Tutuala ist ein Suco im osttimoresischen Verwaltungsamt Tutuala (Gemeinde Lautém), an der Ostspitze der Insel Timor. 1936 wurde Tutuala von den Portugiesen in Nova Sagres umbenannt. Doch der Name setzte sich nicht durch und einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte man zum alten Namen zurück.Boletim Oficial, XXXVII Ano - Numero 21, Govêrno Colonial, Diploma Legislativo N°85, 27. Mai 1936.João Soares: Novo Atlas Escolar Português, 5. aktualisierte Auflage, Lisboa 1954
Geographie
Der Suco Tutuala bildet den östlichsten Punkt der Insel Timor. Westlich liegt der ebenfalls zum Verwaltungsamt Tutuala gehörende Suco Mehara und der zum Verwaltungsamt Lospalos gehörende Suco Muapitine. Im Norden befindet sich die Bandasee mit der Straße von Wetar (, das Frauenmeer) und im Süden die Timorsee (, das Männermeer). Am Ostende Timors verläuft von Kap Cutcha (Cabo Cutcha) im Norden nach Süden verlaufend ein kleiner Küstenabschnitt. Hier liegt gegenüber dem Strand von Valu, auf der anderen Seite eines 600 Meter breitem Kanals, die Insel Jaco, die zum Suco Tutuala gehört. Der Fluss Vero mündet am Südufer des Sucos in die Timorsee. Nordwestlich vom Ort Tutuala liegt der kleine Lagoa Zeleha, ein See, der durch einen Fluss gespeist wird und durch seinen Abfluss mit der Straße von Wetar verbunden ist.
Vor der Gebietsreform 2015 hatte Tutuala eine Fläche von 119,69 km². (Zensus 2010; PDF; 22,6 MB) Die Grenze zu Mehara wurde begradigt und Tutuala gab Gebiete im Südwesten an Muapitine ab. Nun hat Tutuala eine Fläche von 92,10 km², die sich aufteilen in die vier Aldeias Ioro, Pitileti, Tchailoro (Chailoro, Cailoro) und Vero. (portugiesisch; PDF; 323 kB)
Das Dorf Tutuala ist der Hauptort des gleichnamigen Verwaltungsamts. Der Ort liegt etwa 190 km in Luftlinie östlich von der Landeshauptstadt Dili, auf einer Meereshöhe von , im Norden des Sucos. Zur Gemeindehauptstadt Lospalos sind es 32 km. Tutuala ist von Lospalos aus mit einem Minibus (Mikrolét) über eine schlecht ausgebaute Straße zu erreichen. Nah dem Dorf liegt das Kap Cutcha (Cabo Cutcha), am östlichsten Ende der Insel Timor. Zum Kap und dem Strand von Valu, gegenüber der Insel Jaco, führt vom Ort eine nicht asphaltierte Straße, steil herab durch den Wald.
Die meisten Häuser sind einfache Hütten. Am östlichen Ende des Dorfes steht eine Villa aus der Kolonialzeit, die heute eine Pension (Pousada) beherbergt. Früher residierte hier der koloniale Administrator Tutualas. Regionale Bedeutung hat die Grundschule (Escola Primaria Tutuala)Liste der Wahllokale zu den Parlamentswahlen in Osttimor 2007 (PDF-Datei; 118 kB) und die Polizeistation. Daneben verfügt das Siedlungszentrum auch über eine medizinische Station. (PDF; 389 kB) Die Kirche São José de Tutuala wurde 1972/73 vom Salesianer Pater Bernardo João Soares errichtet, der von Kap Verde stammte. Der Liurai Joaquim Fonseca de Tutuala stellte das Land zur Verfügung.
In Nachbarschaft vom Ort Tutuala liegen südwestlich die Orte Ioro, Tchailoro und Vero und südöstlich das Dorf Pitileti (Piti Leti, Petileti). Westlich von Vero liegt an der Straße nach Mehara die Quelle von Came Ira.Helen K. Larson, Duncan Buckle, Jessica Lynas, Andrew Storey, Chris Humphrey: Additional records of freshwater fishes from Timor-Leste, with notes on the fish fauna of the unique closed Irasiquero River system, The Beagle, Records of the Museums and Art Galleries of the Northern Territory, 2007 23: 131–135.
Im Verwaltungsamt Tutuala gibt es über 30 Kalksteinhöhlen und Felsüberhänge. So liegen nah dem Ort Tutuala zum Beispiel Ile Kére Kére (Ili-kere-kere), Lene Hara, Lene Kici, Acitaukuru und Jerimalai.Sapo.tl: , abgerufen am 9. September 2014. Die Höhle des Ponors Lenetulu reicht mindestens 170 Meter weit unter die Erde, bis in eine Tiefe von 51 Metern. Die Haupthalle beeindruckt mit einer Breite von mehr als zehn Metern.Fatuk-Kuak Hosi Timor Lorosa’e: Caves of Timor-Leste, S. 32–34, abgerufen am 1. Januar 2020.
Der Suco ist Teil des Nationalpark Nino Konis Santana.
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Jahr Durchschnittliches Tagesmaximum [°C]30303132323232333332313133 Durchschnittliches Tagesminimum [°C]23232324242424242424242423 Durchschnittliche Regenmenge [mm]511,8446,5336,3210,8238,3175,1182,9160,3170,3186,5324,7413,63357,1 Jahreszeit Regenzeit Trockenzeit Regenzeit
Einwohner mini|Tänzer in Tutuala in traditioneller Tracht
Im Suco Tutuala leben 1.329 Einwohner (2022), davon sind 646 Männer und 683 Frauen. Im Suco gibt es 245 Haushalte. Über 99 % der Einwohner geben Fataluku als ihre Muttersprache an. Eine Minderheit spricht Tetum Prasa.Ergebnisse des Zensus 2010 für den Suco Tutuala (tetum; PDF; 8,6 MB) Neben Liedern auf Fataluku, werden bei Feiern auch solche in der „Handelssprache“ gesungen. Dabei handelt es sich um Leti, der Sprache der indonesischen Leti-Inseln, die man segelnd innerhalb eines Tages erreichen kann. Traditionell gab es einen regen Handel zwischen Tutuala und den Leti-Inseln, unter anderem mit Batik-Sarongs. Seit der Unabhängigkeit Osttimors 2002 ist der Handel über die nationalen Grenzen zurückgegangen.Lisa Palmer, Demétrio do Amaral de Carvalho: (PDF; 343 kB), abgerufen am 28. Dezember 2012
Geschichte mini|Einwohner an der Ostküste Tutualas um 1900 mini|Ein Graffiti im Ort Tutuala mit dem Wort für „Mörder“ klagt die Verbrechen von 1999 an
In den über 30 Höhlen und Felsüberhängen von Tutuala wurden Tausende von Bildern an die Wände gemalt. So zum Beispiel in Ile Kére Kére und Lene Hara. Weitere Felsmalereien finden sich an den Steilküsten von Tutuala und Tunu Taraleu, in Lene Kici und Lene Cécé.Sue O’Connor: Nine New Painted Rock Art Sites from East Timor in the Context of the Western Pacific Region, S. 19 ff., Asia Perspectives, Vol.42, No.1, 2003, abgerufen am 6. April 2020. In Jerimalai entdeckten Archäologen 42.000 Jahre alte Relikte.Sue O’Connor, Matthew Spriggs, Peter Veth: (PDF; 1,2 MB)
Im Suco befinden sich Überbleibsel mehrerer Befestigungsanlagen (, fataluku: lata irinu), mit denen die Fataluku früher ihre Siedlungen schützten.Peter V. Lape: Chronology of Fortified Settlements in East Timor (PDF; 2,2 MB), Department of Anthropology, University of Washington, Seattle, Washington, USA So liegen im Flusstal des Veros im Norden die Bergfestung Mapulu und westlich des Unterlaufes auf dem Gebiet des Sucos Muapitine weitere ehemalige befestigte Wohnstätten Nahe dem Ort Tutuala liegen zum Beispiel die Tranqueiras von Hi Maka Loli, Cailoro Lata und Haro. Auf der Insel Jaco finden sich mindestens drei Stellen mit Überresten von alten Befestigungsanlagen.Sue O’Connor, Andrew McWilliam, Sally Brockwell: Forts and Fortification in Wallacea: Archaeological and Ethnohistoric Investigations, S. 259, ANU Press 2020.
Wie viele der Ethnien Timors hat auch jeder Clan der Fataluku (ratu) einen eigenen Gründungsmythos, der von der Einwanderung der Vorfahren nach Timor erzählt. Eine Besonderheit bilden der Kati ratu und der Tutuala ratu. Deren Sagen erzählen, dass sie von ihrer jetzigen Heimat stammen, was darauf hinweist, dass sie möglicherweise länger auf Timor sind, als andere Fataluku und von ihnen kulturell assimiliert wurden. Die Ältesten des Tutuala ratu werden traditionell „Herrn des Landes“ (mua ocawa) genannt. Ihnen fallen daher besondere Rechte und Pflichten bei Zeremonien zu. (PDF; 171 kB)John Norman Miksic, Geok Yian Goh, Sue O Connor: Rethinking Cultural Resource Management in Southeast Asia: Preservation, Development, and Neglect. 2011, ISBN 978-0-85728-389-4.
1999 kam es auch in Tutuala zu Gewalt im Umfeld des Unabhängigkeitsreferendums in Osttimor 1999. Noch Jahre später konnte man im Ort die Ruinen zerstörter Gebäude sehen.
Politik Bei den Wahlen von 2004/2005 wurde António da Fonseca zum Chefe de Suco gewählt und 2009 in seinem Amt bestätigt. Bei den Wahlen 2016 gewann Tito Caetano und 2023 Estanislau dos Santos.Portal Municipal Lautém: Membru Konselho Konsultivu, abgerufen am 25. Oktober 2025.
2023 wurden als Chefe de Aldeias gewählt: Jeremias Menezes (Ioro), Mariano dos Santos (Pitileti), Tito Martins (Tchailoro) und Ernesto Pereira (Vero).Portal Municipal Lautém: Wairoque, abgerufen am 25. Oktober 2025.
Persönlichkeiten Caetano Lopes Ximenes (1954–2023), Unabhängigkeitsaktivist Nino Konis Santana (* 1957 in Vero; † 1998), Freiheitskämpfer Arsénio Pereira da Silva (* 1973), Aktivist und Politiker
Weblinks
Ergebnisse des Zensus 2010 für den Suco Tutuala (tetum; PDF; 8,6 MB) Ergebnisse des Zensus 2015 für den Suco Tutuala (tetum; PDF) Seeds of Life: Suco information sheets Tutuala (tetum) Protecting the Rock Art of Tutuala
Einzelnachweise
Kategorie:Suco in Lautém (Gemeinde) Kategorie:Tutuala (Verwaltungsamt)