Verwaltungsamt Ermera300px|Wasserfall bei GlenoVerwaltungssitzGlenoFläche91,47 km²Direcção-Geral de Estatística: , abgerufen am 23. November 2016.Einwohnerzahl40.294 (2022)Institutu Nasionál Estatístika Timor-Leste: Final Main Report Census 2022, abgerufen am 18. Mai 2022.SucosEinwohner (2022)Estado2.551Humboe1.636Lauala3.541Leguimea3.467Mertuto2.082Poetete Lodudu gegründet 2023Poetete Vila gegründet 2023Ponilala4.055Raimerhei2.159Riheu4.057Samatrae gegründet 2023Talimoro7.842 Übersichtskarte300px|Ermera

Ermera (historisch: Hermera oder Framera)Carlos Filipe Ximenes Belo: Os antigos reinos de Timor-Leste (Reys de Lorosay e Reys de Lorotoba, Coronéis e Datos), Baucau: Tipografia Diocesana Baucau 2011. ist ein osttimoresisches Verwaltungsamt () in der Gemeinde Ermera.

Name „Ermera“ bedeutet auf Mambai „rotes Wasser“.Geoffrey Hull: abgerufen am 28. September 2014. Die Vorfahren der heutigen Einwohner der Region fanden, als sie in das Land kamen, hier eine Quelle mit blutrotem Wasser.Timor-Leste Portal Municipal: , abgerufen am 6. September 2020. Veraltete Namensvarianten sind Hermera und Framera.

Der Legende nach entspringt das rote Wasser zwischen den drei Bergen Heturia, Kailitlau und Lalimlau (Lalimilau), zu denen die drei Ahnherrn gingen. Die Quelle befindet sich an einem als heilig geltenden Ort namens Huitasu Naupai. Von den drei Bergen stammen den Überlieferungen nach die Einwohner von Usluli (Estado), Katrai (Catraileten/Catrai Caraic) und Darlau ab. Auf dem Lalimlau steht ein Monument mit einem großen Steinkreuz. Auf dem Kailitlau thront seit 2002 eine 14 Meter hohe Christusstatue mit ausgebreiteten Armen.Gemeinde Ermera: Potensia Turismu Religiozo Cristu Liurai Kailitlau, abgerufen am 4. August 2026.

Geographie Übersicht mini|links|Sucos des Verwaltungsamtes Ermera mini|links|Auf einer Straße bei Gleno (2016)

Bis 2014 wurden die Verwaltungsämter noch als Subdistrikte bezeichnet.

Das Verwaltungsamt Ermera liegt im Nordosten der gleichnamigen Gemeinde. Nordöstlich liegt das Verwaltungsamt Railaco, westlich die Verwaltungsämter Hatulia und Hatulia B und südlich das Verwaltungsamt Letefoho. Im Nordwesten grenzt Ermera an die zur Gemeinde Liquiçá gehörenden Verwaltungsämter Bazartete und Liquiçá und im Osten an das zur Gemeinde Aileu gehörenden Verwaltungsamt Aileu.Direcção-Geral de Estatística: Atlas der Gemeinde Ermera. Die Nordgrenze bildet der Gleno, ein Nebenfluss des Lóis. Seine Ufer bilden einen schmalen Streifen von Grasland in der bergigen Region,Landkarte der Vegetation Osttimors die im Süden über ansteigt.

Ermera hat eine Fläche von 91,47 km² und teilt sich in die zwölf Sucos Estado, Humboe, Lauala, Leguimea (Liguimea), Mertuto (Mertutu, Mirtutu, Mertuti), Poetete Lodudu, Poetete Vila, Ponilala, Raimerhei, Riheu (Rihiu) Samatrae und Talimoro, wobei die Territorien sehr zersplittert sind. Poetete Vila, Poetete Lodudu und Samatrae bildeten bis 2023 den Suco Poetete.

Im Verwaltungsamt liegen sowohl die ehemalige Gemeindehauptstadt Ermera (Suco Poetete Vila), als auch die heutige Hauptstadt und Sitz des Verwaltungsamts Gleno (Suco Riheu, Talimoro und Lauala).Jornal da República: , abgerufen am 5. Dezember 2023.

Klima Die Durchschnittstemperatur beträgt über das Jahr 22,2 °C, die höchste Monatsdurchschnittstemperatur 26,8 °C und die niedrigste 17,6 °C. Gerade nachts kann es unangenehm kühl werden.Asian Development Bank: TIM: District Capitals Water Supply Project – Rehabilitation of Lake Lehumo, September 2011, abgerufen am 23. Februar 2014.

Einwohner mini|links|Tänzerinnen in Gleno

Im Verwaltungsamt leben insgesamt 40.294 Menschen (2022), davon sind 20.402 Männer und 19.892 Frauen. 10.061 von ihnen wohnen in einer urbanen Umgebung, 30.233 im ländlichen Teil der Gemeinde. Im Verwaltungsamt gibt es 7.035 Haushalte. Die größte Sprachgruppe bilden die Sprecher der Amtssprache Tetum (meist des Dialekts Tetum Prasa), aber auch die Nationalsprache Mambai ist weit verbreitet. Der Altersdurchschnitt beträgt 17,0 Jahre (2010, (PDF; 2,5 MB) 2004: 16,6 Jahre (PDF; 14 MB)).

Geschichte

mini|Einwohner von Ermera vor 1940 (Álbum Fontoura) mini|Die Kirche von Ermera nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg (Okt. 1945) und nach dem Wiederaufbau (Jun. 1970)

Das kleine Königreich Framera erscheint in Berichten im 17. Jahrhundert. Es produzierte Sandelholz und Wachs. 1727 entrichtete es einen Tribut von 20 Pardaus an die Behörden. 1733 sandte das Königreich Hermera 20 Picos Lebensmittel an die Portugiesen in Lifau und 1769 stellte es 20 Männer und später 10 weitere für den Dienst in Dili. Im 18. Jahrhundert beteiligte sich Ermera an der Cailaco-Rebellion gegen die Portugiesen. – Technische Universität Lissabon (PDF-Datei; 805 kB)

1848 oder 1849 soll ein Morador in Dili zwei Sklaven eines Portugiesen getötet und nach Ermera geflohen sein, wo er beim Liurai Zuflucht suchte. Da der Herrscher sich weigerte, den Flüchtenden auszuliefern, entsandte Gouverneur António Olavo Monteiro Tôrres (1848–1851) einen Feldzug mit 6000 Mann gegen Ermera. Der Liurai und 60 seiner Männer wurden getötet und dutzende Häuser niedergebrannt. Neue Herrscherin von Ermera wurde Vasso Be-re.Douglas Kammen: Queens of Timor. In: Archipel. Band 84, Nr. 1, 2012, S. 149–173, doi:10.1017/S0022463409000216. 1850 wird Hermera als Reich mit 20.000 Einwohnern und 2625 Herdfeuern beschrieben, das an Portugal einen jährlichen Tribut von 21.000 Réis zahlte.

Ab 1863 gehörte Ermera zum Militärkommando von Maubara. Der neunzigjährige Herrscher Ermeras legte einen Treueeid auf die Portugiesen ab und erhielt den Rang eines Obersts. Bei seiner Taufe fungierte Gouverneur José Manuel Pereira de Almeida (1863–1864) als sein Taufpate. Matheus de Mesquita Hornay da Costa Baracho legte als Herrscher von Ermera am 7. Dezember 1882 seinen Treueeid in Dili ab. 1883 zahlte der Herrscher von Ermera eine Steuer von 9600 Réis. Im September 1885 legte Manuel Luiz da Graça Mesquita Hornay als neuer Herrscher seinen Eid für die Portugiesen ab. 1891 zählte Ermera 3650 Haushalte mit 22.000 Einwohnern. 1895 folgte Francisco Martins als neuer Herrscher, ein bisheriger Kommandant der Sica. Mit seinem Treueeid als Herrscher wurde er vom Oberstleutnant zum Oberst befördert. 1911 war Ermera Teil des Militärkommandos MotaelLúcio Manuel Gomes de Sousa: O bazar colonial no Timor Português: a submissão dos "comerciantes selvagens", S. 8, abgerufen am 27. Januar 2020. und ab 1934 des Verwaltungsbezirks Suro.Monika Schlicher: Portugal in Osttimor. Eine kritische Untersuchung zur portugiesischen Kolonialgeschichte in Osttimor 1850 bis 1912. S. 134–136, Abera, Hamburg 1996, ISBN 3-931567-08-7, (Abera Network Asia-Pacific 4), (Zugleich: Heidelberg, Univ., Diss., 1994).João Soares: Novo Atlas Escolar Português, 5. aktualisierte Auflage, Lisboa 1954.

+Herrscher von ErmeraHerrscherRegierungszeitBemerkungenSalo Bexaerwähnt 1726nicht christlichen GlaubensDamum 1815Herrscherin, unklar, ob dies der Name war.Vasso Be-reum 1854HerrscherinName unbekanntum 1863Neunzigjährig, der den christlichen Glauben annahm und den Rang eines Obersts erhielt.Matheus de Mesquita Hornay da Costa Barachoum 1882; † wahrscheinlich im Juli 1884Rang eines Obersts. Manuel Luiz da Graça Mesquita Hornayab 1885Rang eines Obersts.Francisco Martinsab 1895Rang eines Obersts.

Während der Schlacht um Timor im Zweiten Weltkrieg war der Ort Ermera der einzige portugiesische Militärposten, der nicht von den Japanern erobert wurde. Stattdessen besetzte die Sparrow Force der Alliierten Ermera 1942 mehrmals. Die Kirche, der Militärposten und andere Gebäude wurden im Krieg zerstört.Australia War Memorial: ERMERA, PORTUGUESE TIMOR. 1946-01-26, abgerufen am 4. Februar 2024. Nach dem Krieg wurde die portugiesische Herrschaft wieder hergestellt. 1946 wurde der Verwaltungsbezirk Ermera geschaffen.Diário do Governo, I(159). Quinta-feira, 18 de julho de 1946 In: Lúcio Sousa: A etnografia em concurso administrativo : a “monografia etnográfica” em Timor Português em 1948, abgerufen am 16. September 2024.

mini|Reisfelder am Gleno, nahe dem Ort Ermera (etwa 1968/70)

Am 1. September 1975 kam es im Verlauf des Bürgerkrieges zwischen UDT und FRETILIN in Aiphu zu Gefechten und Hinrichtungen. Bei einem Massaker an Gefangenen richteten UDT-Kämpfer in Aiphu 26 Mitglieder der FRETILIN hin.„Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ (PDF; 2,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch) Am 8. September töteten Kämpfer des Team Susi, zu dem indonesische Soldaten und osttimoresische Partisanen gehörten, in Aiphu dutzende Zivilisten. Tomás Gonçalves gab an, dass mindestens 70 Zivilisten ermordet wurden. Unter den Toten war auch Helder Varela, Sohn des Administrators des Subdistrikts Ermera. An die Opfer der Hinrichtungen und Kämpfe erinnert seit 2016 ein Denkmal.Regierung Osttimors: Government builds Reconciliation Monument of Aifu’s massacre, 8. April 2016, abgerufen am 20. Juni 2017.

Anfang 1976 erreichten die indonesischen Invasionstruppen Ermera. Ein Teil der Bevölkerung floh aus Angst in die Berge. Nach der Eroberung von Samara (Verwaltungsamt Hatulia) am 24. April wurden 500 seiner Einwohner im Ort Ermera interniert, wo sie aufgrund der fehlenden Nahrungsmittelversorgung an Hunger litten. Weitere Internierungslager für Zivilisten, sogenannte Transit Camps, gab es im damaligen Subdistrikt Ende 1979 in Borohei (Suco Humboe), Mangero (Suco Riheu), Hotklokat (Suco Lauala) und Falimanu. (PDF; 1,3 MB)

Anfang 1979 wurden etwa hundert Männer aus der bisherigen Distriktshauptstadt Ermera und dem Suco Ponilala von der indonesischen Besatzungsmacht an den Ort gebracht, wo heute die Stadt Gleno steht. Das indonesische Militär zwang die Männer, das bisher unbewohnte Gebiet zu roden und von der Vegetation zu befreien, damit hier die neue Stadt gebaut werden konnte. Erfüllten die Zwangsarbeiter ihr Tagespensum nicht, wurden sie zur Bestrafung gefoltert. Drei Männer, die zu krank zum Arbeiten waren, wurden von den Soldaten umgebracht. Da man in der Zeit keine Gärten anlegen konnte, erfolgte die Versorgung mit Nahrungsmitteln durch das Militär. Als die Arbeiten an der neuen Distriktshauptstadt Gleno 1983 beendet waren, stellte das Militär die Versorgung ein. Die Familien der Zwangsarbeiter wurden nun ebenfalls nach Gleno zwangsumgesiedelt. Weil immer noch keine Gärten zur Grundversorgung angelegt worden waren, kam es zu Todesfällen durch Verhungern. Erst ab 1985 durften sich die Bewohner Glenos frei bewegen.

1991 versteckte der Pfarrer Mário do Carmo Lemos Belo den FALINTIL-Oberbefehlshaber Xanana Gusmão, mit Hilfe anderer, in seinem Pfarrhaus im heutigen Suco Poetete Vila.Jornal da República: DECRETO DO PRESIDENTE DA REPÚBLICA Nº. 72 / 2015 de 19 de Novembro, abgerufen am 22. April 2019. In Mertuto versteckte sich 1997 der FALINTIL-Kommandant Nino Konis Santana in einem Bunker unter einem Haus vor der indonesischen Armee. Ein fünfjähriger Junge namens Kercoli versorgte ihn in dieser Zeit mit Wasser und Essen. Die High School in Gleno ist daher nach Santana benannt, ebenso der Friedhof von Railori, wo Santana nach seinem Tod 1998 zunächst beerdigt wurde.Independente: Skeleton of Konis Santana to be brought to cemetery of family, 10. April 2012

Am 10. April 1999 brannten indonesische Soldaten gemeinsam mit Milizionären der Darah Merah dutzende Häuser im Ort Ermera nieder.

Politik mini|hochkant|Kirchturm von Ermera

Der Administrator des Verwaltungsamts wird von der Zentralregierung in Dili ernannt.