Letmathe [, regional auch ] ist ein Stadtteil von Iserlohn in Nordrhein-Westfalen. Die Stadt Iserlohn liegt im Nordwesten des Sauerlands und gehört zum Märkischen Kreis.

Geographie Räumliche Lage Letmathe liegt im unteren Lennetal in einem von Massenkalk durchzogenen Gebirge. Der tiefste Punkt ist die Lenne an der Stadtgrenze zu Hagen-Hohenlimburg, die höchste Erhebung erreicht der Hilkenhohl mit 441 Metern bei Lössel.

Gliederung Unterteilt in die zwölf (ehemaligen) Stadtteile Letmathe, Stübbeken, Genna Oestrich, (Unter-)Grüne, Lasbeck, Stenglingsen, Dröschede, Grürmannsheide Lössel, Roden, Pillingsen.

Geschichte

Erstmals wird Letmathe im 11. Jahrhundert urkundlich als in Letnetti im Urbar der Reichsabtei Werden erwähnt. Der Ortsname wurde in den folgenden Jahrhunderten unterschiedlich mit Leytnette (1231), Lethnette (1232), Letmethe (1243), Litmethe (1273), Leitmathe (um 1370) und mit Johan van Letmathe (1405) erstmals mit dem heutigen Namen geschrieben. Die Adelsfamilie von Letmathe erscheint urkundlich zwischen 1231 und 1670. Das Kirchspiel Letmete wird erstmals im Jahr 1537 erwähnt. Seit 1242 gehörte der Herrensitz und das Kirchspiel Letmathe zur Grafschaft Limburg, bis zu dessen Auflösung im Jahr 1808.

Die Deutung des Ortsnamens ist schwierig und unsicher. Sicher ist aber, dass der Ortsname sich im ganzen auf die feuchten Bodenverhältnisse in der Umgebung der Siedelstelle bezieht.Michael Flöer: Die Ortsnamen des Märkischen Kreises. Westfälisches Ortsnamenbuch (WOB) 12, Bielefeld 2018, S. 240–242 (Letmathe) (Digitalisat).

Frühestens im 8. Jahrhundert, aber sicher im 9. und 10. Jahrhundert stand auf dem Oestricher Burgberg eine (Wall-)Burg. 1220 wird der Ortsteil Grüne erstmals erwähnt. Der Hof auf dem Honsel wird 1395 erwähnt. 1573 ist der Ort Letmathe im Atlas von Christian Sgrothen eingezeichnet.

Nach den Herren von Letmathe auf Haus Letmathe folgten verschiedene Herren, u. a. im späten 16. Jahrhundert die Familie von Brabeck aus Kirchhellen bei Bottrop. 1812 wurde der Unternehmer Friedrich Wilhelm Ebbinghaus Herr von Haus Letmathe. Er errichtete 1818 an der Lenne eine Papiermühle, die im 19. Jahrhundert zu den größten Papiermühlen in Deutschland gehörte.

Neben der Eröffnung der ersten befestigten Chaussee nach Iserlohn 1813 trug die Errichtung der Bahnstrecke Hagen–Siegen zum enormen wirtschaftlichen Aufschwung im 19. Jahrhundert bei. Letmathe erhielt 1859 seinen Bahnhof am südlichen Lenneufer. Neben der Ebbinghaus’schen Papierfabrik entstanden weitere bedeutende Werke in Letmathe, wie die Fingerhutfabrik und Walzwerk Ebbinghaus & Schrimpf, die Eisenschraubenfabrik Schlieper in der Grüne, die große Gußwarenfabrik Gebr. Kuhlmann in der Grüne sowie eine große Anzahl von Kettenschmieden zu Oestrich und Grüne, eine Zinkhütte mit Walzwerk, viele Hammerwerke, Schleifereien und Kalkbrennereien.Fritz Emde: Hohenlimburg Industriestadt im Kranz grüner Wälder. Druck und Verlag P. A. Santz, Altena 1961, S. 126.

1816 kam Letmathe mit Oestrich, (Hohen-)Limburg, Elsey und Reh zum neuen Amt Limburg. 1903 schieden im Zusammenhang mit der Eingemeindung von Elsey nach Hohenlimburg die Gemeinden Letmathe und Oestrich aus dem Amtsverband aus und bildeten das Amt Letmathe-Oestrich. Die St.-Kilian-Kirche wurde zwischen 1914 und 1917 von dem Dombaumeister Joseph Buchkremer errichtet. 1921 bildete die Gemeinde Oestrich zusammen mit der Gemeinde Lössel das Amt Oestrich, und Letmathe wurde eigenständig. Am 15. Dezember 1935 erhielt Letmathe die Stadtrechte.

Anfang der 1930er wurde die 15 Morgen große „Klusenwiese“ in einen Park umgestaltet und 1934 eröffnet. Anfangs „Schlageterpark“ genannt, heißt der Park seit 1945 „Volksgarten“.

Der Zweite Weltkrieg endete für die Stadt am 16. April 1945 mit der Kapitulation der dortigen deutschen Truppen. Seit dem 30. Mai 2015 erinnert die Plastik Friedensstele 70 Jahre Frieden in Letmathe seit dem 16. April 1945 an dieses Ereignis.

Das erste Letmather Altenheim entstand 1946 in der Villa des Unternehmers Wilhelm Ebbinghaus an der Oeger Straße.

1954 beschlossen die Gemeinden Oestrich und Lössel, mit der Stadt Letmathe eine neue Stadt Letmathe zu bilden. Doch erst am 1. Oktober 1956 wurde die neue Stadt Letmathe gegründet, allerdings musste die Gemeinde Oestrich große Teile an Iserlohn abtreten. Im Jahr 1975 wurde Letmathe ein Stadtteil von Iserlohn. Im Rahmen der Neugliederung der Gemeinden und Kreise des Neugliederungsraumes Sauerland/Paderborn wurden Iserlohn, Letmathe, Hennen, Kesbern und Sümmern zur neuen Stadt Iserlohn zusammengeschlossen.§ 2 Sauerland/Paderborn-Gesetz.

Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre wurde am Nordrand Letmathes die A 46 gebaut und 1974 eröffnet. Das beim Bau angefallene Erdreich (1,3 Mio. m³)Förderkreis Iserlohner Museen (Hrsg.): Iserlohner Straßennamen erzählen, S. 173. wurde entlang der Lenne aufgeschüttet und die Straße Lennedamm bis 1976 als Umgehungsstraße gebaut. In den folgenden Jahren wurde der untere Teil der Hagener Straße als Einkaufsstraße zu einem verkehrsberuhigten Bereich ausgebaut.

Religionen mini|„Lenne-Dom“ St. Kilian Durch den starken Einsatz der Adelsfamilie von Brabeck, die zur Zeit der Reformation Herren auf Haus Letmathe waren, ist Letmathe als einzige Gemeinde in der Grafschaft Limburg und als eine der wenigen Gemeinden im weiten Umland mehrheitlich katholisch geblieben. Letmathe hatte inzwischen im Bistum Paderborn so an Bedeutung gewonnen, dass bei der Teilung des großen Dekanats Iserlohn 1922 Letmathe Sitz eines neuen Dekanats mit den Gemeinden Altena, Hohenlimburg, Letmathe, Lüdenscheid Stadt und Land, Nachrodt, Oestrich, Plettenberg Stadt und Land und Werdohl wurde. Heute gehört die katholische Gemeinde zum Dekanat Märkisches Sauerland.

Erst Ende des 19. Jahrhunderts kamen im Zuge der Industrialisierung viele evangelische Bürger nach Letmathe. Seit 1845 wurden die Letmather Evangelischen zur Kirchengemeinde Oestrich gezählt, erst 1877 konnte eine eigene Gemeinde in Letmathe gegründet werden. Die Bevölkerung blieb aber mehrheitlich katholisch, bis nach dem Zweiten Weltkrieg etwa 6000 Vertriebene aus den ehemaligen Ostgebieten – überwiegend evangelischen Glaubens – nach Letmathe zogen.

Heute ist das Verhältnis zwischen den Glaubensrichtungen ausgeglichen.

Seit 2004/05 ist eine Gemeindearbeit einer evangelisch-freikirchlichen Gemeinde entstanden. Im Stadtteil Genna existiert eine Moschee der türkisch-islamischen DİTİB.

Gebietsreformen 1. Dezember 1890 – Die Gebiete westlich des Grüner Bachs werden nach Iserlohn umgegliedert. 16. Juni 1933 – Der Nußberg und der nördliche Dördel kommen zur kreisfreien Stadt Iserlohn. 1. Januar 1941 – Kuhlo und das westliche Dröscheder Feld werden an die Nachbarstadt Iserlohn abgetreten. 1. Oktober 1956 – Oestrich (ohne Iserlohner Heide, Gerlingsen, Hombruch) und Lössel kommt zu Letmathe. Die Iserlohner Heide, Gerlingsen und Hombruch werden von Oestrich nach Iserlohn umgegliedert. 1. April 1971 – Das Waldgebiet nördlich von Hombruch und östlich des Refflingser Bachs sowie ein Flurstück im Bereich „Vor'm Heu“ werden Iserlohn zugesprochen. 1. Januar 1975 – Letmathe wird ein Stadtteil von Iserlohn.

Einwohnerentwicklung Datum Einwohner 1806 664 1903Amt Letmathe-Oestrich 10.857 1913Amt Letmathe-Oestrich 14.514 1933 8.500 1956 23.835 1957 24.221 1961 24.918 1968 27.307 1970 26.456 1971 28.836 1974 28.882 Datum Einwohner 2003 27.815 2009Stadt Iserlohn: Beiträge zur Stadtforschung und Statistik 2009 (PDF; 133 kB) 26.678 2010Stadt Iserlohn: Beiträge zur Stadtforschung und Statistik 2010 (PDF; 495 kB) 26.488 2011Stadt Iserlohn: Beiträge zur Stadtforschung und Statistik 2011 (PDF; 495 kB) 26.349 2012Stadt Iserlohn: Beiträge zur Stadtforschung und Statistik 2012 (PDF; 245 kB) 26.045 2013Stadt Iserlohn: Beiträge zur Stadtforschung und Statistik (PDF; 364 kB), abgerufen am 8. Februar 2014. 25.782 2014Stadt Iserlohn: Beiträge zur Stadtforschung und Statistik (PDF; 328 kB), abgerufen am 8. Januar 2015. 25.543 2016Stadt Iserlohn: Beiträge zur Stadtforschung und Statistik (PDF; 497 kB), abgerufen am 1. Februar 2017. 25.524 2017Stadt Iserlohn: Beiträge zur Stadtforschung und Statistik (PDF; 869 kB), abgerufen am 11. Februar 2018. 25.387 2018Stadt Iserlohn: Beiträge zur Stadtforschung und Statistik (PDF; 333 kB), abgerufen am 23. Februar 2019. 25.286 2019Stadt Iserlohn: Beiträge zur Stadtforschung und Statistik (PDF; 819 kB), abgerufen am 15. März 2020. 25.240 2020Stadt Iserlohn: Beiträge zur Stadtforschung und Statistik (PDF; 1,5 MB), abgerufen am 19. Januar 2021. 25.084 2021Stadt Iserlohn: Kurzinfo Bevölkerungsstand (PDF; 805 kB), abgerufen am 2. Februar 2022. 24.935 2025 24.850

Politik Wappen mini|hochkant=0.4|Wappen Letmathe Das Wappen der ehemaligen Stadt geht zurück auf das Wappen der Herren von Letmathe und wurde 1936 anlässlich der Verleihung der Stadtrechte als Wappen bestätigt.

Wappenbeschreibung: In silbernem, mit Hermelin belegten Schilde ein dreireihig rot-golden geschachter Balken, darüber wachsend ein roter Löwe.Walter Hostert, Wappen, Siegel und Fahnen des märkischen Kreises und seiner Städte und Gemeinden, S. 18–19 Es handelt sich um den Löwen der Grafschaft Limburg und gibt die frühere Zugehörigkeit Letmathes zu Limburg an. Im mittleren Feld verläuft ein rot-gelb geschachter Balken (3:8), das Zeichen der Grafschaft Mark, die Lehnsrechte in Letmathe hatte.

Die Hermelinschwänze werden auch Kaulquappen oder Külinge genannt. Die Külinge sind das Familienzeichen einer Linie derer von Letmathe (Letmathe-Küling).

Städtepartnerschaft Seit 1966 besteht eine Städtepartnerschaft mit der französischen Stadt Auchel. Unter anderem findet seit den 1970er Jahren ein regelmäßiger Schüleraustausch zwischen den deutschen und französischen Schulen statt. Seit der Eingliederung Letmathes nach Iserlohn 1975 wird die Städtepartnerschaft von der Stadt Iserlohn fortgeführt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Skulpturen Brückenzoll von Gordon Brown in Letmathe

Museen Städtisches Museum im Haus Letmathe Deutsches Höhlenmuseum Iserlohn Ostdeutsche Heimatstuben und Heimatmuseum Ohlau

Besondere Sehenswürdigkeiten Dechenhöhle

Bauwerke Das Haus Letmathe ist ein altes Herrenhaus, in dem – nebst anderen Besitzern – die Herren derer von Letmathe und von Brabeck residierten. Heute ist das Gebäude im Eigentum der Stadt Iserlohn. Markantestes Gebäude ist die auch „Lennedom“ genannte Pfarrkirche St. Kilian, eine 1917 geweihte neugotische Hallenkirche. Das Letmather Rathaus wurde 1903/1904 mit neugotischen und Jugendstilelementen erbaut und war anfangs das Amtshaus des Amtes Letmathe-Oestrich. Ab 1936 war es dann das Rathaus der Stadt Letmathe. Erwähnenswert sind weiterhin einige Straßenzüge in Letmathe und Oestrich u. a. mit alten Fachwerkhäusern: Bachstraße in Letmathe und Kirchstraße in Oestrich. Auf dem nordwestlich von Letmathe gelegenen hohen Humpfert steht seit 1908 der Humpfertturm, ein 10 m hoher, seit 1941 auch Carl-Hassel-Turm genannter Aussichtsturm.Humpfertturm Wissenskarte auf medienwerkstatt-online.de

Regelmäßige Veranstaltungen mini|Kiliankirmes 2025 mini|Brückenfest 2011 Die Kiliankirmes findet in jedem Jahr am dritten Wochenende im Juli statt. Sie geht auf das Patronatsfest des Heiligen Kilian zurück und wurde 2006 zum 555. Mal gefeiert. Die Kirmes wird traditionell am Freitagnachmittag durch den Bürgermeister der Stadt Iserlohn eröffnet und von Bürgern aus nah und fern besucht. Am Montagabend bildet stets ein Feuerwerk den Abschluss. Eine Besonderheit ist, dass die Stadt Iserlohn unmittelbarer Veranstalter der Kirmes ist. Nicht zuletzt daher treffen sich traditionell am Montag Vertreter der Stadtverwaltung und der lokalen Politik mit Bürgern im Kirmesfestzelt zum Frühschoppen.