mini|Blick vom Aussichtspunkt auf dem Wiegerfelsen auf Schmitten zu Füßen des Berges Pfaffenrod (links), daneben Sängelberg; nach rechts erhebt sich der Judenkopf, davor das Rathaus

Schmitten im Taunus (bis zum 25. August 2021 SchmittenDaten aus dem Gemeindeverzeichnis – Gebietsänderungen vom 01.01. bis 31. Oktober 2021, www.destatis.de, abgerufen am 4. Oktober 2021) ist eine Gemeinde und ein Luftkurort mit Einwohnern () im hessischen Hochtaunuskreis.

Die Gemeinde wies im Jahr 2020 einen überdurchschnittlichen Kaufkraftindex von 123,2 des Bundesdurchschnitts auf.

Geographie Lage und Naturräumliche Zuordnung Schmitten liegt im Östlichen Hintertaunus am Fuße des Großen Feldbergs (), des höchsten Taunusbergs. Das Gemeindegebiet umfasst große Teile des Pferdskopf-Taunus. Hier befinden sich 5 der 10 höchsten Taunusgipfel beziehungsweise 11 der 20 höchsten, darunter der Weilsberg () und dessen Verlängerung Hühnerberg (), der Pferdskopf () sowie weitere Erhebungen der Feldberg-Langhals-Pferdskopf-Scholle von geringer Dominanz wie Dillenberg (), Sängelberg (), Weißeberg () oder Krimmelberg ().

Durch Schmitten fließen die Weil, die am Nordhang des Feldbergmassivs entspringt, sowie ihre Zuflüsse Niedgesbach, Lauterbach, Leistenbach, Krötenbach und Aubach, welcher im Osten der Gemarkung fließt entlang der Grenze zu Neu-Anspach sowie im Nordosten die Ortsteile Dorfweil und Brombach trennt.

Das waldreiche Gemeindegebiet (fast ein Drittel der Fläche nimmt allein der gemeindeeigene Wald mit rund 13 km² einhttps://www.schmitten.de/leben-wohnen/service-wissenswertes/wald/) ist Teil des Naturpark Taunus. Hier befinden sich die Naturschutzgebiete Saubach und Niedgesbach und Reifenberger Wiesen sowie die Fauna-Flora-Habitate Niedges-, Sau- und Kirrbachtal zwischen Mauloff und Schmitten, Reifenberger Wiesen, Schmittgrund bei Oberreifenberg mit angrenzender Fläche und der Wald bei Arnoldshain.

Nachbargemeinden Schmitten grenzt im Norden an die Gemeinde Weilrod und die Stadt Usingen, im Osten an die Städte Neu-Anspach und Bad Homburg, im Süden an die Städte Oberursel und Königstein sowie im Westen an die Gemeinden Glashütten und Waldems (letztere im Rheingau-Taunus-Kreis).

Gliederung Die Gemeinde besteht aus den neun Ortsteilen, die bis zur Gebietsreform von 1972 selbstständige Gemeinden waren.

+ Gemeindegliederung Ortsteil Wappen Flächein km² EinwohnerEinwohnerstand Stand 31. Dezember 2021. Gemeinde Schmitten. Arnoldshain 40px|zentriert|Wappen von Arnoldshain 8,26 2.050 Brombach 40px|zentriert|Wappen von Brombach 2,98 518 Dorfweil 40px|zentriert|Wappen von Dorfweil 3,67 716 Hunoldstal 40px|zentriert|Wappen von Hunoldstal 2,22 415 Niederreifenberg 40px|zentriert|Wappen von Niederreifenberg 4,15 1.546 Oberreifenberg 40px|zentriert|Wappen von Oberreifenberg 3,83 2.144 Schmitten (alte Gemeinde) 40px|zentriert|Wappen von Schmitten (alte Gemeinde) 4,05 1.473 Seelenberg 40px|zentriert|Wappen von Seelenberg 3,41 566 Treisberg 40px|zentriert|Wappen von Treisberg 2,87 151

Geschichte Überblick Schmitten wird als „Waldschmidt“ erstmals 1399 urkundlich genannt, der Name bezieht sich auf eine im Wald ansässige Nagel-Schmiede, welche der Burg Hattstein (1215 erwähnt) zugeordnet wird. Die Hattsteiner Ritter („Hazechenstein“) waren mit den Reifenbergern („Riffinberg“) verwandt, vermutlich sogar identisch. Die Ursprünge dieser Familie stammen entweder aus dem Westerwald nördlich der Lahn oder aus der Gegend um Limburg. In der „Walsdorfer Gründungsurkunde“ von 1156 wird ein „Guntramus de Hazechenstein“ benannt.

Die Hattsteiner Ritter, deren Burg mehrfach zerstört wurde, hatten Besitzungen in Bad Camberg, Usingen („Hattsteinweiher“), Stockheim, Weilbach, Aschaffenburg, Mainaschaff, Königstein und in Frankfurt am Main. Auch sind die Hattsteiner an der Gründung der Wetterauer Burg Münzenberg beteiligt.

Das Geschlecht derer von Reiffenberg und derer von Hattstein war über das Mittelalter eine der einflussreichsten Familien im südlichen Hessen. Philipp von Reifenberg war Kaiserlicher Kriegsrat, Kurfürstlich-Mainzischer Rat und Amtmann; † 1548. Marquard von Hattstein war (1560–1581) Bischof von Speyer. Johann Heinrich von Reifenberg war Kaiserlicher Rat und Kammerherr; † 4. März 1628 (1613 in den Freiherrenstand versetzt). Philipp Ludwig Freiherr von Reiffenberg war Domherr zu Mainz und Trier und erster Statthalter Erfurts; † 23. März 1686.

Zusammen mit den Kronberger Rittern erklärten die Hattsteiner und Reiffenberger der Stadt Frankfurt im Jahr 1389 die sogenannte „Kronberger Fehde“. Als am 14. Mai die Frankfurter mit einem Groß-Aufgebot zur Burg Kronberg zogen, eilten hanauische und kurpfälzische Truppen den Belagerten zu Hilfe, vertrieben die Frankfurter bei der „Schlacht von Eschborn“ und nahmen zahlreiche Gefangene, darunter den Bürgermeister und sämtliche Bäcker und Schuhmacher der Stadt. Erst die Lösegeld-Zahlung von 73.000 Goldgulden beendete den Streit mit Frankfurt und begründete den Bau der „Frankfurter Landwehr“ und der vier Warten.

Das Geschlecht der Hattsteiner Ritter, das untrennbar mit der Geschichte Schmittens verbunden war, endete mit dem Tod von Johann Constantin Philipp von Hattstein (1767).

Die heutige Gemeinde Schmitten im Taunus entstand im Zuge der Gebietsreform in Hessen. Zum 1. April 1972 fusionierten die bis dahin selbständigen Gemeinden Schmitten, Brombach, Hunoldstal und Seelenberg in einem ersten Schritt freiwillig zur neuen Schmitten zusammen. Die dadurch entstandene Gemeinde wurde am 1. August 1972 kraft Landesgesetzes mit den Gemeinden Arnoldshain, Dorfweil, Reifenberg und Treisberg zur heutigen Gemeinde Schmitten zusammengeschlossen. Die Gemeinde Reifenberg war am 31. Dezember 1971 durch freiwilligen Zusammenschluss der damals zum Main-Taunus-Kreis gehörenden Gemeinden Nieder- und Oberreifenberg entstanden, um der Zusammenführung mit Schmitten zu entgehen, bestand jedoch nur wenige Monate. Gegen den Willen der Reifenberger beschloss der Hessische Landtag am 11. Juli 1972 mit den Stimmen von SPD und FDP das Neugliederungsgesetz, in dem die Großgemeinde Schmitten zum 1. August 1972 gebildet wurde. Die Landesregierung hatte „Weilspringe“ als Namen der Großgemeinde vorgeschlagen. Nachdem dieser Vorschlag weder in den oberen, noch in den unteren Ortsteilen auf Zustimmung stieß, wurde Schmitten als Name festgelegt.Gerrit Stolte: Zusammen und doch getrennt; in: Taunus-Zeitung vom 13. April 2012, S. 17 Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden in Schmitten nicht gebildet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Schmitten angehört(e):

vor 1806: Heiliges Römisches Reich, Herrschaft Reifenberg ab 1806: Herzogtum Nassau, Amt Reifenberg ab 1816: Herzogtum Nassau, Amt Usingen ab 1849: Herzogtum Nassau, Kreisamt IdsteinAbtrennung der Justiz Justizamt Usingen bis 1854. ab 1854: Herzogtum Nassau, Amt Usingen ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, ObertaunuskreisEndgültige Trennung zwischen Justiz (Amtsgericht Usingen) und Verwaltung. ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Obertaunuskreis ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Obertaunuskreis ab 1886: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Usingen ab 1932: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Obertaunuskreis ab 1933: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Usingen ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Landkreis Usingen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Usingen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Usingen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Usingen ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Usingen ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Hochtaunuskreis

Jüdische Gemeinde mini|Jüdischer Friedhof Ab etwa 1800 bestand in Schmitten eine kleine jüdische Gemeinde. Am 15. November 1844 wurde die Synagoge dieser Gemeinde eingeweiht, die Platz für 57 Männer und 24 Frauen bot. Die jüdische Gemeinde selbst bestand 1843 aus 27, 1890 aus 20 und 1932 nur noch aus 14 Personen. Am 12. Juli 1890 verfügte der Landrat des Kreises Usingen die Zusammenlegung der Schmittener jüdischen Gemeinde mit der aus Anspach. Gegen diese Verfügung wehrte sich die jüdische Gemeinde in Schmitten, die sechs Familien umfasste. Der Kultusvorsteher Sina Heß erreichte eine Rücknahme dieses Beschlusses durch das Regierungspräsidium mit Schreiben vom 30. Juli 1880 und den Erhalt der Unabhängigkeit der Schmittener Gemeinde. Koordinate Synagoge:

In den 1920er Jahren schloss sich die jüdische Gemeinde mit der aus Usingen zusammen. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die jüdische Gemeinde zerstört. 1937 wohnte nur noch eine vierköpfige jüdische Familie in Schmitten. Am 9. November 1938 wurde auch die Synagoge in Schmitten durch die Nazis geschändet. 1945 hatten die Nationalsozialisten alle Juden Schmittens ermordet. Die Synagoge wurde für 200 Reichsmark von der Gemeinde erworben und für 600 Reichsmark einem Privatmann verkauft. Am 8. Juli 1995 wurde die ehemalige Synagoge wegen Baufälligkeit abgerissen. Nach dem Zweiten Weltkrieg machte die JRSO Entschädigungsforderungen bezüglich der zerstörten Synagoge geltend und erhielt 1961 vom Regierungspräsidium Darmstadt eine Entschädigung von 27.000 DM zugesprochen.

Jüdischer Friedhof Koordinate jüdischer Friedhof: Etwa zwei Kilometer außerhalb von Schmitten, oberhalb des Wasserwerkes am Hang des Judenkopfes, befindet sich der jüdische Friedhof. Der Friedhof wurde 1820 angelegt. Ungefähr im Jahre 1935 erfolgte die letzte Beisetzung. Auf dem Friedhof stehen noch neun Grabsteine mit hebräischen und deutschen Inschriften. Der zehnte Grabstein von 1812 stammt vom jüdischen Friedhofs Arnoldshains. Dieser Stein wurde etwa 1974 entdeckt und danach auf den Friedhof Schmitten versetzt. Der Friedhof wird heute von der Zivilgemeinde gepflegt.Jüdischer Friedhof. In: alemannia-judaica.de.

Stolpersteine mini|Stolpersteine Die einzigen drei Stolpersteine in der Gemeinde Schmitten im Taunus wurden um den 12. Oktober 2009 verlegt.

Koordinaten Stolpersteine:

Gedenkorte an Jüdisches Leben in Schmitten An das jüdische Leben in Schmitten erinnern seit dem 15. Juli 1995 ein Gedenkstein in der Wiegerstraße (ehemalige Synagogenstraße) an der Stelle der ehemaligen Synagoge, drei Stolpersteine vor dem früheren Hotel der Familie Strauss und die Reste des jüdischen Friedhofs in der Nähe des Weißen Steins.Erhard Bus: Die Synagoge in Schmitten. In: Jahrbuch des Hochtaunuskreises 1997. ISBN 3-7973-0643-1, S. 215–221.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Schmitten 8824 Einwohner. Nach dem Lebensalter waren 1659 Einwohner unter 18 Jahren, 3723 zwischen 18 und 49, 420 zwischen 50 und 64 und 309 Einwohner waren älter. Unter den Einwohnern waren 710 (8,0 %) Ausländer, von denen 458 aus dem EU-Ausland, 155 aus anderen europäischen Ländern und 99 aus anderen Staaten kamen. (Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 14,5 %.) Die Einwohner lebten in 3738 Haushalten. Davon waren 1032 Singlehaushalte, 1179 Paare ohne Kinder und 1230 Paare mit Kindern, sowie 231 Alleinerziehende und 63 Wohngemeinschaften. In 744 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 2598 Haushaltungen leben keine Senioren.

Einwohnerentwicklung