mini|Erstes Markenlogo der Zschopauer Motorenwerke J. S. Rasmussen von 1920 – nur im Schriftverkehr verwendet. Der Entwurf soll von Rasmussens Tochter Ilse stammen.
DKW (anfangs D.K.W.; ursprünglich die Abkürzung von „Dampfkraftwagen“) ist eine ehemalige deutsche Automobil-, Motorrad- und Kühlmaschinenmarke.
Die Geschichte der Marke ist eng mit der Unternehmensgeschichte der Zschopauer Maschinenfabrik J. S. Rasmussen (ab 1923 Zschopauer Motorenwerke J. S. Rasmussen) verknüpft, die sich das Warenzeichen zuerst schützen ließ. Ab 1932 lagen die Rechte bei der durch Fusion entstandenen Auto Union AG mit Sitz in Chemnitz. Nach Löschung der Auto Union AG aus dem Handelsregister 1948 beanspruchte die 1949 in Ingolstadt gegründete Auto Union GmbH die Markenrechte.
Geschichte Unternehmensgründung und erste Erzeugnisse Im Jahr 1902 ließ der Däne Jørgen Skafte Rasmussen zusammen mit seinem Kompagnon Carl Ernst die Firma Rasmussen & Ernst ins Handelsregister der Stadt Chemnitz eintragen, zuständig für den Vertrieb von Maschinen und Apparaten aller Art. 1906 kaufte Rasmussen in Zschopau eine ehemalige Tuchfabrik im Tal des Bachs Tischau und verlegte sein Unternehmen dorthin. In der Zschopauer Handelsregistereintragung vom 13. April 1907 war nur er als Inhaber eingetragen, obwohl auch Ernst noch bis 1912 im Unternehmensnamen (Firma) genannt war. Das Verkaufsbüro blieb in Chemnitz. Das Unternehmen wurde auf eine breite Produktpalette von Zubehör für Dampfmaschinen über Haushaltsgeräte bis zu Geräten für Elektrotherapie gestellt und hieß ab 1909 Rasmussen & Ernst, Zschopau-Chemnitz, Maschinen- und Armaturenfabrik, Apparatebau Anstalt. 1913 wurde eine juristische Trennung zwischen der Rasmussen und Ernst und dem mittlerweile (seit 1912) Zschopauer Maschinenfabrik J. S. Rasmussen genannten Fabrikationsbetrieb bewirkt.
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs kam der Betrieb fast völlig zum Erliegen, und Rasmussen bemühte sich um Militäraufträge. Mit der Fabrikation von Zündern konnte sich das Unternehmen dann sogar während dieser Zeit erweitern, sodass Rasmussen Ende 1915 rund 480 Arbeitskräfte beschäftigte.
In den Jahren 1916/17 begann Rasmussen zusammen mit seinem ehemaligen Studienkollegen Mathiesen die Entwicklung eines Dampfkraftwagens, finanziert durch die deutschen Militärbehörden. Nach dem Ersten Weltkrieg ließ das Interesse an dieser Technik jedoch stark nach, und so wurde das Projekt im Jahr 1921 eingestellt. Insgesamt entstanden zehn bis zwölf Dampfwagen als Personen- und Lastwagen. Das Einzige, was davon übrig blieb, waren die drei Buchstaben DKW für Dampfkraftwagen, die Rasmussen als Warenzeichen hatte schützen lassen.
Die im Jahr 1923 gegründete Zschopauer Motorenwerke J. S. Rasmussen AG setzte mit dem Werksbetrieb auch die Nutzung der Marke DKW fort.
Beginn der Motoren- und Motorradfertigung
mini|Spielzeugmotor „Des Knaben Wunsch!“, Baujahr 1919 mini|Das Reichsfahrtmodell war ab 1922 das erste Serienmotorrad von DKW. mini|DKW NZ 250, Baujahr 1939. Letztes Modell dieser Hubraumklasse von DKW aus Zschopau.
Ungefähr gleichzeitig mit Beginn der Dampfwagenentwicklung erwarb das Unternehmen die Rechte an einem Zweitakt-Spielzeugmotor von Hugo Ruppe aus Apolda, der als moderne Alternative zur Spielzeugdampfmaschine angeboten wurde.
Der Spielzeugmotor wurde im Jahr 1919 zum DKW-Fahrradhilfsmotor weiterentwickelt und als Verkaufsschlager bis 1923 über 30.000-mal hergestellt. Auf der Basis dieses Motors und unter Verwendung eines Slaby-Beringer-Elektrowagens baute Rasmussen 1920 das erste DKW-Automobil, das jedoch nicht über den Prototypenstatus hinauskam. Es gab allerdings Inserate, in denen das Wägelchen, das 250 kg wiegen, 60 km/h schnell und kurzfristig lieferbar sein sollte, als Der kleine Bergsteiger angekündigt wurde. Der Motor dieses ersten D.K.W. (in dem Inserat mit Punkten geschrieben) war auf dem Trittbrett montiert; Fahrer und Mitfahrer saßen hintereinander. Dieser Motor wurde auch als erster Stationärmotor von DKW angeboten.
Im Jahr 1921 nahm die Zschopauer Maschinenfabrik den Golem des Berliner Motorradherstellers Ernst Eichler in ihr Produktions- und Verkaufsprogramm auf, ein Zweirad mit kleinen Rädern und dem 1-PS-DKW-Motor, der liegend im Rahmen eingebaut war. Die Fahreigenschaften waren jedoch unbefriedigend, sodass Eichler schon ein Jahr später das sogenannte Sesselmotorrad Lomos, einen Vorläufer des Motorrollers, herausbrachte. Dieses Zweirad hatte im Gegensatz zu den meisten Motorrädern seiner Zeit eine Hinterradfederung (Schwinge mit Federbein).
Ab 1922 wurden in Zschopau Motorräder hergestellt, und als engster Mitarbeiter des Unternehmensgründers übernahm Carl Hahn die Verkaufsleitung. Am Anfang der Entwicklung unter dem Chefkonstrukteur Hermann Weber stand das DKW Reichsfahrtmodell mit gebläsegekühltem 142-cm³-Motor und einer Leistung von 1,5 PS. Das erfolgreichste Modell der ersten Jahre war die DKW E 206 mit 206-cm³-Einzylindermotor, die für 750 Reichsmark angeboten wurde und damit preiswerter als vergleichbare Typen war. Da ab 1928 alle Motorräder bis 200 cm³ steuerfrei und ohne Führerschein gefahren werden durften, entstand aus der E 206 die E 200. In jenem Jahr war die Zschopauer Motorenwerke J. S. Rasmussen AG mit 65.000 Motorrädern der Marke DKW der größte Motorradhersteller der Welt.
Die Modellpalette von DKW war vielfältig und reichte Ende der 1920er-Jahre bis zu einer wassergekühlten 600-cm³-Zweizylinder-Maschine (DKW Supersport 600). Meistverkauftes Vorkriegsmodell war die RT 100 von 1934, die bis 1940 rund 72.000-mal gebaut wurde.
Ab 1932 führte DKW die neuartige Schnürle-Umkehrspülung ein, eine Technik zur Verringerung des hohen Kraftstoffverbrauchs von Zweitaktmotoren. Der Verbrauch sank um etwa 40 Prozent gegenüber herkömmlichen Konstruktionen und rückte in den Bereich der damaligen Viertaktmotoren. Bei DKW hatte man frühzeitig die Vorzüge und die Bedeutung dieser Technik erkannt und die alleinigen Rechte für die Nutzung bei Ottomotoren erworben. So konnte DKW mit üppigem Gewinn Lizenzen an andere Hersteller vergeben.
Das bekannteste DKW-Motorrad ist die DKW RT 125, die im Jahr 1939 in Serie ging und wegen ihrer Wendigkeit bald schon bei der Wehrmacht zum Einsatz kam. Nach dem Krieg wurde sie sowohl vom Industrieverband Fahrzeugbau (IFA) in Ostdeutschland als auch von der neu gegründeten Auto Union GmbH in Westdeutschland mit jeweils geringfügigen Verbesserungen weitergebaut. Vor allem aber ist die RT 125 das wahrscheinlich meistkopierte Motorrad der Welt.
Neuartige Werbemethoden, Einführung der Ratenzahlung mini|DKW Werbemobil (1926) Unter dem Chefkonstrukteur Hermann Weber leisteten Zschopauer Techniker umfangreiche Forschungs- und Entwicklungsarbeit, um den einfach und kostengünstig herzustellenden Zweitaktmotor stetig zu verbessern. Verkaufsleiter Carl Hahn stellte die Einfachheit des Zweitaktmotors als Produktphilosophie in den Vordergrund und warb entsprechend dafür. Er ließ ein starkes Händlernetz ausbauen, initiierte Händlerrundschreiben mit Empfehlungen zur Förderung des Verkaufs, ließ Händlerkongresse organisieren und sorgte für eine systematische Weiterbildung der Werkstättenbetreiber. Die erfolgreichste Maßnahme zur Absatzförderung war ab 1924 das Angebot, ein neu erworbenes Motorrad auf Raten zu bezahlen. Diese Form der Bezahlung spielte bis dahin bei deutschen Herstellern keine Rolle. Hahn selbst sagte dazu:
Ein Hauptaugenmerk Hahns lag auf der Werbung in ländlichen Gebieten. Er zielte als Erster in eine Marktlücke dieser Zeit: Je länger die zu bewältigenden Wege waren, das heißt, je dünner besiedelt und je ärmer ein Gebiet an anderen Verkehrsmitteln war, desto größer war der Bedarf an erschwinglichen Krafträdern, um mobil zu sein. Dafür ließ er sogenannte Werbemobile bauen. Das waren Lastwagen mit einem Aufbau als Verkaufspavillon. Der hintere Teil des Aufbaus war als Ausstellungsraum mit großen Schaufenstern ausgebildet, im vorderen Teil war ein kleines Büro untergebracht, in dem Kaufverträge geschlossen werden konnten.
Markenrechtsstreit mit der Deutschen Kabelwerke AG Die im Jahr 1896 in Berlin gegründete Deutsche Kabelwerke AG nutzte für ihre Produkte bereits vor dem Ersten Weltkrieg das Kürzel DeKaWe. Aufgrund der Ähnlichkeit zu DKW erwirkten die Berliner eine einstweilige Verfügung auf Unterlassung gegen die Zschopauer Motorenwerke AG. Nachdem sie vor Gericht in erster Instanz unterlegen waren, erhielten sie im Jahr 1923 im Berufungsverfahren Recht. In Zschopau änderte man kurzerhand das Kürzel in DGW, mit der Interpretation „Das große Wunder“. Die Verhandlungen über die weitere Nutzung von DKW zogen sich bis 1927 hin. Letztlich einigte man sich darauf, dass in Zschopau wieder das Kürzel DKW verwendet werden durfte. Im Gegenzug kauften die Zschopauer Motorenwerke die von den Kabelwerken produzierten Motorradreifen, die unter der Marke Deka vertrieben wurden.
DKW Kühlung Rasmussen trieb Mitte der 1920er-Jahre die Expansion seines Unternehmens voran und ließ ab 1927/28 im nahe Zschopau gelegenen Scharfenstein – wo er Produktionshallen der insolventen Chemnitzer Moll-Werke AG übernommen hatte – Kühlgeräte (Das Kühl Wunder) herstellen. Die Marke und der eingeführte Begriff der DKW Kühlung wurden dafür weiter genutzt, nachdem für diese Sparte 1931 das von der Auto Union AG unabhängige Unternehmen Deutsche Kühl- und Kraftmaschinen GmbH (DKK) gegründet wurde.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde am Standort der Kühlschrankhersteller VEB dkk Scharfenstein mit der Marke Foron aufgebaut.
Automobilbau bei DKW vor dem Zweiten Weltkrieg mini|DKW F 1 im museum mobile in Ingolstadt
Im Jahr 1925 übernahm Rasmussen Reste aus dem Konkurs der Slaby-Beringer-Automobilgesellschaft m.b.H. und die Zschopauer Motorenwerke J. S. Rasmussen AG begann mit der Entwicklung und Produktion einer Droschke und eines Lieferwagens mit Elektroantrieb, die unter der Marke D.E.W. (Der elektrische Wagen) vermarktet wurden. Im Jahr 1927 begann dann die Entwicklung des DKW Typ P, eines Automobils, das von einem aus dem Motorradbau stammenden Zweizylindermotor angetrieben werden sollte. DKW baute zunächst Wagen mit Hinterradantrieb, unter anderem mit Vierzylindermotoren, die über zwei zusätzliche Zylinder als Ladepumpen verfügten, angefangen vom Modell 4=8 (1929). Die Vierzylindermodelle entpuppten sich jedoch als störanfällig und führten zu hohen Gewährleistungskosten.
1928 kaufte Rasmussen die Audiwerke AG Zwickau. Wichtigster Finanzier war die Sächsische Staatsbank; 1929 hielt sie 25 % der Aktien an Rasmussens zwischenzeitlich zum Konzern angewachsenen Unternehmen.
Zu Beginn der 1930er Jahre wurde mit dem Kleinwagen DKW F 1 und allen weiteren „Frontwagen“ (geschützter Begriff) in der Geschichte des Automobils eine neue Technik im Serienfahrzeugbau eingeführt, denn der Frontantrieb verbesserte nicht bloß das Fahrverhalten im Vergleich zu den Wagen mit Standardantrieb (Motor vorn, Antrieb hinten), sondern verringerte auch das Gewicht. Im Jahr 1931 kostete der erste DKW Front (F 1) 1685 Reichsmark.
Die bis 1940 gebauten DKW-Wagen mit Hinterradantrieb kamen aus dem DKW-Werk Berlin-Spandau, die Fronttriebler wurden in Zwickau im zur Auto Union AG gehörenden Werk Audi hergestellt.
In den 1930er Jahren wurden in Deutschland häufig DKW-Motoren in Tragkraftspritzen der Feuerwehren eingebaut.
1932 – Fusion zur Auto Union AG
Die zu Rasmussens Konzern gehörenden Werke gerieten mit der Tochtergesellschaft Audiwerke im Zuge der Weltwirtschaftskrise in eine angespannte Finanzlage, sodass Richard Bruhn, Vertrauensmann der Staatsbank, und Rasmussen den Plan entwickelten, die beiden von Insolvenz bedrohten Unternehmen mit der Horchwerke AG zu vereinigen.