rechts|gerahmt|Darstellung der Handelsbilanz in Kontoform. mini|Einordnung der Handelsbilanz in die Zahlungsbilanz.

Die Handelsbilanz betrifft in der Volkswirtschaftslehre und konkret in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung den Außenhandel, also den grenzüberschreitenden Export und Import von Gütern eines Staates innerhalb einer bestimmten Rechnungsperiode. Dienstleistungen werden entsprechend in der Dienstleistungsbilanz erfasst. Sie ist eine wertmäßige Gegenüberstellung aller Importe (Einfuhren) und Exporte (Ausfuhren) einer Volkswirtschaft innerhalb eines bestimmten Zeitraums und wird daher auch Außenhandelsbilanz, Warenbilanz oder Warenhandelsbilanz genannt. Aus der Handelsbilanz eines Landes ergeben sich bei deren Ungleichgewicht Zahlungsforderungen bzw. -verpflichtungen an das Ausland (Handelsbilanzüberschuss bzw. Handelsbilanzdefizit genannt).

Die Handelsbilanz steht an oberster Stelle in der Leistungsbilanz und wird als deren wichtigste Unterbilanz angesehen. Als Teil der Leistungsbilanz – und somit auch Teil der Zahlungsbilanz – bietet sie eine wichtige Grundlage für wirtschaftspolitische Entscheidungen und Maßnahmen.

Geschichte Erste wissenschaftliche Ansätze fand der Begriff der Handelsbilanz bereits im 17. Jahrhundert unter der Lehre des Merkantilismus. Besonderes Augenmerk wurde in dieser Zeit auf die Ansammlung von Edelmetallen und Geld gelegt. Weniger das Volumen dieser Zahlungsmittel, als vielmehr der aktive Umgang mit und deren Einsatz im Außenhandel wurden studiert und diskutiert. Der Handel wurde als Ursprung des Volkswohlstandes verstanden, womit der Handelsbilanz im Zeitverlauf eine stetig wachsende Aufmerksamkeit zukam. Besonders die Schriftstücke des englischen Kaufmanns Thomas Mun werden in diesem Zusammenhang gerne zitiert.

Systematik Die einzelnen Teilbilanzen der Zahlungsbilanz erfassen die Transaktionen wie folgt:Gregor Kolck/Karen Lehmann/Simone Strohmeier, Volkswirtschaftslehre, 2001, S. 103

Art der Bilanz Aktivseite Passivseite Handelsbilanz Exporte Importe Kapitalbilanz Kapitalimporte Kapitalexporte Devisenbilanz Verminderung der Währungsreserven bei der Zentralbank Erhöhung der Währungsreserven bei der Zentralbank Übertragungsbilanz Übertragungen aus dem Ausland Übertragungen an das Ausland

Die Handelsbilanz ist stets durch Gegenbuchung mit einer anderen Teilbilanz verbunden. So führt beispielsweise der Export einer Maschine in das Ausland zu einer Einnahme (Exporterlös), die in der Devisenbilanz erscheint. Als empfangene Zahlung wird der Export auf der Aktivseite der Devisenbilanz und der Passivseite der Handelsbilanz verbucht.Hubertus Adebahr, Währungstheorie und Währungspolitik, 1990, S. 41

Aufbau und Formen der Handelsbilanz mini|Darstellung des Handelsbilanz-Überschusses bzw. -Defizits in Kontenform mini|Nettoexporte im Ländervergleich

Die vorwiegend in Staffelform dargestellte Handelsbilanz gliedert sich in Soll und Haben. Auf der Sollseite werden die Warenexporte, auf der Habenseite die Warenimporte wertmäßig erfasst. Die Veröffentlichung erfolgt nach General-/Spezialhandel, die Gliederung primär nach Warengruppen (z. B. Nahrungsmittel, Rohstoffe, Fertigwaren) oder Ländern bzw. Regionen und ist als Monats- oder Jahresnachweis verfügbar.Statistisches Bundesamt (Destatis): Infoblatt Außenhandel: Ursachen für Asymmetrien in den Außenhandelsstatistiken. Abgerufen am 28. Dezember 2017. Die Handelsbilanz kann grundsätzlich drei Formen aufweisen: Ausgeglichene, positive oder negative Handelsbilanz.

Ausgeglichene Handelsbilanz Es gilt: . Entsprechen die Exporte wertmäßig genau den Importen, so spricht man von einer ausgeglichenen Handelsbilanz. Aufgrund des meist regen Warenverkehrs der Länder ist ein solches Gleichgewicht jedoch höchst unwahrscheinlich, denn es gibt bei Staaten bestimmte Schwerpunkte nach Exportorientierung (Exportweltmeister) oder Importorientierung.

Positive Handelsbilanz Es gilt: . Übersteigt die Summe der Ausfuhren (Warenexporte) die Summe der Einfuhren (Warenimporte), so ergibt sich eine aktive bzw. positive Handelsbilanz. Dieser Zustand wird auch als Handelsbilanzüberschuss bezeichnet. Liegen die Export-Einnahmen über den Import-Ausgaben, so entsteht ein Habensaldo. Dieser geht in die staffelförmige Zahlungsbilanz mit einem positiven Vorzeichen ein. Ein Handelsbilanzüberschuss führt in Zusammenhang mit der Leistungsbilanz zu einem Kapitalexport. Dieser wird auch als positiver Nettoexport bezeichnet. Die volkswirtschaftlichen Effekte sind im Abschnitt volkswirtschaftliche Effekte: Handelsbilanzüberschuss beschrieben.

Negative Handelsbilanz Es gilt: . Im umgekehrten Fall, also wenn die Importe die Exporte übersteigen, spricht man von einer passiven oder negativen Handelsbilanz bzw. einem Handelsbilanzdefizit. Der entstandene Sollsaldo geht dann mit einem negativen Vorzeichen in die Zahlungsbilanz ein. Die Import-Ausgaben sind hier höher als die Export-Einnahmen. Ein Handelsbilanzdefizit entspricht einem Kapitalimport, welcher auch als negativer Nettoexport bezeichnet wird.

Erstellung mini|Weltweite Handelsbilanzen: Grün – positiv, rotbraun – negativ Deutschland Die Handelsbilanz wird vom Statistischen Bundesamt errechnet. Sie stellt die Differenz zwischen den Exporten und den Importen eines Landes dar. Die Außenhandelsbilanz (auch Außenhandelssaldo, Export- bzw. Importüberschuss genannt) fließt in die Leistungsbilanz der Deutschen Bundesbank ein. Im Rahmen der Zahlungsbilanzstatistik errechnet die Deutsche Bundesbank aus dem Außenhandel den sogenannten „Warenhandel“. Der Warenhandel nach der Methodik der Zahlungsbilanzstatistik setzt sich zusammen aus der Summe des Außenhandels (in der Abgrenzung der amtlichen Außenhandelsstatistik), der Ergänzungen zum Außenhandel sowie der Nettoausfuhr von Waren im Transithandel und der Aus- und Einfuhr von Nichtwährungsgold.

Die Position „Ergänzungen zum Außenhandel“ dient der rechnerischen Überleitung vom Außenhandels- zum Zahlungsbilanzkonzept. Während die Außenhandelsstatistik, wie oben beschrieben, auf dem Grenzübergangskonzept beruht, ist für die Zahlungsbilanz der Eigentumsübergang zwischen Inländern und Ausländern maßgeblich. Die Ergänzungen zum Außenhandel enthalten sowohl Zusetzungen als auch Absetzungen zum Außenhandel. Warenströme, die in der Außenhandelsstatistik berücksichtigt werden, in der Zahlungsbilanz jedoch nicht, führen zu Absetzungen vom Außenhandel. Dazu gehören beispielsweise Warenbewegungen in Verbindung mit Lohnveredelungsleistungen. Entsprechend müssen Zusetzungen zum Außenhandel vorgenommen werden, sofern der Eigentumswechsel zwischen deutschem Händler und dem Ausländer nicht zu einem Grenzübertritt geführt hat. Die Ergänzungen zum Außenhandel ergeben sich aus dem Saldo der Zu- und Absetzungen zum Außenhandel.

Des Weiteren wird der Warenwert in der Außenhandelsstatistik an der deutschen Grenze (Ausfuhr: FOB-Preis, Einfuhr: CIF-Preis) bewertet, während Waren in der Zahlungsbilanz mit ihrem Wert an der Grenze des exportierenden Landes (Ausfuhr: FOB-Preis, Einfuhr: CIF-Preis) ausgewiesen werden. Daher müssen die im Einfuhrwert der Außenhandelsstatistik enthaltenen Transport- und Versicherungskosten (cif-Kosten der Einfuhr) abgesetzt und im Falle eines ausländischen Transporteurs den entsprechenden Dienstleistungspositionen zugeordnet werden.Statistisches Bundesamt (Destatis): Globalisierungsindikatoren: Unterschiede zwischen den Konzepten der VGR und der Außenhandelsstatistik. Abgerufen am 28. Dezember 2017.

Österreich Die in Österreich zumeist als Außenhandelsstatistik bezeichnete Handelsbilanz wird von der Statistik Austria (Bundesanstalt Statistik Österreich) erstellt und veröffentlicht und wird im Rahmen der Zahlungsbilanz auch in den Publikationen der Österreichischen Nationalbank präsentiert. Ebenso wie in Deutschland erfolgt die österreichische Datenerhebung nach zwei Methoden in drei Bausteinen (Ex-/Intrastat und Korrektur). In der Extrastat erfasst die Statistik Austria den Warenverkehr mit Drittländern. Die Erhebung erfolgt durch Meldung der Zollbehörden. Warenströme innerhalb der EU werden in der Intrastat gelistet. Die Ermittlung erfolgt über die Direkterhebung bei Unternehmen, welche – abhängig vom Schwellenwert2007: 300.000 € – zum Einreichen detaillierter Monatsmeldungen verpflichtet sind.

Die Korrektur erfolgt (aus nationaler Sicht) auch hier in Bezug auf indirekte Ein- und Ausfuhren (Transithandel), Ausschluss der Lohnveredelungen und Zurechnung von Währungsgold. Die Darstellung der Handelsbilanz erfolgt nach Spezialhandel.STATISTIK AUSTRIA, Wien: Standard-Dokumentation Metainformation zu den Außenhandelsstatistiken. Bearbeitungsstand: 11. Dezember 2007 (Abgerufen: 16. Mai 2008, 19:00 UTC).

Schweiz Obwohl die Schweiz in Mitteleuropa liegt und von vier Euroländern eingeschlossen wird, ist sie kein Mitglied der Europäischen Union. Die Schweiz führt daher auch nicht zwei Handelsstatistiken (Intra-/Extrahandel), sondern bezieht all ihre Daten für die Handelsbilanz von den Zollanmeldungen. Es wird das Spezialhandelskonzept verfolgt, welches alle Waren ab einem Wert von 1000 Schweizer Franken (CHF) und über 1000 kg (m/l/Stück) erfasst. Eingeschlossen ist der Veredelungsverkehr, jedoch nicht der Transit- und Lagerverkehr. Das Schweizer Erhebungsgebiet umfasst nicht nur das Schweizer Territorium mit Ausnahme der Talschaften Samnaun und Sampuoir, sondern auch das Fürstentum Liechtenstein und die deutsche Exklave Büsingen.

Asymmetrien Die Handelsbilanzen zweier Länder können aufgrund unterschiedlicher Erfassungs- und Bewertungsmethoden voneinander abweichen. So entsprechen die deutschen Exportwerte in die USA selten den Importwerten der USA aus Deutschland. Diese Differenzen beruhen auf unterschiedlichen Ursachen und können mit zunehmender Entfernung und Detaillierungsniveau der Untersuchungsländer ansteigen.

Partnerland Unterschiedliche Partnerlandangaben sind eine der häufigsten und wichtigsten Ursachen für Spiegelbilddifferenzen. Bei den Exporten ist als Partnerland generell das letzte Bestimmungsland anzugeben, in dem die Ware ge- oder verbraucht bzw. be- oder verarbeitet wird. Bei Importen weist die deutsche Statistik grundsätzlich das Ursprungsland der Ware nach, in dem diese vollständig gewonnen oder hergestellt wurde. Erhoben wird auch das Versendungsland, also das Land, von dem aus die Ware direkt nach Deutschland geliefert wurde und das sich vom Ursprungsland unterscheiden kann.

Bei einem Vergleich der Außenhandelsdaten zweier Länder ist es wichtig, die Abgrenzung der Partnerländer zu beachten. So kann ein Vergleich zwischen den Exporten und den Importen zweier Länder unterschiedlich ausfallen, je nachdem, ob bei den Importen die Zahlen nach dem Ursprungs- oder dem Versendungslandkonzept zum Abgleich herangezogen werden. Der „Rotterdam-Effekt“: Eine Ware aus den USA wird an der Außengrenze der Europäischen Union (EU) in den Niederlanden in den zollrechtlich freien Verkehr der EU überführt und dann nach Deutschland geliefert. In diesem Fall erfassen die Niederlande neben einem Import aus den USA eine Intra-EU-Versendung nach Deutschland, während Deutschland gemäß dem Ursprungslandkonzept die Einfuhr einer Ware aus den USA mit Versendungsland Niederlande meldet. Vergleichbar sind die Außenhandelsergebnisse der Niederlande und Deutschlands in diesem Fall nur dann, wenn die deutschen Importe nach dem Versendungslandkonzept verwendet werden. Daher wird vom sog. „Rotterdam-Effekt“ gesprochen, wenn die Einfuhr, etwa von exotischen Früchten, nach dem Versendungsland Niederlande dargestellt wird. Spiegelbildliche Differenzen entstehen auch, wenn der Exporteur zum Zeitpunkt seiner Meldung nicht weiß, für welches Land die Ware letztendlich bestimmt ist und daher ein vorläufiges Bestimmungsland angibt. Dieses ist dann in den Ausfuhrdaten enthalten, während dem Einführer im endgültigen Bestimmungsland das Ursprungsland bekannt ist und dies entsprechend in der nationalen Statistik nachgewiesen wird.