Ort 196 v. Chr. erobert und Bergomum genannt. Er wurde Municipium und gehörte zur Tribus Voturia. Als das (West-)Römische Reich im Niedergang begriffen war, machte Attila zuerst 451 einen missglückten Einfall nach Gallien; dann wandte sich der Hunnenführer 452 nach Norditalien und eroberte und plünderte dort mehrere Städte, u. a. auch Bergamo.Prosper Havn. ad. 452; Paulus Diaconus, Historia Romana 14, 9; dazu Gerhard Wirth, Attila, 1999, S. 107 f. 460 errang der weströmische Heermeister Ricimer bei Bergamo einen Sieg über die Alanen.
Langobarden (ab 569), Herzogtum Bergamo (bis 701) 569 fiel Bergamo an die Langobarden unter Alboin und wurde in der Folge Residenzort eines der Herzogtümer. Ende des 6. Jahrhunderts versuchte sich Herzog Gaidulf von Bergamo vergeblich vom Langobardenreich unabhängig zu machen (Historia Langobardorum, IV, 13). Er wurde 594 hingerichtet. In der Schlacht von Novariae (Novara) unterlag 701 ein Heer unter Führung Ansprands trotz der Unterstützung des mit diesem verbündeten dux Rotharit dem rebellierenden Herzog Raginpert. Rotharit war der letzte Herzog von Bergamo. Er strebte noch im selben Jahr die Königsherrschaft an. Doch wurde er von König Aripert II., dem Sohn des Siegers von Novara, besiegt und getötet. Aripert ließ, so schreibt Paulus Diaconus in seiner Historia Langobardorum (VI, 20), den „pseudoregem“ Rotharit Haare und Bart scheren. Dann schickte er ihn ins Exil nach Turin, wo Rotharit nach einigen Tagen zu Tode kam („peremptus est“). Aripert wandelte daraufhin Bergamo in ein von der Hauptstadt Pavia abhängiges Gastaldat um.
Franken, Sitz eines Grafen, bischöfliche Herrschaft, Kommune Nach der Niederlage des Langobardenkönigs Desiderius gegen den Karolingerherrscher Karl den Großen (774) geriet die Stadt unter die Herrschaft der Franken und wurde Sitz eines Grafen. Im 10. Jahrhundert waren Mitglieder des Geschlechts der Giselbertiner Grafen von Bergamo, die der Stadt wieder zu größerer Bedeutung verhalfen. Ihr Einfluss sank gegen Ende des 10. Jahrhunderts und ab 904 herrschten in Bergamo prokaiserlich eingestellte Bischöfe. Deren Regierung neigte sich zu Ende, als Bischof Arnulf im Investiturstreit auf der Mailänder Synode von 1098 seines Amtes enthoben wurde. Nun einigten sich die einflussreichsten Familien, Bergamo zu einer Kommune aristokratischen Charakters zu machen.
1156 begannen die Feindseligkeiten Bergamos mit der nahe gelegenen Stadt Brescia, die viele Jahre andauerten. 1167 traten die Bergamasker dem gegen Barbarossa gerichteten Lombardischen Bund oberitalienischer Kommunen bei. 1183 wurde diese Auflehnung gegen die Italienpolitik des Kaisers im Konstanzer Frieden beigelegt und Barbarossa im nächsten Jahr bei seinem Einzug in Bergamo willkommen geheißen. Streitigkeiten zwischen verschiedenen an der Regierung beteiligten Parteien, die sich aus bedeutendsten städtischen Familien zusammensetzten, gefährdeten seit den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts die kommunale Struktur Bergamos. So kam es 1206 zu einem Kampf zwischen der den Ghibellinen zuneigenden Familie der Suardi und der zu den Guelfen zählenden Sippe der Rivola. Weitere Parteikämpfe veranlassten die Bergamasker 1230 zur Gründung der Società del popolo, die mit 200 Infanteristen erneute Zusammenstöße verhindern sollte.
Vorherrschaft Mailands mini|Münze der Stadt Bergamo aus den Jahren zwischen 1236 und 1250; auf der Vorderseite Porträt und Name Kaiser Friedrichs II. 1237 kämpfte Bergamo auf Seiten Kaiser Friedrichs II. in der Schlacht von Cortenuova gegen den Lombardenbund. 1261 bis 1264 folgte ein Kampf gegen das guelfische Mailand, der mit der Unterwerfung durch die Torriani endete. Diese übten damals die Signorie in Mailand aus und Filippo della Torre wurde 1264 Podestà von Bergamo. 1296 kam es zu einem Bürgerkrieg zwischen den Colleoni und den Suardi. Letztere mussten fliehen, konnten aber mit Hilfe der Mailand seit 1277 beherrschenden Familie der Visconti zurückkehren. Als König Johann von Böhmen nach Italien zog, wählten die Bergamasker ihn 1331 zum Signore, doch hatte er dieses Amt nur wenige Monate inne, da er bald Mastino II. della Scala, dem Herrn von Verona, unterlag. 1333 wurde Bergamo von Azzo Visconti längerfristig mit Mailand verbunden. Mehrmals versuchten sich aber die wichtigsten Familien Bergamos wieder unabhängig zu machen, insbesondere als Gian Galeazzo Visconti 1402 starb. Nach Vertreibung des herzoglichen Vikars wurde Roger Suardi zum Statthalter erwählt, welcher Bergamo an Pandolfo III. Malatesta verkaufte (1407), unter dessen Regierung die Stadt aufblühte.
Venedig (ab 1428) mini|Bergamo, Blick auf die obere venezianische Stadtmauer 1419 kam Bergamo an Filippo Maria Visconti, aber eine starke, mit der Republik Venedig sympathisierende Partei agitierte gegen die Herrschaft der Visconti. In den nächsten Jahren regierten abwechselnd Mailand und Venedig über Bergamo, bis die Stadt 1428 endgültig an letztere fiel. Es kam später mehrmals zu Eroberungen durch Franzosen und Spanier, doch den Venezianern gelang jeweils die Rückeroberung der Stadt. So wurde die Stadt 1509 von Ludwig XII. eingenommen, aber schon 1516 von den Venezianern wiedergewonnen, die ab 1561 insbesondere die Oberstadt stark befestigten und Bergamo bis 1797 beherrschten.
Napoleons Cisalpinische Republik, Österreich, Italien (seit 1859) Nach der Eroberung Oberitaliens durch Napoleon kam Bergamo 1797 im Rahmen der Auflösung der Republik Venedig im Frieden von Campo Formio zur Cisalpinischen Republik.
Nach dem Sturz Napoleons war es seit 1815 österreichisch und teilte das Schicksal des lombardo-venezianischen Königreichs. Die weitere Geschichte der Stadt hängt mit dem Risorgimento zusammen, wobei Bergamo den größten Anteil an Garibaldini im sogenannten Zug der Tausend stellte. Als Teil des Königreichs Sardinien wurde sie 1859 Provinzhauptstadt des Königreiches Italien und später des neugeschaffenen italienischen Staates. Die Stadt hatte 1881 23.819, mit den Borghi 33.977 Einwohner.
Bis in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg bestand eine Bauverordnung, die jedem Bewohner der Unterstadt den ungestörten Blick auf Bergamo Alta garantierte. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt im späten April 1945 von den Alliierten und italienischen Partisanen erobert. Papst Johannes XXIII. stammte aus der Provinz Bergamo und war Rektor im Priesterseminar in Ober-Bergamo. Noch heute gibt es in der Città Alta ein Humanistisches Gymnasium, die große Stadtbibliothek sowie die geisteswissenschaftlichen Fakultäten der 1960 gegründeten Universität Bergamo (Università degli Studi di Bergamo).
Bergamo zählte im Frühjahr 2020 mit der Lombardei zur am stärksten von der COVID-19-Pandemie betroffenen Region in Europa.Matthias Rüb: In Bergamo stauen sich die Särge. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 17. März 2020, abgerufen am 31. August 2026 (Artikelanfang frei abrufbar).
Sehenswürdigkeiten Oberstadt mini|Blick von San Vigilio auf das historische Zentrum der Oberstadt mini|Piazza Vecchia mini|hochkant|Blick vom Stadtturm auf den Domplatz. In der Mitte die Cappella Colleoni, links das Nordportal der Kirche Santa Maria Maggiore, rechts die Treppe und das Portal der Bischofskapelle Die Oberstadt, Città Alta (ital. città = Stadt, alta = hoch), die heute ganz unter Denkmalschutz steht, zieht sich wie ein Amphitheater an einer Anhöhe empor und ist vollständig mit einer fünf Kilometer langen Stadtmauer umgeben. Die heutigen Mauern stammen aus dem 16. Jahrhundert und beinhalten mehrere Bastionen. Das Zentrum der historischen Oberstadt ist die Piazza Vecchia, an der das mittelalterliche Rathaus Palazzo della Ragione mit dem Stadtturm Torre Civica steht.
Dahinter, auf der Piazza del Duomo, dem Domplatz, steht links der Dom von Bergamo (Duomo di Bergamo), die Cattedrale di Sant’Alessandro Martire, (ursprünglich von Filarete erbaut, ab dem 15. Jahrhundert mehrfach umgebaut) mit Kuppel und klassizistischer Fassade.
Das auffallendste Bauwerk auf dem Domplatz ist die Cappella Colleoni mit ihrer Renaissance-Fassade.
Links der Cappella Colleoni steht die Kirche Santa Maria Maggiore, eine ursprünglich romanische (von 1173), später barockisierte dreischiffige Emporenbasilika mit den Denkmälern und Gräbern der Komponisten Gaetano Donizetti und Johann Simon Mayr.
Rechts an der Cappella Colleoni führt eine Treppe zur erstmals 1133 erwähnten und 1169 als solche bezeichneten ehemaligen Bischofskapelle, der Cappella di Santa Croce, mit romanischen Fresken. Nicht weit davon, nur vom Stadtturm zu sehen, steht der Bischofspalast von 1750 mit Garten.
Die von außen kaum auffallende Pankratiuskirche, Chiesa di S. Pancrazio,Lombardia – Beni Culturali, Chiesa di S. Pancrazio, Bergamo (BG) mit klassizistischem Inneren, steht am Anfang der Via S. Pancrazio. Im spitzbogigen Portal befindet sich das Fresko eines Gnadenstuhles, darunter Steinreliefs der Madonna mit Kind sowie der hl. Katharina und eines hl. Bischofs.
Der einzige gotische Kirchenbau der Città Alta, die Kirche des Augustinerklosters (Ex Chiesa di Sant’Agostino), liegt im Osten der Oberstadt.
Im Osten von Ober-Bergamo steht auch die kleine, äußerlich unscheinbare Kirche San Michele al Pozzo Bianco lombardischen Ursprungs.Rosella Ferrari, Luca Lucchetti: Bergamo, San Michele al Pozzo Bianco, Petit Museum - PM: 7-2009. Little Mercury Edizioni Luca Lucchetti Grafica & Foto, Bergamo 2009, ISBN 978-88-96060-33-9 Sie wurde bereits 774 erwähnt. Der jetzige Bau stammt aus dem 14. Jahrhundert. Die Kirche ist berühmt wegen der Fresken (12. bis 16. Jahrhundert), insbesondere des Lorenzo Lotto in der Marienkapelle, der Cappella della Madonna, links des Chores, von 1525. Die Kirche wird heute gerne für Hochzeiten genutzt. Auch die aus drei Räumen bestehende Krypta ist mit Fresken ausgestattet.
Im Winkel zwischen Dom und Basilika di Santa Maria Maggiore steht der Fontanone, 1342 von den Visconti als 22000 Hektoliter Wasser fassende Zisterne errichtet. 1768 wurde darüber nach dem Entwurf von Constantino Gallizioli ein Portikus zur Lagerung antiker, römischer Steine aus der Stadt errichtet. Nach Umbauten ist das Gebäude seit 1818 Sitz des Ateneo di Scienze Lettere e Arti di Bergamo, einer auch heute noch die Geschichtsforschung und Kunst von Bergamo fördernden Gesellschaft von Studenten, Wissenschaftlern und Künstlern.
Im Norden der Oberstadt, auf dem Colle Aperto, liegt der kleine botanische Garten (Orto botanico „Lorenzo Rota“) mit heimischen und exotischen Pflanzen.
Vom alten Kastell auf dem Hügel San Vigilio nordwestlich über der Oberstadt genießt man eine ausgedehnte Fernsicht. Etwas unterhalb des Kastells steht die Kirche des hl. Vigilius.
Unterstadt