Stetten am kalten Markt (Stetten a. k. M.) ist eine Gemeinde und eine Ortschaft im Landkreis Sigmaringen in Baden-Württemberg. Überregional ist Stetten mit dem Truppenübungsplatz Heuberg, dem Lager Heuberg und der Alb-Kaserne als Militärstandort bekannt.

Geographie Geographische Lage Die Gesamtgemeinde Stetten am kalten Markt liegt mit ihrer Gemarkungsfläche von 5637 Hektar (Stand: 30. Juni 2014)Stetten in Zahlen auf der Internetseite der Gemeinde Stetten am kalten Markt; abgerufen am 4. Juli 2015 auf einer Höhenlage zwischen 640 und 866 Metern über dem Meeresspiegel. Die Gemeinde gehört zum ehemals badischen Teil des Heubergs und zum Naturpark Obere Donau. Durch den Stettener Ortsteil Storzingen fließt die Schmeie.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde gehören der Kernort Stetten am kalten Markt und die Ortsteile Nusplingen, Frohnstetten, Storzingen und Glashütte mit den Orten Unterglashütte und Oberglashütte.

Die Gemeinde Stetten am kalten Markt besteht aus den Gemeindeteilen Frohnstetten (mit dem Dorf Frohnstetten und dem Gehöft Schmeienhöfe), Glashütte (Baden) (mit den Dörfern Oberglashütte und Unterglashütte), Stetten am kalten Markt (mit den Dörfern Stetten am kalten Markt dem dazugehörigen Wohnplatz Nusplingen, dem Gehöft Steighöfe und den Häusern Auf dem Berg (Berghäuser), Heilstätte Heuberg, Kläranlage und Lager Heuberg) und Storzingen (mit dem Dorf Storzingen und dem Gehöft Neuhaus).Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4, S. 795–882.

Stetten, Nusplingen und Glashütte gehörten zum Land Baden, Frohnstetten und Storzingen gehörten bis 1849 zum Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen und danach zu den Hohenzollerischen Landen und waren somit preußisch.

Die Wüstung Weinitz im Hardt war ein Weiler auf der Gemarkung von Frohnstetten, der im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) abgegangen ist.

Wappen Ortsteil Einwohner(Stand: 30. Juni 2014) Fläche(Stand: 30. Juni 2014) 30px|Stetten am kalten Markt Stetten am kalten Markt (Kernort) 3051 2593 ha 30px|Kein Wappen verfügbar Nusplingen 226 30px|Frohnstetten Frohnstetten 1089 1459 ha 30px|Kein Wappen Verfügbar Glashütte 350 846 ha 30px|Storzingen Storzingen 352 739 ha

Schutzgebiete

Stetten am kalten Markt hat Anteil am Landschaftsschutzgebiet Donau- und Schmeiental und an den FFH-Gebieten Oberes Donautal zwischen Beuron und Sigmaringen, Schmeietal und Truppenübungsplatz Heuberg. Auch das Vogelschutzgebiet Südwestalb und Oberes Donautal liegt teilweise auf Stettener Gemarkung.

Stetten gehört außerdem mit dem größten Teil der Gemeindefläche zum Naturpark Obere Donau.Daten- und Kartendienst der LUBW

Geschichte mini|Stetten am Kalten Markt um 1900 mini|Übersichtskarte von Stetten am Kalten Markt um 1907

Funde im heutigen Gemeindegebiet belegen eine Besiedlung von circa 800 bis 600 vor Christus durch die Kelten. Der aus alemannischer Zeit stammende Ort wurde als „Stetten by Kaltenmark“ im Jahr 799 als Besitz des Klosters Reichenau urkundlich erwähnt und kam im 13. Jahrhundert an die Grafschaft Hohenberg. Im Jahr 1283 wurde Stetten als „befestigter Ort“ bezeichnet (oppidum).

1343 kam die Ortschaft an die Herren von Jungingen, 1350 an die Herren von Magenbuch. Die Landeshoheit lag seit 1381 de facto beim Haus Habsburg.Max Miller, Gerhard Taddey (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 6: Baden-Württemberg (= Kröners Taschenausgabe. Band 276). 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 1980, ISBN 3-520-27602-X, S. 760. Unter dieser österreichischen Oberhoheit erlebte Stetten seine Blüte mit den Herren von Hausen. Diese hatten die Ortschaft seit 1432 inne und erbauten im 16. Jahrhundert das Schloss (heute Rathaus).

In der napoleonischen Zeit kam Stetten zunächst zu Württemberg, 1810 im Grenzvertrag zwischen Württemberg und Baden zu Baden. Der heutige Ortsteil Frohnstetten war 1806 an Hohenzollern-Sigmaringen gelangt. 1910 wurde in Stetten der badische Truppenübungsplatz Heuberg eingerichtet.

In den Gebäuden eines früheren „Großkinderheimes“ nahe dem Lager Heuberg auf dem Areal des Truppenübungsplatzes wurde eines der ersten Konzentrationslager der Nationalsozialisten in Deutschland eingerichtet. Es existierte von März bis Dezember 1933. Etwa 15.000 Gegner des Nationalsozialismus wurden dort festgehalten, so z. B. der spätere erste Nachkriegsvorsitzende der SPD Kurt Schumacher sowie der Initiator der Auschwitzprozesse Fritz Bauer. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Heuberg Ausbildungslager für die bisher als „wehrunwürdig“ geltenden politischen Gegner des Regimes bzw. Kriminelle, die dort in der „Bewährungseinheit“ genannten Strafdivision 999 für den Kriegseinsatz in Sondereinheiten ausgebildet wurden, die den Rückzug regulärer Wehrmachtstruppenteile unter einkalkulierter eigener Vernichtung decken sollten. Allein 39 solcher „Bewährungssoldaten“ wurden innerhalb eines Jahres auf dem Heuberg ermordet. Seit 1983 erinnert ein von der SPD Baden-Württemberg errichtetes Mahnmal des Bildhauers Reinhard Bombsch bei der Drei-Tritten-Kapelle an die NS-Opfer des Heubergs. Auf dem Russenfriedhof wird seit 1986 auch der Opfer der Strafdivision 999 mit einem Gedenkstein gedacht. An eine unbekannte Zahl umgekommener sowjetischer Kriegsgefangener eines Kriegsgefangenenlagers, das ebenfalls auf dem Areal bestand, erinnert ein Gedenkstein mit einer eher verschleiernden Inschrift.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 85ff.

Von einer Startrampe auf dem Ochsenkopf des Truppenübungsplatzes startete am 1. März 1945 der Luftwaffenpilot Lothar Sieber in einer Bachem Ba 349 „Natter“ zum ersten bemannten Senkrechtstart eines Raketenflugzeugs. Sieber kam beim Absturz in der Nähe des Ortsteils Nusplingen ums Leben, seine sterblichen Überreste wurden am 3. März 1945 mit militärischen Ehren auf dem Friedhof von Stetten a. k. M. beigesetzt.

1966 wurde der Bundeswehrstandort Stetten am kalten Markt um die Alb-Kaserne erweitert.

Mit Inkrafttreten der Kreisreform des Landes Baden-Württemberg wurde zum 1. Januar 1973 der badische Landkreis Stockach aufgelöst, Stetten wurde dem Landkreis Sigmaringen zugeordnet.

Ortsname Orte mit dem Bestandteil Stetten dürften ursprünglich als landwirtschaftliche Außenstellen dauerhafter Siedlungen entstanden sein, vermutlich in Verbindung mit Wasserstellen. Aus der Ersterwähnung als „Stetten by Kaltenmark“ (siehe oben) geht hervor, dass es sich bei dem Beinamen offenbar um eine topographische Beschreibung handelt (Mark). Der Bestandteil kalten wäre entsprechend eine klimatische Einordnung der nämlichen Mark. Somit bezeichnet der Name in seinem ursprünglichen Sinn die Lage des Ortes Stetten nahe einer kalten Region, einer Mark.Urban, Wolfgang: Geschichte von Stetten a.k.M. und seinen Ortsteilen von den Anfängen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, in: Jeuck, Erika/Schaffer, Wolfgang (Hrsg.): 1200 Jahre Stetten am kalten Markt (799–1999), Ulm 1999, S. 13–132, hier 22–24.

Eine Sage erklärt den Ortsnamen mit einer angeblich in einem Juni auf dem Marktplatz erfrorenen Geiß.

Insbesondere im soldatischen Milieu trägt der Ort wegen seines berüchtigten Wetters den Spitznamen Stetten am kalten Arsch.

Eingemeindungen Nusplingen wurde bereits zum 1. April 1936 durch die Nationalsozialisten zwangseingemeindet,Informationsabend: Nusplingen feiert 75 Jahre Eingemeindung. In: Südkurier, 12. Februar 2011. Storzingen kam am 1. Januar 1972 auf eigenen Wunsch hinzu. Die heutige Gemeinde wurde am 1. Januar 1975 durch die Vereinigung der Gemeinden Stetten am kalten Markt, Glashütte (Baden) und Frohnstetten neu gebildet.Nach den Aufzeichnungen des Chronisten Karl Rebholz soll Nusplingen bei der Eingemeindung die geringe Summe von 30 Goldmark besessen haben. Im Verhältnis dazu waren die anderen Stettener Ortsteile bei ihrer Eingemeindung wesentlich ärmer. Vgl. Susanne Grimm (sgr): Nusplinger machen sich Gedanken über Jubiläumsfest am 21. und 22. Mai. Vor 75 Jahren wurde Nusplingen von Stetten eingemeindet – Schwerpunkt des Festes ist die Dorfentwicklung. In: Schwäbische Zeitung, 18. März 2011.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1961 4941 1970 5930 1991 5289 1995 5549 2005 5345 2010 5091 2015 4798 2020 4724

Die Angaben von 1961 und 1970 beziehen sich auf das heutige Gebiet der Gemeinde.

Im Jahr 1961 lebten von den 4941 Einwohnern in Frohnstetten 900, in Glashütte (Baden) 359, in Stetten am kalten Markt 3329 und in Storzingen 353. Im Jahr 1970 lebten von den 5930 Einwohnern in Frohnstetten 1051, in Glashütte (Baden) 393, in Stetten am kalten Markt 4067 und in Storzingen 419.

Religion Der größte Teil der Bevölkerung ist römisch-katholisch, außerdem gibt es eine evangelische Kirchengemeinde.

Politik Gemeinderat mini|Rathaus in Stetten Der Gemeinderat von Stetten umfasst derzeit 12 ehrenamtliche gewählte Mitglieder, deren Amtszeit fünf Jahre beträgt, sowie den Bürgermeister als ebenfalls stimmberechtigten Vorsitzenden. Bei der letzten Wahl am 9. Juni 2024 trat als einzige Wählergruppe die Liste Gemeinsam für Stetten an, deren Kandidierende insgesamt 99,7 Prozent der Stimmen auf sich vereinen konnten und von der daraufhin die 12 Kandidierenden mit den meisten Stimmen in den Gemeinderat einzogen. Die übrigen 0,3 Prozent der Stimmen entfielen auf andere Einzelbewerber, von denen niemand ein Mandat erringen konnte. Die Wahlbeteiligung betrug 66,5 Prozent.

Darüber hinaus bestehen in den Ortsteilen Frohnstetten, Glashütte und Storzingen jeweils eigene Ortschaftsräte.

Bürgermeister 1933–1934: Ernst Bäckert (1899–1962; NSDAP-Mitglied)„Ernst Bäckert war absolut ein Täter“ 1945–1957: Dominikus Gallus 1957–1966: Wilhelm Klek 1966–1991 Horst Lupfer 1991–2015: Gregor Hipp (CDU) seit 2015: Maik Lehn (CDU)Gerd Feuerstein: Bürgermeister Maik Lehn zieht Halbzeitbilanz In: Südkurier 3. Mai 2019

Partnerschaften Seit 1982 besteht eine Städtepartnerschaft mit Montlhéry in der Nähe von Paris (Frankreich). Als äußeres Zeichen der Partnerschaft befindet sich auf dem Platz von Montlhéry in Stetten ein Stein vom La tour de Montlhéry, dem Turm und Wahrzeichen der Partnerstadt.Besuch in Frankreich: Partner aus Montlhéry und Stetten tauschen sich aus. Freude über „Place Stetten a.k.M.“. In: Südkurier, 19. November 2008.

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten Die Kommune ist dem Tourismusverband Donaubergland angeschlossen.

Museen miniatur|Nachbau der Natter M23 in der militärgeschichtlichen Sammlung Stetten am kalten Markt Am 21. September 2013 eröffnete die Militärgeschichtliche Sammlung des Standortes Stetten am kalten Markt im Gebäude der ehemaligen Offiziersspeiseanstalt und ist nun öffentlich zugänglich.Neueröffnung Militärgeschichtliche Sammlung des Standortes Stetten am kalten Markt Die Militärgeschichtliche Sammlung des Standortes Stetten a. k. M. im Lager Heuberg war zuvor eine dienstliche Einrichtung der Bundeswehr mit 700 Quadratmetern Ausstellungsfläche, die über 90 Jahre Militärgeschichte der Garnison von der Kaiserzeit bis zur Bundeswehr zeigt. Ausgestellt sind Uniformen, Fahrzeuge, Bilder, Bücher und Weiteres. Neben einem im Startgerüst hängenden Nachbau der Natter wurde auch die Geschichte der Bewährungseinheit 999 ausführlich dargestellt. Eine Besichtigung war nur nach Vorlage des Personalausweises an der Wache der Alb-Kaserne möglich und dies auch nur an ausgewählten Tagen im Jahr.Hermann-Peter Steinmüller: Militärmuseum öffnet im Mai. In: Südkurier, 19. Oktober 2012.