mini|Kirche von Süden mini|Kreuzgang und Kirche von NW Die Abtei (katalanisch ) ist eines der ältesten Benediktinerklöster in den französischen Pyrenäen. Sie liegt in Höhe am Fuße des Canigou, etwa 45 Kilometer westlich von Perpignan, 2 Kilometer südlich von Prades, in der Gemeinde Codalet im Tal des Têt (Département Pyrénées-Orientales).

Die Abtei ist in mehrfacher Hinsicht von großem Interesse. So lässt sich hier um die Jahrtausendwende der Übergang von der präromanischen Architektur zum premier art roman méridional (erste Hauptphase der Romanik, geprägt durch lombardische Einflüsse) verfolgen. Ferner hat sich hier zur Ausschmückung der Kirche die erste der großen Werkstätten romanischer Skulptur im Roussillon des 12. Jahrhunderts ausgebildet. Nicht zuletzt veranschaulicht die Abtei das Mäzenatentum der Grafen der Cerdagne auf dem Höhepunkt ihrer Macht.

Orientierungshinweise Nennung der Himmelsrichtungen: Das Kirchengebäude ist nicht, wie meist üblich, mit dem Chor nach Osten orientiert („geostet“), sondern nach Nordosten. Dementsprechend weist die Nordseite nach Nordwesten, die Westseite nach Südwesten und die Südseite nach Südosten.

Bezeichnung der Kreuzganggalerien: Die Schräglage des Kreuzgangs zur Kirche und ihre erwähnte Ausrichtung nach Nordosten hat dazu geführt, dass allein die Galerie entlang des nordwestlichen Seitenschiffs als Südostgalerie bezeichnet wird, die übrigen drei hingegen als West-, Nord- und Ostgalerie (siehe dazu auch den Grundriss des Klosters im Abschnitt Heutige Bauwerke).

Der Umriss des Kreuzgangs stammt offensichtlich von den alten präromanischen Klostergebäuden westlich des heutigen Klosters, die ziemlich genau nach den vier Haupthimmelsrichtungen ausgerichtet waren. Bei dem Bau des Kreuzgangs hat man sich dann an die vorgefundenen, das Baugrundstück umgebenden älteren Bauten richten müssen und ist deshalb zu dem Grundriss eines unregelmäßigen Vierecks gekommen.

Geschichte Klostergründung und präromanisches Bauwerk Zu Beginn stand eine Klostergründung, wie sie im frühen Mittelalter oft vorkam. Eine zunächst recht kleine Mönchsgemeinschaft ließ sich in der Nähe der Thermalquellen von Eixalada (heute Thuès-Entre-Valls) oberhalb von Cuxa im Tal des Têt im Haut-Conflent nieder und errichtete um 840 die Abtei Saint-André d’Eixalada. Am 16. Juli 864 (oder 865) schloss sich der kleinen Gemeinschaft eine Gruppe Geistlicher aus Urgell (Katalonien) an, die von dem Erzpriester Portais d’Urgell angeführt wurde. Zu dieser Gruppe gehörten drei Priester, ein Mönch und ein Subdiakon.

Der rasche Aufschwung der Abtei wurde jedoch kurz darauf durch eine Naturkatastrophe beinahe zunichtegemacht – zu Beginn des Herbstes 878 wurden die Klostergebäude, die sehr nahe am Fluss lagen, nach heftigen Regenfällen, vermutlich mit einem Erdrutsch, vom Hochwasser des Têt fortgerissen. Mehrere Mönche fanden den Tod.

Daraufhin stiftete Portais den Überlebenden sein Allod, das er sich in einer kleinen fruchtbaren Ebene des Conflents, in Cuxa, am Fuß des Canigou, vorbehalten hatte. Dort fand man eine dem heiligen Germanus von Auxerre geweihte Kirche vor, die etwa 25 Jahre zuvor vom Grafen der Cerdagne Seniofred neu errichtet und am 30. Juli 953 vom Bischof Riculf von Elne feierlich eingeweiht worden war.

In ihrer nächsten Umgebung ließ sich die Klostergemeinschaft nun nieder, zu deren erstem Abt im Jahr 879 Portais gewählt wurde. Diese Kirche existiert schon lange nicht mehr und man kennt nicht einmal ihren genauen Standort. mini|Statue des Erzengels Michael in der Kirche Dank des Schutzes des Grafen der Cerdagne und durch seine reichen Dotierungen kam das Kloster bald zu Wohlstand. Schenkungen und Ankäufe sorgten dafür, dass es binnen kurzer Zeit zum Eigentümer großer Liegenschaften wurde.

In Cuxa gab es in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts eine zweite Kirche oder vielmehr ein Oratorium, das dem Erzengel Michael gewidmet war. Die Verehrung dieses Engels war in karolingischen Abteien weit verbreitet, da man in ihm den Kaiser verehrte. Der Kult wandelte sich dann in eine volkstümliche Verehrung, die dem Bezwinger des Höllendrachens galt. So nahm der Erzengel nach und nach den Platz des Bischofs von Auxerre Germanus ein und wurde schließlich der neue und einzige Schutzpatron des Klosters.

Graf Seniofred entschloss sich, das zu klein gewordene Sanktuarium umbauen zu lassen. Er plante dieses Vorhaben auf das Genaueste und sicherte sich eine breite Mitwirkung. Nachdem er darüber mit „seinem Bischof“, dem von Elne, weiteren Bischöfen, Äbten, Geistlichen und den Gläubigen beraten hatte, erwirkte er die Zustimmung aller und entschloss sich, das ursprüngliche winzige Gebäude durch eine „richtige Kirche“ zu ersetzen. So kam es 956 zum Beginn der Bauarbeiten. Sein Neffe wurde in einer päpstlichen Bulle als Restaurator bezeichnet.

Zwei Texte berichten über den Wiederaufbau von Saint-Michel-de-Cuxa. Der erste ist die Weiheurkunde vom 28. September 975, aus der die vorstehenden Angaben stammen. Die zweite schriftliche Quelle wurde von einem Mönch aus Cuxa, namens Garsias verfasst. Sie enthält reichliche Details über den Fortschritt der Bauarbeiten zwischen 956 und 975 und gibt Auskunft über die verschiedenen Verschönerungs- und Erweiterungsarbeiten, die in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts ausgeführt worden sind. Dieser Text wurde 1688 in der Marka hispania, dem Werk von Pierre de Marka veröffentlicht, nicht nach dem verschollenen Original, sondern nach Texten, die sich alle auf eine einzige Kopie gründen. Die zahlreichen Transkriptionsfehler und die von Pierre de Marca und seinem Herausgeber Baluze vorgenommenen Berichtigungen sind nicht immer überzeugend, was allerdings die außerordentliche Bedeutung des Dokuments nicht schmälert. Im Folgenden wird Garsias noch häufig zitiert.

Unter Abt Pons wurde 956 mit dem Bau begonnen, in dem man die damals gebräuchlichen Bruch- und Hausteine verwendete. Aus den schriftlichen Aufzeichnungen geht hervor, „dass man begann, die Bögen in die Höhe zu ziehen, als das Bauwerk eine Länge von 33 Ellen und eine Breite von 40 großen Spannen erreicht hatte“ Das bedeutet möglicherweise, dass man nach Errichtung der rechteckigen Chorapsis die Arkaturen des Lang- und Querhauses erbaut hatte.

Abt Pons starb jedoch schon im Jahr 961, an dessen Stelle Abt Garin (Guarius) trat, der diesen Bau zu Ende führte. Auch Graf Seniofred erlebte die Fertigstellung nicht mehr, da er 965 oder 967 verstarb.

Abt Garin ließ die Wände hoch aufrichten und das Mittelschiff und den Chor mit hölzernen Balkendecken überspannen, die wegen der großen Balkenlänge und der Schönheit ihrer Dekorationen besonders bemerkenswert waren. Alsbald ließ er im schiffseitigen Teil des rechteckigen Chorraums einen steinernen Altar in beachtlichen Ausmaßen – 13 halbe Fuß lang und neun Fuß breit – errichten, aus einer auffallend weißen Tischplatte auf vier sechseckigen Stützen. Darin ließ er ein Stück des „wahren Kreuzes“ einschließen und an anderer, tiefer gelegenen, nicht einsehbaren Stelle – vermutlich in einem separaten Behältnis – insgesamt 90 weitere Reliquien Christi, der Jungfrau, der Apostel und verschiedener Heiliger vergraben. Wahrscheinlich hatte er diesen heiligen Schatz auf seinen Reisen nach Italien und ins Heilige Land zusammengetragen.

Die präromanische Abteikirche, die heute in ihren wesentlichen Teilen erhalten ist, wurde auf dem Grundriss eines lateinischen Kreuzes errichtet. Sie ist nicht wie üblich mit dem Chor nach Osten ausgerichtet, sondern nach Nordosten. Ihr dreischiffiges Langhaus besitzt ein fünfjochiges Mittelschiff, das von zwei schlanken Seitenschiffen flankiert wird, die allerdings nur vom zweiten bis zum vierten Joch reichen. An der Südecke des Mittelschiffs lassen die Überreste von Bögen in der Scheidewand und der Kopfwand des Seitenschiffs auf eine zwischenzeitliche Durchführung der Seitenschiffe schließen. Die Schiffe werden untereinander von kräftigen Scheidewänden getrennt, in die je fünf hufeisenförmige Arkaden eingelassen waren. Das Mittelschiff wurde ursprünglich durch eine ebene Holzbalkendecke überdeckt, die Seitenschiffe von halben Rundtonnen. Man betrat das Mittelschiff durch das zentrale Hauptportal in der Fassade, mit einem hufeisenförmigen Bogen. Des Weiteren gab es in der Nordwest- und Südostwand der Seitenschiffe je ein hufeisenbogiges Seitenportal. Das Querschiff hatte niedrige, weit ausladende tonnengewölbte Arme, die sich an der Nordostseite in je zwei tiefe tonnengewölbte Kapellen öffneten, die von halbrunden Apsiden mit halbkuppelförmigen Kalotten abgeschlossen wurden. Der nördliche Querschiffabschnitt und seine Kapelle wurden im Jahr 1839 bei dem Einsturz des über ihnen aufragenden Nordturms zerstört. Die Querschiffarme öffnen sich noch heute mit hufeisenförmigen Arkaden in das Mittelschiff und in die Seitenschiffe. Ihre beiden Räume wurden auch untereinander von solchen Bögen getrennt. Die leicht rechteckige Chorapsis, das präromanische Sanktuarium, war zunächst wie das Mittelschiff mit einer Holzbalkendecke überdeckt und wurde von den Querschiffkapellen durch schmale Passagen getrennt, wie man sie bei manchen karolingischen Kirchen fand, zu denen sich in den Chorwänden je eine Tür öffnete. Sie waren vermutlich für Prozessionen gedacht. Die Öffnungen aus den Querhausarmen in diese Passagen haben ganz besondere Formen, deren Vorläufer von J. Puig i Cadafalch in Syrien und Mesopotamien ausgemacht worden sind: Über dem waagerechten Türsturz befindet sich kein Tympanon, sondern eine hohe, hufeisenförmige Arkadenöffnung.

Der Chor öffnete sich zunächst in das Mittelschiff fast in ganzer Breite mit einer hohen hufeisenbogigen Arkade.

Das Querschiff gehört einem Bautypus an, der in der karolingischen Zeit weit verbreitet war und noch später, besonders in der ottonischen Architektur, fortlebte. Die halben und ganzen Tonnengewölbe der Querschiffarme und Seitenschiffe weisen darauf hin, dass Bemühungen um die steinernen Einwölbungen von Kirchen – zumindest von Teilräumen – im Conflent schon realisiert wurden, bevor die Maurer des premier art roman méridional kamen.

Am 28. September 975 nahmen die Bischöfe von Elne, Girona, Vic, Urgell, Toulouse, Couserans und Carcassonne in Cuxa gemeinsam an der feierlichen Weihe der sieben Altäre teil, deren Anzahl an die sieben Gaben des Heiligen Geistes erinnert. Dazu zählt insbesondere der Hauptaltar, der aus einem wiederverwendeten Marmorblock besteht, der aus einem antiken Bauwerk stammt (Spolie).

Die präromanische Abteikirche Saint-Michel-de-Cuxa ist ein mächtiges, fast urwüchsig-rohes Bauwerk, das bis heute mit dem Schleier eines Geheimnisses umhüllt ist, welcher die Ursprünge ihres Stils verbirgt. mini|Einsiedelei des Pietro Orseolo bei Cuxa In der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts war das Kloster von Cuxa zum „Agenten“ der Politik des Heiligen Stuhls in den katalanischen Ländern geworden und ging weitreichende internationale Beziehungen ein. Daraus bezog es eine unangefochtene Autorität und sein Einflussbereich wuchs beachtlich. Kurz vor der Jahrtausendwende leitete Abt Garin eine Klosterkongregation, zu der auch die Abteien Lézat und Mas-Garnier im Toulousain, Saint-Hilaire in Saint-Hilaire und Sainte-Marie in Alet-les-Bains, südlich von Carcassonne, gehörten. Er stand in enger Verbindung mit dem führenden Gelehrten der Zeit, Gerbert, dem späteren Papst Silvester II. Aufgrund seines hohen Ansehens zog Garin so berühmte Männer wie den Dogen von Venedig, Pietro Orseolo und den heiligen Romuald, den Gründer des Kamaldulenserordens, nach Cuxa. Intensive künstlerische Aktivitäten gingen mit diesem materiellen und geistigen Fortschritt einher.Marcel Durliat: Romanisches Roussillon. 1988, S. 21–24

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