mini|Jonny Greenwood am Rock Oz’Arènes in Avenches – August 2006

Radiohead ist eine britische Rockband, die 1985 in Oxford, England gegründet wurde. Die Band besteht aus Thom Yorke (Gesang, Rhythmusgitarre, Piano), Jonny Greenwood (Lead-Gitarre, Keyboard, Ondes Martenot), Colin Greenwood (E-Bass, Keyboard), Ed O’Brien (Gitarre, Backgroundvocals) und Phil Selway (Schlagzeug, Backgroundvocals). Radioheads experimenteller Ansatz gilt als Wegbereiter für den Sound des Alternative Rocks.

Bis 2019 hat die Band fast 40 Millionen Tonträger weltweit verkauft. vom 16. Juli 2018; abgerufen am 26. April 2019 Ihre Auszeichnungen umfassen sechs Grammy Awards, vier Ivor Novello Awards und fünf Mercury Prize Nominierungen. Radiohead wurde 2019 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.Radiohead wurden in die „Rock & Roll Hall of Fame“ aufgenommen. Musikexpress, 1. April 2019; abgerufen am 5. August 2019.

Geschichte Gründung der Band (1985 bis 1991) Die Band wurde 1985 an der Abingdon School in Abingdon bei Oxford unter dem Namen On a Friday gegründet, da man dort immer freitags probte. Anfang 1986 folgte der erste Auftritt in der Jericho Tavern in Oxford. 1987 verließen Yorke, O’Brien, Selway, und Colin Greenwood die Schule, um zu studieren, trotzdem traf sich die Band regelmäßig an Wochenenden und in den Ferien. Erst ab 1991 wurde die Band zunehmend professioneller und unterschrieb in jenem Jahr einen Vertrag mit EMI für sechs Alben. Auf Anregung der Plattenfirma nannte sich die Band, nach dem Song „Radio Head“ auf dem Album True Stories der Talking Heads, in Radiohead um.Christoph Dallach: „Übrigens, Dad, wir gehen demonstrieren“. Interview mit Thom Yorke. In: Zeit-Magazin, Nr. 30/2019, S. 14–20, hier S. 19.

Pablo Honey und frühe Erfolge (1992 bis 1994)

Die erste kommerzielle Veröffentlichung von Radiohead war die EP Drill im Mai 1992. Zum Zeitpunkt der Aufnahme hieß die Band noch On a Friday, die Umbenennung erfolgte jedoch kurze Zeit später, so dass bereits Radiohead auf dem Cover stand. Mit der Single Creep (erschien erstmals im September 1992), die sich über einen längeren Zeitraum in den Charts vieler Länder hielt, hatte die Band ihren ersten großen Erfolg. Dennoch hatte die Band lange Zeit ein sehr gespaltenes Verhältnis zu dem Lied, das sie bekannt machte, und erst in jüngster Zeit wird Creep häufiger auch bei Konzerten gespielt. 1993 erschien mit Pablo Honey das Debütalbum, das Platz 22 der britischen Charts erreichte und von der Kritik verhalten aufgenommen wurde. Die folgenden Singles Anyone Can Play Guitar und Stop Whispering sowie später Pop Is Dead verkauften sich jedoch schlecht, ebenso wie die 1994 erschienene EP My Iron Lung.

The Bends (1994–1995)

Erst mit dem zweiten Album The Bends, bei dem neben Musikproduzent John Leckie Nigel Godrich erstmals in der Funktion als Co-Produzent mit dabei war, der mit der Zeit zum „sechsten Bandmitglied“ wurde, schaffte die Band 1995 wieder den Sprung in höhere Chartränge. Intro.de, 22. Mai 2003; abgerufen am 20. November 2008 Auch von Kritikern wurde das Album überwiegend sehr gut bewertet.[ zu The Bends.] Allmusic Review The Bends enthielt überwiegend melodische Rocksongs, hob sich aber stilistisch und soundtechnisch deutlich vom damals dominierenden Britpop ab.

OK Computer und Against Demons Welttournee (1995–1998)

Nach zwei Jahren, in denen die Band fast ausschließlich auf Tour war und dabei neues Songmaterial wie etwa Airbag, Paranoid Android und Subterranean Homesick Alien testete, veröffentlichte sie 1997 das Album OK Computer. Zunächst wurde es überwiegend verhalten aufgenommen und galt nicht wenigen Kritikern in einer Zeit, in der Oasis vielen als die wichtigste britische Rockband galt, als überkomplex, überladen und prätentiös. Doch nach einer Weile entwickelte sich OK Computer bei Kritikern und Publikum zu einem großen Erfolg, fand in Umfragen von Musikmagazinen noch weit größere Zustimmung als The Bends und wurde von Presse und Fans als eines der besten Alben der 1990er gewürdigt; inzwischen gilt es vielfach als eines der besten Rockalben überhaupt. Mit OK Computer, das 1998 einen Grammy gewann, ging die Band endgültig neue, für den bis dahin dominierenden klassischen Britpop ungewöhnliche Wege, indem sie beispielsweise mit Raumklang, Rauschen und computergenerierten Stimmen experimentierte. OK Computer machte Radiohead zugleich auch in den USA bekannt.

Kid A und Amnesiac (1998–2001)

Nach einer Welttournee folgte in der zweiten Hälfte des Jahres 1998 eine Pause, in der die Band nur selten auftrat und die Öffentlichkeit mied. Diese Zurückhaltung setzte sich zunächst auch über die Veröffentlichung des vierten Albums Kid A im Jahr 2000 hinaus fort. Das Album wurde kaum beworben, die Band gab nur sehr wenige Interviews, Musikvideos wurden ausschließlich im Internet veröffentlicht. Außerdem wurden aus Kid A keine Singles ausgekoppelt. Trotzdem erreichte das Album, auf dem die Band ihre Experimente mit verschiedenen Stilrichtungen und unkonventionellen Sounds und Songstrukturen erheblich ausweitete, Platz 1 der US-Charts, möglicherweise auch deshalb, weil das Album vor der Veröffentlichung auf der seinerzeit weltweit populären Musiktauschbörse Napster erhältlich war.Richard Menta: Did Napster Take Radiohead’s New Album to Number 1? MP3 Newswire, 28. Oktober 2000 Auch Kid A erhielt, wie schon die beiden Vorgängeralben, überwiegend sehr gute Kritiken.Kritik bei Plattentests Online.

Das fünfte Album Amnesiac wurde in der Mitte des folgenden Jahres veröffentlicht und bestand aus weiterem Material derselben Aufnahmesessions wie Kid A. Die beiden Alben ähneln sich stilistisch. Anders als aus Kid A wurden aus Amnesiac allerdings Singles ausgekoppelt, unter denen der Pyramid Song die bekannteste ist; das Lied ist zwar rhythmisch ungewöhnlich, orientiert sich aber ansonsten stärker als die meisten anderen Titel auf den beiden Alben an klassischen Songstrukturen.

Hail to the Thief (2002 bis 2006)

Nach einer weiteren großen Tour veröffentlichte die Band 2003 ihr sechstes Album Hail to the Thief, das sich weniger auf elektronische Experimente stützt als seine beiden Vorgänger, sich aber dennoch deutlich vom gitarrengetriebenen Rock der Anfangszeit unterschied. Der Titel des Albums sorgte für Aufsehen, da er in den USA als Anspielung auf den umstrittenen Ausgang der amerikanischen Präsidentschaftswahlen 2000 interpretiert wurde. Hail to the Thief war zur Verärgerung der Band schon einige Monate vor der offiziellen Veröffentlichung in einer roh gemixten Fassung im Internet erhältlich. Radiohead zeigte sich in Interviews jedoch verstimmt darüber, dass EMI die CD-Ausgabe des Albums gegen den Willen der Band mit einem Kopierschutz ausgestattet hatte.

Mit der Veröffentlichung von Hail to the Thief war Radioheads Vertrag mit EMI ausgelaufen. Die fünf Musiker zeigten wenig Interesse, diesen zu verlängern, trafen aber auch keine Vereinbarung mit einer anderen Plattenfirma.

Als erstes Bandmitglied veröffentlichte Jonny Greenwood 2003 mit Bodysong ein Soloalbum als Soundtrack zur gleichnamigen Dokumentation von Simon Pummel. 2006 veröffentlichte Thom Yorke mit dem Album The Eraser ebenfalls eine Soloplatte mit elektronisch untermalten Popsongs.

mini|Colin Greenwood beim Bonnaroo Music Festival – Juni 2006 In Rainbows (2006 bis 2009)

Nach einer Welttournee 2006 arbeitete Radiohead an der Fertigstellung ihres neuen Albums In Rainbows. Da Radiohead keinen neuen Plattenvertrag abgeschlossen hatte, war das am 10. Oktober 2007 erschienene Album bis Dezember 2007 als Download oder Discbox nur im Selbstvertrieb über die Website der Band erhältlich. Dabei bestimmte der Kunde den Preis für den Download selbst. Inzwischen ist das Album auch über iTunes und als CD erhältlich.

Am 5. August 2009 veröffentlichte Radiohead zu Ehren des ältesten Kriegsveteranen der British Army des Ersten Weltkrieges, des am 25. Juli 2009 verstorbenen Harry Patch, den Song Harry Patch (In Memory Of) auf der eigenen Webseite. Wenige Wochen später verschenkte die Band ihren neuen Song These Are My Twisted Words als Download, ebenfalls auf ihrer Internetseite.

2010 veröffentlichten Fans der Band einen Live-Mitschnitt eines Konzertes in Prag: Am 23. August 2009 filmten 50 Besucher von unterschiedlichen Standpunkten ein gesamtes Konzert und veröffentlichten die Aufnahmen als kostenlosen Download. Die Tonspur dafür wurde direkt von der Band zur Verfügung gestellt.Live-DVD vom Konzert in PragLive In Praha DVD. Tonspion

Peter Gabriel coverte auf dem 2010 erschienenen Studioalbum mit dem Namen Scratch My Back das Lied Street Spirit von Radiohead in einer orchestralen Fassung. Diese lehnten es jedoch ab, an dem später im Jahr 2013 erschienenen Kompilation des Folgeprojektes And I’ll Scratch Yours teilzunehmen und wurden durch einen anderen Künstler ersetzt.

The King of Limbs (2010 bis 2011)

In einem Interview sagte Ed O’Brien, dass die Band Ende 2010 ein neues Album veröffentlichen würde. Damit widersprach er Sänger Thom Yorke, der zuvor erklärt hatte, die Band werde nur noch EPs und Singles veröffentlichen.Radiohead: Neues Album kommt „definitiv“. laut.de Am 14. Februar 2011 kündigte Radiohead schließlich ihr achtes Studioalbum The King of Limbs an, welches am 18. Februar digital und am 25. März in physischer Form veröffentlicht wurde.Radiohead: Neues Album ab Samstag im Netz. laut.de Ende 2011 veröffentlichte man zudem mehrere Songs, die nicht rechtzeitig zum Erscheinen des Albums fertig geworden waren, darunter die Single The Daily Mail.

Pause und Nebenprojekte (2012 bis 2015) Nach der King of Limbs Tournee und einer mehrjährigen Pausen arbeiteten die Bandmitglieder an mehreren Nebenprojekten. Im Februar 2013 veröffentlichte Yorke und Godrichs Band, Atoms for Peace, ihr Album Amok. Die beiden machten in diesem Jahr Schlagzeilen wegen ihrer Kritik an dem kostenlosen Musik-Streaming-Dienst Spotify. Yorke warf Spotify vor, dass nur große Labels mit großen Katalogen davon profitierten, und ermutigte Künstler, stattdessen ihre eigenen „direkten Verbindungen“ zum Publikum aufzubauen.

A Moon Shaped Pool (2015 bis 2016)

2015 erhielt die Gruppe den Auftrag, den Titelsong für den Film James Bond 007: Spectre zu liefern, doch wurde das Ergebnis vom Filmstudio schließlich als „zu düster“ abgelehnt. Am 8. Mai 2016 wurde ihr neuntes Album A Moon Shaped Pool als Download sowie über mehrere Streaming-Dienste veröffentlicht; seit Juni 2016 ist das Album außerdem auf CD und Schallplatte erhältlich. Es wurde von der Kritik überwiegend positiv bis begeistert aufgenommen.

Remaster und weitere Nebenprojekte (seit 2017) Am 11. Juni 2019 veröffentlichte Radiohead Demos aus der Zeit von OK Computer, nachdem ein Hacker nach einem Erpressungsversuch die Songs geleakt hatte. Als MiniDiscs [Hacked] erschienen die Aufnahmen für einen begrenzten Zeitraum offiziell im Selbstverlag. Die im Rahmen der Veröffentlichung erzielten Einnahmen kommen der Umweltschutzbewegung Extinction Rebellion zugute, die sich gegen das Massenaussterben und die Klimakrise einsetzt.

Ed O’Brien veröffentlichte im April 2020 sein erstes Soloalbum (Earth).sueddeutsche.de Das Album enthält ein Duett mit Laura Marling.

Im November 2021 veröffentlichte Radiohead Kid A Mnesia, eine Jubiläums-Neuauflage, die Kid A, Amnesiac und bisher unveröffentlichtes Material enthält. Radiohead promotete die Neuveröffentlichung mit Download-Singles und Videos zu den bisher unveröffentlichten Titeln If You Say the Word und Follow Me Around. Kid A Mnesia Exhibition, eine von Epic Games entwickelte und als virtuelle Ausstellung konzipierte interaktive Welt mit Musik und Artwork aus den Alben, erschien kurz nach Veröffentlichung des Albums für PlayStation 5, macOS und Windows. Im September 2025 gab die Band bekannt, ab November auf Tour durch Europa zu gehen und erstmals seit sieben Jahren Konzerte zu spielen.

Einflüsse