mini|Bezirksteile

Sendling ist der Stadtbezirk 6 der bayerischen Landeshauptstadt München, liegt südwestlich des Stadtbezirks Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt, grenzt im Westen an die S-Bahn- und Bahnstrecke München–Lenggries und umschließt die Isar mit dem Flaucher im Südosten.

mini|Sendlinger Dorfkern Historische Ortsteile Sendlings sind Untersendling und Mittersendling. Obersendling wurde bei der Gemeindebildung 1818 Thalkirchen zugeordnet und bildet heute einen Teil des Stadtbezirks Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln. Der Stadtbezirk Sendling-Westpark umfasst zudem Teile des historischen Gebiets Mittersendlings.

Lage mini|Neue und Alte Pfarrkirche St. Margaret Der Stadtbezirk Sendling liegt südwestlich der Münchner Innenstadt, grenzt im Norden an die Schwanthalerhöhe, nordöstlich an Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt, im Osten schließt Sendling die Isar mit ein, dahinter liegt Untergiesing-Harlaching. Im Süden schließt sich Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln mit Obersendling und im Westen Sendling-Westpark an.

Geographisch gliedert sich das Gebiet in einen schmalen Streifen westlich und oberhalb einer vom früheren Isarverlauf geprägten Hangkante und einen größeren Bereich unterhalb dieser Hangkante bis zur Isar im Osten. Im westlichen Teil, dem Sendlinger Oberfeld, liegt in dessen nördlichem Bereich der historische Ortskern des ehemaligen Dorfes Untersendling, nach dem dieser Bezirksteil benannt ist, während das Südende dieses höher gelegenen Streifens den historischen Kern der Siedlung Mittersendling umfasst. Der Bezirksteil Sendlinger Feld unterhalb der Hangkante, auch Unterfeld genannt, war bis zur Regulierung der Isar und dem Bau des Isar-Werkkanals im 19. Jahrhundert häufig Überschwemmungsgebiet und wurde daher erst spät besiedelt.

Geschichte Vorgeschichte mini|München, Plinganserstraße 120: Gedenktafel zur Frühgeschichte Sendlings Die ältesten menschlichen Knochenfunde auf Sendlinger Gebiet sind etwa 4000 Jahre alt und stammen aus der frühen Bronzezeit. Die ersten Bewohner gehörten der Glockenbecherkultur an, sie siedelten auf dem Oberfeld nahe der Hangkante, betrieben Ackerbau und begruben ihre Toten in Hockergräbern. Im heutigen Untersendling wurden außerdem Siedlungsreste aus der Urnenfelderkultur der späten Bronzezeit gefunden. In anderen Gegenden Südbayerns gab es bereits seit der Jungsteinzeit sesshafte Bauern, aber die Bodenbeschaffenheit auf der Münchner Schotterebene war für den Ackerbau wenig geeignet. Ab dem 16. Jahrhundert v. Chr. folgte die Zeit der Hügelgräberkultur, die um das 12. Jahrhundert v. Chr. von der Urnenfelderkultur abgelöst wurde. Das Klima war zu jener Zeit relativ warm. Auch in der Eisenzeit war das Gebiet besiedelt. Keltische Bauern hinterließen Töpferwaren und schmiedeeiserne Produkte, die sie entweder selbst erzeugten oder in der Nähe erwarben. Ein paar Stunden Fußmarsch entfernt lagen keltische Ringwallanlagen.

Spätantike Auf Sendlinger Terrain sind keine römischen Siedlungen, Höfe oder sonstigen Anlagen nachgewiesen, wohl aber in der näheren Umgebung, etwa die spätrömische Befestigung bei Grünwald oder die römische Siedlung in Gauting (Bratananium). Zwei Fußstunden südlich verlief eine römische Hauptstraße von Salzburg (Iuvavum) nach Augsburg (Augusta Vindelicorum), heute Via Julia genannt. Ein gutes Stück nördlich gab es eine zweite Römerstraße.

Mittelalter Frühmittelalter mini|hochkant=1|Nennung von Sentilinga im Cozroh-Kodex, dem ältesten Freisinger Traditionsbuch (BayHStA HL Freising 3a, fol. 171r)Digitalisat von fol. 171r

Vermutlich im 6. Jahrhundert n. Chr. gründete oder übernahm ein germanischer Sippenchef namens „Sendilo“ (nicht schriftlich überliefert, Rekonstruktion aus der latinisierten Ortsbezeichnung „Sentilinga“) die Siedlung, die fortan nach ihm benannt wurde. Die Endung -ing(a) deutet auf eine relativ frühe Gründungszeit hin.

Aus dem 7. Jahrhundert datieren einige Reihengräber im Sendlinger Oberfeld und Unterfeld als Zeugnisse einer bajuwarischen Besiedlung, einige davon scheinen sogar noch aus der Zeit vor 600 zu stammen.

Erste schriftliche Hinweise unter der Bezeichnung Sentilinga finden sich im Zusammenhang mit Land- und Hofübertragungen u. a. an das Kloster Schäftlarn, wobei zwei Dokumente auf das Jahr 782 datiert werden.Alpolt und sein Sohn Huasuni schenken dem Kloster Schäftlarn Besitz zu Schwabing und Sendling. In: Theodor Bitterauf: Die Traditionen des Hochstifts Freising, Bd. 1, 744–926. München 1905, S. 122 f.

Hochmittelalter Bis etwa 950 wurde die Gegend wiederholt von Raubzügen der Ungarn heimgesucht. Ob Sendling direkt betroffen war, ist nicht bekannt. Ab etwa 980 sind mehrere Land-Übereignungen unter den adeligen Grundherrn schriftlich überliefert, die die Sendlinger Bauerngüter und ihre dort arbeitenden Leibeigenen ausbeuteten. Der Bischof von Freising und das Kloster Schäftlarn vermehrten ihren Besitz am Ort bis ins 11. Jahrhundert. Aus der Zeit um 1050 (genaue Datierung ungesichert) stammt die erste zuverlässige Erwähnung Sendlings als Dorf (villa). Die früheren Erwähnungen als in loco könnten auch einen Gutsbetrieb gemeint haben.

1158 gründete Heinrich der Löwe München. Das Dorfleben veränderte sich vermutlich durch die Stadtgründung und ihre schnelle Entwicklung. Die Stadt bot einen größeren Markt, die Peterskirche wurde zuständige Pfarrkirche für Sendling. Um dieselbe Zeit wurde der nobilis vir (Edelmann, Adeliger) namens Norpert Sentlinger erwähnt, möglicherweise gab es also im 12. Jahrhundert einen Herrenhof in Sendling, nach dem sich die Familie benannte. Die Familie war siegel- und turnierfähig, ihr Wappen zeigte auf Schwarz ein rotbewehrtes goldenes Einhorn. 1239 ist erstmals ein Sentlinger in der Verwaltung Münchens nachweisbar, Mitglieder der Familie saßen lange im Inneren Rat der Stadt, dem höchsten Bürgergremium. Sendling gehörte vermutlich zur Grafschaft der Andechser, bis diese 1248 von den Wittelsbachern beerbt wurden.

1258 und 1284 vermachte Sighart der Sendlinger Höfe in Obersendling und Sendling den Münchner Klarissen und der Frauenkirche. 1268 erwarb er einen Hof in Obersendling. Die Sentlinger kamen als Krötelherren (Salzgroßhändler) und Wechsler (Bankiers) in München zu Reichtum.

Von 1314 bis 1322 war Konrad Sendlinger Bischof von Freising. Um 1320 wurde die zweite Stadtmauer Münchens errichtet und erhielt ein Südtor, das Sendlinger Tor genannt wurde. Von dort führte ein Weg, die heutige Lindwurmstraße, nach Sendling. Nicht nur die Kirche, auch Münchner Bürger erwarben Besitz in Sendling.

1397 gab es einen Bürgeraufstand in München. Heinrich der Sentlinger gewährte dem geflohenen Bürgermeister Kazmair Aufnahme, die Familie der Sentlinger stand auf der Seite der Münchner Herzöge Ernst und Wilhelm gegen die rebellierenden Bürger der Stadt München. Aus dem Jahr 1449 stammt eine Liste, die den damaligen Sendlinger Grundbesitz wiedergibt. Gegen 1500 starb das Geschlecht der Sentlinger aus.

Neuzeit mini|Der Ausschnitt aus einer Karte von 1812 zeigt gut Sendlings Lage weit vor den Toren der Stadt, wie sie bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts noch gegeben war.

17. Jahrhundert Der Dreißigjährige Krieg war für Landbewohner eine schwierige Zeit. Auch Sendling wurde mehrmals von eigenen wie fremden Truppen geplündert, von Not, Armut und Krankheiten wie der Pest heimgesucht. Die Einwohnerzahl dürfte in dieser Zeit abgenommen haben, wer konnte flüchtete in den Schutz der Stadtmauern. 1632 waren schwedische Truppen in der Münchner Gegend. Die Stadt ergab sich König Gustav Adolf und zahlte einen hohen Geldbetrag, dafür wurde sie nicht geplündert und zerstört. Umso mehr erbeuteten die Soldaten auf dem umliegenden Land, das dort geraubte Gut ließ sich in der Stadt zu Geld machen. Westenrieder schrieb rund 150 Jahre später: „Aus ihrem Lager vor dem Neuhauser Tor brachten die Schweden viel zum Verkauf in die Stadt: Tische, Bretter, Bänke, eine Menge Rosse, Rinder, Schweine, Leinwand, zinnerne Schüsseln und Kandeln, ganze Bauernwagen, Schlösser, Türbänder, Mäntel, Weiberröcke, Betten und mehr dergleichen.“ 1638 verkaufte der Abt von Benediktbeuern vom Krieg in Mitleidenschaft gezogene Sendlinger Güter und vermerkte aus diesem Anlass in seinem Tagebuch „dass etliche besagte, unserem Gotteshaus angehörige Höf und Güter verschiedene Jahre her, durch vorübergegangenes höchst leidiges Kriegswesen, sowohl von Freunds- als auch von Feindsvolk überverderbt und aufs äußerste ruiniert und teilweise gar abgebrannt worden.“ Ab der Mitte des 17. Jahrhunderts wird sich das Dorf Sendling relativ rasch erholt haben.

mini|hochkant=1.11|links|Die Sendlinger Bauernschlacht 1705, Fresko von Wilhelm Lindenschmit d. Ä. an der alten Pfarrkirche

18. Jahrhundert Im Jahr 1705 beendete die Sendlinger Mordweihnacht den Oberländer Bauernaufstand, der im Zusammenhang des Spanischen Erbfolgekriegs zu sehen ist. Im Verlauf der Ereignisse wurden von rund 2.700 aufständischen Landbewohnern knapp 1.100 brutal niedergemetzelt, weitere 700 wurden gefangen genommen und teilweise später hingerichtet. Der Schlachtruf der Aufständischen: „Lieber bayrisch sterben, als in des Kaisers Unfug verderben!“ ist sprichwörtlich geworden.

mini|Auf der Sendlinger Haide, Radierung von Wilhelm von Kobell, 1812

Bereits im 18. Jahrhundert entwickelte Sendling dann Vorstadtcharakter, wie alte Gebäude, etwa in der Lindwurmstraße, bezeugen (siehe Liste der Baudenkmäler in Sendling).

19. Jahrhundert Der Alte Israelitische Friedhof an der Thalkirchner Straße wurde 1816 eröffnet und war bis 1907 in Gebrauch.

Als durch das Zweite Gemeindeedikt von 1818 politische Gemeinden eingerichtet wurden, wurden Altsendling, Mittersendling, Neuhofen und die Sendlinger Haide (heute Theresienwiese und Schwanthalerhöhe) zur Gemeinde Untersendling zusammenfasst. Obersendling wurde dagegen der Gemeinde Thalkirchen zugeordnet. mini|Unter- und Mittersendling auf dem Plan der Königlichen Haupt- und Residenzstadt München von 1866 1869 gründeten Sendlinger Bürger nach einem verheerenden Feuer im Gemeindehaus Sendling eine Freiwillige Feuerwehr, die in der Feuerwehr München – Abteilung Sendling fortexistiert.

mini|Sendling 1867, Lithographie von Oskar Rickerl

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dehnte sich mit der einsetzenden Industrialisierung im Westen der Stadt München das urban besiedelte Gebiet über den Harras und Mittersendling nach Obersendling aus. In den Anfängen des Industriezeitalters wurden entlang der Straße nach Wolfratshausen und westlich davon Fabrikanlagen und Firmenniederlassungen errichtet, die bis heute das Bild Sendlings mitbestimmen, die heute bedeutendste darunter war die Siemens AG. 1872 wurde der Grundstein für das Sendlinger Zweigwerk von Krauss & Comp., der späteren Krauss-Maffei gelegt, das bis 1937 bestand. Neben diesen beiden Großkonzernen gab es viele weitere Maschinenfabriken wie die ebenfalls bedeutende Motorenfabrik München-Sendling und auch mehrere Tabakfabriken. Zeitgleich breiteten sich auch die Wohnviertel aus, zum einen in Form von Etagenblöcken für die Arbeiter, zum anderen als herrschaftliche Häuser, die den Übergang zu den Villenvororten Solln und Großhesselohe ankündigen.

Am 1. Januar 1877 wurden Unter- und Mittersendling sowie die ehemalige Sendlinger Haide, die eine ähnliche Entwicklung genommen hatte und zum Arbeiter- und Industrieviertel Westend geworden war, nach München eingemeindet.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand entlang der späteren Lipowskystraße eine Künstlersiedlung. An der Ecke Spitzwegstraße wohnte seit 1882 der Maler, Kinderbuchautor und -illustrator Lothar Meggendorfer. In der 1884 bis 1885 errichteten Villa Lipowskystraße 26 wohnte der Landschaftsmaler Ernst Meissner, in der Lipowskystraße 30 lebte der Maler Josef Schoyerer und in der Lipowskystraße 24 befand sich das Atelier des Kunstmalers Albert Seifert.

20. Jahrhundert