mini|hochkant=2|Arles (gesehen vom Nord-Ost-Ende von Trinquetaille)
Arles []; okzitanisch Arle [], ist eine französische Stadt mit Einwohnern (Stand ) im Département Bouches-du-Rhône in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur. Sie ist Sitz der Unterpräfektur des Arrondissement Arles.
Geographie Der historische Ortskern liegt am Ostufer der Rhone, 24 km vom Mittelmeer entfernt. Zu Arles gehören ein neueres Stadtgebiet am Westufer (Stadtteil Trinquetaille) und das Gebiet der nördlichen und östlichen Camargue, deshalb ist Arles mit ca. 760 km² die flächenmäßig größte Gemeinde Frankreichs (zum Vergleich: Paris 105 km²). Links der Rhone liegen die Gemeinden Raphèle, Moulès und Mas Thibert, in der östlichen Camargue Le Sambuc und Salin-de-Giraud, alle südlich des Zentrums von Arles. Zusätzlich liegen noch elf Dörfer und zahlreiche Weiler in bis zu 40 Kilometern Entfernung vom Stadtzentrum.
Nördlich des Stadtgebietes, in Fourques auf dem anderen Rhôneufer, beginnt das Department Gard. Südlich schließt sich die Camargue an. Die großen natürlichen Sandstrände von Beauduc und Piémanson bieten kilometerlang Dünen und feinsten Sandstrand in einer unberührten Landschaft.
Geschichte Arles hieß im Altertum Arelas oder Arelate (kelt. „sumpfiger Ort“) und wurde wohl zuerst von den Salluviern gegründet. An dessen Stelle erbaute die von griechischen Siedlern angelegte Stadt Massalia (heute Marseille) im 6. Jahrhundert v. Chr. das Emporion Theline. Dieses war seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. Teil des Gebiets von Massalia. Der Ort kam gegen Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. in römischen Besitz und wurde von Gaius Julius Caesar 46. v. Chr. zur römischen Militärkolonie Colonia Iulia Paterna Arelate Sextanorum gemacht. Arelate diente dem römischen Feldherrn auch als Flottenstützpunkt gegen Massalia.Arelate. In: Hellmut Brunner, Klaus Flessel, Friedrich Hiller (Hrsg.): Lexikon Alte Kulturen. Bd. 1, Mannheim 1990, ISBN 3-411-07300-4, S. 175.
Der Ort erhob sich bald zu hoher Bedeutung, wurde 22 v. Chr. Municipium, wetteiferte mit Massalia im Handel und erreichte seine Blütezeit unter Kaiser Konstantin, der Arles vergrößerte und ausschmückte. Im 4. und 5. Jahrhundert n. Chr. diente die Stadt mehrmals als Residenz römischer Kaiser und führte zeitweilig den Namen Constantia. 395 wurde sie Hauptstadt Galliens. Im Jahre 402 wurde dann die Praefectura Galliarum, die oberste Behörde des römischen Westreiches, von Trier nach Arles verlegt.
In Arles kreuzte sich die Römerstraße Via Agrippa nach Lugdunum (Lyon) und weiter nach Augusta Treverorum bis zur Colonia Claudia Ara Agrippinensium mit der Via Aurelia, die Massilia mit Rom verband.
Arles wurde im 3. Jahrhundert Bischofssitz, im Jahr 400 Metropolitansitz des Erzbistums Arles. Im späten 5. Jahrhundert war die Stadt einige Zeit Residenz des Westgotenkönigs Eurich. 508 fiel sie an das Ostgotenreich und 536 an das Frankenreich. 879 wurde Arles Hauptstadt des Königreichs Burgund und kam mit diesem 1033 zum Heiligen Römischen Reich. Seit 933 stand die Stadt unter der Herrschaft des Erzbischofs, wurde 1220 unabhängig von ihm und 1237 für nur zwei Jahre Freie und Reichsstadt. 1251 unterwarf sich die Stadt Karl von Anjou und fiel 1481 mit der Grafschaft Provence an Frankreich. Der Erzbischof wanderte später nach Aix-en-Provence ab. Arles war bis 1801 Bischofssitz.
Im Ort fanden mehrere wichtige arelatische Synoden statt: so 314 gegen die Donatisten, 354 gegen Athanasius, 452 zur Regelung der Kirchen- und Klosterdisziplin, 475 gegen den Prädestinatianer Lucidus.
In dem zu Arles gehörenden Ort Saliers befand sich von März 1942 bis Herbst 1944 ein Internierungslager für Nomades.Nomades, Tsiganes und Manouches sind im Französischen auch aktuell benutzte Begriffe für Menschen, die im Deutschen zumeist als Sinti und Roma bezeichnet werden. Siehe hierzu auch: Marie-Christine Hubert: Frankreich auf der Website des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma.
Bevölkerungsentwicklung Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2019Einwohner 41.932 45.774 50.059 50.500 52.058 50.426 51.970 50.454 Quellen: Cassini und INSEE
Politik Wappen Beschreibung: In Blau ein sitzender hersehender goldener Löwe mit durch die Beine zurückgeschlagenem Schwanz, ein langstieliges goldenes Labarum (Christusmonogramm Chi-Rho) mit der Inschrift in schwarzen Majuskeln „CIV.AREL“ haltend. Der Löwe wird auch als Arlesianer (Wappen-)Löwe bezeichnet.
Bürgermeister von Arles ist seit 2020 Patrick de Carolis.
Wirtschaft Nennenswert sind die Olivenöl-Erzeugung und die Schafzucht in der Umgebung. Die Werkstätten der Bahn (SNCF), in denen bis zum Ende des 20. Jahrhunderts ca. 1.200 Arbeiter beschäftigt waren, sowie die Papierfabrik sind geschlossen. Die Industrie ist wirtschaftlich eher unbedeutend, etwa 2000 Menschen sind hauptsächlich in den Branchen Chemie- und Lebensmittelindustrie beschäftigt.
Tourismus Die Haupteinnahmequelle der Stadt ist wie in vielen Gemeinden entlang der Mittelmeerküste der Tourismus. Außerdem sind einige Verlage ansässig, und ein geringes Handelsvolumen wird über den Hafen abgewickelt. Die Arbeitslosigkeit im Gemeindegebiet von Arles ist hoch und liegt durchschnittlich bei mehr als 16 Prozent (Stand 2006).Statistische Angaben zu Pays Arles (PDF; 2,1 MB), (französisch), abgerufen am 1. August 2012.
Auch wenn die Region wirtschaftlich von den zahlungskräftigen Touristen lebe, brächten immer weniger Stadtbewohner Verständnis für die solventen Touristen vor allem aus Paris auf, schrieb die Süddeutsche Zeitung im August 2021. Es seien nur drei, vier Monate im Jahr, in denen die Touristen scharenweise an die Rhône pilgerten; danach werde Arles wieder zu einer ganz normalen Kleinstadt in der französischen Provinz. Dafür, so sähen es hier viele, müssten sie ihre Stadt opfern und zuschauen, wie sie mehr und mehr zum Spekulationsobjekt und Freilichtmuseum werde.Niklas Mönch: Die zerquetschte Dose. In: Süddeutsche Zeitung. 27. August 2021. (sueddeutsche.de; abgerufen am 29. August 2021)
Verkehr Schifffahrt Die Rhône kann wegen ihrer geringen Tiefe nur von kleineren Schiffen (bis ) befahren werden; um dieses Hindernis für die Schifffahrt zu beseitigen, wurde 1834 der Kanal von Arles nach Bouc angelegt und, da auch dieser nicht genügte, 1864 der Kanal St. Louis, der, breit und tief, vom Hafen von Bouc aus die Mündung der Rhône mit ihrer Barre umgeht.
Südlich des Ortes Salin-de-Giraud kann mit der Fähre Bac de Bacarin die Rhône nach Port Saint Louis du Rhône überquert werden.
Eisenbahn Der Bahnhof Arles war lange Zeit ein Eisenbahnknoten.Karte des Eisenbahnnetzes um Arles; ARLES histoire territoires et cultures. S. 858. Neben den üblichen Anlagen bestand von 1843 bis 1984 auch eine große Eisenbahnwerkstatt der SNCF.ARLES histoire territoires et cultures. S. 860.
Die Bahnstrecke Avignon–(Arles)–Miramas–Marseille wird 2022 noch befahren. Sie war auch die erste, die Arles erreichte. Geplant und gebaut wurde sie von der Compagnie du chemin de fer de Marseille à Avignon. Der Abschnitt Tarascon–(Arles)–Saint-Chamas wurde am 18. September 1847 eröffnet. Die Gesellschaft wurde später Teil der Compagnie du chemin de fer de Lyon à la Méditerranée, die wiederum 1857 in die PLM aufging. Die PLM wurde 1938 Teil der SNCF. Die Strecke ist zweigleisig angelegt und mit 1500 Volt Gleichstrom elektrifiziert. Der touristische Verkehr auf der normalspurigen Strecke von Arles über Salon nach Fontvieille wurde 2013 nach 12 Jahren beendet. Jenseits von Fontvieille ist die Strecke stillgelegt. Auch die normalspurige Strecke nach Saint-Louis wurde stillgelegt und größtenteils abgebaut. Eine normalspurige Strecke führte nach Saint-Gilles. Die Brücke über die Rhône wurde nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg 1944 nicht wieder aufgebaut.
In Trinquetaille hatte bis 1958 die schmalspurige Chemins de fer de Camargue ihren Endbahnhof, von dem die Strecke nach Saintes-Maries und Salin-de-Giraud, sowie über Bouillargues nach Nîmes führte.
Bildung École Nationale Supérieure de la Photographie: Die Stadt wurde nicht zuletzt aufgrund des Einflusses des dort heimischen Fotografen Lucien Clergue (aus dem Bekanntenkreis Picassos) als Sitz der École Nationale Supérieure de la Photographie, der französischen Hochschule für Fotografie, ausgewählt. Hydrographische Schule Öffentliche Bibliothek
Sehenswürdigkeiten mini|hochkant=0.3|Gasse nahe der Rue Ernest Renan – Siehe auch: Liste der Monuments historiques in Arles –
Arles gehört zu den sehenswerten Städten der Provence, zumal es zahlreiche Relikte der römischen Antike, nennenswerte Zeugnisse des Mittelalters und moderne Kunst des 20./21. Jahrhunderts besitzt.
Seit 1981 stehen viele der antiken und romanischen Denkmäler der Stadt auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes. Die Kirche Saint-Honorat auf dem Alyscamps wird zudem seit 1998 als Teil des Welterbes „Wege der Jakobspilger in Frankreich“ ausgezeichnet. Arles ist der Startpunkt der Via Tolosana, eines französischen Abschnitts auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela.
Antike Bauwerke mini|hochkant=0.7|Durchgang der Arena Amphitheater von Arles, um 90 n. Chr. erbaut; Durchmesser 140 / 103 Meter, mit zwei Geschossen mit je 60 Arkaden und ca. 25.000 Zuschauern Platz bietend. Im Mittelalter zu einer Festung ausgebaut, von der noch drei Vierecktürme (12. Jahrhundert) und die Arkadenvermauerung zeugen. Damals lag die ganze Stadt innerhalb der Arena: „Man hatte sie in die Arena hineingebaut, ihre Außenmauern waren auch die Stadtmauern von Arles“.Dietrich Schwanitz: Bildung – Alles, was man wissen muß. Goldmann, München 2002, S. 73. Ab 1825 erfolgte schrittweise die Entfernung der zahlreichen Häuser im Inneren und angrenzend an das Oval. Seit 1846 wird die Arena restauriert und ist gegenwärtig an Festtagen Schauplatz für Stierkämpfe. Der im südwestlich der Stadt gelegenen Zirkus (Rennbahn) gefundene 15 Meter hohe Granit-Obelisk steht seit 1676 an der Place de la République. Antikes Theater, unter Kaiser Augustus um 25 v. Chr. errichtet, von dem sich noch zwei korinthische Säulen, die Orchestra und vom Zuschauerhalbrund die untersten der 33 Sitzreihen mit 12.000 Sitzplätzen sowie ein Turm, der noch die ursprüngliche Höhe von drei Arkaden bewahrt, erhalten haben; hier wurde 1651 die berühmte Venus von Arles aufgefunden, die jetzt im Louvre in Paris und als Kopie im Treppenhaus des Hôtels de Ville, Place de la République, steht. Reste des römischen Forums mit einem Kryptoportikus (um 40 v. Chr.), einem unterirdischen Bogengang, Reste der römischen Thermen (4. Jahrhundert n. Chr.) und eines Palastes von Konstantin; zahlreiche, seit 1995 im Musée de l’Arles et de la Provence antiques vereinigte Skulpturen (Dianenkopf, Medea, Apolloaltar u. Arles). Viele Einzelstücke sind im Musée départemental Arles antique ausgestellt, siehe auch Abschnitt Museen
Mittelalterliche Bauwerke Kathedrale Saint-Trophime siehe Hauptartikel St-Trophime d’Arles
Das bedeutendste Bauwerk der Stadt ist die ehemalige Benediktiner-Abteikirche Saint-Trophime mit berühmtem Portal und Kreuzgang. Bei ihrem Bau wurden Steine vom antiken Theater verwendet. Der hl. Trophimus christianisierte die Provence und war vor 250 n. Chr. der erste Bischof in Arles; seine Gebeine ruhen in der Kirche, die ihm geweiht ist. In ihr wurde Friedrich Barbarossa am 30. Juli 1178 zum König von Burgund gekrönt.Johannes Fried: Friedrich Barbarossas Krönung in Arles (1178). In: Historisches Jahrbuch. Bd. 103, 1983, S. 347–371. (mgh-bibliothek.de; PDF; 2,1 MB).