mini|Buchausgabe von 1783
Als Commentarii de bello Gallico (deutsch Bericht über den Gallischen Krieg) oder De bello Gallico (deutsch Vom Gallischen Kriege, Über den Gallischen Krieg) wird ein Bericht des römischen Feldherrn Gaius Iulius Caesar über den Gallischen Krieg (58 bis 51/50 v. Chr.) bezeichnet. Der Name Commentarii ist indirekt aus mehreren antiken Berichten belegt. Demnach hatte Caesar sein Werk Commentarii rerum gestarum Galliae (lat. Berichte zu den Errungenschaften in Gallien) bzw. Commentarii Gallici belli (lat. Berichte des Gallischen Krieges) genannt.Vgl. Schönberger, Tusculum-Ausgabe, S. 664. Das Werk stellt die Hauptquelle zu Caesars Feldzügen dar, ist allerdings von starken Eigeninteressen des Verfassers geprägt und daher als objektive historische Quelle umstritten. In literarischer Hinsicht ist das Werk ebenfalls von großer Bedeutung. Es entwickelte eine erhebliche Breitenwirkung und gehört bis heute zum Hauptkanon der lateinischen Literatur.In der Antike und im Mittelalter wurde Caesar aber offenbar nur relativ wenig gelesen (siehe aber die Bemerkung des Tacitus: Germania 28,1), wenn im Mittelalter auch recht viele Handschriften angefertigt wurden. Allgemein zur Rezeptionsgeschichte siehe von Albrecht, Geschichte der römischen Literatur, Bd. 1, S. 341 f.
Caesars Commentarii bestehen aus acht Büchern. Das achte Buch ist nicht von ihm selbst, sondern von seinem Freund, hohen Offizier und persönlichen Sekretär Aulus Hirtius verfasst worden. Hirtius wollte damit die Lücke zwischen dem Gallischen Krieg und dem Bürgerkrieg schließen, den Caesar in seinem Werk De bello civili beschrieb.
Die Frage nach den Einzelheiten der Publikation der Commentarii durch Caesar lässt sich nicht eindeutig beantworten. Es werden dazu drei Meinungen vertreten: Caesar habe die Ereignisse der einzelnen Kriegsjahre Jahr für Jahr in den Ruhephasen, vorwiegend im Winterlager, geschrieben oder diktiert, oder aber die Commentarii seien nach dem Ende des Kriegs zusammenhängend abgefasst worden, oder, eine Art Kompromiss aus diesen beiden Theorien, die getrennt verfassten Bücher seien nach dem Kriegsende 50/51 v. Chr. zusammen redigiert und publiziert worden.
Die Commentarii sind – trotz ihrer Gattungsbezeichnung – nicht die offiziellen Tätigkeits- und Rechenschaftsberichte an den Senat; jedoch benutzte Caesar diese sicher, neben privaten Aufzeichnungen.Knapper Überblick bei Schönberger, Tusculum-Ausgabe, S. 664 f.
Stil und Darstellungsabsicht Der Stil ist klar und konsequent in der Gedankenführung. In der Wortwahl kann schon von Purismus gesprochen werden, da Caesar Variationen um ihrer selbst willen strikt vermeidet und stattdessen knapp und präzise formuliert.Von Albrecht, Geschichte der römischen Literatur, Bd. 1, S. 334 ff.
Diese Strenge und Konsequenz im Gebrauch der Sprache leitet sich aus Caesars stilistischen Überzeugungen her, die er in seiner verlorenen Schrift De analogia darlegte. Daraus zitiert der Philosoph FavorinusAulus Gellius, Noctes Atticae 1,10,4. die Anweisung an einen Schüler: „tamquam scopulum sic fugias inauditum atque insolens verbum!“ („Wie von einer Klippe so nimm Abstand von einem noch nie gehörten und ungewöhnlichen Wort!“). Eine kurze zusammenfassende Würdigung von Caesars sprachlicher Meisterschaft lässt Cicero seinen Freund Atticus in der Schrift Brutus vortragen.Brutus 251 ff.
Die Bücher über den Gallischen Krieg sind nach dem annalistischen Prinzip aufgebaut, jedem Kriegsjahr wurde also ein Buch gewidmet. Caesar beschrieb seine Handlungen nicht in der ersten, sondern in der dritten Person (Er-Form), um den Anschein von Objektivität und Bescheidenheit zu erwecken. Ziel seiner Aufzeichnungen war vor allem, die Notwendigkeit seines Feldzuges vor den römischen Beamten darzulegen und somit seinen Krieg zu rechtfertigen.
Allerdings ist Caesars „Tatsachenbericht“ an manchen Stellen recht subjektiv gefärbt und daher kritisch zu betrachten.Vgl. beispielsweise Christian Meier, Caesar, fünfte Aufl., München 2002, S. 309 ff. Schon in der Antike übte deshalb Gaius Asinius Pollio in seinen (heute verlorenen) Historien Kritik an Caesar. Caesar ist denn im eigentlichen Sinne auch kein Historiker, sondern Berichterstatter, der die literarische Gattung der commentarii für politische Zwecke benutzte.Vgl. auch Schönberger, Tusculum-Ausgabe, S. 668 f.
Inhalt mini|Gallien zur Zeit Caesars (58 v. Chr.)
Der Bericht beginnt mit einer knappen ethnographischen und geographischen Beschreibung Galliens. Der Anfangssatz ist noch heute vielen Lateinschülern bekannt:
Nach dieser kurzen Einleitung beginnt die Schilderung des Gallischen Krieges mit dem Feldzug gegen die Helvetier.
Erstes Buch: Krieg gegen die Helvetier und den Germanen Ariovist (58 v. Chr.) mini|rechts|Erstes Buch: Krieg gegen die Helvetier (Schlacht bei Bibracte) und gegen die Germanen (Schlacht im Elsass), 58 v. Chr.
Zu Beginn des Buches beschreibt Caesar in einer Übersicht Geographie und Bevölkerung von „ganz Gallien“, kommt dann aber detaillierter auf ein einzelnes Volk, die Helvetier, zu sprechen. Das Gebiet dieses Volkes befindet sich im äußersten Südosten Galliens und grenzt an Germanien und die römische Provinz. Ein helvetischer Adliger, Orgetorix, strebt die Alleinherrschaft über Gallien an. Um dies zu erreichen, plant er den Auszug des gesamten Volks der Helvetier aus ihrem Gebiet. Im Geheimen schließt er mit dem Sequaner Casticus und dem Haeduer Dumnorix einen Pakt, gemeinsam die Herrschaft zu erlangen. Dieser Plan wird allerdings verraten, und Orgetorix kommt auf der Flucht vor einem Prozess ums Leben. Die Helvetier halten dennoch am Plan der Emigration fest, werden jedoch von Caesar durch geschicktes Taktieren daran gehindert, den leichten und angenehmen Weg durch die römische Provinz zu nehmen. Stattdessen werden sie gezwungen, ihren Weg gen Norden zu verlegen. Dabei ziehen sie plündernd durch das Gebiet der Sequaner und Haeduer. Diese rufen Caesar zu Hilfe, der daraufhin ein Viertel der Helvetier beim Überqueren des Flusses Arar, der Saône, vernichtet. Wenig später, nach dreitägiger Schlacht bei Bibracte, kapitulieren die Helvetier. Caesar schickt sie zurück in ihr ursprüngliches Gebiet, damit sie wieder als ein Puffer zwischen den Germanen und der römischen Provinz fungieren.
Die besiegten Haeduer und Sequaner bitten Caesar wenig später um Hilfe gegen die nach Gallien drängenden Germanen. Deren König Ariovist unterdrücke die gallischen Stämme. Caesar erkennt die von den Germanen auch für das römische Reich ausgehende Gefahr und beschließt einzuschreiten. Durch Gesandte fordert er Ariovist auf, die Überschreitung des Rheins, die Besiedelung Galliens und die Unterdrückung der Gallier zu unterlassen. Darauf geht Ariovist nicht ein, somit ist ein militärischer Konflikt unausweichlich. In Vesontio sammelt Caesar zunächst seine Truppen, um auf Verstärkung zu warten und um sich um den Getreidenachschub zu kümmern. Währenddessen macht sich unter den römischen Soldaten aber das Gerücht unbesiegbarer Germanen breit, so dass es nicht wenige gibt, die bei einem Zug gegen diese den Dienst verweigern wollen. Caesar entkräftet alle Argumente und motiviert sie in einer flammenden Rede. In der Schlacht im Elsass vernichtet Caesar die Germanen. Die Überlebenden, darunter Ariovist, fliehen zurück über den Rhein.
Zweites Buch: Krieg gegen die Belger (57 v. Chr.) mini|rechts|Zweites Buch: Krieg gegen die Belger, 57 v. Chr.
Der Bericht von einer Verschwörung der Belger dringt zu Caesar durch. Dieser stellt Legionen zusammen und erreicht so schnell die Gebiete der Belger, dass sich der Stamm der Remer sofort unterwirft. Von ihnen erfährt er über Stärke und Kampfeskraft der aufständischen Truppen und weiterhin, dass die Stämme der Belger von Germanen abstammen, die einst über den Rhein gekommen seien. Caesar überschreitet den Fluss Axona und lagert nicht weit von Bibrax, der Hauptstadt der Remer. Diese wird von den Belgern belagert, der Fall steht kurz bevor. Nur Caesars Eingreifen bewahrt sie davor. Die Belger ziehen sich schließlich in eigene Gebiete zurück. Auf ihrer Flucht werden viele Belger getötet.
Caesar zieht daraufhin in das Gebiet der Suessionen und beginnt mit der Belagerung von Noviodunum. Die Stadt kapituliert schnell, ebenso die Bellovaker in Bratuspantium und der Stamm der Ambianer. Die wilden und tapferen Nervier, Atrebaten und Viromanduer jedoch ziehen sich in die Wälder zurück und leisten dort erbitterten Widerstand. Es gelingt ihnen sogar, Caesars Legionen einzukesseln. Die Niederlage scheint unaufhaltsam. Der Stamm der Treverer, an der Seite Roms kämpfend, flieht bereits. Caesar schlägt sich schließlich selbst in vorderster Front, aber erst das Eingreifen der Nachhut dreht den Kampf zu Caesars Gunsten. Die Nervier werden fast komplett vernichtet, die Überlebenden lässt Caesar in ihr Gebiet zurückkehren.
Die Aduatuker, Nachkommen der Kimbern und Teutonen, übergeben Caesar ihre Stadt und ihre Waffen, behalten jedoch einen Teil zurück, um die Römer in der folgenden Nacht anzugreifen. Dieser letzte Versuch scheitert. Caesar lässt die Stadt plündern. Inzwischen erreicht ihn die Nachricht, dass Publius Licinius Crassus mit einer Legion die restlichen belgischen Stämme an der Küste unterworfen hat. Belgae ist besiegt, Caesar reist zurück nach Italien.
Drittes Buch: Krieg gegen die Veneter im Nordwesten und die Aquitaner im Süden (57–56 v. Chr.) mini|rechts|Drittes Buch: Krieg gegen Alpen- und Seevölker, 57/56 v. Chr.
Um einen Handelsweg von Italien durch die Alpen zu öffnen, schickt Caesar seine 12. Legion unter Servius Galba in das Gebiet der Nantuaten, Veragrer und Seduner. Im Dorf Octodurum stellen sie sich auf den Winter ein. Die gallischen Stämme, unwillens, sich zu unterwerfen, greifen von den Berghöhen an. Die Lage wird äußerst bedrohlich, Galba beschließt den Ausbruch. In der darauf entstehenden Verwirrung gelingt ihm der Sieg über die gallischen Aufständischen.
Während Caesar in Illyrien weilt, bricht ein weiterer Konflikt mit gallischen Stämmen aus. Das Seefahrervolk der Veneter nimmt römische Offiziere als Geiseln. Caesar rüstet sich für einen militärischen Konflikt und lässt auf dem Liger Kriegsschiffe bauen. Einen Austausch der Geiseln lehnt er ab. Die Veneter gewinnen mehrere Bündnisgenossen, auch aus Britannien, und befestigen ihre Städte. Um Koalitionen mit weiteren gallischen Stämmen zu verhindern, verteilt Caesar seine Truppen über große Gebiete Galliens, auch an den Rhein, um mögliche Germanenübertritte zu verhindern, und zieht mit Fußtruppen sofort nach Venetien.
Die Eroberung der venetischen Städte erweist sich jedoch als schwierig, denn diese liegen gut geschützt auf Landzungen am Meer. Also wartet Caesar auf seine Flotte. Die dann einsetzende Seeschlacht kann er schließlich für sich entscheiden, nicht weil er die besseren Schiffe hätte, sondern weil es seinen Soldaten gelungen war, mit Sicheln, die auf Stangen befestigt waren, die Takelage der Veneter zu zerstören und ihre Schiffe so manövrierunfähig zu machen. Ihre Städte ergeben sich daraufhin. Caesar bestraft sie mit Härte, lässt die Führungsriege der Veneter hinrichten und verkauft ihre Bevölkerung als Sklaven.