Die Badener Kultur war eine archäologische Kultur der Kupfersteinzeit im Mittel-Donauraum, die nach Funden aus Baden bei Wien benannt ist. Ältere Namen waren Kultur mit kannelierter Keramik, Bandhenkelkultur, Ossarner Kultur,Josef Bayer: Die Ossarner Kultur eine äneolithische Mischkultur im östlichen Mitteleuropa. In: Eiszeit und Urgeschichte. Band 5, Nummer 2, 1928, , S. 60–91. in Ungarn Péceler Kultur oder Baden-Pécel. In Polen wird sie auch als Promienista-Kultur bezeichnet. Ihr Kerngebiet lag in Ostösterreich und Ungarn, mit weiteren Fundplätzen in Polen, Serbien, der Slowakei, Tschechien, der Schweiz und Deutschland. Insbesondere die Boleráz-Stufe der frühen Badener Kultur hat im Bereich anderer Kulturen Spuren hinterlassen. Radiokohlenstoffdaten dieser Kultur liegen im Zeitraum zwischen etwa 3500 und 2700 v. Chr.

Forschungsgeschichte Die Anfänge der Badener Kultur gründen auf archäologischen Funden aus der Königshöhle nahe der Burgruine Rauheneck bei Baden. Oswald Menghin und Josef Bayer betitelten in den 1920er Jahren das untersuchte Fundmaterial. Eine erste geschlossene Abhandlung zur Badener Kultur wurde jedoch erst 1956 durch János Banner vorgelegt. In folgender Zeit erschienen vorrangig auf die einzelnen Länder bezogene Publikationen. So nahm sich Richard Pittioni der österreichischen Funde an. Im Zuge seiner Untersuchungen lieferte er einen ersten Vorschlag zu einer Periodisierung. Den neueren Fundstellen Österreichs widmete sich einige Zeit später Elisabeth Ruttkay. Im damaligen Jugoslawien verdankt die Forschung Nikola Tasić und Stojan Dimitrijević erste Erkenntnisse zur Badener Kultur. Sie betrieben in den Jahren 1959 bis 1983 Untersuchungen archäologisch relevanter Fundstellen und brachten in dieser Zeit eine Übersicht zum aktuellen Forschungsstand, als auch einen Gliederungsvorschlag für das jugoslawische Gebiet. Ungarn wurde hier u. a. durch Sándor Soproni vertreten. Er legte innerhalb von neun Jahren (1951–1962) einen der wohl bekanntesten Fundplätze der Badener Kultur im Gebiet der Budakalász-Luppa csárda frei. In Böhmen publizierte 1973 Emilie Pleslová-Štiková seine Ergebnisse. Dem folgte noch im selben Jahr die Ergänzung des mährischen Verbreitungsgebietes durch Jiri Pavelćik. Nur kurze Zeit später (1978) flossen dann letztendlich, mit den Publikationen von Petre I. Roman und Ioan Németi, auch die rumänischen Erkenntnisse in Forschung der Badener Kultur mit ein. Wichtig an dieser Stelle zu nennen sind die für die innere Gliederung relevanten Arbeiten Evžen Neustupnýs von 1959 und 1973. Die neuere Literatur befasst sich weitestgehend mit einzelnen kleineren Regionen und Fundplätzen.

Im Verlauf dieser z. T. gesplitteten Untersuchungen entwickelten sich unterschiedliche Bezeichnungen. So liegt dem deutschsprachigen Raum, Jugoslawien und Rumänien der Name der Badener Kultur zugrunde, in Ungarn jedoch bezeichnet man sie als Péceler Kultur. In Tschechien und der Slowakei trägt sie den Namen Kultur mit kannelierter Keramik, in Polen hingegen Kultur mit radialverzierter Keramik.

Verbreitung mini|300px|rechts|Ausdehnung der Kulturen 3200–2300 v. Chr. Mit den Schnurkeramikern, der Jamnaja-Kultur, Kugelamphoren-Kultur und Badener Kultur Die Kernregion der Badener Kultur liegt im ungarischen Karpatenbecken und dem Osten Österreichs, mit Ausläufern bis Westböhmen und Teilen Bayerns. Ihre Einflüsse erstrecken sich jedoch weit darüber hinaus. Östlich schließt sich die Lažňany-Hunyadihalom-Kultur bis Westrumänien an, nördlich bis Mähren und Schlesien. Importe der Badener Kultur gibt es in der nordischen Trichterbecherkultur. Neben dem Unterlauf der Donau häufen sich Funde in Mittelserbien und westwärts der Save, möglicherweise bis Bulgarien und Nordgriechenland.

Fundplätze der Badener Kultur:

Niederösterreich: Jennyberg bei Mödling Burgenland: Zillingtal Vorarlberg Slowakei: Bratislava-Zentrum, Bratislava-Devín, Nitriansky Hrádok Tschechien: Hlinsko Bronocice, nördliche Beskiden im südlichen Polen (frühe und mittlere Badener Kultur) Foeni-Gaz, westliches Rumänien (späte Badener Kultur) Ungarn: Fertőrákos, Sopronkőhida, Szigetszentmárton, Budakalász – Luppa csárda, Balatonboglar, Pilsimarot-Basaharc, Hódmezővásárhely-Kotacpart als Importe am Bodensee in der Schweiz: Arbon Bleiche III (ältere Badener Kultur = Boleráz-Stufe) im Übergangshorizont zwischen Horgener Kultur und Pfyner Kultur Deutschland: Landkreis Deggendorf, Bad Buchau, (Baden-Württemberg) Aiterhofen (Landkreis Straubing-Bogen): Kirchfeld BA I, Fundkontext zusammen mit Lanzettaxt vom Typ „Halfing-Linz“.

Radiokarbon-Datierungen – (cal. v. Chr., 1σ)

3519–3373: früheste Boleraz 3325–3027: Boleraz 3016–2900: frühes klassisches Baden (Stufen IIB – III) 2892–2687: jüngeres klassisches BadenTünde Horváth, S. Éva Svingor, Mihály Molnár: New Radiocarbon Dates for the Baden Culture. In: Radiocarbon. Band 50, Nummer 3, 2008, S. 447–458, .

Keramik mini|240px|Anthropomorphe Keramik. Badener Kultur, ca. 3500–2800 v. Chr. aus Ráckeve (Ungarn). Museum für Vor- und Frühgeschichte (Berlin) Die Badener Kultur lässt sich anhand keramischer Untersuchungen in vier Phasen unterteilen, welche ebenfalls innerhalb der jeweiligen Stufen unterschiedliche Ausprägungen aufweisen. Dabei verlaufen nicht selten zwei Phasen nebeneinander. Wie auch in anderen Kulturgruppen, übernehmen viele der Stufen zudem Elemente der Vorangehenden.

Stufe I. (Boleráz-Gruppe) In der Stufe Ia bestehen sowohl dickwandige, als auch dünnwandige Keramiktypen. Letztere weisen zudem eine besonders qualitätsvolle, graubraune bis dunkelgraue Oberfläche auf, die in der Regel poliert und geglättet ist. Wir finden unverzierte Tassen. Dünne Bandhenkel stehen den relativ großen Ausmaßen gegenüber. In dieser Größenform sind die späteren Tassen nicht mehr anzutreffen. Ebenfalls mit Bandhenkeln waren die Krüge der Stufe Ia versehen. Neben diesen traten subkutane Henkel und eine flache Kannelur zutage, welche sich in die Unverziertheit der Krüge integrierten. Charakteristisch sind zudem Schüsseln mit einer trichterartigen Mündung. Seltener hingegen eingezogene und nach außen verstärkte Ränder. In den Fundkomplexen fanden sich auch amphorenförmige Gefäße. Auffälligstes Merkmal sind hier die dekorativen plastischen Tupfleisten. Das, für die Boleráz-Gruppe typische, geritzte Tannenzweigornament tritt erstmals unter den schwach profilierten topf- und beutelförmigen keramischen Gefäßen dieses Horizontes auf (wenn auch nur selten).

Die Funde der Stufe Ia stammen anfangs vorrangig aus dem westlichen Karpatenbecken. Später entdeckte man zugehörige Keramik auch in den Gebieten nördlich und südlich der Theiß.

In der darauf folgenden Phase Ib werden die Siedlungsfunde zahlreicher. Dementsprechend auch die keramischen. Auffällig sind die verkleinerten Tassen, Ihr Hals ist niedriger und nun zylindrisch einschwingend. Neu ist die größtenteils senkrechte Kannelierung des unteren Teils. In ihren Ausmaßen schrumpfen auch die Krüge. Der Hals verjüngt sich zu einem Rand, an welchen nun neben dem Bandhenkel drei subkutane Henkel treten. Vereinzelt findet man auch schlaufenartige und ausgekehlte Henkel vor. Die Krüge sind meist unverziert oder weisen eine senkrechte Kannelierung bzw. das, der Badener Kultur typische Wolfszahnmuster auf. Die sich fortsetzenden Trichterrandschüsseln, werden erstmals auf ihrer Innenseite verziert. Die übrigen Schüsseln besitzen mittlerweile einen verstärkt eingezogenen Rand. Auf den amphoren- und topfartigen Keramiken befinden sich nun immer häufiger eine oder mehrere plastische Tupfleisten, während auf der Oberfläche zunehmend die typischen Tannenzweigritzungen mit flachen Warzenbuckeln angebracht sind.

Die Fundkomplexe der Stufe Ib verteilen sich im ganzen Verbreitungsgebiet der Badener Kultur.

Die erste Stufe endet mit der Phase Ic. Gleichzeitig läuft sie noch eine Zeit lang mit der Stufe IIa parallel, bis sie schließlich in ihr aufgeht. Allgemein ist eine Zunahme geritzter und plastischer Dekorationselemente auf der dickwandigen Keramik zu verzeichnen. An Krügen und Tassen treten nun unverzierte, quergerillte, zudem auch gezackte Schlaufenhenkel auf, welche leicht überständig positioniert sind. Bei den Krügen finden wir neben verschiedenen Kannelierungen, auch plastische Verzierungen. Diese äußern sich in senkrecht angeordneten Rippen. Vereinzelt ist dies auch auf amphorenartigen Gefäßen im Bereich ihrer Bauchung zu beobachten. Die, für die Phase IIa typischen waagerecht angebrachten Tannenzweigmotive auf der Außenseite von Trichterrand- und anderen Schüsseln, ist erstmals in der Phase Ic festzustellen.

Stufe II.

Die zweite Phase der Badener Kultur (die Ossarn-Phase) schließt an die vorangehende an. Zum Teil findet hier eine Fortführung der Elemente der Boleráz-Gruppe statt. Diese wird zum Beispiel an den Innenverzierungen der Trichterrandschüsseln, aber auch an dem typischen geritzten Tannenzweigmotiv deutlich. Letzteres verwendet man bis in die Stufe III der Badener Kultur.

Dickwandig setzt sich die Keramik in Phase IIa fort. Auf den Krügen herrscht nun eine veränderte Profilierung vor. Sie sind an sich mit einem höheren und zylindrisch einschwingendem Hals gearbeitet. Ihre Schultern treten stärker hervor. Erstmals kennzeichnende quer oder schräg gestellte Rillen (u. a. auch gezackt) zieren die Schlaufenhenkel. Hier findet sich eine Eigenheit, welche auch auf einigen Tassen auffällt. Häufig sind diese nämlich mit einem Buckel unterhalb des Mündungsrandes versehen. Kleinere, halbkugelförmige Schüsseln stellen sich in die Nachfolge der Boleráz-Gruppe. Auch sie weisen eine Innenverzierung auf. Die Trichterrandschüsseln der Stufe IIa hingegen stellen sich in größeren Ausmaßen dar. Die typischen Tannenzweigritzungen zieren ihre Außenseite. Im Innern finden sich etwaige Kannelierungen an den Rändern und Wänden sowie konzentrische Kreise bzw. dicht eingerollte Spiralen auf dem Boden. Neben mehreren plastischen Leisten unterhalb des Randes, trifft man auch hier auf das geritzte Tannenzweigmotiv. Die verbleibenden gestreckten, amphorenförmigen Gefäße wurden häufig mit Dreiergruppen aus senkrechten plastischen Rippen auf den Schulterzonen gearbeitet. In den Zwischenräumen entdeckt man verzierte und unverzierte Flächenritzungen.

Obwohl sich die Anzahl der Siedlungen reduziert, findet sich eine Streuung im gesamten Karpatenbeckengebiet.

Die Phase IIb ist durch eine neue Formen- und Verzierungslehre geprägt. Sie löst sich von den traditionellen Erscheinungen der Boleráz-Gruppe aus der ersten Stufe. Die Krüge sind erstmals in ihrer Bauchung niedrig und weisen eine gedrückte Gestalt auf. Dies ist ein Trend, der sich in der Baden III noch häufiger finden lässt. Größtenteils unverändert blieben die verzierten und unverzierten Schlaufenhenkel der Tassen und Krüge. Immer noch mit einem Buckel versehen, treten nun aber auch schmale Bandhenkel auf der Oberseite in den Vordergrund. Die Verzierungen auf den Innen- und Außenflächen jedweder Schüsseln werden seltener. Auf topfförmigen Gefäßen werden die plastische Randleisten durch zwei, vereinzelt auch durch mehrere Stichreihen abgelöst und ersetzt. Mit Hilfe rauer und gegenständiger Buckel und Wülste sind diese voneinander abgeteilt. Nach und nach setzen sich Netzmusterritzungen durch, die für diese Phase typisch werden. Neben diesem tauchen erste Hängegefäße mit flachem Standring auf.

Stufe III.

In der dritten Phase der Badener Kultur spaltet sich der gesamtkeramische Charakter auf einzelne Regionen auf. Die transdanubischen und westslowakischen Gebiete werden dabei durch den Nevidzany-Typ vertreten. Weiter finden sich im Theiß-Umland und in der Ostslowakei ein Typ, der sich nach dem Fundplatz Viss auszeichnet. Neben Nordjugoslawien stellen Nordungarn, die Mittelslowakei und Südpolen die letzte Keramikregion dar (Typ Ózd).