mini|Statue der Elisabeth von Thüringen am Elisabethschrein, 1235–1249 in der Elisabethkirche in Marburg mini| „Elisabeth pflegt Kranke“ im Elisabethfenster (vor 1250) in der Elisabethkirche in Marburg mini|hochkant|Typische Darstellung Elisabeths bei der Versorgung von Bedürftigen; Gemälde von Hans Holbein, d. Ä., ca. 1516, vom Sebastianaltar in der Alten Pinakothek, München Elisabeth von Thüringen, auch Elisabeth von Ungarn (ungarisch Árpád-házi Szent Erzsébet) genannt (* 1207Das Geburtsdatum ist nicht überliefert, einer späteren Tradition folgend handelt es sich um den 7. Juli 1207; eine der drei Abschriften von Konrads von Marburg Summa Vitae enthält den Zusatz: Obiit XVI kalendas decembri anno etatis sue XXV; ‚Sie starb im 25. Lebensjahr‘, woraus sich für die 1231 gestorbene Elisabeth als Geburtsjahr 1207 ergibt. Der Geburtstag kann gemäß Reber jedoch nicht vor August 1207 liegen, da Elisabeths Bruder Bela im Herbst 1206 geboren wurde und ein Glückwunsch des Papstes an den ungarischen König hierzu am 29. November belegt ist. (Ortrud Reber: Elisabeth von Thüringen. Landgräfin und Heilige. Eine Biografie. Friedrich Prustet, Regensburg 2006, S. 49) in PressburgElizabeth of Hungary, Saint. In: Encyclopaedia Britannica 2013. Ultimate edition. 2012, ISBN 978-3-8032-6629-3, , DVD-ROM, siehe auch .Maria Maresch: Elisabeth von Thüringen: Schutzfrau des deutschen Volkes. Verlag der Buchgemeinde, Bonn am Rhein 1931 (= Buchgemeinde Bonn. Religiöse Schriftenreihe. Band 7), S. 231. oder in Sárospatak, Königreich Ungarn,Elisabeth. 12. hl. E. In: Bertelsmann Universal Lexikon. In zwanzig Bänden. Band 5: Dri-Fet. Bertelsmann Lexikon Verlag, Gütersloh 1993 (Lizenzausgabe), ISBN 3-570-01558-0, , S. 144. auf Burg Rákóczi; † 16.Vgl. auch Maria Maresch: Elisabeth von Thüringen: Schutzfrau des deutschen Volkes. 1931, S. 231. oder 17. November 1231 in Marburg an der Lahn) war eine Tochter des Königs Andreas II. und dessen Ehefrau Gertrud von Andechs. Sie wurde durch Heirat Landgräfin von Thüringen.Helmut M. Müller et al.: Schlaglichter der deutschen Geschichte (= Schriftenreihe der Bundeszentrale für Politische Bildung. Band 615). 3. Auflage. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2007, ISBN 978-3-89331-764-6, , S. 60 f.

Sie ist seit Pfingsten 1235 eine Heilige der katholischen Kirche. In Deutschland galt sie zeitweise als Nationalheilige und ist Landespatronin von Thüringen und Hessen. Ihr Namenstag ist der 19. November, der Tag ihrer Beisetzung. Als Sinnbild tätiger Nächstenliebe wird sie vor allem in der katholischen Kirche verehrt.

Quellen zum Leben der Elisabeth von Thüringen Schriftliche Zeugnisse, die das Leben der Elisabeth von Thüringen detailliert beschreiben, entstanden überwiegend nach ihrem Tod. Aber auch schon die zu ihren Lebzeiten entstandene Vita Ludovici, die der Hofkaplan der Wartburg nach dem Tod Ludwigs von Thüringen verfasste, und die um das Jahr 1228 zu datieren ist, geht ausführlich auf sie ein. Der Text ist als Bestandteil der Chronica pontificum et archiepiscoporum Magdeburgensium überliefert und enthält eine Reihe späterer Zufügungen. Das erste Zeugnis, das allein ihr Leben in den Mittelpunkt stellt, ist die Summa vitae aus dem Jahr 1232. Sie wurde von Konrad von Marburg geschrieben, der auch das Heiligsprechungsverfahren für Elisabeth beim Papst beantragt hatte. Die Summa vitae beschränkt sich auf eine Beschreibung ihrer letzten fünf Lebensjahre.Helmut Zimmermann und Eckhard Bieger: Elisabeth – Heilige der christlichen Nächstenliebe. Verlagsgemeinschaft Topos plus, Kevelaer 2006, ISBN 3-7867-8598-8, , S. 150. Diese Quelle wird ergänzt durch Protokolle über die Wunder, die sich in den Jahren 1232 und 1233 sowie im Jahr 1235 am Grab Elisabeths ereignet haben sollen.

Neben diesen Quellen gibt es eine Niederschrift der Zeugenaussagen von vier Dienerinnen, die in Marburg im Rahmen des Heiligsprechungsverfahrens gehört wurden: Guda lebte seit ihrem fünften Lebensjahr mit der ein Jahr jüngeren Elisabeth zusammen und wurde später eine ihrer Hofdamen. Isentrud von Hörselgau war eine der weiteren Hofdamen in ihrem Gefolge und hat weit anschaulicher als Konrad von Marburg Elisabeths Fürsorge für die Armen und Bedürftigen geschildert. Die weiteren zwei Zeuginnen Irmgard und Elisabeth arbeiteten gemeinsam mit ihr im Marburger Hospital.

Auf dem Libellus de dictis quatuor ancillarum sanctae Elisabeth confectus (Büchlein der Aussagen der vier Dienerinnen, im Weiteren als Libellus bezeichnet) aus dem Jahr 1235 basieren die drei ältesten vollständigen Lebensbeschreibungen Elisabeths, die alle in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstanden. 1237 verfasste Cäsarius von Heisterbach eine Vita der heiligen Elisabeth; zwei weitere, deren Verfasser namentlich nicht bekannt sind, entstanden vor 1240 im Umfeld Friedrichs II. und der päpstlichen Kurie.Daria Barow-Vassilevitch: Elisabeth von Thüringen – Heilige, Minnekönigin, Rebellin. Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2007, ISBN 978-3-7995-0177-4, , S. 24–25.Paul Gerhard Schmidt: Die zeitgenössische Überlieferung zum Leben und zur Heiligsprechung der heiligen Elisabeth. In: Philipps-Universität Marburg (Hrsg.): Sankt Elisabeth: Fürstin – Dienerin – Heilige. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1981, ISBN 3-7995-4035-0, S. 4–5.

Als umfassendstes hochmittelalterliches Werk gilt die Vita sanctae Elisabethae, die der Dominikaner Dietrich von Apolda zwischen 1289 und 1291 verfasste. In der Einleitung weist Dietrich darauf hin, dass er nicht nur die Zeugenaussage der vier Dienerinnen und die Summa vitae Konrads ausgewertet, sondern auch die mündliche Volksüberlieferung aus Hessen und Thüringen zusammengetragen habe. Die Vita sanctae Elisabethae beeinflusste die Wahrnehmung der Person Elisabeths entscheidend. Auf ihr basieren eine Reihe von Lebensbeschreibungen, die im 13. bis 15. Jahrhundert entstanden.Daria Barow-Vassilevitch: Elisabeth von Thüringen – Heilige, Minnekönigin, Rebellin. Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2007, ISBN 978-3-7995-0177-4, , S. 26–27.Helmut Zimmermann und Eckhard Bieger: Elisabeth – Heilige der christlichen Nächstenliebe. Verlagsgemeinschaft Topos plus, Kevelaer 2006, ISBN 3-7867-8598-8, , S. 152–153. Das Werk des Dominikanermönches wurde außerdem ins Frühneuhochdeutsche übersetzt und erschien 1604 erstmals im Druck, durch den Historiker Heinrich Canisius, Neffe des Hl. Petrus Canisius.Volker Honemann, Rudolf Suntrup: Literaturlandschaften: Schriften zur deutschsprachigen Literatur im Osten des Reiches. (= Kultureller Wandel vom Mittelalter zur frühen Neuzeit. Band 11). Verlag Peter Lang, 2008, ISBN 3-631-57078-3, , S. 173 (Digitalscan)Monika Rener: Die Vita der heiligen Elisabeth des Dietrich von Apolda. (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. Band 53). Marburg a.d. Lahn 1993, ISBN 978-3-7708-1311-7 (Rezension mit Hinweis auf den Erstdruck; Leggi tutto anklicken)

Familie mini|hochkant|Andreas II. von Ungarn und seine Ehefrau Gertrud von Andechs, Darstellung im Landgrafenpsalter, heute in Stuttgart

Elisabeth von Thüringen entstammt der Ehe des ungarischen Königs Andreas II. mit Gertrud von Andechs. Ihre Mutter gehörte dem weitverzweigten Adelshaus von Andechs-Meranien an, dessen Einfluss von Ostfranken bis an die nördliche Adria reichte.Helmut Zimmermann und Eckhard Bieger: Elisabeth – Heilige der christlichen Nächstenliebe. Verlagsgemeinschaft Topos plus, Kevelaer 2006, ISBN 3-7867-8598-8, , S. 36. Gertrud von Andechs hatte sieben Geschwister, die entweder wichtige Eheverbindungen eingegangen waren oder hohe kirchliche Ämter innehatten. Einer ihrer Brüder war Bischof Ekbert von Bamberg, eine der Schwestern Mathilde Äbtissin des Klosters Kitzingen. Hedwig von Andechs, eine weitere Schwester, wurde ähnlich wie Elisabeth nach ihrem Tod heiliggesprochen.

Auch über ihre Geschwister, die sie bestenfalls flüchtig kannte, war Elisabeth mit dem europäischen Hochadel verbunden: Ihr Bruder Béla folgte seinem Vater auf dem ungarischen Thron, ihre Schwester Maria heiratete Iwan Assen II., den Zaren von Bulgarien, und ihre Halbschwester Yolanda ging eine Ehe mit Jakob von Aragon ein. Aus dieser Verbindung stammt Elisabeth von Portugal ab, die wie Elisabeth von Thüringen zu den Heiligen der Katholischen Kirche zählt.

Leben Kindheit Elisabeth wurde bereits als Kleinkind dem ältesten Sohn des Landgrafen Hermann von Thüringen versprochen. Den Heiratsplänen lagen vermutlich machtpolitische Erwägungen zu Grunde. Das Haus Andechs-Meranien, dem ihre Mutter Gertrud entstammte, zählte ebenso wie die Ludowinger zu den einflussreichen Adelsfamilien Europas. Ekbert von Bamberg und Äbtissin Mechthild von Kitzingen, zwei der Geschwister der Gertrud von Andechs, waren maßgeblich an dem Zustandekommen der Verbindung beteiligt. Dass Elisabeth darüber hinaus eine ungarische Königstochter war, erhöhte den Glanz dieser Verbindung.

Bereits 1211, im Alter von vier Jahren, wurde die mit reicher Mitgift ausgestattete Elisabeth nach Thüringen gebracht. Die Erziehung eines jungen Mädchens in der Familie ihres zukünftigen Ehemanns war innerhalb von Adelsfamilien üblich und wurde bis weit in die Neuzeit praktiziert. Elisabeth, die auch im Benediktinerkloster von Kitzingen erzogen wurde, wuchs deshalb überwiegend auf den Residenzen der thüringischen Landgrafenfamilie auf. Dazu zählten unter anderem die Neuenburg bei Freyburg an der Unstrut, die Runneburg bei Weißensee und schließlich die Creuzburg an der Werra, die wichtigste Residenz des landgräflichen Ehepaares. Elisabeth wird heute häufig mit der Wartburg in Verbindung gebracht, die 1211 eine bedeutende, starke Festung in der Nähe der Stadt Eisenach und bis dahin weitgehend Hauptresidenz der Thüringer Landgrafen war. Schon Ludwig II., als einer der bedeutendsten Bauherren der Dynastie der Ludowinger, ließ die Burg zu einem repräsentativen Wohnsitz der Landgrafenfamilie umbauen.Monika Vogt: Weil wir wie das Schilfrohr im Fluss sind – Begegnungen mit der Heiligen Elisabeth in Hessen und Thüringen. Schnell & Steiner Verlag, Regensburg 2006, ISBN 3-7954-1780-5, , S. 16. Der thüringische Hof galt als kultiviert. Hermann von Thüringen war neben dem Herzog von Österreich einer der wichtigsten Förderer der Dichter und Minnesänger des Hochmittelalters.Monika Vogt: Weil wir wie das Schilfrohr im Fluss sind – Begegnungen mit der Heiligen Elisabeth in Hessen und Thüringen, Schnell & Steiner Verlag, Regensburg 2006, ISBN 3-7954-1780-5, , S. 34. Sowohl Walther von der Vogelweide und Heinrich von Veldeke als auch Wolfram von Eschenbach lebten eine Zeit lang am thüringischen Hof.

Nicht eindeutig zu klären ist, ob Elisabeth bereits von 1211 an mit ihrem späteren Ehemann Ludwig verlobt war. Bereits frühe Beschreibungen ihres Lebens stellen ihn als den erstgeborenen Sohn dar, mit dem die ungarische Königstochter verlobt war. Es gibt jedoch eine Reihe von Indizien, die nahelegen, dass der früh verstorbene Hermann der erste Sohn und damit derjenige war, mit dem Elisabeth verheiratet werden sollte. Dagegen spricht jedoch, dass es gewöhnlich der erstgeborene Sohn war, der den gleichen Vornamen wie sein Großvater erhielt, so wie auch der Erstgeborene Sohn Ludwigs und Elisabeths nach dem Großvater väterlicherseits, Hermann, benannt wurde. Dass sich später Ludwig und Elisabeth mit lieber Bruder beziehungsweise liebe Schwester ansprachen und dass nach dem Tod Hermanns am Hof von Thüringen erwogen wurde, Elisabeth zu ihrer ungarischen Familie zurückzusenden, ist daher auch fraglich. Zu diesen Überlegungen mag auch gezählt haben, dass nach dem gewaltsamen Tod der Gertrud von Andechs der versprochene zweite Teil der Mitgift ausbleiben sollte, welche die Mutter für den Zeitpunkt der Verehelichung ihrer Tochter in Aussicht gestellt hatte.

Elisabeths Verhältnis zu Reichtum und Geld Elisabeth wurde sehr früh damit konfrontiert, dass ihr Wert als Mensch vor allem in Geldwert bemessen wurde.

Im Libellus berichten ihre Dienerinnen: