mini|Reichsparteitag 1933 in Nürnberg: Die Leibstandarte „schützt“ den Redner Hitler. mini|Leibstandarte SS Adolf Hitler, Kaserne Lichterfelde, 17. Dezember 1935 (Foto Georg Pahl) mini|Ehrenformation der Leibstandarte zum Empfang des italienischen Außenministers Galeazzo Ciano auf dem Berghof, 12. August 1939 mini|Himmler in Metz, Feste Alvensleben, 7. September 1940 mini|Standarte der LSSAH (Vorder- und Rückseite der zweiten, ab 1940 verwendeten Version)
Die am 17. März 1933 von Adolf Hitler als Stabswache Berlin gegründete und ihm persönlich unterstellte paramilitärische Organisation firmierte rasch unter der Bezeichnung Adolf-Hitler-Standarte und ab September 1933 unter dem Namen Leibstandarte SS „Adolf Hitler“, kurz LSSAH oder LAH.
Durch eine Neugliederung bildete die Organisation im Jahr 1938 auch einen militärischen Verband, der zunächst einen regimentsstarken Verband innerhalb der zunächst geplanten und nach dem Angriffskrieg gegen Polen gebildeten Division SS-Verfügungstruppe stellte, aus der 1940 die Waffen-SS hervorging. Weitere Reorganisationen führten letztlich am 22. Oktober 1943 zur Aufstellung einer Panzerdivision mit der Bezeichnung 1. SS-Panzer-Division Leibstandarte SS „Adolf Hitler“.
Geschichte Gründung, Führereid, Führerbegleitkommando, Organisationsmuster Vorgeschichte Von 1920 bis 1923 hatte Adolf Hitler mit dem sogenannten „Stoßtrupp Hitler“, geführt von Josef Berchtold und Julius Schreck, eine Art Leibwache oder Leibgarde, die auch als Stabswache bezeichnet wurde und aus der SA hervorging. Nach der Teilnahme am Hitler-Putsch wurde die Gruppierung verboten.
Am 27. Februar 1925 wurde die NSDAP wieder gegründet und im April wurde die neue Schutzstaffel als Ersatz für die verbotene Stabswache durch Schreck aufgestellt. Die im April 1925 acht Mann große Organisation zeigte sich am 16. April 1925 erstmals in der Öffentlichkeit. Damit begann der deutschlandweite Aufbau der SS, der jedoch bis zur Berufung von Heinrich Himmler am 6. Januar 1929 als Reichsführer SS ohne große Bedeutung geblieben war. Hitler gewährte der SS ab dem 1. Dezember 1939 die Unabhängigkeit von der SA, der die Organisation nur noch formell unterstellt war. Die SS erhielt nun die bekannten schwarzen Uniformen.
Die eigentliche Vorgängerorganisation der Leibstandarte wurde von Adolf Hitler kurz nach der Machtübernahme am 17. März 1933 aufgestellt.Hans Buchheim: Die SS in der Verfassung des Dritten Reiches. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. 3. Jg., 2. H., April 1955, München 1955, S. 139.
Der neue Verband trug zunächst, erneut durch Julius Schreck aufgestellt, die Bezeichnung Stabswache Berlin und änderte seinen Namen im Mai 1933 in SS-Sonderkommando Zossen, im Juni wurde als weiterer Verband das SS-Sonderkommando Jüterbog aufgestellt.
Formelle Gründung Im September 1933 auf dem NSDAP-Parteitag erhielt die aus beiden Sonderkommandos gebildete Organisation die Bezeichnung Leibstandarte Adolf Hitler.Bundesarchiv, Einleitung/Bestand: 1. SS-Panzer-Division Leibstandarte SS Adolf Hitler RS 3-1 1939–1944, 1. SS-Panzer-Division "Leibstandarte-SS Adolf Hitler" Schriftgut, Staatliche Unterlagen, Laufzeit 1939–1944, BArch RS 3-1/... Benutzungsort Freiburg, MA 5; bearbeitet von Elfriede Frischmuth, Koblenz, April 2008. Grund für die Aufstellung war, dass Hitler schon vor 1933 den üblicherweise durch die Reichswehr gestellten Wachmannschaften der Reichskanzler misstraute.Heinz Höhne, S. 80.
Die Leibstandarte wurde zunächst aus rund 120 Mann, die teils schon im Münchner Braunen Haus eine ähnliche Funktion hatten, unter Sepp Dietrich aufgestellt. Kaserne der Leibstandarte war die ehemalige Kadettenanstalt in Berlin-Lichterfelde. Hitler hatte den Bau einer weiteren Kaserne für die Organisation bei Weimar angeregt; auf dem bereits erworbenen Gelände entstand dann nach Himmlers Intervention gegen eine Aufteilung der Leibstandarte das KZ Buchenwald.Stephan_Lehnstaedt, Kurt Lehnstaedt: Fritz Sauckels Nürnberger Aufzeichnungen. In: VfZ Jahrgang 57 (2009), Heft 1, S. 145 (online), München 2009.
Mit der formellen Unabhängigkeit von der SA ab dem 20. Juli 1934 nach dem Röhm-Putsch wurde die SS eine eigenständige Organisation.
Führer-Eid Am 9. November 1933, dem Jahrestag des Hitlerputsches von 1923, wurde die Leibstandarte durch Ableistung des Führereides auf ihn persönlich vereidigt.
Solange Hitler nur Parteiführer war, war der persönliche Eid seiner vormaligen Stabswache nach dem Urteil Hans Buchheims „ein romantischer, jedenfalls aber ein bedeutungsloser Akt“. Nachdem er jedoch 1933 Reichskanzler und 1934 nach dem Tod Paul von Hindenburgs auch Staatsoberhaupt wurde, „gewann ein ihm persönlich geleisteter Eid einzigartige verfassungsrechtliche Bedeutung. Denn der Kanzler beziehungsweise das Staatsoberhaupt schuf sich auf diese Weise nicht kraft seines Amtes, sondern als Person einen Bereich eigenen Rechts und persönlicher Souveränität neben der Partei und allen Einrichtungen des Staates.“ Auch George H. Stein hebt hervor, dass Hitler aus einer Parteiformation ohne jede gesetzliche Ermächtigung eine Prätorianergarde schuf, die über Staat und Partei stand, was für den weiteren Status der Waffen-SS bis Kriegsende grundlegend blieb.nach der Rezension von George H. Stein: Geschichte der Waffen-SS. Düsseldorf 1967. In: Allgemeine Schweizerische Militärzeitschrift 1967, Heft 12, Verlag Equi-Media AG, Volketswil 1967, S. 807 f.
Führerbegleitkommando Seit 1934 gehörten auch die Mitglieder des Führerbegleitkommandos (FBK) verwaltungsmäßig dem Stab der Leibstandarte SS Adolf Hitler an. Obwohl die jeweiligen Kommandeure des FBK formell der Leibstandarte SS Adolf Hitler unterstanden, bekamen sie ihre Befehle jedoch direkt von Hitler oder von seinem Chef-Adjutanten Julius Schaub.Peter Hoffmann: Hitler’s Personal Security. Protecting the Fuhrer 1921–1945. Da Capo Press, Boston 2000, ISBN 0-306-80947-8.
Leibstandarte als Organisationsmuster Die Leibstandarte bildete das Vorbild des Ausbaus der als „Politische Bereitschaften“ oder „Kasernierte Hundertschaften“ bezeichneten SS-Kommandos in den Jahren 1934 und 1935.Hans Buchheim: Die SS in der Verfassung des Dritten Reiches. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. 3. Jg., 2. H., April 1955, S. 140. Sie durfte anders als die anderen SS-Verbände auf alle drei Ergänzungsstellen (Berlin: Wehrkreis I bis IV und VIII, Hamburg: Wehrkreis IV und IX bis XI und München: Wehrkreis V, VII, XII und XIII) zugreifen.Hans Buchheim: Die SS in der Verfassung des Dritten Reiches. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. 3. Jg., 2. H., April 1955, S. 141., München 1955,
Leibstandarte als Objekt der Propaganda Die Entscheidungen Hitlers waren im Bezug auf die künftige Staatsorganisation auf den Aufbau zweier miteinander im Wettbewerb stehender Säulen ausgerichtet. Zum einen das deutsche Heer und zum anderen die Partei mit ihren Organisationen. Um mit dem Heer in Konkurrenz treten zu können, benötigte die Partei eine militärische Organisation, deren Keimzellen die bewaffneten Verbände der SS waren (s. o.). Für den ursprünglichen Aufbau der Struktur wurden Männer herangezogen, die schon vor 1933 zur „Bewegung“ Hitlers gehört hatten. Doch nach der Machtübernahme begann die Rekrutierung einer neuen Generation junger Männer, vorzugsweise mit militärischer Vorbildung, die empfänglich für die Ideologie des Nationalsozialismus waren und mit denen man Propaganda-Auftritte inszenieren konnte. Hieraus ergab sich jedoch nicht, dass es sich bei der Leibstandarte um einen tatsächlichen, militärischen Eliteverband handelte. Weder die Ausrüstung noch der Ausbildungsstand war Einheiten der Wehrmacht zu Kriegsbeginn überlegen. Dies zeigte sich in der Herkunft der Mitglieder der SS, denn 1938 waren nur 0,1 % der Mitglieder der Allgemeinen SS Berufssoldaten. Wobei bei der SS-Verfügungstruppe immerhin 1,7 % und bei den Totenkopfverbänden 2,1 % an Berufssoldaten zu finden waren.
Jedoch wurde die Leibstandarte in den von den Nationalsozialisten gesteuerten Medien immer wieder herausgehoben. So wurde die Einheit medienwirksam bei politischen Operationen, wie den Einmärschen in Österreich und im Sudetenland eingesetzt, um Bilder des Verbands bei diesen teils politisch sehr aufgeladenen und mit starker außenpolitischer Wirkung verbundenen Ereignissen zu erhalten. Diese Strategie der bevorzugten Bildberichterstattung über Einheiten der Waffen-SS blieb über den ganzen Krieg erhalten.
Einsatz beim Anschluss Österreichs Bei der Annexion Österreichs im März 1938 erfolgte die Einquartierung der Leibstandarte im Gymnasium Fichtnergasse in Wien-Hietzing.Chronik des Hietzinger Gymnasiums 1897–1987.
Aufstellung des Militärverband Leibstandarte Am 15. August 1938 wurde die Leibstandarte SS-Adolf Hitler als stehender militärischer Verband in Regimentsstärke aufgestellt.Tessin: Verbände und Truppen der WH und Waffen SS im II. WK, Band 2. 1965, S. 74–75. Kommandeur der Standarte blieb Josef Dietrich.
I. Sturmbann (1.–4. Sturm) II. Sturmbann (5.–8. Sturm) III. Sturmbann (9.–12. Sturm) IV. Sturmbann (17.–20. Sturm) Infanterie-Geschütz Sturm Panzerabwehr Sturm Kradschützen Sturm
Eingliederung in die Division SS-Verfügungstruppe Im September 1938 mit den Standarten Verfügungstruppe und Totenkopf zur Division „SS-Verfügungstruppe“ zusammengefasst.
Folgende Umgliederungen und Wechsel der Bezeichnungen Verstärkte Leibstandarte SS Adolf Hitler mini|Schwerer geländegängiger Einheits-Pkw der Leibstandarte, 1941
Nach dem Westfeldzug 1940 wurde durch eine Neugliederung im Raum Metz im August 1940 der Verband als „verstärkte Leibstandarte Adolf Hitler“ bezeichnet. Dieser Verband entsprach in Stärke und Gliederung bereits einer Brigade. Folgende Veränderungen ergaben sich:
Neuaufstellung des IV. Sturmbann (17.–20. Sturm) Bildung der SS-Aufklärungs-Abteilung LSSAH aus dem vorherigen Kradschützen Sturm (1.–4. Sturm) Aufstellung der SS-Artillerie-Abteilung LSSAH aus der IV. Abteilung / SS-Artillerie-Standarte (am 25. Juli 1940) – Erweiterung zum SS-Artillerie-Regiment LSSAH bereits am 19. August 1940 Aufstellung des SS-Pionier-Bataillon LSSAH (1. und 2. Sturm) Aufstellung V. Sturmbann (1.–4. Sturm) aus dem vorherigen IV. Sturmbann (Einsatz als Wach-Verband in Berlin) Aufstellung der SS-Nachrichten Kompanie LSSAH weitere Versorgungseinheiten Nach dem folgenden Einsatz beim Balkanfeldzug wurde die Organisation des Verbandes geändert. Die von der SA kommende ursprüngliche Benennung der Verbandsteile wurde auf die üblichen militärischen Begriffe geändert:
mini|Gliederung der LSSAH am 31. März 1941, taktische Zeichen Infanterie-Regiment LSSAH I. Bataillon LSSAH (1.–5. Kompanie) II. Bataillon LSSAH (6.–10. Kompanie) III. Bataillon LSSAH (11.–15. Kompanie) IV. Bataillon LSSAH (16.–20. Kompanie) Infanterie-Bataillon V LSSAH (als SS-Wachbataillon Berlin)
Artillerie-Regiment LSSAH (I. und II. Abteilung mit je 3 Batterien und Meß-Batterie) schweres Bataillon LSSAH (1.–3. Kompanie) Panzer-Abteilung LSSAH (1. und 2. Kompanie) – der Verbandsteil wurde später auch als Abteilung Schönberger geführt – Aufklärungs-Abteilung LSSAH (1.–4. Kompanie) Flak-Abteilung LSSAH (1.–3. Kompanie) Pionier-Bataillon LSSAH (1.–3. Kompanie) Nachrichten-Abteilung LSSAH (2 Fernsprech- und 1 Funk-Kompanie) weitere Versorgungseinheiten
SS-Division (mot.) LSSAH mini|hochkant|Panzerjäger „Marder III Ausf. M“ der LSSAH bei Charkow, Winter 1943
Per Befehl von Adolf Hitler vom 21. Februar 1942 sollte kurzfristig bis zum 1. März 1942 auf dem Truppenübungsplatz Sennelager eine Auffrischung und Neugliederung des Verbandes vorbereitet werden, hierbei sollte das V. Bataillon (SS-Wach-Bataillon) den Kern bilden, um aus dem schweren SS-Bataillon eine neue SS-Panzerjäger-Abteilung zu bilden und aus der Abteilung Schönberger (SS-Panzer Abteilung) eine SS-Sturmgeschütz-Abteilung aufzustellen. Weiter wurde in Wildflecken eine neue SS-Panzer-Abteilung LSSAH mit drei Panzer-Kompanien aufgestellt.