mini|Stadtzentrum mini|Blick über Oderberg (1997) mini|Blick auf Oderberg um 1908 mini|Marina Oderberg ist eine Stadt im Landkreis Barnim im Bundesland Brandenburg. Sie gehört zum Amt Britz-Chorin-Oderberg.

Geografie Oderberg liegt am östlichen Rand des Eberswalder Urstromtales, am Rand des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin und am nördlichen Rand des Oderbruchs. Durch die Stadt fließt die Alte Oder. Die Oder fließt in fünf Kilometer Entfernung vorbei und bildet die Grenze zu Polen. Wenige Kilometer nördlich von Oderberg beginnt der Nationalpark Unteres Odertal.

Die Stadt liegt im Dreieck der Städte Eberswalde, Bad Freienwalde und Angermünde. Im Südosten hat sie einen kleinen Anteil an der Insel Neuenhagen.

Stadtgliederung Oderberg hat laut Hauptsatzung keine Ortsteile. Wohnplätze der Stadt sind Alte Försterei, Breitefenn, Kolonie Teufelsberg, Maienpfuhl, Oderberg-Neuendorf und Steinlager.

Die früher selbstständige Gemeinde Neuendorf wurde 1961 in die Stadt Oderberg eingemeindet.

Geschichte Vorgeschichtliche Besiedlung Eine Besiedlung der Gegend um Oderberg ist bereits in der Mittelsteinzeit belegt. Auch aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit gibt es zahlreiche Funde. Zeugnisse dieser Epoche sind ein Steinkreis auf dem Jüdischen Friedhof sowie zahlreiche Funde auf dem Windmühlenfeld, der Hochfläche nordwestlich des Albrechtsberges. Im Museum der Stadt werden mehrere bronzene Tüllenbeile und vollständig erhaltene Gefäße der Gegend ausgestellt. Spuren aus der Eisenzeit, wie Keramik aus Siedlungen und Gräberfeldern weisen auf eine Besiedlung hin.

Aus der Mitte des 7. Jahrhunderts sind auf Fundplätzen Siedlungsaktivitäten slawischer Siedler nachgewiesen worden. Auf dem Albrechtsberg entstand möglicherweise bereits im 9. Jahrhundert eine befestigte Siedlung. Vom 10. bis zum 13. Jahrhundert existierte auf dem heutigen Albrechtsberg eine pommersch-slawische Fürstenburg. Zahlreiche archäologische Funde belegen deren Existenz. Gegenüber auf dem Festungswerder befand sich zur gleichen Zeit eine Niederungsburg, die vermutlich zur Überwachung des Oderstroms diente.

In der Nähe der späteren Siedlung Oderberg fand im Jahr 972 die Schlacht von Zehden zwischen Herzog Mieszko I. von Polen und dem von Kaiser Otto I. eingesetzten Markgrafen Hodo I. von der Mark Lausitz statt.

12. bis 16. Jahrhundert Die Archäologie konnte eine älterslawische Burganlage auf dem „Albrechtsberg“ und einen jüngerslawischen Burgwall unter der späteren Festung „Bärenkasten“ feststellen; das slawische Dorf hieß Barsdyn. Der askanische Markgraf Albrecht II. von Brandenburg, so berichtet die Märkische Fürstenchronik ohne Jahresangabe, errichtete die erste deutsche BurgDie Burg Oderberg war Teil des Standbilds für Albrecht II. in der ehemaligen Berliner Siegesallee, siehe Bild in der Denkmalgruppe 4. auf einer Anhöhe; die landesgeschichtliche Forschung geht von 1214 aus. Unterhalb der Burg entstanden am Ost- bzw. Südhang des Berges die ersten deutschen Ansiedlungen. Die erste urkundliche Erwähnung von Oderberg erfolgte im Jahr 1231, als Vogtei. Civitas (Stadt) wird Oderberg erstmals 1259 genannt. 1231 wurde in der slawischen Siedlung Barsdin eine Stiftung des Prämonstratenserordens ins Leben gerufen. Die Abtei erhielt den Namen Civitas Dei – Gottesstadt.Gottesstadt im Reiseführer des Prämonstratenser-Ordens Mutterkloster dieser Neugründung war das Prämonstratenserkloster zu Brandenburg an der Havel; sie war die letzte Gründung dieses Ordens in der Mark Brandenburg. Im Schutze der Burg und am Übergang über die Oder in die Neumark gelegen, entwickelte sich die Stadt sehr rasch. Die Stadt profitierte einerseits von der Via Imperii (Reichsstraße), die hier bis zur Umlegung 1316 durch Markgraf Waldemar verlief, andererseits von dem Oderstrom und dem Oderübergang. Oderberg erlebte im Mittelalter eine Blütezeit.

1308 wurde ein Kietz bei Oderberg erwähnt. Dabei handelt es sich um die Reste des Dorfes Barsdyn, das in der Urkunde von 1231 erwähnt wird. Am 5. April 1317 bestätigte Markgraf Waldemar der Stadt Oderberg seine Privilegien auf den Oderberger Hafen.

In der Schlacht von Oderberg im Jahre 1349 erlitt Ludwig der Römer eine Niederlage. Dabei wurde die Burg auf dem Albrechtsberg wahrscheinlich vollständig zerstört, da 1353 bis 1355 die Herren von Wedel und von Uchtenhagen aus dem Abbruchmaterial auf dem Festungswerder eine neue Burg (Festung Oderberg, den sogenannten Bärenkasten) erbauen ließen. Das bis 1372 in Oderberg ansässige Marienhospital übersiedelte auf Grund drohender Kriegswirren nach Chorin. Am 13. Dezember 1415 bestätigte Markgraf Friedrich I. von Brandenburg der Stadt die Niederlassungsgerechtigkeit, das bedeutete, dass alle Händler ihre Waren zum Verkauf anbieten mussten, bevor sie weiterreisen durften. Im Jahr 1430 kam Oderberg in den Besitz derer von Pfuel. Aus dem Jahr 1442 ist ein samstäglicher Wochenmarkt überliefert, 1532 fanden zwei und 1621 sogar vier Markttage in der Woche statt. 1543 sowie 1577 wurde eine Schule in der Stadt erwähnt.

17. bis 18. Jahrhundert Bis 1630 war der Dreißigjährige Krieg in der Gegend kaum spürbar, Oderberg wurde aber durch seine strategische Lage besetzt und die Festung „Bärenkasten“ von schwedischen Truppen belagert. Am 16. Juni 1631 zog Gustav Adolf aus Oderberg ab. Bei der erneuten Belagerung 1637 wurde fast die gesamte Stadt in Schutt und Asche gelegt. 1670 brannte die neu errichtete Stadt teilweise und im Jahre 1672, ausgelöst durch einen Backofenbrand, völlig ab. Das sogenannte Marowski-Haus ist das älteste Haus von Oderberg. Es wurde nach den verheerenden Stadtbränden vom Wassermüller Christian Otte im Jahre 1680 im Oberkietz erbaut. Es ist das älteste bekannte kleinstädtische Handwerkerhaus der Stadt Oderberg und das älteste Bürgerhaus der Kreise Barnim und Märkisch-Oderland.Peter Natuschke: Denkmalpflegerische Zielstellung für das Handwerkerhaus Oberkietz 28 in Oderberg. Bauforschung und Dokumentation. Güstebieser Loose o. J. (1993), S. 15. 1727 betrieb der Seilermeister Matthias Tennert eine Seilerei in der Angermünder Straße. Für das Jahr 1733 sind in Oderberg 20 Braustellen nachgewiesen, die vorrangig Bier brauten. 1736 wurde die etwa 100 Mann starke Besatzung der Festung abgezogen und die Geschütze nach Stettin gebracht. In dem strengen Winter 1740 erfroren fast alle Weinstöcke auf den Weinbergen der Stadt. Die Weinherstellung wurde daraufhin per Erlass eingestellt. 1789 wird berichtet, dass die zahlreichen Oderberger Töpfer im Grunewald bei Oderberg ihren Ton abbauen.

Kurbrandenburgische Festungskommandanten 1636 Hauptmann Baltasar Kunitz 1639(?) Hauptmann Friedrich August von Kötteritz 1665–1674 Oberstleutnant Wolf Friedrich von Bromsdorff 1677–1687 Oberstleutnant Hans Joachim von Hagen 1687–1698 Oberst Friedrich Wilhelm von der Marwitz

19. bis 21. Jahrhundert 1871 gab es in Oderberg 11 Sägewerke und 15 Schiffswerften, ab 1874 eine Oderberger Zeitung. Seit der Eröffnung der Bahnstrecke am 1. Januar 1877 hatte Oderberg auch eine Bahnverbindung und besaß drei Bahnhöfe Oderberg (Mark), Oderberg (Bralitz) und Saaten-Neuendorf. Hierzu wurde im Frühjahr 1875 durch die Firma Borsig die Eisenbahnbrücke über die Alte Oder gebaut. 1895 gab es Stärke-, Fass- und Kittfabriken. Daneben spielte die Fischerei, die seit dem Mittelalter überliefert ist, eine große wirtschaftliche Rolle. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Oderberger See eines der größten Holzlager Deutschlands; teilweise lagerten hier mehr als 500.000 Festmeter Holz.

Seit der deutschen Wiedervereinigung hat sich die Zahl der Einwohner stark reduziert. Weil die Stadt zahlungsunfähig wurde, verkaufte sie das Rathaus für einen symbolischen Preis. Es wechselte in der Folgezeit mehrfach den Eigentümer. U. a. wurde es 2017 für 45.000 Euro von einem Immobilienunternehmer ersteigert.

Verwaltungsgeschichte Oderberg gehörte seit 1817 zum Kreis Angermünde in der Provinz Brandenburg und ab 1952 zum Kreis Eberswalde im DDR-Bezirk Frankfurt (Oder). Seit 1993 liegt die Stadt im brandenburgischen Landkreis Barnim. Oderberg war von 1992 bis 2008 Sitz des zum 31. Dezember 2008 aufgelösten Amtes Oderberg.

Seit 1849 bestanden in Preußen Kreisgerichte. Das Kreisgericht Angermünde war dem Kammergericht nachgeordnet. In Oderberg war eine Zweigstelle (Gerichtskommission) eingerichtet. Im Rahmen der Reichsjustizgesetze wurden diese Gerichte 1879 aufgehoben. Stattdessen bestand von 1879 bis 1945 das Amtsgericht Oderberg.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 3.929 1890 4.233 1910 3.707 1925 3.178 1933 3.237 1939 3.559 Jahr Einwohner 1946 3.768 1950 4.200 1964 4.101 1971 3.977 1981 3.323 1985 3.147 Jahr Einwohner 1990 3.078 1995 2.884 2000 2.738 2005 2.491 2010 2.160 2015 2.199 Jahr Einwohner 2020 2.134 2021 2.117 2022 2.044 2023 2.003 2024 1.981 2025 1.948

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oberhavel (PDF) S. 14–17Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik Stadtverordnetenversammlung mini|Ehemaliges Rathaus von Oderberg Die Stadtverordnetenversammlung von Oderberg besteht aus 12 Stadtverordneten und der ehrenamtlichen Bürgermeisterin. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 58,6 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Bündnis für Oderberg (BFO) 51,3 % 7 66,2 % 8 SPD 31,3 % 4 17,3 % 2 CDU 13,2 % 1 13,8 % 2 Bündnis 90/Die Grünen – – 2,7 % – Einzelbewerber Ben Mix 4,2 % – – – Insgesamt 100 % 12 100 % 12

Bürgermeister 1998–2003: Brigitte Brandenburg (SPD). Der Landeswahlleiter, Land Brandenburg. 2003–2008: Klaus SchulenburgKommunalwahlen 26.10.2003. Bürgermeisterwahlen, S. 22 2008–2015: Roman Stähr (Bündnis für Oderberg)Kommunalwahlen im Land Brandenburg am 28.09.2008. Bürgermeisterwahlen, S. 8 seit 2015: Martina Hähnel (Bündnis für Oderberg) In: Märkische Onlinezeitung, 10. Juli 2015

Hähnel wurde in der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 mit 61,5 %Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 sowie am 9. Juni 2024 mit 70,2 % der gültigen Stimmen gewählt. Ihre Amtszeit beträgt fünf Jahre.Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1)

Wappen

Flagge „Die Flagge ist Rot - Weiß - Rot - Weiß - Rot (1:1:9:1:1) gestreift und mittig mit dem Stadtwappen belegt.“

Sehenswürdigkeiten und Kultur

Die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Kulturdenkmale Oderbergs sind in der Liste der Baudenkmale in Oderberg und der Liste der Bodendenkmale in Oderberg zusammengefasst. Nikolaikirche, neugotischer Backsteinbau, errichtet von 1853 bis 1855. Ruine der Festung Oderberg (der sogenannte Bärenkasten) Binnenschifffahrtsmuseum mit Freilichtausstellung und Elbe-Raddampfer Riesa Kriegerdenkmal auf dem Albrechtsberg Burgwall Albrechtsberg Marowski-Haus am Oberkietz (ältestes Haus der Stadt – Fachwerkbau) Fachwerkhäuser in der Berliner und Angermünder Straße Jüdischer Friedhof Gutshaus, Brennerei und Kirche Neuendorf

Kirchen Ehemalige Nikolaikirche