Die Bundesstraße 1 (Abkürzung: B 1) ist eine Bundesstraße in Deutschland und erstreckt sich von der niederländischen Grenze bei Aachen im Westen bis zur polnischen Grenze im Küstriner Vorland an der Oder im Osten. Von der AS Holzwickede bis zum Kreuz Dortmund/Unna ist die B 1 auf dem kurzen Stück Teil der Europastraße 331, die dort beginnt und bis nach Kassel verläuft.

Bekannteste Teilstrecken sind heute der Rheinufertunnel in Düsseldorf, der Ruhrschnellweg (A 40), mit 155.000 Fahrzeugen pro Tag eine der meistbefahrenen Strecken Deutschlands, die historische Glienicker Brücke als Grenzbrücke zur Zeit der deutschen Teilung und die Straßenführung in Berlin, die große Teile ost- und westdeutscher Geschichte repräsentiert.

Die Straße entwickelte sich aus einer alten Handelsstraße zur Zeitenwende über den Hellweg und die Via Regia zur 1392 Kilometer langen ehemaligen Reichsstraße 1, die von der deutsch-niederländischen Grenze vor Aachen über das Ruhrkohlerevier, Magdeburg, Berlin und Königsberg bis an die deutsch-litauische Grenze führte und damit die längste je existierende deutsche Straße war. Zu Zeiten der DDR hieß sie dort Fernverkehrsstraße 1 bzw. in der Kurzform F 1.

Geschichte Die Bundesstraße 1 folgt in großen Teilen dem Verlauf einer uralten Handelsroute, die von der belgischen Nordseeküste beim früheren Hafen Brügge bis in die russische Stadt Nowgorod führte. Auf dieser Route wurde schon vor 2000 Jahren Handel getrieben. Der griechische Mathematiker, Geograf und Astronom Ptolemäus (100–175) erwähnt die Straße in seiner „Erdbeschreibung“ als eine alte Heer- und Handelsstraße.

Die in damaliger Zeit wichtigen Handelsgüter, wie Salz und Ackerbauprodukte bestimmten den Verlauf der Straße mit. So lagen nördlich des Haarstranges in der Soester Börde ebenso wie nordwestlich von Magdeburg die fruchtbarsten Ackerböden Deutschlands. Auch Salinen lagen an dieser Route wie beispielsweise in Unna/Bad Königsborn, Werl und Bad Sassendorf bei Soest. Der weitläufige Vertrieb der Produkte über diese Route verhalf den Anwohnern zu relativem Wohlstand. Davon zeugen Namen wie „Hellweg“, „Handelsweg“ oder „Salzhandelsweg“.

Um das Jahr 1000 n. Chr. entwickelte sich die Straße zur „Via Regia“, der ottonischen Königsstraße von Aachen nach Magdeburg, die im rheinisch-westfälischen Bereich auf den noch älteren „Hellweg“ zurückgeht. Somit hielt sich der Bau der späteren Reichsstraße 1 an alte Handelswege.

Reichsstraße 1 Die Reichsstraße 1 (R 1) im Netz der Reichsstraßen führte über 1392 Kilometer von Aachen über Hoengen, Aldenhoven, Jülich, Neuss, Düsseldorf, Essen, Bochum, Dortmund, Unna, Werl, Soest, Paderborn, Hameln, Hildesheim, Braunschweig, Magdeburg, Potsdam, Berlin, Müncheberg, Seelow, Küstrin, Landsberg an der Warthe, Konitz, Dirschau, Elbing, Braunsberg, Königsberg, Insterburg und Gumbinnen bis nach Eydtkuhnen an der damaligen deutsch-litauischen Grenze. Sie war die längste je existierende deutsche Straße.

Das Reichsstraßennetz und somit auch die R 1 gründete sich auf die in den zwei Jahrhunderten zuvor geschaffenen Pflasterstraßen, genannt Chausseen. Deren lange Bauphase begründete sich darauf, dass sich die Trasse durch Gebiete damals verschiedener Planungshoheiten mit unterschiedlichen Interessenlagen zog. Bereits um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Straße am westlichen Ende zwischen Aachen und Jülich befestigt. Die Chaussee zwischen Unna und Hörde in der preußischen Grafschaft Mark wurde 1788 begonnen. Hier konnte sich Freiherr vom Stein durchsetzen, der den Straßenbau gegenüber anderen Verkehrsmitteln favorisierte. Durch Vertrag mit der Essener Fürstäbtissin konnte zwei Jahre später der Fortbau der Chaussee über das Stiftsterritorium begonnen werden, um die Verbindung der Kohlereviere mit dem preußischen Herzogtum Kleve herzustellen.

Hingegen setzte Friedrich II. in Brandenburg zunächst auf den Ausbau des Kanalsystems. Daher folgte hier der Chausseebau erst nach den Napoleonischen Kriegen. Lediglich der Straßenabschnitt zwischen Berlin und Potsdam wurde bereits 1792 unter Friedrich Wilhelm II. von Preußen erbaut, eine weitere Strecke bis Brandenburg 1799 unter dessen Sohn Friedrich Wilhelm III. fertiggestellt. Erst im Jahr 1824 war der Straßenbau zwischen Berlin und Magdeburg vollendet. Seit 1828 führte die Straße bis Königsberg. Ab 1831 wurde der Bau in Richtung Insterburg fortgesetzt und 1835 bis zum östlichen Ende bei Gumbinnen vollendet.

Im Westen wurde der Straßenbau mit dem 1818 vollendeten Abschnitt zwischen Unna und Werl nach Osten fortgesetzt. Zu jener Zeit war die heutige Bundesstraße 7 über Hagen, Wuppertal und Düsseldorf eine bevorzugte Ost-West-Verbindung und wurde bereits 30 Jahre früher fertiggestellt. Sie lief als „Alternativroute“ zur Straße in Richtung Essen durch die Gebiete früher Industrialisierung im Herzogtum Berg.

Der zwischen 1926 und 1932 erbaute Ruhrschnellweg über Essen ersetzte die historische Streckenführung über Ratingen, Kettwig, Werden, Steele, Höntrop, Lütgendortmund und Asseln.

Am 17. Januar 1932 wurden zur Verbesserung der Orientierung im Deutschen Reich die wichtigsten Fernstraßen nummeriert. Seit 1934 kennzeichnet die noch heute für Bundesstraßen verwendete gelbe Nummerntafel mit schwarzer Schrift diese Straßen. Zu dieser Zeit begann auch der Bau der Reichsautobahnen, der zwischen 1936 und 1938 eine Neuordnung der Reichsstraßen und auch der Reichsstraße 1 erforderlich machte. Im Continental-Atlas von 1934 findet sich noch das Reichsstraßennetz in seiner Gründungsversion als Netz von Fernverkehrsstraßen. Dort ist die R 1 über Hannover eingezeichnet, die Strecke von Hameln über Hildesheim bis Braunschweig als Reichsstraße 78. Nachdem Anfang 1937 die Reichsautobahn 6 (heute A 2) zwischen Berlin, Magdeburg und Hannover fertiggestellt wurde, führte die R 1 nun im Abschnitt zwischen Hameln und Braunschweig nicht mehr über Hannover, sondern über Hildesheim. Der Abschnitt über Hannover wurde in die Reichsstraßen 217 und 65 aufgeteilt. Damit war der Verlauf der Reichsstraße 1 von 1945 und weitgehend auch der heutigen Bundesstraße 1 festgelegt.

Die Entwicklung nach 1945 mini|Ost-West-Demarkationslinie auf der Reichsstraße 1 bei Helmstedt im Jahr 1945 mini|Militärparade auf der F 1 in Ost-Berlin mini|Grenzöffnung der B 1 zwischen Helmstedt und Morsleben im November 1989

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in West wie Ost das System der Reichsstraßen-Nummerierung beibehalten. Nach Bildung der Bundesrepublik Deutschland (einschließlich West-Berlins) erhielten die westdeutschen Straßen allerdings ein „B“ für Bundesstraße vor ihrer Nummer, wogegen die DDR nach Aufhebung das „R“ durch das alte „F“ für Fernverkehrsstraße ersetzte. Aus der R 1 von Aachen bis Ostpreußen wurde so im Westen die B 1 von Aachen bis Helmstedt und von der Glienicker Brücke in Berlin bis zum Potsdamer Platz, entsprechend in der DDR die F 1 von Morsleben bis zur Grenze Potsdam/West-Berlin und jenseits vom Potsdamer Platz in Ost-Berlin bis Kietz. Nach der politischen Wende in der DDR konnten aus den F-Straßen einfach B-Straßen werden.

Vom Jahr 1945 bis zur deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 wurde die ehemalige Reichsstraße 1 im Abschnitt zwischen Helmstedt und Morsleben durch den innerdeutschen Grenzverlauf geteilt. Mit der Abriegelung der innerdeutschen Grenze durch die DDR im Jahr 1952 wurde die Straße auf beiden Seiten zu einer Sackgasse. Auf westdeutscher Seite wurde etwas nördlich die etwa zwei Kilometer lange und heute nicht mehr so benannte Bundesstraße 1a gebaut, um die Bundesautobahn 2 sowie die westlichen Abfertigungsanlagen des Autobahngrenzübergangs Helmstedt an das Bundesstraßennetz anzuschließen. Der Abschnitt zwischen Helmstedt und Morsleben wurde am 18. November 1989 zunächst provisorisch wieder geöffnet.

Zwischen 1961 und 1989 war die Straße auch in Berlin durch die Mauer sowohl an der Glienicker Brücke als auch zwischen dem Potsdamer Platz und dem Leipziger Platz unterbrochen. An der Glienicker Brücke wurde die Grenze am 10. November 1989 und am Potsdamer Platz am 12. November 1989 wieder geöffnet.

In Ost-Berlin war die F 1 das wichtigste „Einfallstor“ vom Osten her in die Stadt und auch innerstädtisch eine der bedeutendsten Straßen (Karl-Marx-Allee). Sie wurde als „Propagandameile“ genutzt, auf der jeweils zum 1. Mai und zum Tag der Republik am 7. Oktober Demonstrationen und Militärparaden stattfanden.

Von 1954 bis 1963 wurde der Ruhrschnellweg zur vierstreifigen Schnellstraße und zur A 430 ausgebaut (heute: A 40). Die Streckenführung zwischen dem Autobahnkreuz Aachen und dem Autobahnkreuz Holz war als autobahnähnliche vierstreifige EB 1 vorgesehen. Nach 1973 wurde zwischen Aachen und Neuss die Streckenführung auf die Bundesautobahnen A 544, A 44, A 46 und A 57 verlegt und die Bundesstraße zur L 136 herabgestuft.

Die wichtige Funktion des Ost-West-Verkehrs im Bereich der B 1 nimmt jedoch heutzutage die A 2 ein, die vom Ruhrgebiet über Hannover nach Berlin führt.

In den ehemaligen deutschen Ostgebieten in Polen, Russland und Litauen sind die Reststücke der alten R 1, wie das übrige alte deutsche Straßennetz, bis heute in Nutzung. Da sich die Straßen noch überwiegend im Urzustand befinden, sind die Eigenheiten des deutschen Straßenbaus vor dem 20. Jahrhundert – wie die gewölbte Pflasterfläche und später begrünte Seitenbefestigungen (die sogenannten Bankette) – bis heute zu erkennen.

Streckenverlauf kompakt In der Infobox rechts oben befindet sich ein verkehrsfunktioneller Streckenverlauf mit den Anbindungen an Autobahnen und andere Bundesstraßen sowie den straßeneigenen Bauwerken wie Brücken und Tunnel. Im nächsten Abschnitt folgt ein detaillierter regionaler Verlauf mit Nennung der örtlichen Straßennamen, Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten, die von der Straße aus einsehbar sind. Dieser Abschnitt beinhaltet lediglich einen knapp gehaltenen überregionalen Streckenverlauf zur groben Orientierung:

Die Bundesstraße 1 beginnt heute als Fortsetzung der niederländischen N 278 im Aachener Ortsteil Vaalserquartier an der deutsch-niederländischen Grenze. Der Streckenabschnitt zwischen Aachen und Neuss verläuft über die A 544, die A 44 sowie die A 46 und A 57. Sie überquert zwischen Neuss und Düsseldorf den Rhein, durchläuft den Rheinufertunnel und den Kennedydamm, vereinigt sich auf dem Lastring dann kurzzeitig mit der B 7 und B 8 und verlässt dann die Stadt als A 52 nordostwärts. Die B 1 verlässt diese wieder beim Kreuz Breitscheid, überquert die Ruhr in Mülheim an der Ruhr und bildet ab Mülheim-Heißen als A 40 den sogenannten „Ruhrschnellweg“, mit 155.000 Fahrzeugen pro Tag eine der meistbefahrenen Straßen Deutschlands. An der Anschlussstelle „Dortmund Hombruch“ endet die A 40, der „Ruhrschnellweg“ durchquert nun wieder als B 1 Dortmund über Rheinlanddamm und Westfalendamm.

Von Holzwickede verläuft die B 1 über Land- und Stadtstraßen durch Unna, Werl, Paderborn, Hameln mit Weserquerung, Hildesheim und Braunschweig. Weiter geht es über Helmstedt, Magdeburg mit Elbquerung und Brandenburg an der Havel nach Potsdam. Dort verläuft sie über die historische Glienicker Brücke nach Berlin, wo sie von Steglitz bis Schöneberg zur A 103 ausgebaut wurde. Im Berliner Zentrum führt die B 1 über Potsdamer Platz, Leipziger Platz und Alexanderplatz, ab dem die Streckenführung bis Müncheberg identisch mit der Bundesstraße 5 ist. Dort zweigt die B 1 ab und endet als Oderquerung am Grenzübergang zu Polen bei Küstrin. Auf polnischer Seite findet sie als DK 22 ihre Fortsetzung.

Ausführlicher Streckenverlauf Die Bundesstraße 1 ist von alters her eine der wichtigsten Verbindungsstraßen. Sie übernimmt in den meisten Orten und Städten, die sie durchquert, eine zentrale Hauptstraßenfunktion. Daher ist sie im Zuge der Entlastung von Innenstädten vielerorts von einer Verlegung auf eine Umgehungsroute betroffen.