mini|Fallschirmjäger der 25. US-Infanteriedivision während einer Übung in Alaska mini|Absetzen von Marinefallschirmjägern aus einer Antonow An-26 der russischen Pazifikflotte (2009)
Fallschirmjäger sind Teil der Luftlandetruppen, deren originäre Hauptaufgabe nach erfolgtem Absetzen der infanteristische Kampf ist. Die Luftlandung kann mittels Fallschirmsprung oder Hubschraubern durchgeführt werden, wobei nur solche Einheiten als Fallschirmjäger bezeichnet werden, die dazu qualifiziert und ausgerüstet sind, mit einem Fallschirm im Einsatzraum abgesetzt zu werden. Andere Truppenteile der Infanterie gehören zur leichten Luftlandeinfanterie.
In vielen Armeen – so auch in der Bundeswehr – bildet die Fallschirmjägertruppe eine eigene Truppengattung innerhalb der Infanterie der Teilstreitkraft Heer.
Werden Soldaten über den Luftweg abgesetzt, ist dies für den Gegner oft überraschend. Die reine Verteidigung von Küsten und Verkehrswegen wird zu einer Gefahr; der Gegner ist sodann dazu gezwungen, auch im Hinterland Kampftruppen zu stationieren.
Entgegen ihrer Ausbildung werden Fallschirmjäger selten mit einer Luftlandung ins Einsatzgebiet gebracht. Bedingt durch die beschränkten Möglichkeiten im Sprung per Fallschirm – schwere Fahrzeuge und schwere Waffen können nicht herangebracht werden – sind Fallschirmjäger nur mit einer geringen und leichten Ausrüstung im Einsatz. Dies macht Fallschirmjäger jedoch zu einer schnell mobilisierbaren Eingreiftruppe, ungeachtet des Transportmittels, deren Nachschub wenig aufwendig ist. Da sie mangels Lastkraftwagen den größten Teil ihrer Ausrüstung zu Fuß transportieren, sind Fallschirmjäger besonders für unwegsames Gelände geeignet. Die leichte Ausrüstung der Fallschirmjäger ist auch ihr Nachteil: In einem Konflikt zwischen konventionellen Streitkräften wird der Gegner versuchen, mit schwerer Bewaffnung den Angreifer zurückzudrängen. Die Fallschirmjäger müssen also bald von (gepanzerten) Bodentruppen verstärkt oder abgelöst werden.
Eine Fallschirmsprungausbildung haben auch andere luftbewegliche Truppen wie Kampfschwimmer, Fernspäher und Spezialeinheiten, sie gehören jedoch nicht zu den Fallschirmjägern, haben nur bedingt einen Auftrag zum infanteristischen Kampf und sind mangels Stärke und Ausrüstung auch nur bedingt dazu befähigt.
Geschichte Vorgänger Die militärische Luftfahrt begann Ende des 18. Jahrhunderts mit der Verwendung von Fesselballons, um feindliche Stellungen auszuspähen. Aus einem solchen führte Charles Leroux am 14. April 1889 einen Fallschirmabsprung aus ca. 1000 m Höhe durch, der aber als Rettungssprung diente. Die Geschichte des Fallschirmspringens selbst reicht weiter zurück. Mit der ersten größeren Verwendung von Flugzeugen während des Ersten Weltkrieges (1914–1918) sahen die Armeen auch ein größeres Anwendungsfeld für den militärischen Fallschirmabsprung. Den ersten bekannten Luftlandeeinsatz führten am 4. Oktober 1916 Oberleutnant Maximilian von Cossel und Vizefeldwebel Rudolf Windisch nach einer Luftanlandung an der Ostfront durch. Der erste bekannte Sprungeinsatz war im August 1918, als vier italienische Offiziere hinter den österreichischen Linien absprangen. Im Oktober 1918 sprang eine französische Sabotagetruppe mit Fallschirmen in den Ardennen ab.Albert Merglen: Geschichte und Zukunft der Luftlandetruppen, Freiburg/Breisgau 1970, S. 14 f.
Noch während des Krieges entwickelte der US-Generalmajor Billy Mitchell (1879–1936) das erste umfassende Luftlandekonzept. Er plante den Einsatz einer kompletten Division, die mit 2.000 Flugzeugen hinter der deutschen Frontlinie abgesetzt werden sollte. Das Unternehmen war für das Jahr 1919 vorgesehen und wurde nach dem Waffenstillstand von Compiègne (11. November 1918) abgesagt. Mitchell trat auch in den folgenden Jahren für sein Konzept ein, ohne sich jedoch durchsetzen zu können. Trotzdem demonstrierte er 1928 bei einem Manöver erfolgreich das Absetzen von sechs Fallschirmjägern. Auch in Frankreich wurde derartigen Ideen keine Beachtung mehr geschenkt.
Trotz der durch Zivilisten schon vor dem Ersten Weltkrieg und den bei Fallschirm-Notabsprüngen von Piloten manuell erfolgten Fallschirmsprüngen, wurden Fallschirmjäger und Sonderverbände nur im automatischen Fallschirmsprung ausgebildet. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in den 1950er Jahren besonders in Frankreich die stabile Freifallhaltung entwickelt und manuelle Fallschirmsprünge durchgeführt. Im Zuge dessen erlangte auch der Fallschirmsport Verbreitung.
Aufbau moderner Verbände mini|Fallschirmjäger der Bundeswehr üben in Malmsheim.
Zwischen den Weltkriegen Nach einer anfänglichen Experimentierphase stellte die Rote Armee im August 1930 die erste Luftlandetruppe auf, die bis 1932 auf Brigadestärke (450 Fallschirmjäger; 18 Flugzeuge) anwuchs. Bei einem Manöver im Kiewer Militärbezirk 1935 konnten bereits 1.800 Fallschirmjäger abgesetzt werden, die von 5.700 weiteren Luftlandesoldaten unterstützt wurden. Im Jahr darauf kämpften bei einem weiteren Manöver 1.200 Fallschirmjäger einen Flugplatz frei, was von ausländischen Militärbeobachtern wie Kurt Student und Archibald Wavell verfolgt wurde. Bis 1941 wuchs die sowjetische Luftlandetruppe auf drei Korps an, die jeweils drei Brigaden zu je 1.200 Mann umfassten. Diese Verbände kamen erstmals im Sommer 1939 beim japanisch-sowjetischen Grenzkonflikt an der Grenze zur japanisch besetzten Mongolei unter Kriegsbedingungen zum Einsatz.Albert Merglen: Geschichte und Zukunft der Luftlandetruppen, Freiburg/Breisgau 1970, S. 15 f.
Am 29. Januar 1936 stellte die Wehrmacht die ersten deutschen Fallschirmjägerverbände, später auch Luftlandeverbände, durch Umgliederung von Infanteriedivisionen und deren Ausstattung mit leichter Ausrüstung und Bewaffnung auf. Bis zum 1. Juli wurden die Fallschirmregimenter 1 und 2 unter dem Kommando von Generalmajor Kurt Student aufgestellt und zur 7. Flieger-Division zusammengefasst, die der Luftwaffe unterstand. Zum ersten Einsatz dieser Verbände kam es im Zuge der Besetzung des Sudetenlandes, als im Herbst 1938 deutsche Luftlandetruppen bei Freudenthal hinter den tschechoslowakischen Linien landeten.Albert Merglen: Geschichte und Zukunft der Luftlandetruppen, Freiburg/Breisgau 1970, S. 19–22. Als Spitzname erhielten die deutschen Fallschirmjäger im Laufe des Krieges durch die Alliierten die Bezeichnung „Grüne Teufel“. Deren wesentlicher Unterschied zu Fallschirmverbänden anderer Nationen bestand darin, dass die Truppe nicht taktisch, sondern meist operativ eingesetzt wurde.
Die erste Fallschirmsprungschule wurde auf dem Flugplatz Stendal-Borstel eingerichtet, der weitere in Braunschweig und Wittstock/Dosse und im Verlauf des Krieges in Frankreich und Jugoslawien in Kraljevo und Pau folgten, in denen Truppenersatz ausgebildet wurde.
Zu ihrer Ergänzung wurde die 22. Infanterie-(Luftlande)-Division und als Ersatz für diese 1944 die 91. (LL) Infanterie-Division mit unterstelltem Fallschirmjäger-Regiment 6 aufgestellt und mit leichter Ausrüstung für die Luftverlegbarkeit umgegliedert.
Die französische Luftwaffe stellte 1937, wohl in Reaktion auf die sowjetischen Fortschritte, die 601. und 602. Luftinfanteriegruppe auf. Jedoch fand diese neue Truppe wenig Beachtung. Italien experimentierte bereits seit 1927 mit Luftlandetruppen, bevor zwischen 1936 und 1938 die ersten zwei Fallschirmjäger-Bataillone aufgestellt wurden. Bis zum Zweiten Weltkrieg (1939–1945) wurden diese Truppen jedoch nicht eingesetzt, sondern ebenso wie in den britischen Streitkräften lediglich per Flugzeug zu ihren Einsatzorten transportiert. Großbritannien stellte keine Fallschirmjägerverbände auf, sondern nutzte Flugzeuge lediglich wie im Nahen Osten für die Verschiebung von Truppen via Lufttransport.Albert Merglen: Geschichte und Zukunft der Luftlandetruppen, Freiburg/Breisgau 1970, S. 16–19.
Zweiter Weltkrieg Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg mini|Deutsche Fallschirmjäger bei der Landung auf Kreta 1941
Während des Zweiten Weltkriegs kam es zu zahlreichen Einsätzen von Luftlandetruppen. Den ersten Einsatz führte die Rote Armee im Winterkrieg 1939/40 in Finnland und im Sommer 1940 bei der Besetzung von Bessarabien durch. Diese Unternehmen scheiterten unter großen Verlusten, da die Truppen nur örtlich in kleinen Gruppen abgesetzt wurden.Albert Merglen: Geschichte und Zukunft der Luftlandetruppen, Freiburg/Breisgau 1970, S. 26.
Deutsche Fallschirmjäger nahmen im April 1940 bei der Durchführung des Angriffs auf Dänemark und Norwegen (→ Unternehmen Weserübung) vor allem operativ wichtige Flugplätze und Verkehrsknotenpunkte ein und ermöglichten damit das Einfliegen weiterer deutscher Verbände.Dazu im Detail: Hans-Martin Ottmer: „Weserübung“ – Der deutsche Angriff auf Dänemark und Norwegen im April 1940, München 1994.
Im Mai während des Westfeldzuges kamen die Fallschirmjäger und Luftlandeverbände wieder zum Einsatz. Sie eroberten operativ wichtige Brücken in Holland und Belgien mit dem belgischen Sperrfort Eben-Emael und banden durch die Luftlandung im Rücken große Teile der niederländischen und belgischen Kräfte.Ein Überblick findet sich in: Hans Umbreit: Der Kampf um die Vormachtstellung in Westeuropa. In: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd. 2, Stuttgart 1979, S. 284–307.
Im folgenden Jahr eroberten deutsche Fallschirmjäger am 26. April 1941 beim Angriff auf Griechenland den taktisch wichtigen Übergang über den Kanal von Korinth. Den Höhepunkt des strategisch-operativen Einsatzes der deutschen Fallschirmjäger bildete vom 20. Mai bis zum 1. Juni 1941 die verlustreiche Eroberung der Insel Kreta beim → Unternehmen Merkur.Dazu im Detail: Hans-Otto Mühleisen: Kreta 1941 – Das Unternehmen „Merkur“ 20. Mai bis 1. Juni 1941, Freiburg/Breisgau 1968. Dabei zeigte sich, dass Luftlandeoperationen im automatischen Fallschirmsprung (Öffnung des Schirms automatisch unmittelbar beim Absprung) in Landezonen, in deren Nähe oder in denen sich Feindkräfte befinden, zu hohen Verlusten führen. Insbesondere die Transportflugzeuge sind, da sie eine längere Strecke in sehr niedriger Flughöhe anfliegen müssen, durch Beschuss mit Flak und auch mit Handfeuerwaffen stark gefährdet. Nach diesem Einsatz wird Hitler am 17. Juli der Ausspruch zugeschrieben, dass die Zeit der Fallschirmtruppe nun vorüber sei, weil sich ihr Überraschungseffekt verflogen hätte. Im weiteren Verlauf des Krieges wurden zwar noch weitere sieben Fallschirmdivisionen aufgestellt, doch trugen sie diese Bezeichnung nur aus Prestigegründen. Für den Fallschirmsprungeinsatz ausgebildet und ausgerüstet waren nur zwei Fallschirmjägerdivisionen.Albert Merglen: Geschichte und Zukunft der Luftlandetruppen, Freiburg/Breisgau 1970, S. 40 und 46.
Die Wehrmacht führte, auch bedingt durch die Verluste während der Eroberung Kretas, während des Russlandfeldzuges keine Luftlandungen in größerem Umfang durch. Verdeckte Einsätze nach Fallschirmsprung führte das Fallschirmjäger-Bataillon der Division Brandenburg durch, aus dem der Sonderverband Ost entstand.
Das Unternehmen Herkules zur Eroberung von Malta im Verbund mit italienischen Luftlandetruppen wurde abgesagt. Die nächste Luftlandeoperation nach Fallschirmsprung erfolgte erst 1943 während des Unternehmens Leopard auf der Insel Leros. Kräfte der 1. Fallschirmjäger-Division wurden während der alliierten Landung Operation Husky im Juli 1943 auf Sizilien durch Sprungeinsatz gegen alliierte Luftlandungen herangeführt. Die letzte Luftlandeoperation war während der Ardennenoffensive 1944 das Unternehmen Stößer.
Rote Armee