mini|hochkant=1.6|Die Stadt Dingolfing von der Schwedenschanze aus

Dingolfing [] ist die Kreisstadt des Landkreises Dingolfing-Landau im Regierungsbezirk Niederbayern.

Geografie Lage und Raumordnung Die Stadt liegt etwa 100 Kilometer nordöstlich von München im Tal der Isar in Niederbayern. Zum Stichtag 1. März 2018 erfolgte eine Höherstufung zu einem Oberzentrum, zuvor handelte es sich um ein Mittelzentrum.

Gemeindegliederung mini|Das spätgotische Münster St. Johannes und der Storchenturm mini|Dingolfing mit Isarstausee und BMW-Werke von Südosten mini|Die Obere Stadt Die Stadtgemeinde Dingolfing hat 22 Ortsteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Es gibt die Gemarkungen Dingolfing, Frauenbiburg und Teisbach.

Hauptort Im ursprünglichen Stadtgebiet rechts der Isar bestehen u. a. folgende Wohnplätze: Altstadt Obere Stadt Untere Stadt Vorstädte Gries Fischerei Krautau (erstes Neubaugebiet nach 1945, südwestlich der Altstadt) Schulviertel Waldesruh (am Asenbach) Spiegelbrunn (kleine Siedlung am Asenbach südlich der Waldesruh) Oberdingolfing Brunnerfeld (1+2) Schwedenschanze Links der Isar: Höll Ost Höll Ost 2 Sossau Sossauer Wiesen Salitersheim Geratsberg Friedenheim

Territoriale Entwicklung und Eingemeindungen mini|hochkant=1.6|Illustration von Matthäus Merian in der Topographia Bavariae (Doppelseite 26/27 in einer Ausgabe von 1665) – Mitte links die Siedlung rund um die hochaufragende Pfarrkirche St. Johannes, rechts darüber die „Obere Stadt“, davor die Isar. 1251 Neben einem älteren Siedlungsbereich rund um das Münster St. Johannes gründete der bayerische Wittelsbacher-Herzog Otto II. durch einen militärischen Akt auf einem höhergelegenen, zur Isar vorspringenden Bergsporn die heutige Obere Stadt.Dingolfingen - Stadtbroschüre 2019: . PDF, abgerufen am 19. November 2020. 1265 Durch einen Burgfriedensvertrag zwischen dem Bischof von Regensburg und Heinrich I. (Herzog von Niederbayern) wurden beide Siedlungen zu einer Stadt verschmolzen. Diese Vereinigung wird durch zwei Sterne im Dingolfinger Wappen symbolisiert. 1330 In den Burgfrieden wurden durch Herzog Heinrich XIV. von Bayern die Vorstadt Fischerei und Gebiete links der Isar mit den Weilern bzw. Schwaigen Goben, Höll, Geratsberg und Sossau eingegliedert. Dafür steht der dritte Stern im Wappen. 1946 Das Stadtgebiet blieb im Wesentlichen bis zum 1. Januar 1946 unverändert, als der Grüblhof, bis dahin Teil der Gemeinde Loiching, auf Weisung der amerikanischen Militärregierung (einschließlich der Rostmühle, die nach dem aktuellen Besitzer auch als Mosermühle bekannt ist) eingegliedert wurde. 1972 Der ehemalige Markt Teisbach wurde am 1. Januar 1972 einschließlich der links der Isar liegenden Gemeindeteile Höfen (die sogenannte „Teisbacher Enklave“), sowie der 1946 von Loiching nach Teisbach umgegliederten Gemeindeteile Höfen, Gaubitzhausen und Schönbühl eingegliedert.

Auch die nördlichen Gemeindeteile der Gemeinde Frauenbiburg, der flächenmäßig größere Anteil mit rund 90 Prozent der Bevölkerung, wurden am 1. Januar 1972 eingegliedert. Sie umfassen Frauenbiburg, Brunn, Einöd, Kaltenberg, Mietzing, Oberbubach, Oberdingolfing, Oberholzhausen, Öd, Schermau, Unterbubach, Unterholzhausen und Weinpreß. Die südlichen Ortsteile (771,93 Hektar) von Frauenbiburg kamen zur Gemeinde Marklkofen.

Durch diese Eingliederungen wuchs Dingolfing von 1800,61 auf 4249,96 Hektar. 914,57 Hektar stammen vom ehemaligen Markt Teisbach, 1534,78 Hektar von der ehemals 2306,71 Hektar großen Gemeinde Frauenbiburg.Vergleich der Gemeindeverzeichnisse von 1970 vor und nach den Gebietsänderungen. 1979 Die letzte Gebietsstandsänderung erfolgte am 1. Juli 1979, als die Gemeindeteile Achatzstall und Neuhausen, die 1972 aus der aufgelösten Gemeinde Frauenbiburg nach Marklkofen eingegliedert wurden, auf Wunsch der Bevölkerung zur Stadt Dingolfing kamen. Dabei vergrößerte sich das Stadtgebiet von 4250 auf 4405 Hektar.Vergleich der „Gemeindedaten“ von 1978 und 1980. Diese beiden Gemeindeteile sind nicht wie das übrige Stadtgebiet unter der Telefonvorwahl 08731 zu erreichen, sondern unter 08732, wie etwa Frontenhausen und Marklkofen.

Stadtanlage mini|hochkant=1.6|Historische Ansicht der Stadt Dingolfing aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Erkennbar sind von links u. a. die Hochbrücke, die Obere Stadt, die damals noch vorhandene Stadtmauer, am rechten Bildrand die Untere Stadt mit der Pfarrkirche St. Johannes

Dingolfing hat eine bemerkenswerte Stadtanlage: Die eigentliche Kernstadt mit dem Marienplatz (früher: Wollerzeile), der platzartig geweiteten Bruckstraße und der ehemaligen Handwerkerzeile Lederergasse sowie der Münster- und Pfarrkirche St. Johannes wird von einer Oberstadt überragt, die sich auf einer Erhebung befindet, die nach drei Himmelsrichtungen abfällt. Beide Stadtteile sind an ihrer einzigen historischen Verbindung, dem Steinweg, durch ein innerstädtisches Tor, den Reiserbogen geschieden. U. U. kann man in dieser Dichotomie eine Doppelgründung erkennen: Während die wittelsbachischen Herzöge in der Oberstadt Fuß fassten, versuchte sich der Bischof von Regensburg in der Unterstadt zu behaupten, ehe die Wittelsbacher im Zuge ihres Landesausbaus den Bischof im 13. Jahrhundert aus der Stadt drängten und die Gesamtstadt in ihrer Hand vereinigten.

Hydrologie mini|Foto von der renaturierten Isar Dingolfing mit Blick auf die alte Isarbrücke Die Isar durchfließt das Stadtgebiet von West nach Ost. Der ehemalige Wildfluss wurde etwa 1890 reguliert und ist seit 1957 im westlichen Teil der Stadt durch das Wasserkraftwerk Dingolfing zum Stausee Dingolfing aufgestaut. Neben der wirtschaftlichen Nutzung dient dieses Gebiet auch als Naherholungsgebiet sowie als Brutstätte für viele Wasservogelarten. Ein renaturiertes Teilstück der Isar Dingolfing wurde am 6. Mai 2018 offiziell freigegeben. Weitere Fließgewässer sind der Teisbach, der den gleichnamigen Ortsteil durchfließt, der Asenbach, der Längenmühlbach links der Isar sowie der Stadtmühlbach, der parallel zur Isar und in Teilen verrohrt durch die Innenstadt fließt. Dort beschreibt er den ehemaligen Verlauf der Isar vor der Regulierung. Auf Höhe der Fischerei wird der Stadtmühlbach in Form eines Dükers unter dem Asenbach hindurch geleitet. Dieser Stadtbach wird aus dem Sickergraben direkt am Einlaufbauwerk in die Isar unterhalb des Wasserkraftwerks Dingolfing nach rechts ausgeleitet.

Geschichte Historiographie mini|hochkant|Gedenktafel in der Oberen Stadt für Josef Wolfgang Eberl, Gymnasialprofessor in Freising für Kirchenrecht, Kirchengeschichte und Patrologie. Die Tafel bezeichnet ihn fälschlicherweise als Professor der „Pathologie“. Die älteste zusammenfassende Darstellung zur Dingolfinger Stadtgeschichte stammt aus der Feder des Gymnasialprofessors und Theologen Josef Wolfgang Eberl.Josef Wolfgang Eberl: Geschichte der Stadt Dingolfing und ihrer Umgebung, Freising 1856; unveränderter Neudruck mit beigefügter Biographie Eberls von Johann Baptist Nirschl, Dingolfing 2004. Eberls Werk fällt in die Zeit der Entstehung einer modernen historisch-kritischen Geschichtswissenschaft und ist damit seinerseits heute ein Zeugnis für die historische Sichtweise in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Als gültige Darstellung muss es als überholt gelten, wenngleich insbesondere Eberls epigraphische Notizen von bleibendem Wert sind. Im Grunde hat die Stadt seit Eberl keine historische Gesamtdarstellung mehr gefunden. Markmillers umfängliches Buch bezieht sich vornehmlich auf die Baugeschichte der Stadt, wenngleich hier auch wesentliche Aspekte der allgemeinen Geschichte auf exakter Auswertung der Baubefunde und Schriftquellen dargelegt werden.Fritz Markmiller: Dingolfing. Das Gesicht einer kleinen Stadt, 3. Aufl. Dingolfing 1985.

Wesentliche Detailarbeit wurde aber vor allem in der Regionalzeitschrift Der Storchenturm publiziert.Der Storchenturm. Geschichtsblätter für die Landkreise um Dingolfing, Landau und Vilsbiburg (Erscheinungsverlauf: 1.1966–31.1996 = H. 1–59; 31.1998=H. 60; 33.2011=Ausg. 61 – ). Eine neuere übergreifende Gesamtdarstellung unter Einbeziehung sozial- und wirtschaftshistorischer Aspekte steht aus.

Historischer Abriss mini|Denkmal in der Oberen Stadt für die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 aus dem Gebiet des Bezirksamts Dingolfing Dingolfing feierte im Jahr 2001 das 750-jährige Jubiläum der Stadtgründung, wenngleich die Ansiedlung deutlich älter ist. Jungsteinzeitliche Siedlungen innerhalb und außerhalb der Altstadt sind nachgewiesen. Im 8. Jahrhundert fanden zur Zeit des agilofingischen Herzogtums Kirchensynoden in Dingolfing statt. Anlässlich einer solchen Versammlung unter Herzog Tassilo III. wird Dingolfing im Jahre 770 erstmals als Thingolfinga erwähnt. Die erste urkundliche Nennung erfolgte am 27. Mai 833 in einem Diplom Ludwigs des Deutschen für Kloster Sankt Emmeram in Regensburg, worin Ludwig dem Bischof Baturich den Besitz einer Kirche und sechs Höriger im Gebiet des Fiscus von Dingolfing (Tinguluinga) bestätigt.Urkunde Nr. 11 in: Für das Jahr 932 ist eine Synode urkundlich erwähnt, die König Heinrich I. anberaumt hatte, um im Abwehrkampf gegen die Ungarn zu bestehen. Aus dieser Zeit entstammt auch die Burg, die dann ab 1410 von den bayerischen Herzögen für ihre Zwecke umgebaut worden ist.

Im Jahre 1274 wurde Dingolfing das Stadtrecht verliehen. Die originalen Stadtrechtsurkunden sind seit dem Stadtbrand von 1743 verloren, doch besteht eine mehrfache kopiale Überlieferung.Erich Stahleder, Fritz Markmiller: 700 Jahre Stadtrecht Dingolfing. Stadt Dingolfing, Dingolfing 1974. Thomas Eder: Die Entwicklung des Stadtrechts in den altbayerischen Städten im Mittelalter: dargestellt an den Beispielen der Städte Landshut, Dingolfing und Landau an der Isar (Diss. Regensburg 2001), Marburg 2001.

Nach der dritten bayerischen Landesteilung gehörte Dingolfing zuerst zum Straubinger Teilherzogtum und fiel mit dessen Ende 1425 an die Linie Bayern-Ingolstadt. Mit deren Aussterben wiederum (1447) gelangte Dingolfing unter die Herrschaft der sogenannten Reichen Herzöge von Bayern-Landshut und verblieb dort, bis auch diese Linie des Hauses Wittelsbach 1503 mit Georg von Landshut im Mannesstamm erlosch. Der Landshuter Erbfolgekrieg sicherte der Münchener Linie der Wittelsbacher den Großteil des Landshuter Erbes, darunter auch Dingolfing, das damit zum nunmehr wiedervereinigten gesamtbayerischen Herzogtum gehörte. Während des Spätmittelalters, insbesondere während der Zugehörigkeit zum Landshuter Teilherzogtum erlebte die Stadt eine wirtschaftliche Blütephase, wovon die stattliche Kirche St. Johannes (Grundsteinlegung 1467) Zeugnis ablegt. Nach wirtschaftlichem Niedergang im 17. Jahrhundert und einer schwedischen Besatzung und Plünderung im Dreißigjährigen Krieg brachte der Österreichische Erbfolgekrieg 1743 eine Katastrophe über die Stadt. Im Zuge von Kampfhandlungen zwischen feindlichen österreichischen Truppen einerseits und den verbündeten Franzosen andererseits gingen große Teile der Stadt in Flammen auf. Die Stadt konnte sich von diesem Schlag nur sehr langsam erholen und versank in weitgehende Bedeutungslosigkeit. Den Zweiten Weltkrieg überstand die Stadt ohne Schäden. Lediglich die Brücke über die Isar wurde von der abziehenden Wehrmacht gesprengt.

An sieben erschossene oder erschlagene jüdische KZ-Häftlinge eines Todesmarsches am Ende des Zweiten Weltkrieges, die zwischen Dingolfing und Unterbubach aufgefunden worden waren und auf dem Städtischen Friedhof begraben wurden, erinnerte ein Gedenkstein. Die Toten wurden 1958 auf den Friedhof der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg überführt.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 129 f.