Der CN Tower [] (Canadian National Tower, französisch La Tour CN) in der südlichen Innenstadt Torontos ist ein 553 Meter hoher Fernsehturm und Wahrzeichen der Stadt. Er war von 1975 bis 2009 der höchste Fernsehturm der Welt. Gleichzeitig war er von 1975 bis 2007, als der Burj Khalifa eine Höhe von 555,30 Metern erreichte, das höchste freistehende und nicht abgespannte Bauwerk der Erde. Er dient der Telekommunikation und der Verbreitung von über 30 Fernseh- und Rundfunkprogrammen.

Die Bauzeit des Fernsehturms betrug nur 40 Monate, was, besonders für damalige Verhältnisse, eine ungewöhnliche Bauleistung darstellte. Der Turm wurde zur Verbesserung der Funkübertragung errichtet und sollte ursprünglich nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Heute ist er touristischer Hauptanziehungspunkt der kanadischen Metropole und verzeichnet mit seinen verschiedenen Ebenen, Aussichtsplattformen und dem Drehrestaurant jährlich bis zu zwei Millionen Besucher.

Der in der Fachwelt architektonisch als gelungen angesehene TurmErwin Heinle, Fritz Leonhardt: Türme aller Zeiten, aller Kulturen, S. 246 entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem Symbol mit nationaler Bedeutung für Kanada und wurde 1995 von der American Society of Civil Engineers in die Liste der Sieben Wunder der modernen Welt aufgenommen. Seit seiner Fertigstellung war er oftmals Schauplatz für spektakuläre Stunts und Rekordleistungen.

Lage und Umgebung mini|links|hochkant=0.8|Lage des CN Tower in Downtown Toronto

Der CN Tower steht in der Nähe des Ontariosees in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rogers Centre etwas außerhalb des von Hochhäusern beherrschten Stadtkerns zwischen den Bahnstrecken und dem Gardiner Expressway. Mit dem ebenfalls benachbarten Hauptbahnhof von Toronto, der Union Station, ist der Turm über einen Skywalk mit dem unterirdischen Fußgängersystem PATH verbunden. Gegenüber dem Fernsehturm befindet sich das John Street Roundhouse, ein 1897 erbauter und 1995 rekonstruierter Ringlokomotivschuppen, der historische Lokomotiven und eine Brauerei beherbergt. Zwischen dem Eisenbahnmuseum und dem Fernsehturm befindet sich unmittelbar benachbart zum CN Tower der im Oktober 2013 eröffnete Ripley’s Aquarium of Canada.

Rund 800 Meter östlich des Turms liegt die Mehrzweckhalle Scotiabank Arena; 200 Meter nördlich, auf der anderen Seite der Bahngleise, steht das Messezentrum Metro Toronto Convention Centre. Diese Bauwerke, einschließlich des CN Tower, sind im Zuge der städtebaulichen Neugestaltung des ehemaligen Bahnhofsgrundstücks entstanden.

Der Platz zwischen dem Turm und dem benachbarten Rogers Centre wurde 1991 in Bobbie Rosenfeld Park, zum Gedenken an die Sportlerin Bobbie Rosenfeld, benannt. Der mit Pflastersteinen ausgelegte Platz ist mit zahlreichen Pflanzen begrünt. Am südlichen Ende der Bremner Avenue unweit vom CN Tower befindet sich ein Brunnenkunstwerk Salmon Run, das von der Künstlerin Susan Schelle geschaffen wurde und hinaufspringende Lachse darstellt. Die Fontäne wurde 2006 restauriert und in ihrer Funktion wiederhergestellt.Public art and monuments. toronto.ca; abgerufen am 27. April 2012

Geschichte Name mini|Das Logo der Eisenbahngesellschaft Canadian National Railway war bis 1995 auch Logo des CN Tower

Das Akronym CN leitet sich ursprünglich von Canadian National Railways ab, der kanadischen Eisenbahngesellschaft, die den Turm zusammen mit der Canadian Broadcasting Corporation (CBC) zur Verbesserung des Fernsehempfangs durch ihre Tochtergesellschaft CN Tower Limited errichten ließ. 1995 veräußerte die Bahngesellschaft den Fernsehturm an die bundesstaatliche Immobilienfirma Canada Lands Company. Bis dahin führte der Turm den mit dem Logo der Eisenbahngesellschaft identischen Schriftzug CN. Nach dem Verkauf wurde dieser Schriftzug nicht mehr verwendet.

Insbesondere wegen des Einwands Einheimischer blieb der Name CN Tower erhalten. Nach der Abspaltung von Canadian National Railway sollte der Name des Turms künftig aus der Bezeichnung Canada’s National Tower bzw. später Canadian National Tower abgekürzt werden. Die gebräuchliche Bezeichnung blieb jedoch weiterhin die im Englischen verwendete Abkürzung CN Tower, mit der auch die Stadt und der Turm werben. Da Französisch die zweite Amtssprache Kanadas ist, wird der Turm auf Schildern und Publikationen neben der englischen auch mit der französischen Abkürzung La Tour CN bezeichnet, beziehungsweise Tour nationale du Canada genannt.

Planung Die Idee für einen Sendeturm zur Verbreitung des Radio- und Fernsehprogramms in Toronto geht auf die 1960er Jahre zurück. In dieser Zeit wuchsen die Wolkenkratzer im Financial District (→ Liste der höchsten Gebäude in Toronto) und verschlechterten damit den Empfang von Radio- und Fernsehsendern. Die Dichte und Höhe der neuen Hochhäuser schwächten die Signale der Torontoer Fernsehstationen teilweise erheblich, was sich meistens durch Überlagerung zweier Programme bemerkbar machte. Auch der Radioempfang wurde geschwächt.Greene: The CN Tower, Seite 9

Die ersten Vorschläge wurden 1968 gemacht; anfangs sollte der Turm ein Sendemast von mindestens 350 Metern Höhe ohne Publikumsbereich werden. Im Laufe der Planungsphase forderten Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen, dass die Sendeversorgung auch für das Torontoer Umland gewährleistet werden musste, so dass der Turm nochmals deutlich höher geplant wurde.von Borries, Böttger, Heilmeyer: TV-Towers – Fernsehtürme, Seite 123 1970 wurde endgültig über den Bau entschieden, ein Jahr später begannen die Tests im Windkanal. Da der Standort schon festgelegt war, ließ der Bauherr Geologen von der University of Toronto den Baugrund untersuchen. Bis zu 91 Meter tiefe Bohrungen ergaben, dass der damals noch auf 457 Meter Höhe veranschlagte Turm, in 15,2 Meter Tiefe auf Fels gegründet, eine ausreichende Standsicherheit besitzen würde.Greene: The CN Tower, Seite 15

Die Firma NCK Engineering Limited stellte den leitenden Hochbauingenieur. Tragwerksplaner waren R. R. Nicolet (NCK) und Franz Kroll.CN Tower at 40: A look back at the design, engineering & construction of Canada's National Tower, Cole Engineering 2016 Architekt des CN Tower war John Andrews in Zusammenarbeit mit The Webb, Zerafa, Menkes, Housden Partnership (heute: WZMH Architects). Andrews’ ursprüngliche Idee war eher funktioneller Natur und weniger darauf ausgerichtet, ein besonders prägendes Design für die Stadt zu schaffen.Greene: The CN Tower, Seiten 11/12 1972 wurde aus verschiedenen Entwürfen die endgültige Form des Turms gewählt und entschieden, den Turm für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der geschwungene Turmschaft korrespondiert mit der Ursprungsidee, die drei über eine Brückenkonstruktion verbundene Masten vorsah.Facts and history about the CN Tower (PDF-Datei; 629 kB) Diese Konstruktion wäre allerdings deutlich niedriger gewesen und hätte den Ansprüchen für die funktechnische Übertragung nicht genügt. Daher entschied sich der Bauherr für einen einzelnen hexagonalen Kern, der von drei Fußkonstruktionen gestützt wird. Diese Konstruktion, die sich nach oben verjüngt, hat einen Y-förmigen Querschnitt.

Der Bau des Fernsehturms war Teil einer groß angelegten Umgestaltung des sogenannten CityPlace, eines Quartiers, das von einem großen Rangierbahnhof geprägt war. Dieser wurde nach der Entstehung neuer Umschlagsplätze der Eisenbahn außerhalb des Stadtzentrums überflüssig.

Bau mini|Fundamentarbeiten am CN Tower 1973

Der erste Spatenstich erfolgte am 6. Februar 1973. (englisch) Die Baukosten beliefen sich auf 63 Millionen Kanadische Dollar, was im Jahr 2009 inflationsbedingt etwa 300 Millionen Dollar entspricht. Für die Renovierung und Erweiterung im Jahr 1998 kamen Kosten von 26 Millionen Dollar hinzu. (englisch)

Für die Gründung wurden insgesamt 56.000 Tonnen Tonschiefer bis zu einer Tiefe von rund 15 Metern ausgehoben. Das Fundament besteht aus 7000 Kubikmetern Beton und wurde mit 450 Tonnen Betonstahl bewehrt. Zusätzlich wurden 36 Tonnen Spannstahl verwendet. Die Fundamentarbeiten waren nach rund vier Monaten abgeschlossen.

Der aus vorgespanntem Beton bestehende Schaft wurde mit Hilfe einer Gleitschalung gegossen. Die eingebauten Spannglieder sind bis zu 454 Meter lang. Für die lotrechte Errichtung des Turms mussten besondere Maßnahmen getroffen werden. Dafür hängte man im sechseckigen hohlen Kern des Schaftes einen über 100 Kilogramm schweren Stahlzylinder an einem Drahtseil auf. Um die Senkrechte zu wahren, wurden mit optischen Instrumenten alle zwei Stunden Messungen durchgeführt. Der 553 Meter hohe Turm weicht nur 27 Millimeter von der Senkrechten ab. Mit diesem aus Schweden stammenden speziellen Verfahren wuchs der Turm schrittweise täglich um bis zu 6 Meter. Um die Druckfestigkeit des Betons zu kontrollieren, mussten Schnelltests durchgeführt werden, da die normierte Festigkeit des Betons erst nach 28 Tagen bestimmt wird.Nigel Hawkes: Wunderwerke, Südwest Verlag, Augsburg 1998, ISBN 3-86047-250-X, S. 108 Die Arbeiten am Turmschaft dauerten bis zum 22. Februar 1974. Bereits zu diesem Zeitpunkt überragte die Konstruktion das bis dahin höchste Bauwerk in Kanada, den 380 Meter hohen Schornstein Inco Superstack in Greater Sudbury. Für den Bau des CN Tower wurde eine spezielle Betonmischung verwendet, die ein Wasser-Zement-Verhältnis von 0,42 aufweist. Für die Bewehrung wurden Stahlelemente mit 35 Millimeter Durchmesser verwendet, was die Beständigkeit in Bezug auf die Korrosion auf 500 Jahre auslegt.High-Performance Concrete (PDF; 1,2 MB), S. 309, zuletzt abgerufen am 29. August 2017

Nach der ursprünglichen Planung hätte der CN Tower eine Gesamthöhe von rund 522,5 Meter haben sollen. Während dieser Bauphase sah der Bauherr die Chance, dass der Turm durch eine Erhöhung zum höchsten Bauwerk der Erde werden könnte. Das Designteam unterbreitete dem leitenden Ingenieur Norman McMillan diese Möglichkeit. Nach einer eingehenden Prüfung entschied sich der Bauherr entgegen der ursprünglichen Planung, den Schaft des Bauwerks zwischen dem geplanten Turmkorb und der darüber liegenden Plattform um 30,5 Meter zu erhöhen.Greene: The CN Tower, Seite 28

Am Fuß des CN Tower begannen im August 1974 die Arbeiten am siebenstöckigen Turmkorb. Um den 318 Tonnen schweren Baukörper auf die Höhe von 350,5 Meter zu befördern, waren 45 hydraulische Hebevorrichtungen notwendig. Klammervorrichtungen sorgten dafür, dass der Turmkorb nicht abrutschen konnte. Zur Errichtung der oberen Ebenen wurde Spritzbeton in zwölf vorgefertigte Holzrahmen gegossen, die mit Stahlklammern zusammengehalten wurden.Greene: The CN Tower, Seite 25 Der Rohbau am Turmkorb dauerte bis in den Spätherbst 1975 an.

Nach der Fertigstellung des Turmkorbs begann die Errichtung der oberen Aussichtsplattform Sky Pod im Freivorbau. Um einen Einsturz des Auslegers zu vermeiden, wurde zur Überwachung ein Richtstrahl auf die Wand der Turmbasis verwendet. Oberhalb des Sky Pod bildete ein rund 4,80 Meter hoher Betonschaft die Basis für die Antenne.

mini|März 1975: die Sikorsky S-64E hievt ein Sendemastelement vom Boden