mini|August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (um 1860) August Heinrich Hoffmann, bekannt als Hoffmann von Fallersleben (* 2. April 1798 in Fallersleben, Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg; † 19. Januar 1874 in Corvey bei Höxter) war ein deutscher Hochschullehrer für Germanistik, der wesentlich zur Etablierung des Fachs als wissenschaftliche Disziplin beitrug. Des Weiteren war er als Dichter sowie Sammler und Herausgeber alter Schriften aus verschiedenen Sprachen tätig. Er schrieb den Text zur späteren deutschen Nationalhymne, Das Lied der Deutschen, sowie zahlreiche populäre Kinderlieder. Zur Unterscheidung von anderen Trägern des häufigen Familiennamens Hoffmann nahm er als Zusatz den Herkunftsnamen von Fallersleben an.

Leben

Kindheit mini|Geburtshaus in Fallersleben August Heinrich Hoffmann war Sohn des Kaufmanns, Gastwirts, Senators und Bürgermeisters von Fallersleben Heinrich Wilhelm Hoffmann und dessen Ehefrau Dorothea Balthasar,information zu Dorothea Balthasar, abgerufen am 2. Dezember 2022. Tochter eines Braumeisters aus Wittingen. Nach dem Besuch der Bürgerschule in Fallersleben besuchte er vom 7. April 1812 bis zum 19. April 1814 das Pädagogium in Helmstedt. Zum 25. April 1814 wurde er in die Prima des Katharineums in Braunschweig aufgenommen. Im Mai 1815 debütierte er mit vier Gedichten.

Studium Im April 1816 begann Hoffmann in Göttingen (nach eigenem Bekunden „mit wenig Geld und Lust“) ein Studium der Theologie und wurde im selben Jahr Mitglied der Alten Göttinger Burschenschaft (TeutoniaHelge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band II: Künstler. Winter, Heidelberg 2018, ISBN 978-3-8253-6813-5, S. 341–343.). Doch sein Interesse galt mehr der Geschichte des klassischen Altertums, sein Vorbild hierbei war Johann Joachim Winckelmann.

mini|hochkant|Porträt von Carl Georg Schumacher (1819) Als er 1818 bei Studien in Museum und Bibliothek der Stadt Kassel die Bekanntschaft von Jacob Grimm machte, fragte ihn dieser, ob ihm sein Vaterland nicht näher liege als die Antike. Daraufhin wechselte er zum Studium der deutschen Sprache und Literatur (Germanistik). 1818 konnte ihn sein Vater mit seinen Beziehungen und Geld vor dem Militärdienst bewahren. Noch im selben Jahr folgte Hoffmann seinem Lehrer Friedrich Gottlieb Welcker an die Universität Bonn. Dort wurde Ernst Moritz Arndt einer seiner Dozenten. 1819 wurde er Mitglied der Alten Bonner Burschenschaft (Allgemeinheit).

Am 8. Mai 1821 fand Hoffmann Bruchstücke eines mittelalterlichen Bibelepos von Otfrid. Kurz darauf veröffentlichte er einen Aufsatz über diesen Fund mit dem Titel Bonner Bruchstücke vom Otfried nebst anderen Sprachdenkmälern. Im selben Jahr erschien seine Gedichtsammlung Lieder und Romanzen. Schon bei diesen beiden frühen Veröffentlichungen verwendete er den Namen Hoffmann von Fallersleben.

Berufsleben mini|Carte de visite um 1860

Im Dezember 1821 verließ er Bonn und ging nach Berlin, um mit Hilfe seines Bruders Bibliothekar zu werden. Dieser brachte ihn mit dem Freiherrn Gregor von Meusebach zusammen, dessen Privatbibliothek in ganz Preußen bekannt war. Im Kreis Meusebachs schloss Hoffmann Freundschaft mit Friedrich Carl von Savigny, Georg Friedrich Hegel, Adelbert von Chamisso, Ludwig Uhland und anderen.

1823 wurde Hoffmann zum Kustos der Universitätsbibliothek Breslau berufen. Dort wurde er 1830 in der Nachfolge von Johann Gustav Gottlieb Büsching zum außerordentlichen Professor für deutsche Sprache und Literatur berufen, 1835 erfolgte die Ernennung zum ordentlichen Professor.

1840 und 1841 erschien seine Gedichtsammlung Unpolitische Lieder (Teil 1 mit 140, Teil 2 mit 150 Gedichten). Die hohe Auflage von 12.000 Exemplaren stieß auf große Nachfrage. Während eines Aufenthalts auf der Badeinsel Helgoland, damals britische Kronkolonie, verfasste er am 26. August 1841 das Lied der Deutschen, das am 5. Oktober desselben Jahres erstmals öffentlich in Hamburg gesungen wurde.

Hoffmanns besonderes Interesse galt der altniederländischen (alt- und mittelniederländischen) Sprache. Er unternahm insgesamt acht Reisen nach Holland und Flandern, wobei er Begründer der niederländischen Philologie wurde und die Ehrendoktorwürde der Universität Leiden erhielt. Eine solche Reise im Anschluss an sein Bonner Studium beschreibt in der Einleitung seiner Sammlung altniederländischer Lieder, die er dreißig Jahre später unter dem Titel Loverkens in der Reihe Horae Belgicae veröffentlichte und der Göttinger Universität widmete. 1837 entdeckte er in Valenciennes die für die Romanistik wichtige Eulalia-Sequenz.

Wanderjahre mini|Zeitweiser Aufenthaltsort im Wohnhaus des Kaufmanns und Vorsfelder Bürgermeisters Carl Grete mini|Pfarrhaus der St.-Marien-Kirche an der Wolfsburg, in dem Hoffmann um 1848 bei seinem Freund David Lochte Zuflucht fand mini|hochkant=0.8|Gedenktafel an Haus Hove in Wengern

Wegen seines Eintretens für ein einheitliches Deutschland und seiner liberalen Haltung, die sich in seinen Unpolitischen Liedern äußerte, wurde Hoffmann 1842 von der preußischen Regierung pensionslos seiner Professur enthoben. Die Regierung warf ihm aufgrund der Schriften unter anderem „politisch anstößige Grundsätze und Tendenzen“ vor.Sitzung des Staatsministeriums vom 8. März 1842 (PDF; 3,1 MB) In: acta borussica, Bd. 3, S. 103. Ein Jahr später entzog man ihm die preußische Staatsbürgerschaft und verwies ihn des Landes. Dies war der Wendepunkt in seinem Leben; Hoffmann ging ins Exil. Er irrte quer durch Deutschland, wurde aber von politischen Freunden aufgenommen. Zu seinem Freundeskreis im Exil gehörte der Vormärzpolitiker Georg Fein.Dieter Lent: Findbuch zum Bestand Nachlaß des Demokraten Georg Fein (1803–1869) sowie Familie Fein (1737–) ca. 1772–1924. Niedersächsische Archivverwaltung, Wolfenbüttel 1991, ISBN 3-927495-02-6, S. 88, 99, 323 f. Ständig von der Polizei bespitzelt, wurde er 39-mal ausgewiesen, darunter dreimal aus seiner Heimatstadt Fallersleben. An etlichen Stationen seines Wanderlebens wurden im 20. Jahrhundert Schrifttafeln an Gebäuden angebracht.

Für längere Zeit Unterschlupf erhielt er auf dem mecklenburgischen Rittergut Holdorf bei Brüel, dessen Besitzer Rudolf Müller ihn gegenüber den Behörden als Kuhhirten deklarierte und auf dem benachbarten Rittergut Buchholz bei Ventschow bei seinem politischen Weggefährten, dem Gutsbesitzer Samuel Schnelle, unterbrachte. In der Abgeschiedenheit des Landlebens entstanden Kinderlieder. Aus der Bekanntschaft mit dem zur Auswanderung nach Texas entschlossenen Pastor Adolf Fuchs entstanden die Texanischen Lieder. Im Herbst 1846 wohnte er auf Haus Roland bei Düsseldorf, wo ihm der Historiker und Schriftsteller Anton Fahne Obdach gewährte. In jener Zeit arbeitete er an dem Gedichtband Diavolini. An der Märzrevolution 1848 nahm er nicht aktiv teil. Im Revolutionsjahr wurde er dank eines Amnestiegesetzes rehabilitiert und bekam als Pension ein Wartegeld auf preußischem Boden ausgezahlt,. seine Professur erhielt er aber nicht zurück.

1851 zog August Heinrich Hoffmann mit seiner Familie nach NeuwiedAugust Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Mein Leben, Zwei Teile, Teil 1, Berlin 1894. Erstdruck in vier Bänden: Hannover (Rümpler) 1868, Seite 392 ff|http://www.zeno.org/Lesesaal/N/9781482579710?page=392 und 1854 nach Weimar. Dort gab er im Auftrag des Großherzogs Carl Alexander eine literaturwissenschaftliche Zeitschrift heraus und lernte den Komponisten Liszt kennen. Mit diesem gründete er 1854 den Neu-Weimar-Verein. 1860 zog die Familie nach Corvey um. Dort bekam Hoffmann durch Vermittlung von Liszt und der Prinzessin Marie zu Sayn-Wittgenstein eine Anstellung als Bibliothekar an der Fürstlichen Bibliothek Corvey bei Herzog Victor I. Herzog von Ratibor.

Ehe und Familie mini|Hoffmanns Grabstätte auf dem Klosterfriedhof von Höxter-Corvey mini|Schloss in Corvey, Gemälde von Franz Friedrich Hoffmann-Fallersleben

1849 konnte Hoffmann rehabilitiert ins Rheinland zurückkehren. Der 51-jährige heiratete am 28. Oktober 1849 zu Braunschweig seine 18-jährige Nichte Ida Friederike Georgine zum Berge (* 11. Juli 1831; † 28. Oktober 1860), Pastorentochter von Hermann Christian Friedrich zum Berge (* 1780; † 1865) und Auguste Dorothea Hoffmann (* 1794; † 1870) aus Bothfeld bei Hannover. Mit ihr hatte er vier Kinder:

Johanna Maria Frederika (* 4. Juni 1852 in Neuwied; † 18. Februar 1853 in Neuwied), ⚰ Alter Friedhof, Neuwied Franz Friedrich Hermann (* 19. Mai 1855 in Weimar; † 19. Mai 1927 in Berlin-Wilmersdorf), deutscher Landschaftsmaler, ⚭ Thekla Luise Kaiser (* 1858; † 1927) aus Weimar, Künstlerin Maria Katharina (* 6. November 1883 in Weimar; † 12. Oktober 1948 in Berlin) Moritz Hans Joachim (* 5. August 1886 in Weimar; † 24. Februar 1924 in Berlin) Maria Anna Elisabeth (* 7. Februar 1891 in Weimar) Edward (* 1857) N. N. (*/† 1860)

Sein Sohn Franz Friedrich Hermann wurde nach seinen beiden Paten Franz Liszt und Friedrich Preller getauft. Später wurde er Landschaftsmaler. Seine Bilder sind heute im Hoffmann-von-Fallersleben-Museum in Wolfsburg-Fallersleben ausgestellt.Franz Friedrich Hoffmann-Fallersleben studierte an der Kunstakademie Düsseldorf und der Großherzoglichen Kunstschule in Weimar, wo er ein Schüler von Theodor Hagen war. Bis 1888 lebte er in Weimar, danach als Professor in Berlin, wo er 1927 starb. Begraben ist er in Weimar.

Zum 11. Ehejubiläum, am 28. Oktober 1860, starb seine Ehefrau mit 29 Jahren im Kindbett.

August Heinrich Hoffmann starb 1874 im Alter von 75 Jahren im Schloss Corvey bei Höxter nach einem Schlaganfall. Er wurde in Anwesenheit von hunderten Trauergästen neben seiner Gattin auf dem kleinen Friedhof neben der ehemaligen Corveyer Abteikirche beigesetzt. Ernst Scherenberg verfasste einen Nachruf, den er bei der Beerdigung am offenen Grabe vorträgt.Das Lied der Deutschen nach Hoffmanns Tod Darin heißt es:

Politische Bedeutung mini|hochkant=0.7|Gedenktafel von 1941 für Hoffmann von Fallersleben an der Südseite von St. Nicolai in Bothfeld mini|hochkant|Steinbüste in Fallersleben

Hoffmann wurde bereits in seiner Kindheit politisiert. Wenige Jahre nach der Französischen Revolution geboren, wuchs er in die Reste des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation hinein mit hunderten kleinster, absolutistisch regierter Fürstentümer. Als Kind erlebte er in der Zeit der napoleonischen Besatzung die Einführung von Bürgerrechten (Gleichheit vor dem Gesetz, Religionsfreiheit, öffentliche Gerichtsverfahren usw.). Nach dem Rückzug der Grande Armée infolge der Niederlage in Russland 1812 wurde in der Heimat des Dichters die alte Adelsordnung in Form des Königreichs Hannover wieder installiert.

Die politische Bedeutung Hoffmanns bestand im Kampf für die verloren gegangenen bürgerlichen Freiheiten und in den Bestrebungen zur Schaffung eines geeinten deutschen Vaterlandes. Letzteres geschah vor allem durch sein Deutschlandlied, das seinerzeit von Studenten und freiheitlich gesinnten Bürgern begeistert gesungen wurde. Seine Unpolitischen Lieder waren nicht unpolitisch: Sie griffen die politischen Verhältnisse jener Zeit an, wie Kleinstaaterei, Pressezensur, Fürstenwillkür, Allmacht von Polizei und Militär.

Prägend für seine Haltung gegenüber Frankreich war für ihn wie für viele seiner Generation das Erlebnis der Rheinkrise, als 1840/1841 Frankreich Anspruch auf das Rheinland erhob. Die Ablehnung solcher Expansionswünsche war auch der Anlass, das Lied der Deutschen zu schreiben. In dessen erster Strophe ruft er zur Einigkeit der Deutschen auf, die zum Triumph über jeden Angreifer führen werde („Deutschland über alles“). Die Ablehnung gegen Frankreich verfestigte sich bei Fallersleben, je länger Frankreich in seinen Augen gegen eine deutsche Einigung arbeitete. Im Deutsch-Französischen Krieg schrieb er im Sommer 1870: