mini|hochkant=1.35|Ortsansicht von Ebrach von Süden Ebrach ist ein Markt im oberfränkischen Landkreis Bamberg, Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Ebrach und zählt zur Metropolregion Nürnberg und eine Gemarkung.

Geografie Geografische Lage Der Hauptort liegt im Steigerwald an der Mittleren Ebrach zwischen Bamberg im Osten und Würzburg im Westen. Dort befindet sich das ehemalige Zisterzienserkloster Ebrach. Nördlich von Ebrach liegen die beiden wertvollen Waldschutzgebiete Waldhaus und Brunnstube.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn) Rauhenebrach (Unterfranken), Burgwindheim (Oberfranken), Geiselwind und Oberschwarzach (beide Unterfranken).

Gemeindegliederung Es gibt zwölf Gemeindeteile (in Klammern sind der Siedlungstyp und die Einwohnerzahlen angegeben):

Es gibt die Gemarkungen Buch (Gemarkungsteil 0), Ebrach (Gemarkungsteil 0), Großbirkach, Großgressingen und Neudorf bei Ebrach. Die Gemarkung Ebrach liegt auf dem Gemeindegebiet von Ebrach und den gemeindefreien Gebieten Ebracher Forst und Koppenwinder Forst. Sie hat eine Fläche von 35,007 km². Sie ist in 1619 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 21622,34 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Ebracher Gemeindeteile Eberau und Schmerb.

Geschichte Bis zum 18. Jahrhundert Der Ortsname stammt wahrscheinlich nicht von Eber, sondern vielleicht von einem alten vorgermanischen Stamm ebr- (Wasser), urverwandt mit dem baskischen ibar (Tal).H. Bahlow, Th. Vennemann, M. Morvan mini|Ebrach und seine ehemalige Klosteranlage Kloster Ebrach wurde 1127 als eines der ersten rechtsrheinischen Zisterzienserklöster durch die fränkischen Edelfreien Berno und Richwin von Eberau gegründet. Im Jahre 1127 übersiedelten zwölf Mönche vom Mutterkloster Morimond. 1200 begann Abt Hermann I. den Bau der Abteikirche, die 1285 vollendet wurde. Sie ist 88 Meter lang und gilt als eines der schönsten Baudenkmäler der frühgotischen Baukunst. In dem Bauwerk befindet sich eine in den 2010er Jahren sanierte prächtige klassizistische Ausstattung. Sie umfasst über 50 Fenster, 26 Altäre und über dem Westportal eine Rosette von zwölf Meter Durchmesser nach dem Vorbild von Notre Dame in Paris. Die Fenster wurden 1887 neu gemalt. Obwohl die Ebracher Äbte immer wieder die Reichsunmittelbarkeit für ihr Kloster anstrebten, blieb es unter der Herrschaft des Würzburger Bischofs. Es gehörte zu den reichsten Abteien Frankens und hatte Außenposten („Amtsschlösser“) in Mainstockheim, Sulzheim, Oberschwappach und Burgwindheim.

Seit 1803 Das Kloster wurde 1803 im Zuge der Säkularisation aufgelöst, der Ort kam durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 wie weite Teile Frankens zu Bayern (Siehe auch Geschichte Frankens).Johannes Neumann: (PDF; 179 kB). Kloster Ebrach wurde offiziell erst bei seiner Aufhebung die Reichsunmittelbarkeit zuerkannt. Vor 1803 hatte das Hochstift Würzburg diese stets mit Erfolg bestritten. Die Klosterkirche ist seither katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Seit 1851 nutzte das Zuchthaus (die heutige Justizvollzugsanstalt Ebrach) die barocken Klostergebäude. Im Ersten Weltkrieg fielen 25 Männer aus Ebrach und im Zweiten Weltkrieg 57 Männer.denkmalprojekt.org

Im Jahr 1969 war Ebrach und sein Umland Ziel des sogenannten Ebracher Knast-Camps. Anlass für das Knast-Camp war die Inhaftierung des 22-jährigen Münchner Studenten und SDS-Mitglieds Reinhard Wetter, der wegen Aufruhrs und Landfriedensbruchs zu 9 Monaten Gefängnisstrafe verurteilt worden war und im Frühjahr 1969 in die JVA Ebrach verlegt wurde. Bereits am 10. Mai 1969 kamen nach einem Aufruf von Fritz Teufel, dessen Münchner Mitbewohner Reinhard Wetter war, etwa 80 Menschen zur „Knast-Kampagne“ nach Ebrach, um Reinhard Wetter mit Holzbohlen und Rammböcken symbolisch aus der Justizvollzugsanstalt zu befreien. In der Woche vom 15. bis zum 19. Juli 1969 folgten weitere Aktionen. Aktivisten stürmten unter anderem das Landratsamt in Bamberg und gerieten mit der örtlichen Bevölkerung in Füttersee in gewaltsamen Konflikt. Das in seiner ursprünglich geplanten Form gescheiterte Ebracher Knast-Camp hatte weitreichende Auswirkungen auf die Entwicklung des Linksterrorismus in Deutschland, weil sich mehrere der Teilnehmer in der Folge für einen bewaffneten Widerstand entschieden.

Eingemeindungen Am 1. April 1971 wurde im Rahmen der Gemeindegebietsreform die ehemalige Gemeinde Neudorf nach Ebrach eingemeindet. Am 1. Januar 1972 folgten Buch, Großbirkach und Großgressingen.

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 wuchs der Markt von 1812 auf 1848 um 36 Einwohner bzw. um 2 %. Ein Höchststand wurde am 31. Dezember 1992 mit 2042 Einwohnern verzeichnet. Jahr 1900 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2015Einwohner 1403 2616 2471 1774 2030 1978 2017 1930 1878 1806 davon in Ebrach 1886 1795 davon in Buch 118 111 davon in Großbirkach 160 127 davon in Großgressingen 352 332 davon in Neudorf 100 106

Religion Die Religionszugehörigkeit der bayerischen Bevölkerung wurde letztmals beim Zensus am 9. Mai 2011 ermittelt und ist Grundlage für die Bestimmung, ob in einer Gemeinde „Mariä Himmelfahrt“ (15. August) ein gesetzlicher Feiertag ist. 2011 waren in Ebrach sind 57,4 % der Einwohner römisch-katholisch und 23,4 % evangelisch-lutherisch. 19,2 % hatten eine andere Religion oder sind konfessionslos.

Politik Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 1. Mai 2020 Daniel Vinzens von der Ebracher Neuen Liste (ENL), der sich mit 66,12 % der Stimmen gegen Detlef Panzer (CSU) durchsetzte. Sein Vorgänger war Max-Dieter Schneider (SPD). Dieser wurde im Jahr 2002 Nachfolger von Alfons Keller (CSU), 2008 mit 90,84 % der Stimmen und 2014 ohne Gegenkandidaten mit 89,42 % wiedergewählt.

Gemeinderat In der Wahlperiode 2020 bis 2026 besteht der Gemeinderat aus 12 Mitgliedern und dem Ersten Bürgermeister. Folgende Tabelle zeigt das Ergebnis der Kommunalwahl am 15. März 2020okvote.osrz-akdb.de Wahl des Marktgemeinderats 2020 Markt Ebrach – Gesamtergebnis und die Sitzverteilungen nach früheren Wahlen: Partei / Liste Stimmenanteil 2020 Sitze 2020Sitze 2014Sitze 2008Sitze 2002 CSU 24,9 % 3 3 3 3 SPD 13,7 % 2 3 3 3 Ebracher Neue Liste 37,9 % 4 3 3 3 Freie Wähler Ebrach und Umland 16,1 % 2 2 3 2 Junge Ebracher Liste 7,4 % 1 1 – – Freie Wählerliste – – – – 1 Gesamt 100 % 12 12 12 12 Wahlbeteiligung: 68,97 %

Gemeindefinanzen 2020 betrugen die Gemeindesteuereinnahmen 1.280.000 Euro, davon waren 222.000 Euro Gewerbesteuereinnahmen (netto) und 765.000 Euro Beteiligung an der Einkommensteuer. Die Verschuldung betrug 377 Euro je Einwohner.

Wappen

Partnergemeinden Mit folgenden Gemeinden existieren partnerschaftliche Beziehungen:Website Ebrach – Partnergemeinden, abgerufen am 7. Juni 2020 Eisbach in der Steiermark, Österreich, seit 1979 Clairvaux, Gemeinde Ville-sous-la-Ferté in der französischen Region Grand Est, Département Aube, seit 1998

Öffentliche Einrichtungen Naturbad AcquaSana (eröffnet 2005) Gemeindebücherei Wohnmobilstellplatz (ortsnah) Justizvollzugsanstalt Ebrach

Kultur und Sehenswürdigkeiten Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Die Klosterkirche der ehemaligen Zisterzienserabtei Ebrach mini|Gotische Rosette und Teilansicht des Orgelprospekts der Hauptorgel der Abteikirche mini|Klostervorstadt in Ebrach Ehemaliger Abteigarten Pfarrkirche Ebrach (ehemalige Klosterkirche) Orgeln Neben der großen Konzertorgel auf der Westempore mit einem modernen Werk in einem barocken Gehäuse, das vom Würzburger Orgelbaumeister Johann Philipp Seuffert im Jahre 1743 erbaut wurde, beherbergt die ehemalige Abteikirche im Mönchschor zwei originale barocke Chororgeln aus der Werkstatt des Frankfurter Orgelbauers Johann Christian Köhler. Die beiden Instrumente sind eine organologische Rarität, da sich deren Spieler aufgrund der Positionierung der Spieltische gegenseitig sehen können. Im Zuge der umfangreichen Innenrestaurierung der Kirche wurden die Chororgeln ausgebaut und bis Oktober 2012 durch die Orgelbaufirma Klais, unterstützt durch die Firma Hoffmann, restauriert. Am 4. November 2012 wurden sie vom Bamberger Erzbischof wieder geweiht. Abteigebäude des ehemaligen Klosters Ebrach St.-Johannis-Kirche in Großbirkach Baumwipfelpfad Steigerwald

Regelmäßige Veranstaltungen Ebracher Musiksommer Ebracher Kirchweih

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft Auf Grund der Lage im Steigerwald ist Holz ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor.

Am 30. Juni 2020 gab es in der Marktgemeinde 447 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Von der Wohnbevölkerung standen 723 Personen in einer versicherungspflichtigen Beschäftigung. Die Statistik (276 mehr Aus- als Einpendler) ist insofern verfälscht, als Beamte der Justizvollzugsanstalt in dieser Statistik nicht erfasst sind. 25 Einwohner waren arbeitslos. 2020 gab es 26 landwirtschaftliche Betriebe.

Freiwillige Feuerwehren Freiwillige Feuerwehren bestehen in Ebrach, Buch, Großbirkach, Großgressingen und Neudorf (bei Ebrach).

Brauereien Die letzte Braustätte der Gemeinde war die Klosterbrauerei Wilz, die im Jahr 1954 schloss. Später ließ sie ihr Bier im Lohnbrauverfahren bei der Brauerei Göller brauen. Im Ortsteil Großgressingen gab es 1714 bis 1948 die Brauerei Henkelmann.

Verkehr mini|Bahnhof Ebrach (2016) Die Ortschaft liegt an der Bundesstraße 22. Über die Staatsstraße 2258 ist die Auffahrt Geiselwind (AS 76) der Autobahn A 3 erreichbar.

Die Bahnstrecke Strullendorf–Ebrach wurde 2006 stillgelegt und abgebaut.

Der Ort ist über mehrere ÖPNV-Buslinien mit der Region und dem ca. 35 Kilometer entfernten Oberzentrum Bamberg und dem dortigen Bahnhof verbunden. Mehrere Regionalbuslinien starten und enden in Ebrach. Busfahrten nach Bamberg dauern ca. 50 Minuten, das nur 14 Kilometer entfernte Mittelzentrum Gerolzhofen im unterfränkischen Nachbarlandkreis Schweinfurt ist mit dem ÖPNV nur mit Umsteigen und nicht unter 100 Minuten Fahrzeit erreichbar.

Durch den Ort verläuft der Fränkische Marienweg.

Bildung In der Grundschule Ebrach wurden im Schuljahr 2024/2025 von vier hauptamtlichen Lehrkräften 65 Schüler unterrichtet. An der Steigerwaldschule Staatliche Realschule Ebrach wurden im Schuljahr 2024/2025 von 41 Lehrkräften 555 Schüler unterrichtet.

Am 1. März 2021 hatte die örtliche Kindertagesstätte 117 Plätze und wurde von 90 Kindern besucht.

Persönlichkeiten Ehrenbürger Die Ehrenbürgerschaft hat der Markt nach 1945 an acht Personen verliehen. Die zwei der letzten drei Verleihungen erfolgten an langjährige Bürgermeister. 2009: Erich Weininger (* 1924; † 15. April 2013), 1. Bürgermeister von 1956 bis 1990Erich Weininger zum Ehrenbürger ernannt, Mainpost vom 26. März 2009, abgerufen am 23. Mai 2019 2015: Alfons Keller (* 11. Juli 1940; † 26. November 2024), 2. Bürgermeister von 1978 bis 1984, 1. Bürgermeister von 1984 bis 2002Alfons Keller ist Ehrenbürger, Mainpost vom 22. Juli 2015, abgerufen am 23. Mai 2019 2021: Viktor Fieger (* 1936), langjähriger Museumsleiter und Geschäftsführer des Forschungskreises Ebrach

Söhne und Töchter Eugen Montag (1741–1811), letzter Abt des Klosters Ebrach Friedrich Deml (1901–1994), Lehrer, Schriftsteller, Mitglied des Bamberger Dichterkreises. Max Jobst (1908–1943), Komponist Heinrich Aigner (1924–1988), Politiker (CSU), MdB, MdEP

Personen, die mit der Gemeinde in Verbindung stehen Georg Sperber (* 1933 in Nürnberg), Forstwissenschaftler und Sachbuchautor, wohnt in Ebrach. Er war von 1972 bis 1998 Leiter des Forstamtes Ebrach.

Sonstiges In der Gaststätte des Klosters fanden von 1957 bis 1971 jährlich die vom Staatsrechtler Ernst Forsthoff organisierten Ebracher Ferienseminare statt, die für jeweils zwei Wochen bekannte Wissenschaftler aus den verschiedensten Professionen zu gemeinsamen Diskussionen zusammenführten. Im Juni 2003 war Ebrach Etappenort der Deutschland Tour.

Literatur

Theodor Haas: Chronik der Marktgemeinde Ebrach. Markt Ebrach, 1969.