Mendrisio ist eine politische Gemeinde und Kleinstadt im Schweizer Kanton Tessin. Es ist Hauptort sowohl des Kreises Mendrisio wie auch des Bezirks Mendrisio. Der deutsche, aus dem Lombardischen übernommene Name Mendris wird nicht mehr verwendet. Die Bewohner werden Mendriser oder Mendrisier genannt.

Geographie mini|Mendrisio. Historisches Luftbild von Werner Friedli (1964) Mendrisio liegt am Laveggio etwa 18 Kilometer südlich von Lugano und etwa fünf Kilometer von der Grenze zu Italien entfernt. Das Gemeindegebiet erstreckt sich hinauf bis zum Gebiet «Bellavista» auf dem Monte Generoso.

Die Nachbargemeinden sind im Norden Brusino Arsizio, Val Mara und Riva San Vitale, im Osten Castel San Pietro, im Süden Coldrerio, Novazzano, Bizzarone (IT-CO) und Stabio, im Westen Porto Ceresio (IT-VA), Besano (IT-VA), Viggiù (IT-VA), Clivio (IT-VA) und Saltrio (IT-VA).

Mendrisio ist ein Zentrum der Agglomeration Chiasso-Mendrisio mit 50'826 Einwohnern.

Klima Für die Normalperiode 1991–2020 beträgt die Jahresmitteltemperatur 11,6 °C, wobei im Januar mit 1,6 °C die kältesten und im Juli mit 21,7 °C die wärmsten Monatsmitteltemperaturen gemessen werden. Im Mittel sind hier rund 97 Frosttage und ein bis zwei Eistage zu erwarten. Sommertage gibt es im Jahresmittel rund 83, während im Durchschnitt 18,2 Hitzetage zu verzeichnen sind. Die Messstation von MeteoSchweiz befindet sich in der Gemeinde Stabio, auf einer Höhe von , ca. 5 km südwestlich des Ortszentrums (Luftlinie).

Geschichte Gründung und Mittelalter Dass Mendrisio zur Zeit der Kelten und Römer besiedelt war, wird durch eine Denktafel für Publius Valerius Dromone im alten Glockenturm bestätigt. Erstmals wird Mendrisio 793 als Mendrici erwähnt, vermutlich ein Genitiv von Mendricus oder Manricus, der Name eines Anführers eines langobardischen Stammes.

Im Mittelalter gehörte Mendrisio mit seinen drei Burgen zum Einflussbereich der Stadt Como. 1335 wurde Mendrisio zusammen mit Como Teil des Staates von Mailand.

15. bis 16. Jahrhundert 1433 übergab der Herzog von Mailand Filippo Maria Visconti das Dorf Mendrisio der Familie Sanseverino, die 1485 den Ort verliess. Mendrisio kam unter die direkte Kontrolle des Herzogs von Mailand. 1499 wurde das Mendrisiotto von den Franzosen besetzt, nach 1517 durch die Eidgenossen erobert.

18. bis 20. Jahrhundert Von 1810 bis 1813 wurde das Gebiet vorübergehend von den Truppen des Königreichs Italien besetzt.Mario Medici: Storia di Mendrisio. Band I, Mendrisio 1980.

Gemeindefusionen Mendrisio fusionierte am 4. April 2004 mit der früheren Gemeinde Salorino. Am 5. April 2009 wurde die Fusion der Gemeinden Arzo, Capolago, Genestrerio, Mendrisio, Rancate und Tremona zur neuen Gemeinde Mendrisio rechtskräftig. Am 13. April 2013 wurden Meride, Ligornetto und Besazio eingemeindet.

Stadtquartiere Stand Einwohnerzahlen: 31. Dezember 2025 Quartier Eingemeindung Einwohnerzahl zentriert|mini|hochkant=1.5|Quartiere von MendrisioArzo5. April 20091256Besazio14. April 2013585Capolago5. April 2009869Genestrerio5. April 20091171Ligornetto14. April 20131765Mendrisio–7325Meride14. April 2013290Rancate5. April 20091576Salorino4. April 2004518Tremona5. April 2009481

Bevölkerung

Mendrisio (ab Gemeindefusionen 14. April 2013) Zahl für 2025 lt. Città di Mendrisio

Mendrisio (inkl. alle am 4. April 2004/5. April 2009 und 14. April 2013 fusionierten Gemeinden) Mendrisio fusionierte am 4. April 2004 mit der Gemeinde Salorino, am 5. April 2019 mit den Gemeinden Arzo, Capolago, Genestrerio, Rancate und Tremona und am 14. April 2013 mit den Gemeinden Besazio, Ligornetto und Meride.

Die kumulierte Einwohnerzahl aller bisherigen Gemeinden entwickelte sich folgendermassen:

Ehemalige Gemeinde Mendrisio (heutiger Ortsteil Mendrisio) Zahl für 2025 lt. Città di Mendrisio

Politik

Gemeindebehörden Die Legislative der Stadt Mendrisio ist der Consiglio comunale (Gemeindeparlament), bestehend aus 60 Mitgliedern. Die rechts stehende Grafik zeigt die Zusammensetzung nach den Wahlen vom 14. April 2024.Consiglieri comunali 2024-2028. In: www2.ti.ch/comunali-2024

Die Exekutive wird gebildet durch den siebenköpfigen Municipio (Gemeinderat). Nach den Wahlen von 2024 setzt er sich wie folgt zusammen: 2 Il Centro–Verdi Liberali (Die Mitte–GLP), 2 Partito Liberale Radicale e GLR (FDP), 1 Verdi e Sinistra (Grüne–SP), 1 Lega, 1 UDC (SVP). Ihm steht der Sindaco (Stadtpräsident) Samuele Cavadini (FDP) vor.

Nationale Wahlen Anlässlich der Nationalratswahlen 2023 betrugen die Stimmenanteile der Parteien in Mendrisio: Die Mitte 20,9 %, FDP 20,1 %, SVP 15,9 %, Lega 12,2 %, SP 11,5 %, Grüne 10,1 %, GLP 1,6 %.

Verkehr Mendrisio liegt an der Bahnlinie Lugano – Como und ist Ausgangspunkt der Bahnstrecke Mendrisio–Varese, die 2018 in Betrieb genommen wurde.La tratta ferroviaria Mendrisio–Stabio–Varese. In: lanostrastoria.ch (italienisch).

In der ersten Hälfte der 1990er-Jahre litt das Tessin und insbesondere das Mendrisiotto unter der weltweiten Wirtschaftskrise. In dieser Situation war der Grossversuch «VEL-1 Mendrisio» eine willkommene Konjunkturspritze. Zwischen 1994 und 2001 wurden 400 Elektrofahrzeuge an private Kunden verkauft und 80 Ladestationen aufgebaut. Deren Einsatz wurde über mehrere Jahre begleitet und erforscht.Urs Schwegler, Susanne Wegmann: Grossversuch mit Leicht-Elektromobilen (LEM) in Mendrisio. (Synthesebericht, PDF) In: forum-elektromobilitaet.ch, August 2001.

Der Einsatz von Elektrofahrzeugen wurde mit dem Grossversuch in Mendrisio nachgewiesen. Im Kanton Tessin folgte 2001–2004 das Projekt VEL2. Dieses zielte ebenfalls auf eine Sensibilisierung der Bevölkerung für energieeffiziente Fahrzeuge ab. Damit wird eine Senkung des Energieverbrauchs respektive eine Reduktion der CO2-Emissionen angestrebt. Das Folgeprojekt zum Grossversuch sollte die Brücke schlagen zu VEL3 (2005–2013), das einen selbsttragenden, neutralen Bonus-Malus vorsieht. Durch den Grossversuch schuf sich Mendrisio einen internationalen Namen als Kompetenzzentrum für Elektrofahrzeuge. Siehe dazu Elektromobilität in der Schweiz.

Bildung und Forschung Die Stadt Mendrisio verfügt über neun Kindergärten (Mendrisio Nord, Mendrisio Sud, Arzo, Capolago, Genestrerio, Ligornetto, Meride, Rancate und Salorino), vier Primarschulen (Mendrisio, Arzo, Ligornetto und Rancate), eine Sekundarschule (Scuola media), ein Gymnasium (Liceo) und eine technische Berufsschule. Ausserdem befindet sich die Architekturakademie der Università della Svizzera italiana in Mendrisio.Accademia di architettura. In: arc.usi.ch.

In Mendrisio steht das Neuropsychiatrische Kantonsspital.Il villaggio dei matti? – documentario (italienisch) auf lanostrastoria.ch

Kultur Veranstaltungen In der Karwoche finden am Gründonnerstag und am Karfreitag Prozessionen in Mendrisio statt.Prozessionen der Karwoche in Mendrisio. In: processionimendrisio.ch Das Alter dieser Tradition ist nicht bekannt, die Umzüge mit rund 270 Darstellern finden aber mindestens seit dem 17. Jahrhundert statt. Bis in die 1950er Jahre wurden dabei Frauenfiguren von Männern gespielt. An den Abenden der Umzüge werden die zahllosen über die ganze Route verteilten Laternenbilder (italienisch trasparenti) beleuchtet. Die ersten dieser Laternen wurden in den 1790er Jahren von Giovanni Battista Bagutti gemalt. Die Darsteller tragen ebenfalls bemalte Laternen. Im Jahr 2019 wurden die Prozessionen in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.Processioni storiche di Mendrisio patrimonio Unesco. In: tvsvizzera.it (italienisch). Seit 2017 ist den Laternenbildern in der Casa Croci ein kleines Museum gewidmet (Museo del Trasparente).

Seit 1983 findet jährlich im Herbst das Volksfest Palio di Mendrisio statt, dessen Höhepunkt ein Eselrennen war, das auf Drängen von Tierschutzorganisationen 2024 aufgegeben wurde. Ebenfalls im Herbst findet jeweils die Sagra dell'uva (Traubenfest) statt, bei dem Bauern und Winzer aus dem Mendrisiotto ihre Produkte feilbieten. Das Lugano Estival Jazz im Sommer findet jeweils zu einem kleineren Teil auch in Mendrisio statt.

Museen Fossilienmuseum des Monte San Giorgio in Meride Galleria Baumgartner, Ausstellung von Modelleisenbahnen Museo Vincenzo Vela in Ligornetto, nationales Kunstmuseum mit Skulpturen Vincenzo Velas Pinacoteca cantonale Giovanni Züst in Rancate, kantonales Kunstmuseum Museo d’arte Mendrisio, städtisches Kunstmuseum im alten Servitenkloster mit über 1200 Werken. Zum Museum gehören die Aussenstellen: Museo del Trasparente, den Laternenbildern gewidmete Dauerausstellung in der Casa Croci Casa Pessina in Ligornetto, ehemaliges Wohn- und Atelierhaus des Bildhauers Apollonio Pessina, Wechselausstellungen von Fotografien Teatro dell’architettura Mendrisio, wechselnde Architekturausstellungen Museo Arte Sacra in Meride, kleines Museum für religiöse Kunst

Bibliotheken und Archive Kantonsbibliothek (Biblioteca cantonale Mendrisio) Archivio del Moderno Archivio Armand Rondez

Sehenswürdigkeiten

Das Dorfbild ist im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) als schützenswertes Ortsbild der Schweiz von nationaler Bedeutung eingestuft.

Profanbauten Palazzo Torriani, ehemaliger Adelssitz der Torriani (Della Torre), Baugeschichte reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück Palazzo Busioni, im 15. Jahrhundert erbaut, seither mehrere Umbauten Palazzo Pollini, barocker Palast aus dem 18. Jahrhundert Casa Croci («Carlasch»), 1858 von Antonio Croci errichtetes Gebäude, heute Sitz des Museo del Trasparente Palazzo Turconi, 1860 als Spital eröffnet, seit 1996 Sitz der Architekturakademie, Caritas-Relief von Pietro Bernasconi im Giebelfeld, Skulptur «L’Oiseau Amoureux» (1988) von Niki de Saint Phalle am Eingang, Standbild Alfonso Turconis (1868) von Vincenzo Vela im Innenhof ehemaliges «Hôtel Mendrisio», 1869 von Bernardino Pasta eröffnet, heute Sitz des Altersheims TorrianiLuca Montagner: Carlo Pasta e la passione per il Generoso. In: Giornale del Popolo. 27. April 2018, S. 3 (PDF; 492 kB). Villa Argentina, 1872/73 erbautes herrschaftliches Anwesen, heute Sitz der Architekturakademie Villa Foresta, 1872 erbaut Kino «Mignon», 1908 eröffneter Jugendstil-Bau, einziges erhaltenes Kinogebäude der Belle Époque im Tessin Casa dell’accademia, Wohnheim der Architekturakademie

Kirchen Santa Maria, älteste Kirche des Zentrums, steht auf den Resten einer römischen Villa, im 16. und 17. Jahrhundert neugebaut, vom früheren Oratorium ist noch ein Teil des Glockenturms erhalten San Giovanni Battista, 1722–1738 im Stil des Spätbarocks errichtet, Teil des ehemaligen Servitenkonvents (heute Museo d’arte Mendrisio) Santi Cosma e Damiano, 1863–1875 nach Plänen von Luigi Fontana neugebaut San Martino nordwestlich der Stadt, im Hochmittelalter gebaut San Sisinio, romanische Kirche im Ortsteil Alla TorreKirche San Sisinio alla Torre. In: geo.admin.ch.

Weitere Luigi-Lavizzari-Denkmal auf der Piazza del Ponte, Werk von Antonio Soldini, 1900 eingeweihtGeorg Kreis: Zeitzeichen für die Ewigkeit. 300 Jahre schweizerische Denkmaltopografie. Verlag NZZ, Zürich 2008, S. 504. Italienisches Gefallenendenkmal auf dem Friedhof, Werk von Fiorenzo Abbondio, 1922 eingeweiht Tri Böcc (Drei Löcher), auch Casa dei Pagani (Heidenhaus) genannt, 40 Meter tiefe Höhle am Hang des Monte Generoso, von einer Mauer mit drei Fenstern geschützt

Sport Der Fussballverein FC Mendrisio spielte zwischen 1948 und 1985 insgesamt 17 Saisons in der Nationalliga B und erreichte 1971 den Halbfinal des Schweizer Cups. Derzeit spielt er in der 1. Liga Classic. Seine Heimspiele trägt er im 4260 Zuschauer fassenden Stadio comunale aus.

Die erste Mannschaft der Damen des Unihockeyvereins Sportiva Unihockey Mendrisiotto spielt seit 2019 in der Nationalliga A.