mini|hochkant|Liza Minnelli (2008) Liza May Minnelli (* 12. März 1946 in Los Angeles, Kalifornien) ist eine US-amerikanische Schauspielerin und Sängerin, die 1972 durch ihre Verkörperung der Sally Bowles in dem Filmmusical Cabaret berühmt wurde. Sie ist die Tochter der Schauspielerin Judy Garland und des Regisseurs Vincente Minnelli.

In den 1960er Jahren begann sie als Schauspielerin am Musicaltheater hauptsächlich in New York City zu arbeiten und machte sich vor allem durch Nachtklub-Engagements einen Namen als vielseitige Interpretin von Liedern des Great American Songbook. Insbesondere Songs von John Kander und Fred Ebb bildeten in den folgenden Jahrzehnten die Grundlage für einige ihrer Konzertprogramme. Minnelli spielte in mehreren Bühnenmusicals dieses Duos die Hauptrolle, darunter Flora the Red Menace (1965) und The Act (1977/78).Schechter: The Liza Minnelli Scrapbook. 2004, S. 12–16 sowie S. 22.

Nach erstem Kritikerlob für ihre Rolle in der Literaturverfilmung Pookie (1969) und ihrem vielfach ausgezeichneten Auftritt in Cabaret (1972) setzte Minnelli sich nicht als führender Filmstar durch. Lediglich die Komödie Arthur – Kein Kind von Traurigkeit (1981) war noch erfolgreich. Als Sängerin war sie in Fernsehshows wie Liza with a ‘Z’ (1972) zu sehen und ging auf internationale Tourneen. Aus ihren Konzerten ragen die Gastspiele 1979 und 1987 in der Carnegie Hall sowie 1991 und 1992 in der Radio City Music Hall heraus.

Musikalisch arbeitete Minnelli unter anderem mit ihrer Mutter Judy Garland, Charles Aznavour, Frank Sinatra, Sammy Davis junior, Billy Stritch und den Pet Shop Boys zusammen.Schechter: The Liza Minnelli Scrapbook. 2004, S. 16 sowie S. 18–31 und S. XI. Mit Oscar, Emmy, Grammy, Tony und dem Golden Globe gewann sie die fünf großen Preise der amerikanischen Film-, Fernseh-, Musik-, Theater- und Zeitungsindustrie. Biografen wie Scott Schechter (2004), Michael Freedland (1990) und Wendy Leigh (1995) zählen Minnelli zu den beliebtesten lebenden Unterhaltungskünstlern.Freedland: Liza Minnelli. Ihre Filme – ihr Leben. 1990, S. 9.Leigh: Liza. Das Leben der Liza Minnelli. 1995, S. 5.

Leben und Werk Familien- und Privatleben Liza May Minnelli ist die Tochter der Filmschauspielerin und Sängerin Judy Garland (1922–1969) und des Regisseurs Vincente Minnelli (1903–1986). Sie kam am 12. März 1946 im Cedars of Lebanon Hospital von Los Angeles zur Welt und wurde nach dem Gershwin-Song Liza (All the Clouds’ll Roll Away) sowie nach der Großmutter väterlicherseits, die May hieß, genannt. Ihre Paten waren das Künstlerehepaar Kay Thompson und William Spier.Levy 2009: Vincente Minnelli: Hollywood’s dark dreamer. 2009, S. 156. Mit Thompson pflegte sie bis zu deren Tod 1998 ein inniges Verhältnis und wurde als Inspiration für Thompsons Kinderbuchreihe Eloise genannt. Nach der Scheidung ihrer Eltern 1951 wuchs Liza halbjährlich wechselnd bei Vincente Minnelli und Judy Garland auf. Sie beschrieb ihre Mutter als streng und ehrgeizig, wohingegen sie bei ihrem Vater „ihre Träume auslebte“: „I got my drive from my mother and my dreams from my father.“

1952 heiratete Judy Garland den Produzenten Sidney Luft, mit dem sie zwei Kinder namens Lorna (* 1952) und Joseph („Joey“) Luft (* 1955) hat. Lorna Luft wurde ebenfalls Schauspielerin und Sängerin, aber nie international berühmt wie ihre Halbschwester Liza oder ihre Mutter Judy. Aus der zweiten Ehe ihres Vaters Vincente mit Georgette Magnani stammt Lizas 1955 geborene Halbschwester Christiane Nina („Tina Nina“) Minnelli.

1967 heiratete Liza Minnelli den australischen Songschreiber und Entertainer Peter Allen (1944–1992), den sie 1964 als Protegé ihrer Mutter kennengelernt hatte. Das Paar trennte sich 1970 und ließ sich 1972 scheiden. Der 1992 an den Folgen von AIDS gestorbene Allen schilderte die Beziehung später als von vornherein gespannt, blieb Minnelli aber freundschaftlich verbunden. 1972/73 war Minnelli mit Desi Arnaz junior verlobt, zur selben Zeit aber auch mit Peter Sellers liiert.Freedland: Liza Minnelli. Ihre Filme – ihr Leben. 1990, S. 230–231. Arnaz’ Mutter Lucille Ball missbilligte Minnellis Verbindung mit ihrem Sohn.Kanfer: Ball of Fire: The Tumultuous Life and Comic Art of Lucille Ball. 2003, S. 35–37. Von 1974 bis 1979 war sie mit dem Regisseur und Produzenten Jack Haley junior (1933–2001) verheiratet, dem Sohn des Schauspielers Jack Haley, der 1939 an der Seite von Judy Garland in Der Zauberer von Oz mitgespielt hatte. Nach beiderseitigen Affären wurde die Ehe geschieden. Zwischen 1976 und 1978 war Minnelli mit Martin Scorsese und Mikhail Baryshnikov liiert.Freedland: Liza Minnelli. Ihre Filme – ihr Leben. 1990, S. 262–263.Leigh: Liza. Das Leben der Liza Minnelli. 1995, S. 215.

Ende der 1970er Jahre war Minnelli Stammgast im Studio 54.Leigh: Liza. Das Leben der Liza Minnelli. 1995, S. 211–223. Damals lernte sie den Bildhauer Mark Gero (* 1952) kennen und machte ihn zu ihrem persönlichen Manager. Seit 1979 verheiratet, trennte sich das Paar vorübergehend Mitte der 1980er Jahre und wurde 1992 geschieden. Wegen ihrer Alkohol- und Tablettensucht ließ sich Minnelli 1984 ins Betty Ford Center und 1985 in die Hazelden Clinic in Minnesota für Entziehungskuren einweisen, die von öffentlicher Anteilnahme begleitet wurden.Leigh: Liza. Das Leben der Liza Minnelli. 1995, S. 267. Minnelli bemerkte 2002 in einem Interview, sie habe fünf Fehlgeburten gehabt. 1994 wurde ihr ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt. 1997 musste sie sich einer Stimmbandoperation unterziehen. Infolge einer lebensbedrohlichen Enzephalitis wurde sie im Oktober 2000 ins Krankenhaus eingeliefert, war in den nächsten Monaten teilweise auf einen Rollstuhl angewiesen und litt an Sprachstörungen. In mehreren Operationen wurden ihr zudem ein zweites künstliches Hüftgelenk und ein künstliches Kniegelenk eingesetzt; eine Fortsetzung ihrer Karriere erschien zunächst ungewiss. Im Rahmen ihrer langwierigen Genesung nahm sie Tanz- und Gesangsunterricht, um die Folgen ihrer Erkrankung zu überwinden.Schechter: The Liza Minnelli Scrapbook. 2004, S. 32–35.

Im März 2002 heiratete Minnelli den Produzenten und Konzertveranstalter David Gest (1953–2016) mit Elizabeth Taylor und Michael Jackson als Trauzeugen. Die Hochzeit wurde im Fernsehen übertragen. Zwar gingen die beiden bereits nach einem Jahr getrennte Wege, nach längeren rechtlichen Auseinandersetzungen wurde die Scheidung jedoch erst 2006 vollzogen. In: kleinezeitung.at Minnelli bekannte sich 2009 aufs Neue als alkoholkrank. 2004 und 2015 ging sie erneut auf Entzug.

2014 war Minnelli zusammen mit Lorna und Joey Luft Publikumsgast der 86. Oscarverleihung. Anlass war das 75. Jubiläum des Zauberers von Oz. 2015 verlegte Minnelli ihren langjährigen Wohnsitz von New York nach Los Angeles. 2017 veranstaltete sie über das soziale Netzwerk Facebook zweimal einen Live-Chat mit ihren Fans und trat auf dem Eröffnungskonzert des kalifornischen Pasadena Symphony and POPS Festival auf, das zu ihren Ehren gegeben wurde.

Karriere 1946–1960: Kindheit und Jugend 1949 hatte Liza Minnelli an der Seite ihrer Mutter und Van Johnsons ihren ersten kleinen Leinwandauftritt in der Schlusssequenz des Musicalfilms Damals im Sommer. 1952 war sie in dem dokumentarischen Kurzfilm Screen Snapshots 5854: Young Hollywood über Kinder bekannter Hollywoodstars zu sehen. Sie hielt sich auch bei den Dreharbeiten zu den Filmen ihres Vaters auf: Beispielsweise am Set von Ein Amerikaner in Paris, wo sie gemeinsam mit Gene Kellys Tochter Konfetti auf eine Ballett-Szene warf. Eigener Erinnerung zufolge empfand sie diese Dreharbeiten zwar als „langweilig“, begeisterte sich aber für die Tanzszenen in dem Film. Eigentlich sollte sie in Vincente Minnellis Familienkomödie Villa mit 100 PS (1954) eine kleine Rolle spielen, die Szenen mit ihr wurden aber für die endgültige Filmfassung nicht verwendet.Schechter: The Liza Minnelli Scrapbook. 2004, S. 94.

Inspiriert von den Filmen ihres Vaters und insbesondere Fred Astaires Auftritt in Vorhang auf! (1953), galt Liza Minnellis erstes ernsthaftes künstlerisches Interesse dem Tanz, später dem Eiskunstlauf.Levy: Vincente Minnelli: Hollywood’s dark dreamer. 2009, S. 221. Als Kind erhielt sie Tanzunterricht von dem MGM-Choreographen Nico CharisseLevy: Vincente Minnelli: Hollywood’s dark dreamer. 2009, S. 221. und trat 1956 zum ersten Mal mit Judy Garland im New Yorker Palace Theatre als Tänzerin bei dem Lied Swanee auf. Im November 1956 moderierte sie im Rahmen der Sendereihe Ford Star Jubilee zusammen mit dem Schauspieler Bert Lahr eine Fernsehshow über den Zauberer von Oz, Garlands Erfolgsfilm von 1939. Im April 1959 trat sie in Gene Kellys TV-Special The Gene Kelly Show auf, um mit ihm zu dem Lied For Me and My Gal zu tanzen.Schechter: The Liza Minnelli Scrapbook. 2004, S. 10. Als sie 1959 und 1960 die Broadway-Musicals Gypsy (mit Ethel Merman) und Bye Bye Birdie (mit Dick Van Dyke und Chita Rivera) sah, wurde ihr Interesse für das Theater geweckt, sodass sie eigenen Worten zufolge Schauspielerin werden „musste“. Bedingt durch viele Wohnortwechsel besuchte Minnelli insgesamt rund 20 verschiedene Schulen und hat nie den Highschool-Abschluss gemacht.

1961–1964: Ausbildung in New York, erste Musik- und Theaterarbeiten 1961 wurde Liza Minnelli in die New Yorker Fiorello H. LaGuardia High School aufgenommen und sprach im Frühling erfolglos bei mehreren Theatern vor. Begleitet wurde sie dabei von ihrem Klassenkameraden Marvin Hamlisch, der über viele Jahre zu ihren Freunden und musikalischen Arbeitspartnern zählte.Schechter: The Complete A&M Recordings. 2009 CD-Inlay Sie sammelte erste Erfahrungen in drei Sommertheater-Produktionen des Cape Cod Melody Theatre in Hyannis, wo sie Urlaub mit ihrer Familie machte. Im Herbst 1961 wechselte sie zur Scarsdale High School nördlich von New York City, wo sie im Dezember die Titelrolle in dem Stück The Diary of Anne Frank spielte. Der Scarsdale Inquirer nannte ihre Darbietung „temperamentvoll“. Eine lokale Förderin organisierte für die Schülertruppe eine Europa-Tournee im Juli und August 1962 mit Stationen in Rom, Athen, Jerusalem und Amsterdam. 1962 war sie auf Wunsch ihrer Eltern kurzzeitig an der Pariser Sorbonne eingeschrieben, fühlte sich dort aber nicht recht akzeptiert. Ende 1962 zog sie nach Manhattan in ein kleines Appartement und begann eine Ausbildung in Schauspiel, Tanz und Gesang am Herbert Berghof Studio, wo sie beispielsweise von Uta Hagen unterrichtet wurde. Im März 1963 bestand sie ein Casting für eine Off-Broadway-Adaption des Musicals Best Foot Forward, in der sie die Nebenrolle der männerhungrigen College-Studentin Ethel Hoffinger verkörperte.Schechter: The Liza Minnelli Scrapbook. 2004, S. 12–13. Für ihre Darbietung erhielt Minnelli begeisterte Kritiken.Schechter: The Liza Minnelli Scrapbook. 2004, S. 51.