Die Methodik (von griechisch methodikè téchne = die Kunst des Weges zu etwas hin) im Fachgebiet Pädagogik ist die „Wissenschaft“, „Kunst“ bzw. „Lehre“ von den Wegen zu den Zielen, die speziell in der Pädagogik erreicht werden sollen. Die Wortelemente hodós = Weg und metá = zu etwas hin bezeichnen dabei die enge Verbindung von Weg und Ziel, die das Verhältnis von Methodik und Didaktik charakterisiert.

Geschichte Die „Urszene“ (Terhart 2009) der Methodik ist von Platon im Dialog Menon beschrieben worden, indem Sokrates durch geschicktes Fragen einen ungebildeten Sklaven zur richtigen mathematischen Erkenntnis führt (Maieutik). Die Geburtsstunde der Didaktik und Methodik, die erste theoretische Durchdringung des Vermittlungsproblems, liegt im Werk von Comenius und Ratke im Barock. Mit Johann Heinrich Pestalozzi und Johann Friedrich Herbart erhielt der Elementarunterricht eine methodische Grundlegung, die die Herbertianer des 19. Jahrhunderts in ein striktes Schema der Formalstufen überführten. Die Reformpädagogik versuchte im 20. Jahrhundert neue Freiheiten für kindgerechtere Methoden zu gewinnen.

Didaktik und Methodik Wolfgang Klafki unterscheidet zwischen Didaktik und Methodik des Unterrichtens. Grob schematisch heißt es bei ihm:

Methodik handelt vom Wie, Didaktik vom Was.

Sowohl das Was als auch das Wie müssen begründbar sein. Prinzipiell ergibt sich das Wie aus dem Was, weshalb Methodik auch als ein Teilgebiet der Didaktik aufgefasst werden kann. Dies gilt auch dann, wenn dem Was das Wie nicht untergeordnet, sondern mit dem Berliner Modell eine Interdependenz gesehen wird.

Jeder Mensch lernt auf seine individuelle Art und Weise. Während ein Lerner alles beim Hören nachhaltig im Langzeitgedächtnis abspeichern kann, muss ein anderer es zusätzlich sehen. Andere wiederum müssen es im wahren Sinne des Wortes „begreifen“, also anfassen, um einen möglichst nachhaltigen Lerneffekt zu erzielen. Man spricht hier von verschiedenen Eingangskanälen. Es gibt unterschiedliche Lerntypen, auf die die Lernmethoden Rücksicht nehmen sollten.

Methodik ist also eine Konzeption, Lehrinhalte so zu vermitteln, dass sie möglichst viele Eingangskanäle des Lerners ansprechen. Nur so lässt sich ein nachhaltiger Lerneffekt erzielen, der über eine kurzfristige Lernkontrolle hinaus haften bleibt (vgl. Mehrdimensionales Lernen).

Die Reflexion über Methodik und der Einsatz möglichst vielfältiger Unterrichtsmethoden (methodische Varianz) sind deshalb wichtige Anforderungen in der Lehrerausbildung zur Unterrichtsvorbereitung.

Nach Wolfgang Klafki sollten nach der Bestimmung der Bildungsziele und Inhalte folgende methodische Planungsschritte vorgenommen werden:

Sicherung der organisatorischen Voraussetzungen des Unterrichts Gliederung/Stufung des Unterrichts in zeitliche Abschnitte oder Unterrichtsphasen, z. B. Unterrichtseinstieg, Erarbeitung, Sicherung, auch Artikulationsformen genannt Wahl der Unterrichts-, Arbeits-, Spiel-, Übungs- oder Wiederholungsformen Einsatz von Lehr- und Arbeitsmitteln, Unterrichtsmedien

Die Reflexion über Unterrichtsmethoden führt zu allgemeinen Unterrichtsprinzipien (Prinzip der Anschaulichkeit, der Schülerorientierung usw.) Handlungsempfehlungen und Unterrichtstechniken (z. B. vom Bekannten zum Unbekannten, jede Viertelstunde ein Methodenwechsel) theoriegeleiteten und praktisch erprobten Konzepten (Methoden im engeren Sinne)

Vom engeren Begriff Unterrichtsmethode wird die Lehrmethode für ein Konzept größerer Tragweite in der Literatur getrennt.

Unterrichtsmethoden/Organisationsformen Die eindeutige Einteilung der Unterrichtsmethoden macht Schwierigkeiten. So lassen sich gebundene (Lehrervortrag) und offene Methoden (z. B. Entdeckendes Lernen) abgrenzen.

Wieder andere Einteilungen von Methoden ergeben sich, wenn auch die äußere Organisation des Lernens betrachtet wird: Schulische (Klassen-, Fachraum, Schulgarten) und außerschulische Lernorte wie Museum, Gedenkstätte, Exkursion. Innere und äußere Differenzierung. Schulische Integration und Inklusion von Schülern mit Lernschwierigkeiten.

Unterrichtsmethoden Projektarbeit

Projektunterricht oder die Vorform des Projektorientierten Unterrichts sind methodisch anspruchsvolle Formen des Lehrens und Lernens mit komplexen Strukturen. Diese ergeben sich schon aus der fächerübergreifenden Arbeitsweise. Ein Projekt wird in einem bestimmten Zeitraum durchgeführt, wobei Start- und Endtermin festgelegt sind. Projekte befassen sich mit Themen oder Aktivitäten, die hohe methodische und organisatorische Anforderungen stellen. Zur Durchführung eines Projektes bedarf es einer strukturierten Organisation, die auf das Erreichen des Projektziels abgestimmt ist. Die Durchführung des Projekts erfolgt durch eine Projektgruppe, in der zu Beginn der Projektarbeit eine Projektleitung festgelegt wird, die den Weg zu den Teilzielen und die Aufteilung der Aufgaben moderiert.

Lernen durch Lehren (LdL)

Lernen durch Lehren ist eine Unterrichtsmethode (als Ganzes von Theorie und praktischer Umsetzunganweisungen), in der Schüler oder Studenten den Unterricht selbst – mit Hilfe des Lehrers – vorbereiten und durchführen. Mit dem Abhalten von Referaten oder mit Präsentationen darf diese Methode nicht verwechselt werden, denn bei Lernen durch Lehren müssen die Schüler die Klasse voll einbeziehen (Einbauen von Partnerarbeit und schüleraktivierenden Techniken). Auch mit dem Helfersystem (peer-teaching, Tutoring) darf die Methode nicht gleichgesetzt werden, denn während beim Helfersystem die Verantwortung ganz auf die Schüler delegiert wird, wird bei Lernen durch Lehren der Lehrprozess vom Lehrer intensiv überwacht und unterstützt. Die Übernahme der Lehreraufgaben durch Schüler kann einzelne Unterrichtssequenzen betreffen oder auch längere Einheiten. Bei einigen Lehrern übernehmen die Lernenden sogar den gesamten Unterricht von der ersten Stunde bis zum Ende des Schuljahres.

Mehrdimensionales Lernen

Das Mehrdimensionale Lernen kennzeichnet eine Methode des Unterrichtens, bei der einerseits mehrere Lerndimensionen des Schülers aktiviert und andererseits mehrere Lernwege zielorientiert miteinander verknüpft werden.Siegbert A. Warwitz, Anita Rudolf: Das Prinzip des mehrdimensionalen Lehrens und Lernens. In: Dies.: Projektunterricht. Didaktische Grundlagen und Modelle. Verlag Hofmann. Schorndorf 1977. S. 15–22 So kommen beispielsweise kognitive, sensorische, motorische, manuelle u. a. Begabungen bei der Bearbeitung desselben Lernstoffs nebeneinander und miteinander zum Einsatz und ermöglichen jedem Schüler individuelle Ansatzpunkte für sein Lernen. Die Lehr- und Lernweise ist eine Weiterentwicklung des „ganzheitlichen Lernens“, welche die Interdependenzen der menschlichen Veranlagungen nutzt.Corinna Weber: Interdependenzen zwischen Emotion, Motivation und Kognition in Selbstregulierten Lernprozessen: Befähigung zum lebenslangen Lernen durch Mehrdimensionalität der Lehr-Lernkonzeptionen. Diplomica, Hamburg 2012, ISBN 978-3-8428-7317-9, S. ? Es handelt sich um eine anspruchsvolle methodische Vorgehensweise, die vor allem bei komplexen und komplizierten Lernzielen und Lernvorhaben zum Einsatz kommt, etwa im Projektorientierten Unterricht oder beim Projektunterricht. Aber auch bei einfacher strukturierten Lernzielen wird durch das Mehrdimensionale Lernen eine größere Schülernähe und Lerneffizienz angestrebt, indem es die spezifischen Lernvoraussetzungen und Lernweisen des einzelnen Schülers stärker berücksichtigt und in die Lernprozesse einbezieht.Siegbert A. Warwitz: Die Fähigkeiten des Kindes. In: Ders.: Verkehrserziehung vom Kinde aus. Wahrnehmen-Spielen-Denken-Handeln. Verlag Schneider. Baltmannsweiler. 6. Auflage 2009. S. 37–49 Das Lernziel kann so auf verschiedenen Lernwegen erreicht werden. Die unterschiedlichen Lernverfahren ermöglichen zudem ein abwechslungsreicheres und nachhaltigeres Verarbeiten des Lernstoffs. Erfolg mit der Methode setzt allerdings bei der Lehrkraft eine fundierte didaktische Ausbildung voraus.

Programmiertes Lernen

Unter Programmiertem Lernen versteht man eine Methode des Lernens, die auf eine möglichst selbstständige Aneignung des Lernstoffs durch den einzelnen Schüler ausgerichtet ist. Sie geht auf die Vorarbeiten des Lernpsychologen B. F. Skinner zurück.B. F. Skinner: Erziehung als Verhaltensformung. Grundlagen einer Technologie des Lehrens. München: E. Keimer 1971, S. ? Dazu werden Aufgabenstellungen vorgegeben, die in kleinen Schritten und individuellem Lerntempo zu absolvieren sind. Eine Erfolgskontrolle nach jedem Lernschritt gibt den Weg zur nächsten Aufgabe frei. Während in den 1960er- und 1970er-Jahren die Programme noch wesentlich durch papierene Bildtafeln, Bilderreihen und Fragen durch das Programm führten, bestimmten mit dem Aufkommen des Computerzeitalters E-Learning-Programme zunehmend diese Lernform. Lernprogramme kommen sowohl in Theoriefächern wie dem Mathematik- oder Sprachunterricht als auch in Bewegungsfächern wie dem Sportunterricht zum Einsatz. Die Verkehrserziehung arbeitet etwa mit dem sogenannten Karlsruher 12-Schritte-Programm, mit dem sich Kinder unter Betreuung von Erwachsenen als Zeichen der Schulreife den ersten Alleingang als selbstständige Fußgänger im Straßenverkehr erschließen.

Sozialformen Unterricht lässt sich auch einteilen nach den praktizierten Sozialformen, d. h. der Art der Interaktion zwischen den Beteiligten. Möglich sind die Einzelarbeit, die Partnerarbeit, die Gruppenarbeit und das Unterrichtsgespräch mit allen Schülern. Besondere Formen sind:

Frontalunterricht

Im Frontalunterricht (auch direkte Instruktion) dominiert der Lehrer. Der Lehrstoff wird kursorisch als Lehrervortrag und als gelenktes Lehr-Gespräch veranschaulicht und vermittelt. In der frontalen Lernsituation wird unterstellt, dass alle zur gleichen Zeit und auf gleichem Wege die gleichen Inhalte lernen. Der Lernprozess (einschließlich der Arbeitsmittel) wird vom Lehrer zentral gesteuert; sie legen die Ziele fest, gliedern den Ablauf, stellen die Aufgaben und sichern das Ergebnis; alle Aufmerksamkeit ist auf sie gerichtet.

Stuhl-/Sitzkreis Zentrales Anliegen des Stuhlkreises ist es, den Schülern die Möglichkeit zur Mitbestimmung zu geben. Sie sollen gesellschaftliche Vorgaben erkennen und verstehen lernen und haben im Sitzkreis die Möglichkeit zur Diskussion. Dabei hat er eine zweifache Funktion: Unterrichtseinheiten werden im Stuhlkreis besprochen, Regeln für einen friedlichen Umgang werden festgelegt.

Verfahren und Geschichte Die Kinder wählen im Stuhlkreis einen Gruppenverantwortlichen, der darauf achten soll, dass arbeitsförderndes Verhalten gestärkt und arbeitshinderndes Verhalten ausgeschaltet wird. Der Lehrer steht hier als „letzte Instanz“ zur Wahl, denn die Kinder sollen versuchen, ihre Probleme selbst zu regeln, bevor sie auf seine Hilfe zurückgreifen. Wichtig ist es, dass jedes Gruppenmitglied einmal im Schuljahr die Position des Gruppenverantwortlichen durchläuft, um mit den Aufgaben und möglichen Problemsituationen konfrontiert zu werden. Der Sitzkreis gilt als wichtige Organisationsform. Ein Vorteil bei dieser Unterrichtsmethode besteht darin, dass jedes Kind die Möglichkeit zur Stellungnahme hat. Alle Kinder sind gleichberechtigt und können sich gegenseitig ansehen, wenn sie sprechen. Ein Problem ist, dass die Kinder leichter untereinander interagieren können und somit schnell vom Thema abgelenkt werden können.

Der Lehrer sollte darauf achten, dass das Umstellen der Tische und Stühle zügig und vorsichtig vonstattengeht. Seine Aufgabe ist es, einen Kreis ohne toten Winkel aufbauen zu lassen. Er muss sicherstellen, dass ein Moderator festgelegt wurde und dass die Ergebnisse anschließend gesichert werden.

Die Methode hat historisch verschiedene Wurzeln. Der Stuhlkreis ist außerdem ein Element der Freinet-Pädagogik.

Themen und Aufgaben