Die Stadt Waltrop [] liegt im nördlichen Ruhrgebiet im Nordwesten des Landes Nordrhein-Westfalen und ist eine mittlere kreisangehörige Stadt im Kreis Recklinghausen im Regierungsbezirk Münster.
Die Stadt besteht aus der Kernstadt und sechs um diese herum liegenden Bauerschaften. Bereits im 8. Jahrhundert v. Chr. erfolgte die erste Besiedlung des heutigen Waltroper Stadtgebiets durch die Sugambrer, einen westgermanischen Stamm. Im 20. Jahrhundert spielte die Zeche Waltrop eine wichtige Rolle für das wirtschaftliche Wachstum der Stadt. Sie war bis zur letztmaligen Kohleförderung 1979 der größte Arbeitgeber in Waltrop und sorgte für einen schnellen Anstieg der Einwohnerzahl.
Nach dem Ende der Kohlenförderung auf der Zeche Waltrop sind dort die Firmensitze einiger namhafter Unternehmen entstanden, so zum Beispiel der Sitz des Einzelhandelsunternehmens Manufactum, das Filialen in ganz Deutschland besitzt, oder der Sitz von Hase Bikes, einem Hersteller von Spezialrädern. Auch das Unternehmen Langendorf, spezialisiert auf die Produktion von Anhängern und Aufliegern, sitzt in Waltrop.
Geografie Geografische Lage mini|hochkant=1.5|Karte des Deutschen Reiches (1:100.000) mit Ausschnitt des heutigen Waltroper Gebietes Ende des 19. Jahrhunderts
Die Stadt liegt zwischen der Kernzone des Ruhrgebietes und dem ländlichen Münsterland. Geografisch liegt Waltrop in Westfalen, nordwestlich von Dortmund im Ruhrgebiet zwischen dem Dortmund-Ems-Kanal im Südwesten, der Lippe und dem Datteln-Hamm-Kanal im Norden.
Stadtgliederung mini|hochkant=1.5|Gliederung Waltrops in einerseits statistische Bezirke und andererseits Bauerschaften
Statistische Bezirke Die Stadt Waltrop wird in 14 statistische Bezirke unterteilt,Zentrenkonzept Waltrop 2008, Karte der statistischen Bezirke auf Seite 7; Leveringhausen ist falsch eingezeichnet bzw. die Grenze zwischen Leveringhausen und Brockenscheidt gar nicht, vgl. Karte der Bevölkerungsentwicklung in den Stadtteilen des Kreises Recklinghausen 1998–2004; Karte (PDF; 840 kB). deren Namen zum Teil neueren Datums und nicht auf üblichen Karten eingezeichnet sind. Diese sind nachfolgend informell nach Lage gruppiert und die Einwohnerzahl vom 31. Januar 2014 ist angegebenEinwohnerzahlen Waltrops zum 31. Dezember 2014 laut Mailauskunft des Bürgerbüros Waltrop; eine Differenz von 14 Einwohnern zur Gesamtzahl von 29.289 ergibt sich daraus, dass diese noch keinem Gebiet zugeordnet werden konnten. (in Klammern und Kleinschrift jeweils, falls abweichend, die Namen aus der Volkszählung 1987 sowie die damaligen Einwohnerzahlen):
Kernstadt nördlich der Berliner/Dortmunder Straße von West nach Ost: Braßkamp – 3407 („Bereich westlich der Münsterstraße und nördlich der Berliner Straße“; 3225) Stadtmitte – 2516 („Innenstadt zwischen Am Moselbach und Berliner Straße“; 2336) Im Berg – 2801 („Bereich nördlich der Bahnhofstraße einschließlich Im Berg“; 1641) Neue Kolonie/Moselbachtal – 3682 („Bereich nördlich der Berliner und Dortmunder Straße“; 4124) Industriegebiet im Wirrigen – 51 (63) Kernstadt unmittelbar südlich der Berliner/Dortmunder Straße von West nach Ost: Hirschkamp-Siedlung – 3237 („Siedlung Im Hirschkamp einschließlich Blumensiedlung“; 3039) Alte Kolonie – 3541 („Bereich südlich der Berliner und Dortmunder Straße“; 3138) Südliche Kernstadt von West nach Ost: Klöcknersiedlung – 1558 (1725) Egelmeer – 2670 („Siedlung Egelmeer“; 2340) Kettelersiedlung – 2223 (2786) Außenstadtteile im Uhrzeigersinn, beginnend im Nordosten: Holthausen-Lippe – 844 („Bauerschaften Holthausen und Lippe“; 883) Brockenscheidt – 1153 („Bauerschaften Brockenscheidt und Elmenhorst“; 1221) Leveringhausen – 913 („Bauerschaft Leveringhausen“; 806) Oberwiese – 679 („Bauerschaft Oberwiese“; 746)
Bauerschaften Historisch besteht Waltrop aus dem Kernort bzw. der Bauerschaft WaltropIn der Preußischen Uraufnahme 1839 ist um den schon deutlich ausgeprägten und als Siedlung beschrifteten Kernort „Bft. Waltrop“ eingezeichnet. und sechs nach außen vorgelagerten alten Bauerschaften (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden): Holthausen; Norden; historisch von Deinebach (zum Ölmühlenbach) im Südwesten bis zum Schwaerzbach/Moselbach nach Osten reichend Lippe; Nordosten, durch Holthausen und Brockenscheidt vom Kernort getrennt; historisch vom Schwarzbach im Westen bis zur Lünener Straße im Süden, die früher im Westen der heutigen Kanalstraße entsprach Elmenhorst; Osten, durch Brockenscheidt vom Kernort getrennt; historisch von der Lünener Straße im Norden bis zum Schwarzbach im Westen Brockenscheidt; Osten bis östlicher Süden; historisch zwischen Mosel- und Schwarzbach, nach Südwesten bis zum Abdinghof und Herdicksbach Leveringhausen; Südwesten; historisch vom Abdinghof im Osten bis zum Herdicksbach im Norden Oberwiese; Westen (mit dem Schiffshebewerk Henrichenburg); historisch vom Herdicksbach im Süden bis zum Deinebach im Nordosten Auf der Preußischen Uraufnahme von 1839 war die Bauerschaft Waltrop westlich von Brockenscheidter Straße / Moselbachstraße / Im Siepen eingezeichnet.
Die sechs äußeren Bauerschaften werden durch die o. g. Stadtgliederung zu vieren zusammengefasst: Elmenhorst (1987 noch namentlich miterwähnt) wird nunmehr dem statistischen Bezirk Brockenscheidt zugerechnet, Holthausen und Lippe werden zusammengefasst. Indes entsprechen die Grenzen insbesondere nicht denen der alten Bauerschaften. In der Gliederung nach statistischen Bezirken ist Holthausen-Lippe in der Hauptsache der Teil der Stadt, der nördlich der Siedlungsgrenze bzw. im Osten des Lippe-Seitenkanals liegt, Brockenscheidt der südlich des Seitenkanals gelegene (Süd-)Ostrand, Leveringhausen der durch den Stichkanal Dortmund (südöstlichste Etappe des Dortmund-Ems-Kanals) separierte Südwestrand und Oberwiese der Westrand. Die auf den ersten Blick schlüssig erscheinende Begrenzung der Bauerschaften nach Kanälen (anstatt wie historisch weitgehend nach Bächen) sorgte indes dafür, dass das Schiffshebewerk plötzlich in Leveringhausen läge. Analog dazu ist Holthausen historisch eigentlich die Bauerschaft am Dortmund-Ems-Kanal, statistisch hingegen nur bis zu dessen Nordflanke reichend.
Manche der bebauten Viertel Waltrops werden auch nur den bauerschaftlichen Teilen der Stadt zugeschrieben, so das Gewerbegebiet Brockenscheidt im Nordosten und das aktuelle Neubaugebiet Großer Kamp zwischen Klöcknersiedlung und Schacht 3 der Zeche Ickern.
Kernstadtteile vs. Bauerschaften Anders als z. B. beim nordwestlichen Nachbarn Datteln sind in Waltrop an der Kernstadt nicht alle Bauerschaften beteiligt oder heute noch gut zuzuordnen. Ein sehr großer Anteil liegt insbesondere auf Brockenscheidter Gebiet, wo auch die Zeche Waltrop stand.
Die statistischen Bezirke der Stadt Waltrop schreiben teilweise auch deutlich bebaute Gebiete nominell den äußeren Bauerschaften zu – so das Gewerbegebiet Brockenscheidt im Nordosten und das aktuelle Neubaugebiet Großer Kamp zwischen Klöcknersiedlung und Schacht 3 der Zeche Ickern.
Die eigentliche Kernstadt wird, etwas abweichend von der statistischen Zuordnung, im Norden durch die Bahngleise, im Osten durch den Schwarzbach (über den das Gewerbegebiet Brockenscheidt allerdings hinaus reicht), im Süden durch die Altenbruchstraße und im Westen durch die Siedlungsgrenze begrenzt. Sie teilt sich in etwa in drei Siedlungskerne, nämlich in die Innenstadt, von Braßkamp bis einschließlich Moselbachtal (Moselbachpark/Stadtgarten) im Nordwesten, das auf Brockenscheidter Grund liegende Zechengebiet nebst Neuer und Alter Kolonie im Nordosten (Siedlungskern unmittelbar vor der Zeche) und, jenseits der Tinkhofstraße, das Gebiet um den Hirschkamp (Siedlungskern: Knappenstraße) im Südwesten.
Nachbargemeinden
Folgende Städte grenzen an die Stadt Waltrop – im Uhrzeigersinn, im Norden beginnend: Selm, Lünen (beide Kreis Unna), Dortmund (kreisfreie Stadt), Castrop-Rauxel und Datteln (beide Kreis Recklinghausen).
Ostvest Gemeinsam mit Datteln, Oer-Erkenschwick und dem Halterner Stadtteil Flaesheim bildet Waltrop inoffiziell die Region Ostvest.
Klima mini|Niederschlagsdiagramm
Der Jahresniederschlag liegt bei 813 mm und ist damit vergleichsweise normal, da er in das mittlere Drittel der in Deutschland erfassten Werte fällt. An 66 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Dezember. Im Dezember fallen 1,7-mal mehr Niederschläge als im Februar. Die Niederschläge variieren mäßig. An 40 % der Messstationen werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert.
Am 25. Juli 2019 war Waltrop (Messstation Abdinghof) einer der Orte in Deutschland, in denen mit 40,5 °C ein neuer Hitzerekord gemessen wurde.
Geschichte Wie das gesamte Land zwischen Emscher und Lippe wurde Waltrop, so ergaben Bodenfunde, früh besiedelt. Im 8. Jahrhundert v. Chr. besiedelten die Germanen das Gebiet. Hier lebten die Sugambrer, die ca. 9 v. Chr. von Tiberius, Stiefsohn des Kaisers Augustus, auf das linke Rheinufer verdrängt wurden. In dem leer gewordenen Land siedelten sich die Brukterer auf Einzelhöfen an.
Mittelalter Aus den Einzelhöfen entstand mit der Zeit ein Verband von Bauern – die Bauerschaft. Auf dem heutigen Waltroper Gebiet bildeten sich sieben Bauerschaften: Leveringhausen, Elmenhorst, Brockenscheidt, Waltrop, Oberwiese (früher Döttelbeck), Holthausen, Lippe (früher Behem). Die ältesten Angaben über die Zahl der Höfe in den sieben Bauerschaften stammen aus dem Jahr 1561, die Höfezahl in den einzelnen Bauerschaften betrug zwischen 16 und 22 Höfe. Insgesamt waren es 129 Höfe, sodass man von 1000 bis 1300 Bewohnern ausgehen kann.
Zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang als Besonderheit die beiden Reichshöfe Elmenhorst (erstmals 1292 urkundlich erwähnt, bis 1806 existent) und Abdinghof (hatte seine Reichsunmittelbarkeit schon früh verloren). Der Reichshof Elmenhorst war kein geschlossener Besitz, sondern zu ihm gehörten über 30 Höfe in verschiedenen Bauerschaften, z. B. auch in Eving (Dortmund) und Hagem (Datteln).
Eine überragende Stellung in der Bauerschaft Waltrop nahm der Vogteihof (Vogedinghof, Veiinghof) ein. Zunächst wurde diese Bauerschaft von neun Höfen gebildet, 1561 waren es 17 Höfe. Auf dem Grund des Vogteihofes vollzog sich die weitere Entwicklung Waltrops. Der Erzbischof von Köln erbaute hier eine Eigenkirche, die heutige St.-Petrus-Pfarrkirche. Die Kirchengründung geht bis etwa ins 10. Jahrhundert zurück (um 950). Die Kirche wurde neben anderen Kirchen im Jahr 1032 ohne Namensnennung vom Kölner Erzbischof Pilgrim der Abtei Deutz als wirtschaftliche Grundlage geschenkt. Diese Schenkung wurde am 13. Juli 1147 in einer Bulle des Papstes Eugen III. bestätigt und darin wird erstmals der Name Waltrop (als Waldorp, später auch Vualtohorp, Waltorpe) urkundlich erwähnt.
In der Gelnhäuser Urkunde des Jahres 1180 wurde die Vergabe eines Teils des sächsischen Herzogtums einschließlich des Vestes Recklinghausen an den Kölner Erzbischof festgeschrieben. Die kirchliche Zugehörigkeit Waltrops zum Erzbistum Köln änderte sich erst 1821, als das Vest gemäß der Bulle De salute animarum zum Bistum Münster kam.
Im Laufe der Zeit wurde diese Kirche auch wirtschaftlicher Mittelpunkt für das umliegende Land. Händler und Handwerker ließen sich um die Kirche herum nieder. Bereits vor 1500 stand innerhalb der Bauerschaft Waltrop eine geschlossene Siedlung von Gewerbetreibenden der übrigen Bauerschaft Waltrop mit verstreut liegenden Einzelhöfen gegenüber. Diese Siedlung wurde zur Unterscheidung von der Bauerschaft Waltrop „das Dorf Waltrop“ genannt.
Die Dorfbildung erfolgte über sehr viele Jahrzehnte. In diesem Zeitraum löste der Gutsherr des Vogteihofes die neue Ansiedlung aus dem Verband der Bauerschaft Waltrop und erhob sie durch Verleihung der Verwaltung und Gerichtsbarkeit zu einer selbständigen Gemeinde mit fest umschriebenen Grenzen – die „Freiheit Waltrop“ (erstmals 1428 in einer Urkunde).