mini|hochkant=1.5|Staatsoperette Dresden im Kraftwerk Mitte 2018

Die Staatsoperette Dresden ist das einzige selbstständige Operettentheater Deutschlands. Es befindet sich – entgegen dem Namen, der historisch bedingt ist – in Trägerschaft der Stadt Dresden und wurde 1947 mit einem ersten Vorläufer, dem „Apollo-Theater“ in Dresden-Leuben gegründet. Das Theater befindet sich seit Dezember 2016 auf dem Gelände des ehemaligen Kraftwerks Mitte im Stadtteil Wilsdruffer Vorstadt. Neben Operetten stehen auch Spielopern und Musicals auf dem Spielplan im 700 Zuschauer fassenden Saal.

Geschichte des Hauses mini|hochkant|Das Residenz-Theater 1875 Vorgeschichte Die Staatsoperette Dresden blickt mit ihren Vorgängern auf 235 Jahre Tradition als musikalisches Volkstheater in Dresden zurück. Begründer dieser Tradition war Josef Ferdinand Nesmüller, ab etwa 1895 wirkte als Mäzen vor allem Heinrich Mau an dessen Weiterentwicklung. Aufwendige und repräsentative Theaterbauten wie das Residenz-Theater (1872–1935, Zeitangaben von Operettenbespielungen), das Central-Theater (1898–1945) und das Albert-Theater (1913–1945) begründeten in Dresden eine Tradition, die bis heute fortwirkt. Zeitweilig wurden Operetten in allen diesen Häusern und der Semperoper gleichzeitig gespielt.

Am 1. September 1944 kam das Theaterleben, wie überall in Deutschland, auf Befehl von Joseph Goebbels zum Stillstand, sämtliche Theater wurden geschlossen. In den Luftangriffen auf Dresden im Februar 1945 sanken die Gebäude in der Innenstadt ausnahmslos in Schutt und Asche.

Das Haus in Leuben (1947–2016) mini|Leubener Gasthof um 1900 mini|Staatsoperette in Leuben bis 2016 mini|Zuschauerraum in Leuben, 2003

Aufbau und Eröffnung (1945–1947) In den Vorstädten entstanden gleich nach Kriegsende wieder kleine Theatergruppen. Im Mai 1945 entschloss sich der Theaterunternehmer Fritz Randow, zwei Gasthöfe zu pachten, um ein eigenes Operettenensemble aufzubauen, die „Goldene Krone“ in Kleinzschachwitz und den „Feenpalast“ in Leuben. Ersterer konnte sofort bespielt werden, letzterer befand sich in einem zunächst nicht bespielbaren Zustand, da hier ab 1944 die Stadt Dresden eine Polizeikaserne untergebracht hatte. Randow erhielt am 16. August 1945 die Baugenehmigung für den Umbau des Feenpalastes nach dem Entwurf der Architekten Bruno Just und Johannes Rascher und begann ab dem 1. Oktober 1945 mit den Arbeiten am Zuschauersaal und dem Bühnenhaus sowie dem Einbau eines Orchestergrabens. Die Bühnentechnik ließ Fritz Randow illegal aus den Trümmern des Central-Theaters in der Waisenhausstraße holen, z. T. wurde diese mit Pferdegespannen, Leiterwagen und Schubkarren aus der Innenstadt nach Leuben transportiert (so gelangte die gesamte Obermaschinerie aus der Ruine des Central-Theaters in das nunmehrige „Apollo-Theater“ und wurde in Eigenleistung instand gesetzt).

Am 20. Juli 1945 begann die Bespielung der „Goldenen Krone“, die allerdings bereits im Oktober 1945 aus Mangel an Heizmaterial wieder eingestellt wurde. Nunmehr wurde in Eile der Kleine Saal des „Feenpalastes“ eingerichtet, dessen Bespielung als „Apollo-Künstlerfestspiele“ am 25. Dezember 1945 begann und der bis 1947 genutzt wurde. Zu den dort Auftretenden gehörten u. a. Georg Wörtge, Paul Beckers und Maria Paudler auf der Bühne. Am 30. Oktober 1946 wurde Richtfest gefeiert, parallel gab es aber Absichten, Fritz Randow als Privatunternehmer zu entfernen und dieses Theater im Rahmen der Deutschen Volksbühne Dresden (DVB) zu verstaatlichen, was im Juli 1947 gegen ihn auch gelang.

Am 18. August 1947 wurde im neuen „Apollo-Theater“, dem ersten fertiggestellten Theaterumbau in Sachsen, die Weihestunde zur Eröffnung gefeiert. Erstes hier im Haus gespielte Musikstück war der „Festmarsch“ von Johann Strauss (Sohn). Erste Aufführung war am 22. August 1947 Shakespeares Ein Sommernachtstraum mit der Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy, am 24. August folgte das erste Konzert, am 30. August der erste Ballettabend. Am 2. Oktober 1947 wurde Franz Lehárs Die lustige Witwe als erste Operette gegeben. Dieses Datum gilt als die „Geburtsstunde“ der heutigen Staatsoperette Dresden.

Das Provisorium 1947 bis 1977 In Zusammenarbeit mit der „Constantia“, dem späteren Theater Junge Generation in Dresden-Cotta (bis 2016), wurden monatlich wechselnd Schauspiele und Operetten gegeben.Zusammenstellung der Premieren in Gunold, 50 Jahre…, S. 237 ff.

Mit der Auflösung der DVB wurde am 1. Januar 1950 die Bühnen des Landes Sachsen Operette Apollo-Theater das Haus eigenständig und am 1. Januar 1951 schließlich das Operettentheater Dresden, nach Auflösung des Landes Sachsen schließlich Staatliches Operettentheater, gelegentlich auch Staatliches Operettentheater Dresden. Am 27. November 1951 wurde die erste Inszenierung einer komischen Oper, Die Schneider von Schönau von Jan Brandts Buys, aufgeführt.

Im Sommer 1958 wurde das Theater in die Staatstheater Dresden eingegliedert, aus dem es dem Intendanten Fritz Steiner gelang, es 1967 wieder herauszulösen. Im Sommer 1963 erhielt das Theater den Namen „Staatsoperette Dresden“ und wurde während der Festwoche 19.–26. November 1967 anlässlich des 20-jährigem Jubiläums wieder ein eigenständiges Theater.

Allerdings wurde beginnend ab den 1950er Jahren es unterlassen, irgendwelche Investitionen im Haus in Leuben vorzunehmen: Etwaige Vorstöße wurden immer wieder dahingehend abgelehnt, dass in nächster Zeit ein Neubau in der Innenstadt geplant sei, der in verschiedenen Plänen auch nachweisbar ist, der jedoch immer wieder verschoben wurde.

Ein verbessertes Provisorium 1977 bis 1990 In den 1960er Jahren war der Zustand schließlich derart untragbar geworden, dass es dem Intendanten Steiner gelang, die notwendigen Investitionen durchzusetzen. Die Planungen für die Sanierung des inzwischen baufälligen Theaters begannen 1966. Da die Arbeiten ab 1970 in „Eigenleistung“ durchgeführt werden mussten, sollten sie sich jedoch über weitere sieben Jahre bis 1977 hinziehen. Ein Neubau wurde auf längere Sicht nunmehr unmöglich. Die zunächst vorgenommene Bezeichnung als Kulturzentrum Dresden Ost setzte sich nicht durch.

Die Zeit ab 1990 mini|… nach dem Brand im Juni 2025 und …

mini|… während des Abrisses Anfang 2026.

Träger des Theaters ist seit 1990 – entgegen dem nunmehr irreführenden Namen – die Stadt Dresden und nicht etwa der Freistaat Sachsen.

Die bis 1977 vorgenommenen Änderungen waren – da sie selbst eher provisorischen Charakter hatten – Ende der 1980er Jahre erneut verschlissen. Ab Juni 1990 wurden ein Empfangsfoyer und ein Kassenraum angebaut. Die Technik wurde sukzessive erneuert und der Zuschauerraum einschließlich eines Umgangs um den Orchestergraben umgebaut. Hinter und über der Bühne änderte sich an den Arbeitsbedingungen für Orchester, Ensemblemitglieder und Bühnenarbeiter nichts Wesentliches gegenüber dem Zustand von 1977 und zum Teil von 1947. Auch etwaig nötige Erweiterungen (Seiten- und Hinterbühne, Bühnenturm), um ein vollwertiges Theater zu schaffen, wurden weder beim Umbau 1990 noch später in Betracht gezogen.

Die Staatsoperette litt, wie viele andere Kultureinrichtungen Dresdens, nach der Wiedervereinigung zunehmend am knappen Haushalt der Stadt. Ab etwa 1999 wurde das Haus nur mit Ausnahmegenehmigung der zuständigen Berufsgenossenschaft betrieben: Sie drohte mit Schließung, wenn sich die unvertretbaren Arbeitsbedingungen nicht ändern würden. Das wurde von vielen Verantwortlichen in der Stadt Dresden, auch der Politik, als eine wohlfeile Möglichkeit gesehen, zu einer Art „kalten Schließung“ durch Entzug der Betriebserlaubnis zu kommen.

2003 eskalierte die Situation: Das Jahrhunderthochwasser im August 2002 stellte die Stadt Dresden in einer ohnehin angespannten finanziellen Situation vor bis dahin nicht gekannte Finanzprobleme: In dieser Situation – vor allem um Mittel für nötige Wiederaufbau- und Ersatzinvestitionen zu gewinnen – wurde eine Schließung des Hauses öffentlich vorgeschlagen. Dies wurde aber angesichts einsetzender Bürgerproteste vom Stadtrat – selbst von denen, die die Schließung bis dahin befürwortet hatten – abgelehnt.

Ein möglicher Umzug der Operette, eventuell in einen Neubau am Wiener Platz, war zwischen 2003 (aus haushaltspolitischen Gründen vorgeschlagene und durch den Stadtrat abgelehnte Schließung) und 2012 (endgültiger Baubeschluss für einen Neubau) ein viel diskutiertes kommunalpolitisches Thema. Auch die Fusion mit dem Staatsschauspiel Dresden im soeben sanierten Schauspielhaus Dresden wurde ernsthaft diskutiert und beschäftigte monatelang verschiedene Institutionen.

In der Nacht vom 6. auf den 7. Juni 2025 brannte das ehemalige Gebäude der Staatsoperette vollständig aus.tagesschau.de: Feuer zerstört frühere Staatsoperette in Dresden Es wurde ab dem 24. November 2025 abgerissen.mdr.de

Neubauplanungen (ab 2004) und Neueröffnung (2016) mini|Staatsoperette im Kraftwerk Mitte Ende 2016 mini|Der Bühnenbereich für die Staatsoperette im Neubau Aufgrund der abgelehnten Schließung brachte bereits 2004 der damalige Oberbürgermeister Ingolf Roßberg einen Neubau am Wiener Platz ins Gespräch. Für die nötigen Ersatzinvestitionen am damaligen Standort Leuben (allein für die Bausubstanz selbst wurden etwa 10 Mio. € berechnet, die nötigen Erweiterungen auf weitere 6 bis 10 Mio. €) wären bereits große Teile eines Neubaus an einem Standort im Stadtzentrum finanzierbar gewesen. Diesem Vorstoß folgte der Stadtrat zunächst nicht, allerdings gab es dazu, außer der politisch und öffentlich nicht gewollten Schließung, keine ernsthafte Alternative.

Die durch die Entschuldung der Stadt seit 2006 erheblich verbesserte finanzielle Situation Dresdens sowie ein weitreichender Einkommensverzicht der Belegschaft der Staatsoperette seit 2009, mitgetragen von den jeweiligen Gewerkschaften, sowie ein umfassendes (und auch finanziell bedeutendes) bürgerschaftliches Engagement bildeten dabei die Grundlage für diese völlige Änderung der noch bis 2002 hingenommenen kommunalpolitischen Ausrichtung eines „Auslaufmodells“ für dieses Theater.Lars Kühl: Strauss-Matinee mit dem Urgroßneffen, In: Sächsische Zeitung, 6. Januar 2014, S. 14, abgerufen am 6. Januar 2014. Dabei war der weitreichende Einkommensverzicht zu weiten Teilen bereits durch Oberbürgermeister Roßberg 2005 ausverhandelt worden, wurde dann jedoch aus taktischen Gründen verschoben, um gerade nach 2008 den veränderten politischen Rahmenbedingungen Rechnung tragen zu können. Dazu wurde 2009 die Nachfolgerin von OB Roßberg, Helma Orosz, als „Schirmherrin“ der nunmehr anlaufenden „Stuhlspenden“ und damit für den Neubau gewonnen, wobei die Standortfrage nach wie vor offen blieb.

Im Juli 2012 wurde schließlich nach jahrelangen Debatten der Neubau der Staatsoperette im Gebiet des ehemaligen Kraftwerks Mitte zwischen Wettiner Platz und Könneritzstraße beschlossen, wenige Wochen später die entsprechenden Bauverträge. Baubeginn mit dem Aushub der Baugrube für diesen Neubau war mit dem „ersten Spatenstich“ am 11. April 2014, am 8. Juli 2014 erfolgte die festliche Grundsteinlegung.Eine Webcam dokumentierte 2014 bis 2016 den Baufortschritt alle zwei Minuten online. Ein Zusammenschnitt vom Mai 2016 ist dokumentiert im .

Die für Dezember 2016 vertraglich vereinbarte Fertigstellung wurde eingehalten: Die Eröffnung der Staatsoperette fand mit einem Festakt vor geladenen Gästen am 16. Dezember 2016 statt. Tags darauf fand die Premiere von Orpheus in der Unterwelt von Jacques Offenbach statt, die zweite Eröffnungspremiere war am 22. Dezember 2016 Wonderful Town von Leonard Bernstein.