Bad Mitterndorf (seit 1. Juli 1972; bis 1951 Mitterndorf, 1952–1972 Mitterndorf im Steirischen Salzkammergut) ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im steirischen Salzkammergut in Österreich. Im Rahmen der Gemeindestrukturreform in der Steiermark wurde sie per 1. Jänner 2015 mit den beiden Gemeinden Pichl-Kainisch und Tauplitz zusammengeschlossen.Steiermärkische Gemeindestrukturreform. Das Gemeindegebiet umfasst seitdem das gesamte Hinterberger Tal.
Geografie Bad Mitterndorf umfasst das Hinterberger Tal im steirischen Salzkammergut im Bezirk Liezen und Gerichtsbezirk Liezen. Der dominierende Berg ist der südlich gelegene Grimming (), der mit dem Kammspitz () das Panorama des Urlaubsortes bestimmt. An der östlichen Grenze der Gemeinde liegt die ehemals größte Naturschanze der Welt, der Kulm. Über Bad Mitterndorf ist das Ski- und Wandergebiet Tauplitzalm über eine Mautstraße erreichbar.
Vom Nordwesten her kommend fließt der Salzabach durch das Bad Mitterndorfer Ortszentrum. An der südöstlichen Gemeindegrenze wird der Bach seit 1949 zum 5,5 km langen Salza-Stausee aufgestaut.
2,5 km südlich des Bad Mitterndorfer Ortskerns, an der Einmündung des Krunglbachs in den Salzabach befinden sich die Heilbrunner Thermalquellen, die bereits den Römern bekannt waren.Ein Beleg dafür ist der aus der Römerzeit stammende „Römerstein von Heilbrunn“, der einen opfernden Priester und drei Quellnymphen darstellt. Es handelt sich um 25–28 °C warme akratischeAkratische Quelle = mineralarme Quelle mit Gesamtmineralisation <1 g/kg Wasser Calcium-Magnesium-Sulfat-Hydrogencarbonatwässer mit einem Anteil an Quell-Gasen.
Klima
Gemeindegliederung mini|Der Hauptort Bad Mitterndorf mit dem Grimming im Hintergrund Die Gemeinde besteht aus fünf Katastralgemeinden (Fläche Stand ): Klachau () Krungl () Mitterndorf () Pichl () Tauplitz ()
Das Gemeindegebiet umfasst 16 Ortschaften (Einwohner Stand ):
* früher Gem. Pichl-Kainisch ** früher Gem. Tauplitz
Nachbargemeinden
Eingemeindungen Im Zuge der steirischen Gemeindestrukturreform wurde die Gemeinde Bad Mitterndorf am 1. Jänner 2015 mit den beiden anderen Gemeinden des Hinterberger Tals, Tauplitz und Pichl-Kainisch, fusioniert. Die de jure neu geschaffene Gemeinde führt den Namen Marktgemeinde Bad Mitterndorf weiter. Grundlage dafür war das Steiermärkische Gemeindestrukturreformgesetz – StGsrG.§ 3 Abs. 6 Z 1 des Gesetzes vom 17. Dezember 2013 über die Neugliederung der Gemeinden des Landes Steiermark (Steiermärkisches Gemeindestrukturreformgesetz – StGsrG). Landesgesetzblatt für die Steiermark vom 2. April 2014. Nr. 31, Jahrgang 2014. . S. 3. Eine Beschwerde, die von den Gemeinden Pichl-Kainisch und Tauplitz gegen die Zusammenlegung beim Verfassungsgerichtshof eingebracht wurde, war nicht erfolgreich.Erkenntnis des VfGH vom 23. September 2014, G 42/2014, G 80/2014.
Geschichte Vorgeschichte, Altertum, Mittelalter Im Lieglloch, einer Höhle im Krahsteinstock oberhalb von Tauplitz, wurden Funde gemacht, die dafür sprechen, „daß diese Höhle in der letzten Zwischeneiszeit und während der wärmeren Schwankungsphase der Würm-Eiszeit den Urjägern als Jagdstation diente.“ Die Funde umfassen Feuerstellen mit angebrannten Höhlenbärenknochen, Steinklingen, bohrerförmig zugerichtete Eckzähne von Höhlenbären u. a. m.M. Mottl in „Die Höhle 1“, Wien 1950; zitiert von Dr. Günter Graf in Rudolf Raimund Groß (Red): Bad Mitterndorf Band 1, Bad Mitterndorf 1972.
Aus der Bronzezeit gibt es einzelne Funde im Gemeindegebiet von Bad Mitterndorf, am Verkehrsweg zwischen Hallstatt und dem Ennstal. Man fand beim Sägewerk in Grubegg ein Bronzeschwert. Ein Lappenbeil wurde in Mühlreith gefunden, weitere in Kainisch und beim Ödensee.
Die Römer kannten die Thermalquelle Heilbrunn. Davon zeugt der Fund des Römersteins. Er zeigt drei nackte Frauen nebeneinander. Jede hält mit beiden Händen eine Muschel vor den Unterleib. Ein Mann mit Toga bekleidet steht daneben. Er hält die rechte Hand über einen Opferaltar. Bei der Quelle fand sich auch eine römische Münze (Maxentius, 306–312).Franz Hollwöger: Das Ausseer Land. Geschichte der Gemeinden Bad Aussee, Altaussee, Grundlsee, Mitterndorf und Pichl. Bad Aussee, 1956
Im Frühmittelalter erreichte die slawische Siedlungstätigkeit auch das Hinterberger Tal. Davon haben sich Ortsnamen erhalten, z. B. Tauplitz, Rödschitz und Kumitz. Das bedeutendste archäologische Zeugnis slawischer Siedlungstätigkeit im Gemeindegebiet Bad Mitterndorfs ist der um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ausgegrabene Friedhof in der Ortschaft Krungl, welcher vom 8. bis ins 10. Jahrhundert genutzt wurde. In mehreren hundert Gräbern fanden sich an Beigaben wie eiserne Messer und reichlich (oft vergoldeter) Bronzeschmuck. Ebenfalls im 8. Jahrhundert begann eine verstärkte Zuwanderung bajuwarischer Siedler. Diese wurde im 10. Jahrhundert durch die Kämpfe gegen die Magyaren für circa 50 Jahre unterbrochen und setzte sich dann bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts fort.Ferdinand Tremel in: Höplinger Franz d. J. (Hrsg.): Rund um den Grimming, Graz/Wien 1965.
Mit der übrigen Steiermark kam das heutige Gemeindegebiet von Bad Mitterndorf schließlich unter die Herrschaft der Markgrafen aus dem Geschlecht der Traungauer (1056). Kirchlich gehörte der östliche Teil des Hinterbergertales zum Erzbistum Salzburg, der westliche zum Bistum Passau, die Grenze verlief etwa gleich wie die ehemalige Gemeindegrenze zwischen Bad Mitterndorf und Pichl-Kainisch.
Im Jahr 1147 wurde Mitterndorf als „Mittelindorf“ (ahd. mittelin ‚in der Mitte befindlich‘) erstmals urkundlich erwähnt und zwar in der Urkunde, mit der der steirische Markgraf Ottokar III. dem Stift Rein verschiedene Schenkungen machte, darunter zwei Salzpfannen am Altausseer Salzberg und beneficia duo in Mittelindorf – zwei Güter (Huben) in Mitterndorf.
Aus der Zeit Herzog Albrecht I. ist ein Urbar erhalten, das zwischen 1280 und 1295 angelegt wurde und weitere Ortsnamen aus dem heutigen Gemeindegebiet enthält. Neben Mitterdorf finden sich u. a.: Hinterperch, Cammisch (Kainisch), Chrungil, Newnhofen, Oberstorf, Puhel (Pichl), Retschitz (Rödschitz) und Zauch(en).
Im ausgehenden Mittelalter hatte auch Kaiser Friedrich III. zeitweilig Privatbesitz im Hinterberg.
Mittelalter – Kirchliches Längere Zeit gehörte das Gebiet zur Pfarre Grauscharn (Pürgg). Um 1335 errichteten die Herzöge Albrecht I. und Otto in Mitterndorf eine Vikariatspfarre. Diese gehörte zur Herrschaft Hinterberg, die landesherrlich war und zwölf Dörfer umfasste.Franz Carl Weidmann: Darstellungen aus dem Steyermärk’schen Oberlande. Wien 1834, S. 186.
In der neuen Pfarre (das Gebiet der heutigen Pfarre Tauplitz verblieb bei Pürgg) wurde auch ein Gotteshaus errichtet, die heutige Pfarrkirche Bad Mitterndorf. Genaue Daten sind nicht bekannt. Untere Turmgeschoße, Orgelempore und Mauern des Langhauses gehören dem 14. Jahrhundert an. Das Langhaus wurde im 15. Jahrhundert erhöht und mit einem Netzrippengewölbe versehen. Der Bau des Chores in seiner heutigen Form (ebenfalls mit einem schönen Netzrippengewölbe) erfolgte um das Jahr 1500.Ludwig Pürcher in Groß Rudolf Raimund (Red.): Bad Mitterndorf Band I, Bad Mitterndorf 1972 Die Kirche ist der Heiligen Margareta geweiht.
Bis zum Ende des Mittelalters war Mitterndorf mit der Mutterpfarre Pürgg noch im Einflussbereich des Erzbistums Salzburg. Sie gehörten ab 1420 zum Chorherrnstift in Wiener Neustadt. 1491 verlieh Kaiser Friedrich III. die Pfarre Pürgg mit Mitterndorf dem österreichischen St. Georgs-Orden. Der Orden hatte seinen Sitz in Millstatt, von dort wurde die Pfarre verwaltet und unterstand nicht mehr Salzburg.
Reformation und Gegenreformation Der Beginn der Neuzeit stand im Zeichen von Reformation und Gegenreformation. Wie in der übrigen Steiermark fand der Protestantismus auch im Hinterberg weite Verbreitung. Neben den katholischen Geistlichen wirkten evangelische Prädikanten (Prediger), und die Bemühungen, die Einwohner wieder zum katholischen Glauben zurückzuführen, stießen auf Widerstand und waren oft nur oberflächlich erfolgreich. Lutherische Schriften waren verbreitet und wurden gehütet.
1590 führten die Mitterndorfer einen aus Aussee geholten Prädikanten zum Dienst in ihrer Kirche neben dem katholischen Pfarrer ein. Dieser erwies sich offenbar dem neuen Glauben gegenüber als duldsam. Als er jedoch starb, lehnten die Einwohner die Einsetzung eines neuen Pfarrers ab und unterstützten mit Gewalt ihren Prädikanten. Der Konflikt zog sich hin. 1597 sollte eine Kommission wieder einen katholischen Priester einsetzen, was wieder zu gewaltsamen Aktionen führte. In der Folge wurden 16 Mitterndorfer auf den Grazer Schloßberg eingeliefert. Andere Rädelsführer hatten sich über das Gebirge nach Oberösterreich geflüchtet. 1599 war erneut eine Kommission im Ausseerland tätig. In seinem Bericht darüber regte Abt Johann von Admont gar an, Aussee und Mitterndorf gänzlich niederzureißen.
Noch 1617 sah sich Ferdinand II. veranlasst zu befehlen, die „Unkatholischen im Hinterberg“ zur katholischen Religion zu bekehren.
Weitere Kirchengeschichte der Neuzeit Im 18. Jahrhundert unter der Regierung Josephs II. kam es im Hinterberg zu zwei weiteren Pfarrgründungen. Vom Gebiet der Pfarre Pürgg wurde die Pfarre Tauplitz abgetrennt. Aus dem im Hinterberg gelegenen Teilen der Pfarre Aussee und der Ortschaft Obersdorf entstand die Pfarre Maria Kumitz.
Nunmehr (2017) bilden die Pfarren Tauplitz, Bad Mitterndorf und Maria Kumitz den Pfarrverband Hinterberg.
Pfarre Mitterndorf 1577 kam die Pfarre vom St.-Georgs-Orden in die Hände der Jesuiten. Der Orden übte seine kirchlichen Rechte von Graz her aus. Der Orden hatte seit 1610 auch die Herrschaft Hinterberg in Besitz, die nach der Aufhebung des Ordens 1773 wieder an das Salinenamt in Aussee ging. Die Pfarre wurde dann dem Seckauer Generalvikariat unterstellt. Von 1786 bis 1804 gehörte das ganze Ausseerland zum kurzlebigen Bistum Leoben, dann endgültig zum Bistum Seckau. Zur Pfarrgült gehörten bis 1848 einige Häuser in Mitterndorf und eines in Krungl.
1669 schlug ein Blitz in den Kirchturm. Der Sohn des Mesners wurde getötet und der Turm brannte aus. 1775 stiftete Maria Theresia eine Kaplanstelle in Mitterndorf.
Der Kirchhof, dessen Ummauerung der erhöht stehenden Kirche den Charakter einer Wehrkirche gibt, stand bis 1872 in Benützung.
Der Hochaltar der Pfarrkirche mit den Figuren der heiligen Bischöfe Virgil und Rupert, der Marienaltar, Barbaraaltar und Annenaltar, sowie die Kanzel sind Werke des in Mitterndorf wirkenden Bildhauers Johann Fortschegger. Der Barbaraaltar zeigt ein Gemälde des Kremser Schmidt. Diese Werke stammen aus der Zeit von 1771 bis 1802.List Rudolf: Steirischer Kirchenführer Band 2, Graz/Wien/Köln 1972
Im 18. Jahrhundert wurde von Mitterndorf aus die Pfarre Maria Kumitz gegründet.
Pfarre Maria Kumitz Der Urheber des Baues der heutigen Pfarrkirche Maria Kumitz auf dem Kumitzberge, einer markanten Kalkkuppe in der Talmitte, war der Mitterndorfer Pfarrer Balthasar Marinz, der seit seinem Amtsantritt den Plan zu einem Kalvarienberge verfolgte. 1717 wurden mit dem Erlös einer Sammlung am Berge Kreuzwegbilder aufgestellt und eine kleine gemauerte Kapelle errichtet, in die eine spätgotische Pietà aus der Mitterndorfer Pfarrkirche übertragen wurde. Diese Pietà befindet sich heute am Kumitzer Hochaltar.
Im weiteren Laufe der Zeit machten verschiedene Vermächtnisse und Stiftungen es möglich, 1766 den Bau einer Kirche zu beginnen, welche 1773 geweiht und in den nächsten Jahren weiter ausgestattet wurde. Der Turm wurde schließlich 1779 vollendet. Die Kirche erhielt weiter Stiftungen und Opfer der schon zahlreichen Wallfahrer.
1782 wurde Kumitz zur Lokal-Kuratie erhoben und 1788 die Pfarre Maria Kumitz gegründet. Die Ortschaften im westlichen Hinterberg (das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Pichl-Kainisch) wurden aus Aussee ausgepfarrt und auch das am Fuße des Kumitzberges gelegene Obersdorf kam zur neuen Pfarre.